Das Oberlandesgericht Stettin war von 1808 bis 1849 ein preußisches Oberlandesgericht mit Sitz in Stettin.

Geschichte 1739 wurde das Hofgericht Stargard nach Stettin verlegt. Das Hofgericht Stettin wurde 1747 mit der Regierung Stettin verbunden und diente bis 1808 als Gericht zweiter Instanz. Die Gerichte im Königreich Preußen hatten im HRR historisch gewachsene Aufgaben, Zuschnitte und Bezeichnungen. Im Rahmen der Preußischen Reformen versuchte man, eine einheitliche Systematik einzurichten und begann damit bei den Mittelgerichten. Die Verordnung wegen verbesserter Einrichtung der Provinzial-Polizei- u. Finanz-Behörden vom 26. Dezember 1808PrGS 1808 S. 464 (§ 53) bestimmte, dass die unter verschiedenen Bezeichnungen wie Oberamtsregierung oder Hofgericht firmierenden obersten Gerichte jedes Landesteils künftig Ober-Landesgericht heißen sollten.

Nach der Restrukturierung des Staatsterritoriums 1815 sollte jeder Regierungsbezirk zugleich das Departement (= Zuständigkeitsbereich) eines Oberlandesgerichts bilden.Verordnung wegen verbesserter Einrichtung der Provinzialbehörden vom 30. April 1815 (PrGS S. 85, 98) Entsprechend war das Oberlandesgericht Stettin (mit kleineren Abweichungen) für den Regierungsbezirk Stettin zuständig.

Nach der Märzrevolution wurden die Patrimonialgerichte abgeschafft und die Oberlandesgerichte durch Appellationsgerichte ersetzt. In Stettin entstand 1849 so das Appellationsgericht Stettin.

Untergerichte Dem Oberlandesgericht Stettin waren folgende Gerichte nachgeordnet:

Art Gericht Sitz Anmerkungen Staatliche Gerichte 1. Klasse Stadtgericht Anclam Anklam Staatliche Gerichte 1. Klasse Stadtgericht Demmin Demmin später umgewandelt in das Land- und Stadtgericht Treptow an der DemminJustiz-Ministerialblatt für die preußische Gesetzgebung und Rechtspflege, Band 10, 1848, S. 64, Digitalisat. Staatliche Gerichte 1. Klasse Stadtgericht Pasewalk Pasewalk Staatliche Gerichte 1. Klasse Stadtgericht Stargard Stargard später umgewandelt in das Land- und Stadtgericht Stargard Staatliche Gerichte 1. Klasse Stadtgericht Stettin und Poelitz Stettin später umgewandelt in das Land- und Stadtgericht Poelitz und das Land- und Stadtgericht Stettin, 1848 wurde das Land- und Stadtgericht Poelitz in eine Gerichtskommission des Land- und Stadtgerichts Stettin umgewandelt Staatliche Gerichte 2. Klasse Stadtgericht Bahn Bahn Staatliche Gerichte 2. Klasse Stadtgericht Cammin Cammin Staatliche Gerichte 2. Klasse Stadtgericht Damm Damm später umgewandelt in das Land- und Stadtgericht Damm, 1848 in eine Gerichtskommission des Land- und Stadtgerichts Stettin umgewandelt Staatliche Gerichte 2. Klasse Stadtgericht Fiddichow Fiddichow Staatliche Gerichte 2. Klasse Stadtgericht Freyenwalde, Massow und Daber Freyenwalde Staatliche Gerichte 2. Klasse Stadtgericht Gartz Gartz später umgewandelt in das Land- und Stadtgericht Gartz, 1848 in eine Gerichtskommission des Land- und Stadtgerichts Stettin umgewandelt Staatliche Gerichte 2. Klasse Stadtgericht Gollnow Gollnow Staatliche Gerichte 2. Klasse Stadtgericht Greiffenberg Greifenberg später umgewandelt in das Land- und Stadtgericht Greifenberg, 1848 in eine Gerichtskommission des Land- und Stadtgerichts Treptow an der Rega umgewandelt Staatliche Gerichte 2. Klasse Stadtgericht Greiffenhagen Greiffenhagen Staatliche Gerichte 2. Klasse Stadtgericht Labes und Wangerin Labes Staatliche Gerichte 2. Klasse Stadtgericht Neuwarp Neuwarp später umgewandelt in das Land- und Stadtgericht Neuwarp, 1848 in eine Gerichtskommission des Land- und Stadtgerichts Ueckermünde umgewandelt Staatliche Gerichte 2. Klasse Stadtgericht Pencun Penkun 1848 in eine Gerichtskommission des Land- und Stadtgerichts Stettin umgewandelt Staatliche Gerichte 2. Klasse Stadtgericht Plathe und Regenwalde Plathe Staatliche Gerichte 2. Klasse Stadtgericht Treptow an der Rega Treptow an der Rega später umgewandelt in das Land- und Stadtgericht Treptow an der Rega Staatliche Gerichte 2. Klasse Stadtgericht Treptow an der Tollense Treptow an der Tollense später umgewandelt in das Land- und Stadtgericht Treptow an der Tollense, 1848 in eine Gerichtskommission des Land- und Stadtgerichts Demmin umgewandelt Staatliche Gerichte 2. Klasse Stadtgericht Ueckermünde Ueckermünde später umgewandelt in das Land- und Stadtgericht Ueckermünde Staatliche Gerichte 2. Klasse Stadtgericht Usedom Usedom später umgewandelt in das Land- und Stadtgericht Usedom, 1848 in eine Gerichtskommission des Land- und Stadtgerichts Swinemünde umgewandelt Staatliche Gerichte 2. Klasse Land- und Stadtgericht Naugardt Naugard Staatliche Gerichte 2. Klasse Land- und Stadtgericht Pyritz Pyritz 1848 in eine Gerichtskommission des Land- und Stadtgericht Stargard umgewandelt Staatliche Gerichte 2. Klasse Land- und Stadtgericht Wollin Wollin Justizämter Justizamt Clempenow, Spanteckow und Stolpe Clempenow, Spanteckow Justizämter Justizamt Colbatz und Friedrichswalde Colbatz 1848 in eine Gerichtskommission des Land- und Stadtgerichts Stargard umgewandelt Justizämter Justizamt Jacobshagen, Dölitz, Saatzig und Marienfließ Jacobshagen Justizämter Justizamt Naugardt Naugardt Justizämter Justizamt Pudagla Pudagla Justizämter Justizamt Stepenitz und Wollin Stepenitz Justizämter Justizamt Stettin und Jasenitz Stettin Justizämter Justizamt Treptow an der Rega und Gültzow Treptow an der Rega Justizämter Justizamt Ueckermünde und Königsholland und das damit verbundene Gericht des Eisenhüttenwerks zu Torgelow Ueckermünde Justizämter Justizamt Verchen, Treptow, Lindenberg und Loitz Verchen Patrimonialgerichte Marienstifts-Gericht Stettin Stettin Patrimonialgerichte Patrimonialgericht Spantekow Spantekow Patrimonialgerichte Dom-Gericht Camin Camin Patrimonialgerichte Hofgericht Nörenberg Nörenberg Handbuch über den Königlich Preußischen Hof und Staat für das Jahr 1824, S. 342 f. Digitalisat Einzeln aufgeführt sind nur die größten die Patrimonialgerichte. Insgesamt bestanden 447 Patrimonialgerichte.

Organisation Am Gericht waren im Jahr 1837 folgendes Personal beschäftigt: 2 Präsidenten 13 Räte 3 Assessoren 37 Subalterne 12 Unterbeamte

Bei allen Gerichten im Oberlandesbezirk zusammen waren 483 Justizbeamte beschäftigt.

Richter Carl Wilhelm Bötticher (Präsident 1830–1842) Franz August Eichmann (Assessor 1819–1822) Gottfried Gustav von Möller (Vizepräsident 1844–1850)

Literatur W. F. C. Starke: Beiträge zur Kenntniß der bestehenden Gerichtsverfassung und der neusten Resultate der Justizverwaltung in dem Preussischen Staate, Justiz-Verwaltungs-Statistik des Preussischen Staats, Bd. 2, 1839, S. 218 f., Digitalisat.

Einzelnachweise

Stettin Kategorie:Historische Organisation (Stettin) Kategorie:Gericht (Provinz Pommern) Kategorie:Gerichtsgründung 1808 Kategorie:Aufgelöst 1849