mini|Der Ort aus der Luft Almena ist ein Ortsteil der Gemeinde Extertal und liegt im Kreis Lippe.

Geografische Lage Almena liegt im äußersten Nordosten von Nordrhein-Westfalen und ebenfalls im Nordosten des Kreises Lippe im Weserbergland. Die Ortschaft liegt in einer Höhe von 110 m an der Exter bis hin zu 200 m ü. NN auf dem Almenaer Berg. Das Dorf liegt etwa 10 km südlich von Rinteln, 14 km nördlich von Barntrup und rund 40 km nordöstlich von Bielefeld als nächstgelegene Großstadt.

Geschichte Erste Besiedlung Die ersten Spuren menschlicher Besiedlung im Raum Almena gehen auf die Zeit um 6000 v. Chr. zurück. Aus der Zeit des Mesolithikums stammen Feuersteinfunde aus der Umgegend von Almena, die 1938 gemeldet wurden. Im 3. Jahrtausend v. Chr. kamen die neolithischen Menschen in das Gebiet von Almena, brannten den Urwald ab und begründeten die Rodungsinsel Almena. Ein Bruchstück eines ihrer Werkzeuge, ein schuhleistenförmiger Keil aus Felsgestein von 7 cm Länge, wurde 1938 von Schulkindern in Almena gefunden.

Irgendwann um 500 n. Chr. wurde das Gebiet des Extertals dem Herrschaftsbereich der Sachsen eingegliedert. Karl der Große (768–814) unterwarf in vielen Feldzügen die kontinentalen Sachsen und gliederte sie in das Reich der Franken ein.

Almena gehörte zum Osterburg-Gau. Sitz des Gaugrafen war vermutlich die mächtige Osterburg am Hang des Wesergebirges oberhalb von Deckbergen. Hermann Billunge († 973), einer der wichtigsten Gefolgsleute Ottos des Großen (936–973), vereinigte die Herrschaft über alle Gaue der weiteren Umgebung, die er durch Vizegrafen verwalten ließ. Dabei wird er sich auch, wie in vielen anderen Dörfern, den Zehnten in Almena angeeignet haben. Dieser war eine von Karl dem Großen geschaffene, ursprünglich der Pfarrkirche zustehende Abgabe. Die adligen Grundherren verstanden es jedoch, den Zehnten der Kirche zu entfremden und sich selbst zu bereichern.

Ende des 12. Jahrhunderts wird Almena als Adelelbernecthorp erstmals schriftlich erwähnt.Birgit Meineke: Die Ortsnamen des Kreises Lippe. (= Westfälisches Ortsnamenbuch Band 2). Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-89534-842-6, S. 26. (PDF)

Die Herrschaft Sternberg mini|Burg Sternberg Unter der Herrschaft der Grafen von Schwalenberg wuchs Almena zum Dorf heran. Seit 1243 gehörte es zum Herrschaftsbereich der Burg Sternberg. Letzter Graf war Heinrich V. (1346–1385). Ihm verdankt man die erste schriftliche Erwähnung Almenas. Er heiratete 1348 Adelheid, die Tochter des Grafen Adolf VII. von Schaumburg. In einem Vertrag aus dem gleichen Jahr überschreibt er seiner Frau als Leibgedinge neben anderen Orten auch das Dorf Almena. Damit ist erwiesen, dass damals die Sternberger die Grundherren in Almena waren.

Dreißigjähriger Krieg (1618–1648) Der Dreißigjährige Krieg war Höhepunkt und Abschluss der Gegenreformation, der großangelegten Vernichtung des evangelischen Glaubens mit Waffengewalt.

Im Februar 1623 erschien Herzog Christian von Braunschweig persönlich an der Weser und besetzte Rinteln. Im Juni verließ er es wieder mit 21.000 Mann und 1.000 Reitern. Er zog durch das Extertal ab. Eine schlimme Folge dieses Kriegs waren die offiziellen und wilden Plünderungen, da alle Heere nach der Maxime verfuhren: Der Krieg ernährt den Krieg. mini|hochkant|Herzog Christian von Braunschweig und Lüneburg

Im Winter 1623/24 wählte Johann T’Serclaes von Tilly das Wesertal bei Rinteln als Stätte der Winterquartiere. Er selbst residierte in Hameln. Obwohl Lippe neutral war, müssen die kaiserlichen Truppen unter Tilly, zu denen auch viele Spanier gehörten, die sich durch besondere Grausamkeit auszeichneten, in Almena geplündert haben, denn im Pfarrhof wurden damals vom Kriegsvolk alle Papiere und wichtige Urkunden verbrannt. Im Frühjahr 1624 zog Tilly aus dem Weserbergland ab, kehrte aber im Winter zurück und besetzte das Wesertal aufs Neue. Wieder mussten die Almenaer um ihr Hab und Gut fürchten. Damals war es üblich, beim Herannahen von Soldaten in die Kirche zu flüchten, in der Hoffnung, dass die Landsknechte das Gotteshaus verschonen würden.

Die gesamte Landwirtschaft in Almena muss zum Erliegen gekommen sein. Hatte vor dem Krieg jeder der 14 Höfe mehrere Pferde und Kühe besessen, so waren diese Nutztiere in den 1630er Jahren gänzlich verschwunden. Das Kriegsvolk hatte sie alle geraubt und auch das gesamte Saatkorn mitgenommen. Dabei handelte es sich eindeutig um Rechtsbruch, da Lippe neutral war. Es hatte sich durch eine erhebliche Kontribution davon freigekauft, von den kaiserlichen Truppen besetzt zu werden. Die Geldzahlung wurde von den ohnehin schon verarmten Untertanen eingetrieben. In Almena wurde mancher Hof niedergebrannt. Es dauerte über ein Jahrhundert, bis sich die Bewohner wieder davon erholten. Die Soldaten schonten auch die Geräte der Kirchen nicht. Überall, so auch in Almena, raubten sie die Abendmahlskelche.

1629 konnte der Kaiser mit seinem geheimen Ziel, der Rekatholisierung Deutschlands, beginnen. In die Klöster Rinteln und Möllenbeck zogen Benediktinermönche ein, die den Kampf gegen die evangelische Lehre aggressiv aufnahmen. 1631/32 kamen die Kaiserlichen erneut ins Wesertal und nahmen hier wieder ihr Winterquartier. Der besonders gefürchtete General von Pappenheim residierte auf der Burg Sternberg.

Im Februar 1632 erschienen die protestantischen Schweden unter Herzog Georg von Braunschweig im Wesertal. Am 2. März siegten sie in der Schlacht bei Rinteln, am 28. Juni in der Schlacht bei Hameln. Damit war die Bedrängnis der Protestanten in der Grafschaft Schaumburg beendet und die Mönche verließen Rinteln. Schaumburg und Lippe gehörten zu den Ländern, die am schwersten vom Krieg getroffen wurden. Die Einwohnerzahl Almenas ist von 316 im Jahre 1617 auf 229 im Jahre 1648 gefallen.

Spinner und Weber in Almena mini|hochkant|Websaal des aktiven Museums der Handweberei Geltow

Über 300 Jahre bildete das Leinengewerbe die Lebensgrundlage des Dorfes. Für die Mehrzahl der Bewohner Almenas waren Weben und Spinnen zum Lebensunterhalt wichtiger als die Landwirtschaft. Das Textilgewerbe als Lebensgrundlage Almenas wird erstmals 1641 in den Gogerichtsakten bezeugt. Damals waren auf mindestens 23 Kolonaten Spinner tätig und auch Kinder und alte Menschen konnten am Erwerbsleben der Familie teilnehmen. Viele Kleinkolonate hatten in dieser Zeit noch nicht einmal einen Garten, so dass durch die Kombination von Spinnen und Weben eine Lebensgrundlage gegeben war.

Die Verwandlung Almenas aus einem Bauerndorf in ein Dorf der Spinner und Weber wurde nicht durch den Handel mit den benachbarten Städten bewirkt. Im 16. Jahrhundert hatten niederländische Kaufleute die besonders gute Qualität des Flachses in der Grafschaft Ravensberg entdeckt und die Bevölkerung zum Spinnen und Weben für den Großhandel ermutigt. Es war in erster Linie die Dorfbevölkerung, die in diese Bewegung hineingezogen wurde, waren Spinnen und Weben ihnen doch von Kindheit an vertraut. Offenbar war die Notwendigkeit einer Beschäftigung für die meisten Bewohner der Dörfer so dringlich, dass Ravensberg in kurzer Zeit zu einem vollständig von der Hausindustrie bestimmten Land wurde. Sehr rasch griff diese Bewegung auf Lippe über, schuf einen zusammenhängenden Wirtschaftsraum zwischen Teutoburger Wald und Weser, erreichte bald auch Almena und verwandelte es. Von den 38 Hausstellen, die 1614 bestanden, waren nur 14 zur Selbstversorgung mit Grundnahrungsmitteln in der Lage, für 24 Kolonate jedoch bildete die Tätigkeit für den Leinenmarkt die Lebensgrundlage.

Der Aufschwung des Leinengewerbes im 19. Jahrhundert führte auch in Almena zu einem Anstieg der Zahl der Hausweber. So hat hier wie überall die moderne Fabrik zunächst die Hausindustrie verstärkt. Als 1861 die erste lippische Gewerbezählung durchgeführt wurde, gab es 42 Webermeister, also selbständige Hausweber, in Almena, das damals 59 Hausstellen besaß. Auf fast jedem Kleinkolonat stand also ein Webstuhl. Im gesamten Amt Varenholz arbeiteten 118 Weber, von denen 35 % auf Almena entfielen. Damit dürfte Almena Zentrum der gesamten Textilindustrie des Amtes gewesen sein. Um 1800 gab es erst rund 28 Webstühle in Almena, also muss der rasante Anstieg erst danach erfolgt sein. Der Höhepunkt dieser alles wirtschaftliche Leben in Lippe befruchtenden Hochkonjunktur der Hausweberei lag zwischen 1833 und 1838. Mit dem Jahre 1840 begann allerdings schon der unaufhaltsame Abstieg der Hausweberei und um 1860 zerfiel die Hausindustrie völlig und überließ dem mechanischen Webstuhl das Feld. Für die Almenaer Weber dürfte das Ende mit dem Übergang Bielefelds zum Fabriksystem 1851 begonnen haben.

Jüdisches Leben in Almena Bis etwa 1786 war das Dorf religiös einheitlich. Alle Einwohner gehörten der evangelisch-reformierten Kirche an. Dies war das Ergebnis des landesherrlichen Kirchenregiments, das seit 1555 den Bekenntnisstand der Untertanen nach dem Grundsatz Cuius regio eius religio (wessen das Land, dessen die Religion) bestimmte. Gänzlich außerhalb des landesherrlichen Kirchenregiments standen natürlich die Juden. Die christliche Kirche hat nämlich Zwangstaufen der Juden fast immer abgelehnt.

Der erste Jude, der sich in Almena 1786 niederließ, war Meyer Nathan aus Lüdenhausen. Er wohnte auf einem Almenaer Kolonat als Einlieger und trat mehrfach als Kreditgeber auf. Er war, wie viele seiner Glaubensbrüder, als Händler mit gebrauchten Kleidungsstücken, alten Öfen, Fellen und dergleichen tätig. Auf Meyer Nathan folgte in seinem Gewerbe 1828 sein Schwiegersohn Wolf Samuel Rosenthal. Dieser handelte wie sein Schwiegervater mit gebrauchten Gegenständen, wie er 1850 zu Protokoll gab. Damals erhielten die Juden volle bürgerliche Gleichberechtigung. Sein Enkel Isaak Rosenthal war eine der bemerkenswertesten Gestalten der Almenaer Geschichte. 1880 konnte die Familie Rosenthal ein eigenes Kolonat (Nr. 80) bauen. Es handelt sich um die heutige Schlachterei Hannover. Das Haus war bis zum Verkauf 1937 im Familienbesitz. Isaak Rosenthal war Pferdehändler. Seine Beliebtheit bei der Almenaer Bevölkerung zeigte sich besonders darin, dass er bis 1918 dem Gemeindeausschuss angehörte. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war bei den Almenaern offenbar jede Judenfeindlichkeit verschwunden. Dies entsprach dem allgemeinen Trend des Kaiserreiches. Die Juden galten damals als deutsche Bürger jüdischen Glaubens. Isaak Rosenthal machte den Eindruck eines liberalen, emanzipierten Juden, der bemüht war, sich völlig seiner Umgebung anzupassen. 150 Jahre lang hatte die Familie Alberg-Rosenthal am Leben in Almena Anteil genommen. Mit dem Verkauf ihres Hauses im Jahr 1927 verschwand sie rechtzeitig aus Deutschland, zog nach Argentinien und entging so der physischen Vernichtung durch die Nationalsozialisten.

Auswanderung nach Amerika mini|Deutsche Emigranten gehen an Bord eines in die USA fahrenden Dampfers (um 1850) In den USA konnte sich im 19. Jahrhundert das Unternehmertum frei entfalten, ohne Rücksicht auf staatliche Eingriffe. Die Löhne, die von den amerikanischen Unternehmern gezahlt wurden, lagen damals immer erheblich über denen, die in den europäischen Industrieregionen üblich waren. Es ist klar, dass das Land mit seinem großen Bedarf an Arbeitskräften eine gewaltige Anziehungskraft auf die Bewohner der unterentwickelten Regionen in Europa ausübte. So kamen zwischen 1846 und 1854 2,8 Millionen Einwohner aus Europa, wo zum Beispiel die arbeitslosen Handweber in großem Elend lebten.