The Wreckers (ursprünglicher französischer Titel: Les naufrageurs) ist eine Oper in drei Akten von Ethel Smyth (Musik) mit einem Libretto von H. B. Leforestier (= Henry Bennet Brewster). Sie wurde am 11. November 1906 in deutscher Sprache unter dem Titel Strandrecht am Neuen Theater in Leipzig uraufgeführt.
Handlung
Die kursiv dargestellten Szenenangaben der folgenden Inhaltsangabe sind dem Klavierauszug entnommen.
Kurzfassung
Erster Akt. Die Gemeinde eines Dorfs an der Küste von Cornwall lebt von der Plünderung gestrandeter Schiffe. Sie halten sich dazu für berechtigt und von Gott auserwählt, wie ihnen der Dorfschulze Pascoe versichert. Der Leuchtturmwächter Lawrence und seine Tochter Avis berichten von einem Signalfeuer, das die vorbeifahrenden Schiffe warne. Es müsse also einen Verräter geben. Pascoe ist mit der deutlich jüngeren Thirza verheiratet, die als Fremde von den Einheimischen verachtet wird. Sie hat einen heimlichen Geliebten, den jungen Fischer Mark, der ihretwegen seine Beziehung mit Avis beendet hat. Avis erkennt an kleinen Zeichen, wer ihre Rivalin ist. Thirza streitet heftig mit ihrem Mann, da sie die Strandräuberei entschieden ablehnt. Pascoe erschöpft dies so sehr, dass er keine Kraft mehr findet, in der folgenden Nacht an dieser Tätigkeit mitzuwirken. Avis verdächtigt ihn, der gesuchte Verräter zu sein.
Zweiter Akt. Avis sucht auf den Klippen mit Jack, dem Sohn des Wirts Tallan, nach dem Verräter. Jack schwärmt für Avis, und sie bedankt sich bei ihm mit einem Kuss. Mark beobachtet dies. Er ist gerade dabei, das Warnfeuer zu errichten, als Thirza erscheint und ihn vor den Dorfbewohnern warnt. Trotz der Gefahr entfachen sie das Feuer, bevor sie sich eilig entfernen. Dabei werden sie von Pascoe beobachtet, der erschüttert über den Verrat seiner Frau neben dem Feuer zusammenbricht. Die anderen finden ihn dort und halten ihn für den Schuldigen.
Dritter Akt. In einer Höhle halten die Dorfbewohner Gericht über Pascoe. Dieser schweigt, um seine Frau zu schützen. Thirza jedoch bekennt alles. Als Mark hinzukommt, gesteht auch dieser. Obwohl Avis ihm ein falsches Alibi verschaffen will, beharrt er auf seiner Aussage. Thirza und Mark werden zum Tod verurteilt. Sie sollen durch die einbrechende Flut in der Höhle ertrinken.
Erster Akt
Ein Dorf in Kornwall auf einer Klippe über dem Meer. Im Hintergrund ein einfaches Gebäude, welches als Gotteshaus dient; links eine Schänke mit steinernen Banken und Tischen: rechts das Haus von Pasko; unweit dessen eine Tür, ein rauhes Gestell, worauf Netze hängen; auch ein altes, umgekehrtes Boot. Sämtliche Gebäude sind ohne Stockwerk und aus grauem Stein gebaut. Hinten Blick auf das Meer mit Leuchtturm, ganz am Ende der Bucht sichtbar.
Szene 1. Es ist Sonntagnachmittag im Spätherbst. Die Kirchenglocken läuten. Die Gemeinde singt einen Choral über die Vergebung ihrer Sünden. Der Wirt Tallan und sein Sohn Jack haben die Abwesenheit des strengen Dorfschulzen Pascoe genutzt, um Wein auszuschenken. Die Gemeinde lebt vom Ausplündern gestrandeter Schiffe. Das gestatten ihnen das Strandrecht und ihr Glaube, sie seien ein von Gott zu diesem Zweck auserwähltes Volk. Etwaige Überlebende werden kurzerhand getötet. Da gerade ein Sturm aufzieht, freuen sich alle auf die zu erwartende Beute.
Szene 2. Pascoe kehrt unerwartet zurück und wirft der Gemeinde vor, mit ihrem Trinkgelage den Sabbat zu entheiligen. Der Herr werde sie deshalb strafen und die vorbeifahrenden Schiffe sicher an ihrer Küste vorbeileiten, sodass sie verhungern müssten. Alle sind zutiefst beschämt.
Szene 3. Der Leuchtturmwächter Lawrence und seine Tochter Avis erscheinen. Lawrence berichtet den Anwesenden, dass er hinter der Klippe ein Warnfeuer gefunden habe, das die Schiffe von der Küste fernhalte. Es gebe also einen Verräter unter ihnen. Dieses Feuer habe seine eigene Maßnahme, die Lampe des Leuchtturms nachts abzudunkeln, um die Schiffe fehlzuleiten, zunichtegemacht. Avis behauptet, den Namen des Verräters zu kennen. Lawrence und die anderen verlangen jedoch stichhaltige Beweise, bevor sie ihn nennen darf.
Szene 4. Pascoe gibt den anderen ein Zeichen, die Diskussion zu beenden, da seine Frau Thirza gerade gekommen ist und ihr Haus betritt. Sie gibt den Anwesenden ihre tiefe Verachtung deutlich zu erkennen. Die anderen eilen zum Gottesdienst in die Kapelle.
Szene 5. Avis fühlt sich von ihrem Geliebten, dem jungen Fischer Mark, vernachlässigt. Als sie ihn darauf anspricht (Song: „There’s a bough“), teilt er ihr mit, dass seine Liebe für sie erloschen sei. Ihre Vermutung, dass er eine bereits neue Geliebte habe, weist er zurück.
Szene 6. Nachdem Mark den anderen in die Kapelle gefolgt ist, lacht Avis bitter (Song: „The Rat“) und bricht in Tränen aus.
Szene 7. Thirza nähert sich, um ein Fischernetz zur Reparatur aufzuhängen. Weil sie dabei ein Lied von Mark trällert, erkennt Avis in ihr ihre Rivalin. Sie schreit kurz auf und lenkt so Thirzas Aufmerksamkeit auf sich. Um sich nichts anmerken zu lassen, trocknet sie schnell ihre Tränen. Thirza wendet sich wieder von ihr ab (Song: „Love! O thou lightening ray“).
Szene 8. Unbemerkt von den beiden ist Pascoe zurückgekehrt. Er ist verärgert darüber, dass Thirza am Sabbat arbeitet. Auch Avis bekommt Ärger, da sie eine goldene Kette trägt, was der Prediger als Sünde der Eitelkeit ansieht. Er entreißt ihr die Kette, um sie zu verkaufen und den Erlös für die Armen zu verwenden. Avis entgegnet wütend, dass es weitaus größere Sünden junger Frauen gebe, die mit älteren Männern verheiratet seien – eine Anspielung an Thirzas Untreue. Dann geht sie lachend zur Kapelle.
Szene 9. Es kommt zum Streit zwischen Thirza und ihrem Mann. Sie distanziert sich entschieden von seinem Glauben an die Rechtmäßigkeit der Strandräuberei. Wenn solche Menschen Gottes Auserwählte seien, wäre sie lieber eine Heidin. Pascoe versucht, sie zu besänftigen. Er rechtfertigt sich mit einem Auftrag Gottes (Song: „Mid barren rocks“). Als er sich ihr zärtlich zu nähern versucht, reißt sich Thirza los und eilt empört davon.
Szene 10. Pascoe zieht sich erschöpft auf eine Bank zurück, wo ihn die aus der Kirche kommende Gemeinde umringt und feiert. Lawrence weist ihn auf den aufziehenden Nebel hin. Es werde in der folgenden Nacht viel Arbeit geben. Pascoe möchte jedoch nur noch in Ruhe gelassen werden. In einer Art Vision erscheint ihm die untergehende Sonne wie eine Feuersäule, die ihnen den Weg weisen soll.
Szene 11. Avis hetzt die Gemeinde gegen Pascoe auf, den sie des Verrats bezichtigt. Lawrence, Tallan und Lawrences Schwager Harvey finden sein Verhalten in der Tat verdächtig. Sie beschließen, Pascoe zu beobachten, um das Warnfeuer zu finden und Beweise zu erhalten. In diesem Moment signalisiert ein Schuss, dass ein Schiff in Gefahr geraten ist. Alle eilen aufgeregt zum Strand (Chor und Tanz: „Who’s for the dance?“).
Zweiter Akt
Der Vorhang geht auf: Felsiger Strand, rechts eine steil abfallende Klippe. Es ist Nacht. Wind, Wolken, verschleierter Mond, der im Laufe des Aufzuges hell leuchtet. Im Hintergrunde das Meer.
Szene 1. Jack und Avis suchen zwischen den Klippen nach dem Verräter. Der junge Jack, der schon länger für Avis schwärmt, ist von den Anstrengungen erschöpft. Avis dankt ihm mit einem Kuss. Sie werden dabei von Mark beobachtet.
Szene 2. Mark glaubt, dass sich Avis schnell über ihn hinweggetröstet hat und er ihretwegen kein schlechtes Gewissen wegen seines Verhältnisses mit Thirza zu haben braucht. Er beginnt damit, Treibholz für ein Warnfeuer zu sammeln (Ballad of the Bones: „When wilt thou give me peace“).
Szene 3. Als Mark das Feuer anzünden will, hört er Thirzas Stimme, die ihn vor den nach dem Verräter suchenden Strandräubern warnt. Er wirft die Fackel von sich. Mark und Thirza umarmen sich lange. Dann beschließen sie, trotz der Gefahr ein letztes Mal das Warnfeuer zu entfachen und anschließend zu fliehen (Song Thirza: „To love is to die“ – Duett: „Blaze fire of love“). Der gerade eintreffende Pascoe beobachtet ihre Flucht.
Szene 4 [3b].Die vierte Szene des zweiten Akts ist im Klavierauszug gekürzt und Teil der dritten Szene. Pascoe findet das Warnfeuer und erkennt den Verrat seiner Frau.Dem Klavierauszug zufolge findet Pascoe neben dem Feuer einen Schal, den Thirza verloren hat. Er bricht verzweifelt zusammen.
Szene 5 . Lawrence, Harvey, Tallan, Avis und Jack finden Pascoe neben den Überresten des Feuers. Sie halten ihn für den Schuldigen.
Dritter Akt
Die Bühne stellt das Innere einer Riesenhöhle dar, welche, sich nach hinten verengend, eine kleine Aussicht auf das Meer gewährt. Als der Vorhang aufgeht, ist die Menge, in der sich Avis und Jack befinden, im Begriff, von oben durch einen Spalt, welcher mit einem Gittertor versehen ist, in die Höhle hinunter zu steigen. Es ist frühe Morgendämmerung.
Szene 1. Die Dorfbewohner versammeln sich, um unter Lawrences Vorsitz Gericht über den vermeintlichen Verräter Pascoe zu halten. Einige fordern bereits die Todesstrafe. Avis vermutet, dass Thirza Pascoe mit okkulten Mitteln dazu verführt habe (Song: „This stranger who beguiled him“). Thirza leugnet nichts. Sie entgegnet, dass derjenige, der das Feuer entzündet habe, sein eigenes Leben riskiert habe, um Menschenleben zu retten. Die anderen halten auch Pascoe für schuldig, obwohl dieser zu den Anschuldigungen schweigt.
[Szene 2.]Im Klavierauszug ist der dritte Akt auf zwei Szenen aufgeteilt; im Libretto sind diese zu einer einzigen Szene zusammengefasst. Da tritt Mark hervor und bekennt alles. Avis, die noch immer Gefühle für ihn hat, versucht, ihn zu retten. Sie behauptet, dass Mark die ganze Nacht in ihren Armen verbracht habe. Als Mark dies leugnet und Thirza ihre Liebe zu ihm betont, fordert Avis wie wahnsinnig, beide zu töten. Ihr Vater Lawrence stößt sie aus der Höhle, um sie zum Schweigen zu bringen. Die Versammlung verurteilt Thirza und Mark zum Tod. Sie sollen in der Höhle eingeschlossen werden und durch die ansteigende Flut ertrinken (Chor: „Closed is the court and sealed the doom“). Pascoe unternimmt noch einen Versuch, seine Frau zu retten. Thirza hat sich jedoch bereits mit ihrem Schicksal abgefunden (Song: „When the rivers upwards shall be flowing“). Sie reißt sich von ihm los, als er sie gewaltsam aus der Höhle zerren will. Schon dringen die ersten Wellen ein. Die Dorfbewohner ziehen sich Psalmen singend zurück. Dem Paar bleibt nur ein letztes Liebesduett („Love, mouth to mouth we soon shall calm be sleeping“).
Gestaltung
Orchester
Die Orchesterbesetzung der Oper umfasst die folgenden Instrumente:
Holzbläser: zwei Flöten (2. auch Piccolo), zwei Oboen (2. auch Englischhorn), zwei Klarinetten (2. auch Bassklarinette), zwei Fagotte (2. auch Kontrafagott) Blechbläser: vier Hörner, zwei Trompeten, drei Posaunen, Tuba Pauken, Schlagzeug: große Trommel, Becken, kleine Trommel, Gong, Glockenspiel Harfe Streicher Bühnenmusik hinter der Szene: Orgel, Kanone
Musik