mini|Schlagbrett lokulaud mit zwei Holzhämmern in Estland. Foto von Ferdinand Linnus, 1940 Klabeklis (), auch klabatė, klabata(s), klabis, klabẽklis, klabina, klabanas, klabačas, klabūris,Valdis Muktupāvels: Klabata. In: Visuotinė lietuvių enciklopedija bezeichnet mehrere hölzerne Aufschlag- und Gegenschlagidiophone in Lettland: eine historische Kuhglocke mit einem oder mehreren Klöppeln im Innern, die Weidetieren umgehängt wurde, um sie im Wald aufzuspüren eine zum selben Zweck früher Weidetieren umgehängte Brettklapper, bestehend aus einem Brett, gegen das mehrere Holzklöppel schlagen ein Glockenspiel aus mehreren klöppellosen Holzglocken (koka zvani), die im 19. Jahrhundert als Melodie- und Rhythmusinstrument in der Volksmusik eingesetzt wurden, bis heute in Litauen als skrabalai bekannt, ein früher in Hausnähe im Dorf aufgehängtes Schlagbrett, um Hirten auf der Weide zu benachrichtigen und vor Gefahren zu warnen, in Estland lokulaud genannt, eine um den Hals gehängtes Brett (Brettklapper), das Hirten oder Teilnehmer einer Prozession früher mit zwei Stöcken schlugen ein früher als Signalinstrument mit einem magischen Aspekt von Hirten, als Rhythmusinstrument bei Prozessionen und zur Begleitung von Volkstänzen gebrauchtes und bis heute bekanntes Klapperbrett, bei dem in einer Pendelbewegung ein Holzhammer vor und zurück gegen eine Platte schlägt und eine bis heute verwendete Plattenklapper.
Die entwicklungsgeschichtlich auf das Schlagbrett zurückzuführenden hölzernen Schlaginstrumente gehören zu einer im Baltikum und in Nordwestrussland verbreiteten alten Tradition der Bauern, Viehhirten und der römisch-katholischen Kirche. In Litauen heißen diese hölzernen Klangerzeuger . Mit weiteren Namen in den baltischen Sprachen waren zahlreiche Formvarianten in der Region Teil des bis auf vorchristliche Traditionen zurückgehenden Brauchtums.
Herkunft und Verbreitung Holzglocken mit Klöppeln mini|Sanduhrförmige Holzglocke mit zwei Klöppeln auf einer Seite. Kongo, vor 1922 Eine Glocke ist ein Gefäß aus einem beliebigen Material, das an seinem klingenden, das heißt schwingenden Rand angeschlagen und am nicht schwingenden Scheitel fixiert wird. Curt Sachs (1928) geht in seinem entwicklungsgeschichtlichen Schichtenmodell von einer primären Verwendung von Glocken in kultischen Zusammenhängen aus: als Fruchtbarkeitssymbol und magisches Abwehrmittel. Demnach wurden Glocken ursprünglich zuerst Opfertieren umgehängt und erst später erhielten sie am Hals von Weidetieren oder als Ersatz für Schlagbretter eine Signalfunktion. Ebenso sollten Glocken an Eingangstüren zunächst Unheil abwehren, bevor sie zur Ankündigung eines Besuchers angebracht wurden.Curt Sachs: Geist und Werden der Musikinstrumente. (Berlin 1928) Nachdruck: Frits A. M. Knuf, Hilversum 1965, S. 101–103 Wegen dieser apotropäischen Funktion hängte man etwa im antiken Griechenland Tieren, vor allem Pferden im Kriegseinsatz, Glöckchen um den Hals.Max Wegner: Musikgeschichte in Bildern. Band 2: Musik des Altertums. Lieferung 4: Griechenland. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1963, S. 60 Einfachste Glocken und ebenso verwendete Gefäßrasseln in Afrika und Asien bestanden aus natürlich geformten Materialien (Fruchtschalen, Kokosnussschalen, Muscheln).
Holzglocken sind oder waren außer im Baltikum weltweit nur in einigen Regionen verbreitet, darunter im Kongo, in Südostasien und in geringerer Zahl im präkolumbischen Amerika (Altperu).Curt Sachs: Geist und Werden der Musikinstrumente. (Berlin 1928) Nachdruck: Frits A. M. Knuf, Hilversum 1965, S. 123f Bei den unterschiedlich geformten Holzglocken mit Klöppeln in Afrika hängen die Klöppel an einer quer durch die Glockenschale gezogenen Schnur. Außerdem kommen symmetrische (sanduhrförmige) Doppelglocken aus Holz mit Klöppeln an beiden Seiten vor,Teilweise kunstvoll mit Schnitzereien verziert, vgl. Wyatt MacGaffey: Ethnographic Notes on Kongo Musical Instruments. In: African Arts, Band 35, Nr. 2, Sommer 2002, S. 12–19, 90, hier S. 16 neben den häufigeren Typen aus Eisen.Bernhard Ankermann: Die afrikanischen Musikinstrumente. (Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der philosophischen Facultät der Universität Leipzig) A. Haack, Berlin 1901, S. 66 () Einige halbnomadische Hirten in Kenia und Somalia hingen früher ihren Kamelen zur besseren Ortung Holzglocken um den Hals.B. W. Andrzejewski: Poetry and Camels in Somalia: Reflections on Suugaanta Geela by Axmed Cali Abokor. In: Ufahamu: A Journal of African Studies, Band 17, Nr. 2, 1989, S. 157–163, hier S. 157
Von der indonesischen Insel Java blieben hölzerne Kuhglocken aus dem 19. und 20. Jahrhundert erhalten, die es in derselben Form wahrscheinlich bereits einige Jahrhunderte zuvor bei der einfachen Bevölkerung gab. Die Funktion als Signalinstrument verbindet in der javanischen Geschichte Glocken mit Schlitztrommeln (kentongan).Arlo Griffiths, Pauline Lunsingh Scheurleer: Ancient Indonesian Ritual Utensils and their Inscriptions: Bells and Slitdrums. In: Arts Asiatiques, Band 69, 2014, S. 129–150, hier S. 137f Die typische Grundform einer Holzglocke in Indonesien, Afrika und anderen Regionen ist ein breites gleichschenkliges Trapez, in dessen schmalem Inneren mehrere Klöppel nebeneinander gereiht sind. Diese allgemeine Form besteht häufig aus zwei getrennt geschnitzten und dann verbundenen Hälften.Satis Narrona Coleman: Bells, Their History, Legends, Making, and Uses. Rand McNally & Company, Chicago/New York 1928, S. 11f, 16
Arbeitselefanten in den Wäldern Myanmars trugen bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus Teak geschnitzte Holzglocken, burmesisch kalauk,Prince John Loewenstein: The Origin of the Malayan Metal Age. In: Journal of the Malayan Branch of the Royal Asiatic Society, Band 29, Nr. 2 (174) (Papers on the Malayan Metal Age), Mai 1956, S. 5–78, hier S. 38 wie auch Kuhglocken genannt werden.Short Glossary of Burmese. G.S.G.S. War Office, London 1945, S. 8
Glockenspiel mini|hochkant|Kombiniertes Musikinstrument in Litauen aus 27 chromatisch gestimmten klöppellosen Holzglocken skrabalai oben und einer Trommel kelmas mit Fußpedal unten Der weltweit häufigsten Form der Holzglocken mit einem breiten Trapez, einem schmalen Querschnitt und der Verwendung durch Viehhirten entsprechen auch die skrabalai (skrabalas) in Litauen. Zur alten materiellen Kultur der litauischen Hirten gehören mehrere Holztrompeten, die Hornpfeife birbynė, die Kernspaltflöte lumzdelis und das Glockenspiel skrabalai. Mehrere unterschiedlich große Holzglocken skrabalai werden in einem Gestell aufgehängt und mit Stöckchen angeschlagen. Dieses Melodieinstrument wird häufig mit einer einfelligen Zylindertrommel kelmas aus einem ausgehöhlten Baumstamm kombiniert.Jadvyga Čiurlionytė: Lithuania. II. Traditional music. 6. Instruments. In: Grove Music Online, 2001 Skrabalai heißen auch Holzglocken mit mehreren Klöppeln für Weidetiere.
Als Melodieinstrument verwendete Glockenspiele aus unterschiedlich großen Glocken sind seit dem bianzhong im alten China bekannt. Das etwa seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. rituell verwendete bianzhong bestand bis ins 18. Jahrhundert aus einer Reihe von Bronzeglocken (zhong).Martin Gimm: Glocken und Glockenspiele. II. Außereuropäische Glocken. 1. China und die Randkulturen. a. Ritualglocken zhong. In: MGG Online, November 2016
In der griechisch-römischen Antike waren cymbala (lateinisch, Singular cymbalum) Schalen aus Metall oder Holz, die wie Zimbeln gegeneinander- oder aufgehängt und von außen angeschlagen wurden. Ab etwa 1200 sind für das europäische Mittelalter Glockenspiele nachgewiesen. Aus dieser Zeit stammen zwölf Bronzeglocken europäischen Ursprungs, die in Bethlehem ausgegraben wurden.André Lehr: Glocken und Glockenspiele. V. Mittelalterliche Glocken. In: MGG Online, November 2016 Die Entwicklung verlief über das Beiern bis zum über eine Klaviatur bedienbaren großen Glockenspiel Carillon, das in Westeuropa im 16. Jahrhundert einen Tonumfang von zwei Oktaven erhielt.André Lehr: Glocken und Glockenspiele. VII. Läuten. 2. Automatisch klingende, fest montierte Glocken. b. Glockenspiel. bb. Geschichte. In: MGG Online, November 2016 Zeitlich parallel entwickelte sich das russisch-orthodoxe Glockenläuten mit bis zu 20 tonnenschweren Glocken ab dem 17. Jahrhundert.Percival Price, Hélène La Rue, Charles Bodman Rae: Chimes. In: Grove Music Online, 2001
Mit einem Set von klöppellosen Glocken, die in einem senkrecht stehenden Gestell hängen, sind nur wenige idiophone Melodieinstrumente vergleichbar, etwa Röhrenglocken und Schlagplattenspiele mit runden Metallplatten. Letztere entsprechen antiken Crotales und kommen in Nordindien als srimandal vor.
Bezogen auf Klangerzeugung und Funktion ist das große Schlagbrett eine Vorstufe von außen angeschlagener Holzglocken. Ein Schlagbrett (in Lettland klabatas) hing bis zum 19. Jahrhundert an vielen Häusern im Baltikum und konnte mit seinem lauten Schlagton Bauern auf den Feldern bei Gefahr ins Dorf zurückrufen und andere Signale übermitteln.Gretel Schwörer-Kohl: Schlagplatten und Schlagplattenspiele. I. Schlagplatten. 2. Geschichte, Verbreitung und Funktion. In: MGG Online, November 2016 Um die Übermittlung unterschiedlicher Informationen zu erleichtern, mussten verschiedene Rhythmen mit zwei Stöcken geschlagen werden. In Litauen wurden hierfür zwei Schlagbretter verwendet, sodass sich mit zwei Tonhöhen bei gleicher Schlagfolge weitere Variationsmöglichkeiten ergaben. Ein melodisches Spiel zur Kommunikation entwickelte sich daraus aber nicht.Gvidas Vilys, 2001, S. 82f
Schlagbretter und Klappern mini|hochkant|Schlagbrett lokulaud mit zwei Holzhämmern in Estland. Foto von Ferdinand Linnus, 1930er Jahre Schlagplatten und Klappern aus Holz sind in den baltischen Ländern je nach Region in unterschiedlichen Formen und Größen verbreitet. Die meisten Schlagbretter sind rechteckig, einige trapezförmig und andere besitzen beliebig geschwungene Kanten. Stationär befestigte Schlagbretter gab es im Baltikum und in Nordwestrussland in der Oblast Wologda und in Mordwinien. In den Händen getragene Schlagbretter wurden im Nordwesten von Belarus, in Litauen und Lettland; um den Hals gehängte kleine Schlagbretter in Südkarelien und einigen Regionen in Russland (darunter um Sankt Petersburg, Kostroma, Iwanowo, in Komi und in Mordwinien); Klappern für Weidetiere im Norden Litauens und in Lettland verwendet.Gvidas Vilys, 2001, S. 72
Schlagbretter hatten in der Region (Baltikum und Russland) unter anderem die Funktion, den Hirten anzuzeigen, wann sie die Herde auf die Weide oder von dort zurück ins Dorf zu treiben hatten. Eine insgesamt wichtigere Signalfunktion für die Hirten übernahmen jedoch konische Holztrompeten oder Birkenrindentrompeten, die von Skandinavien bis in den Osten Sibiriens verbreitet waren.Vgl. Yuri Sheikin: Russian Federation. II. Traditional music. 3. Siberian peoples. (v) Instruments. (b) Aerophones. In: Grove Music Online, 2001; Birkenrindentrompete in Lettland: tās̆u taure, Músika Para Ver (Abbildung)