mini|Jane Cobden, 1890er Jahre Emma Jane Catherine Cobden, verheiratete Cobden Unwin (* 28. April 1851 in Paddington, London; † 7. Juli 1947 in Fernhurst, West Sussex), war eine englisch-britische Politikerin, Autorin und Frauenrechtlerin.

Cobden war die Tochter des viktorianischen Staatsmanns Richard Cobden und führte politisch das Erbe ihres Vaters weiter, wozu Landreform, Frieden und soziale Gerechtigkeit sowie die irische Unabhängigkeit von Großbritannien gehörten. Sie unterstützte die Anliegen der Suffragetten, zu denen auch ihre Schwester Anne Cobden-Sanderson gehörte, hielt aber ihre eigenen Aktivitäten im Rahmen der Gesetze und blieb auch Mitglied der regierenden Liberal Party. Nach ihrer Heirat mit dem Verleger Thomas Fisher Unwin im Jahr 1892 dehnte Cobden ihr Interessengebiet auf den internationalen Bereich aus und setzte sich insbesondere für die Rechte der indigenen Bevölkerung in den Kolonialgebieten ein. Als überzeugte Antiimperialistin lehnte sie den Burenkrieg von 1899–1902 ab, und nach der Gründung der Südafrikanischen Union im Jahr 1910 wandte sie sich gegen die Einführung einer Politik der Rassentrennung. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg widersetzte sie sich Joseph Chamberlains Zollreformplänen aufgrund der Freihandelsgrundsätze ihres Vaters und war maßgeblich an der Wiederbelebung der Landreformfrage durch die Liberal Party beteiligt. In den 1920er Jahren zog sie sich weitgehend aus dem öffentlichen Leben zurück. 1928 schenkte sie der Cobden Memorial Association den alten Wohnsitz der Familie Cobden, Dunford House, als Konferenz- und Bildungszentrum, das sich den Themen und Anliegen widmet, die den Cobdens wichtig waren.

Frühe Jahre Cobden wurde als dritte Tochter und viertes von sechs Kindern von Richard Cobden und Catherine Anne Cobden, geborene Williams, geboren. Der Vater war zum Zeitpunkt ihrer Geburt ein radikaler Abgeordneter für das West Riding. Die Mutter war die Tochter eines Holzhändlers aus Machynlleth in Wales. Cobdens ältere Geschwister waren Richard (* 1841), Kate (* 1844) und Ellen (* 1848). Sie hatte zwei jüngere Schwestern: Anne (* 1853) und Lucy (* 1861).

Das Familienleben war während der Kinderzeit von Cobden unruhig und wechselhaft, sowohl wirtschaftlich, weil das Geschäft von Richard Cobden und seinem Bruder 1849 scheiterte, er sich aber konsolidieren konnte und sogar den Familiensitz Dunford House 1854 zu einer Villa ausbauen konnte, politisch, weil Richard Cobden 1857 seinen Parlamentssitz verlor und dann 1859 wiedergewann, wie familiär, nachdem der älteste Bruder 1856 nach kurzer Krankheit starb.

Die Kinder wurden durch die Ansichten ihrer Eltern geprägt. Dazu gehörte die Verantwortung für die Armen in der örtlichen Gemeinschaft. Cobdens Tagebuch aus dem Jahr 1864 verzeichnet Besuche in Heimen und Arbeitshäusern. Sie und ihre jüngere Schwester Anne unterrichteten im Alter von 12 bzw. 10 Jahren Klassen in der örtlichen Dorfschule. Die Mädchen wurden ermutigt, mit Geld, das sie besaßen, zur Linderung der örtlichen Armut beizutragen.

Nach dem Tod des Vaters, wenige Wochen vor Cobdens 14. Geburtstag, besuchte sie kurzzeitig die Warrington Lodge School in Maida Vale. Die Mutter führte die Familie weiter. Sie überwachte 1866 die Wiederveröffentlichung der Politischen Schriften ihres Mannes und gehörte im selben Jahr zu den 1.499 Unterzeichnern der Ladies Petition, ein Ereignis, das einen Beginn der organisierten Frauenwahlrechtsbewegung markiert. Im Jahr 1869 wurde Dunford House vermietet. Die Mutter und ihre vier jüngeren Töchter zogen in ein Haus in South Kensington. Allerdings zog die Mutter dann mit ihrer jüngsten Tochter Lucy nach Wales, weil es zu Spannungen zwischen den Generationen kam. In South Kensington bildeten die drei Schwestern Cobden eine „Schwesternschaft“, die sich die Bewahrung des Andenkens an Richard Cobden und sein Werk zur gemeinsamen Aufgabe machte. Sie verhinderten die Veröffentlichung einer von seinen ehemaligen Kollegen gesponserten und von einer Freundin der Familie, Julie Salis-Schwabe, zusammengestellten Biografie über ihren Vater. Schwabe hatte die Familie nach Richards Tod finanziell und emotional unterstützt. Vor allem Cobden wünschte sich jedoch eine umfangreichere Gedenkschrift und sicherte sich die Dienste von John Morley, dessen Biografie über Richard Cobden 1881 veröffentlicht wurde.

Cobden und ihre Schwestern weiteten ihren Bekanntenkreis auf literarische und künstlerische Kreise aus; zu ihren neuen Freunden gehörten der Schriftsteller George MacDonald und die Präraffaeliten William und Jane Morris sowie Edward Burne-Jones. Cobden interessierte sich für das Frauenwahlrecht, nachdem sie 1871 an einer Konferenz in London teilgenommen hatte. 1875 engagierte sie sich ausdrücklich für dieses Anliegen, obwohl sie erst nach einigen Jahren in der Bewegung aktiv wurde. In ihrem Tagebuch schrieb sie: No more aimless wanderings abroad for me, I shall enter into the Women's Suffrage Campaign and so have a real interest in life.

Politik im 19. Jahrhundert Ab den späten 1870er Jahren begannen die Cobden-Schwestern, unterschiedliche Wege zu beschreiten. Anne Cobden wandte sie sich dem Kunsthandwerk und schließlich dem Sozialismus zu, Ellen Cobden wurde Romanautorin. Cobden wurde eine aktive Liberale, die dem radikalen Flügel der Partei angehörte. Um 1879 wurde sie Mitglied der National Society for Women’s Suffrage (NSWS). Sie trat dem Finanzausschuss bei und war 1880 Schatzmeisterin der NSWS. Im selben Jahr war sie Rednerin bei einer Großveranstaltung in der St James’s Hall in London und sprach im folgenden Jahr bei einer ähnlichen Veranstaltung in Bradford. 1883 nahm sie an einer gemeinsam von der National Liberal Federation und der National Reform Union organisierten Konferenz in Leeds teil, wo sie den Antrag unterstützte, das Wahlrecht bei Parlamentswahlen auf bestimmte Frauen auszudehnen – auf solche, die „die Qualifikationen besitzen, die Männer zum Wählen berechtigen, und die jetzt das Recht haben, in allen Angelegenheiten der lokalen Regierung zu wählen“.

Die NSWS vertrat generell eine vorsichtige Haltung; sie vermied eine enge Identifikation mit politischen Parteien und lehnte aus diesem Grund den Beitritt von Zweigstellen der ab. Dies und ihre Politik, verheiratete Frauen von jeglicher Ausweitung des Wahlrechts auszuschließen, führte 1888 zur Abspaltung der Central National Society (CNS). Cobden wurde Mitglied des Exekutivkomitees der neuen Organisation, die sich für den Beitritt liberaler Frauenvereinigungen einsetzte und hoffte, dass eine künftige liberale Regierung das Frauenwahlrecht gewähren würde. Die radikaleren Mitglieder der CNS waren jedoch der Ansicht, dass das Engagement für das Wahlrecht für verheiratete Frauen zu halbherzig war. 1889 gründete diese Gruppe, zu der auch Cobden und Emmeline Pankhurst gehörten, die Women’s Franchise League (WFL), die sich für das Wahlrecht für Frauen auf der gleichen Grundlage wie für Männer und für die Wählbarkeit von Frauen für alle Ämter einsetzte.

Richard Cobden hatte eine Landreform („Irland den Iren geben“) als Schlüssel zur Lösung der Probleme in Irland verfolgt. Cobden übernahm den Standpunkt ihres Vaters zur irischen Landreform, setzte sich jedoch zusätzlich für eine irische Selbstverwaltung ein, zu der sie regelmäßig Vorträge hielt. 1887 besuchte sie Irland im Rahmen einer „Women’s Mission to Ireland“ und nutzte anschließend die englische Presse, um die Misshandlung von vertriebenen Pächtern aufzudecken. In einem Brief an The Times führte sie einen besonderen Fall einer Familie Ryan aus Cloughbready im County Tipperary an, um die Härte der britischen Regierung selbst gegenüber den Schwächsten zu verdeutlichen. Cobden schickte Geld und Lebensmittel, um die Notlage der Familie Ryan zu lindern. mini|Poster der Wahlkampagne für Cobden, Januar 1889 Jane stand in Kontakt mit führenden Vertretern der Irish Land League, darunter John Dillon und William O’Brien, und setzte sich für die Freilassung des letzteren nach seiner Inhaftierung aufgrund des Protection of Person and Property Act 1881 ein. Sie und ihre Schwestern unterstützten eine Kampagne, bei dem die Mieter kollektiv vorgingen, um von ihren Vermietern faire Mieten zu erhalten. Cobdens Verbundenheit mit den rebellischen Gruppierungen in Irland belastete die Beziehungen zu vielen ehemaligen liberal-unionistischen Kollegen ihres Vaters, fand jedoch die Zustimmung von Thomas Bayley Potter, der Richard Cobden als Abgeordneter für Rochdale abgelöst hatte.

Nach dem Municipal Corporations Act 1882 waren einige Frauen zwar bei Kommunalwahlen wahlberechtigt, durften aber nicht in den Stadtrat einziehen. Der Local Government Act 1888, mit dem die County Councils geschaffen wurden, wurde jedoch von einigen so interpretiert, dass Frauen in diese neuen Gremien gewählt werden konnten. Am 17. November 1888 beschloss eine Gruppe liberaler Frauen, die Rechtslage zu überprüfen. Sie gründeten die Society for Promoting the Return of Women as County Councillors (SPRWCC), richteten einen Wahlfonds in Höhe von 400 Pfund ein und wählten zwei Frauen – Cobden und Margaret Sandhurst – als liberale Kandidatinnen für den neu geschaffenen London County Council aus. Trotz der Einwände der Konservativen wurden die Nominierungen der Frauen von den örtlichen Wahlleitern akzeptiert. Cobdens Wahlkampf wurde von dem damals 29-jährigen George Lansbury mit großem Enthusiasmus und großer Effizienz organisiert. Sowohl Cobden als auch Sandhurst gewannen die Wahlen am 19. Januar 1889; zu ihnen gesellte sich Emma Cons, die von der progressiven Ratsmehrheit als Alderman gewählt wurde.

Die Frauen nahmen ihre Plätze im ersten Stadtrat ein, und jede von ihnen übernahm eine Reihe von Aufgaben in einem Ausschuss. Fast unmittelbar setzen jedoch Anfechtungen gegen ihre Wahl ein, die nicht zu eindeutigen Ergebnissen führten. Im letzten dieser Verfahren, leitete der konservative Abgeordnete für Westminster, Walter De Souza, ein neues Gerichtsverfahren gegen Cobden und Cons ein. Er argumentierte, da sie unrechtmäßig gewählt bzw. ausgewählt worden seien, sei auch ihr Abstimmungsverhalten im Rat unrechtmäßig gewesen, so dass sie zu hohen Geldstrafen zu verurteilen seien. Vor Gericht entschied der Richter gegen beide Frauen, doch in der Berufung im April 1891 wurden die Strafen von ursprünglich 250 Pfund auf nominell 5 Pfund reduziert. Cobden wurde von Lansbury und anderen gedrängt, nicht einmal diesen symbolischen Betrag zu zahlen, sondern ins Gefängnis zu gehen. Sie lehnte diesen Weg aber ab. Nachdem ein weiterer parlamentarischer Versuch, die Situation zu lösen, gescheitert war, verbrachte sie die verbleibenden Monate ihrer Amtszeit als Stadträtin schweigend, ohne sich zu Wort zu melden oder abzustimmen, und stellte sich bei den Kommunalwahlen 1892 nicht zur Wiederwahl. In seiner Bewertung der Wahlen von 1889 wertet der Historiker Jonathan Schneer den Wahlkampf als „ein bahnbrechendes politisches Unterfangen des britischen Feminismus […] gleichzeitig eine Vorwegnahme und einen direkten Kontrast zum militanten Suffragismus der Edwardianischen Ära“.

Heirat 1892, im Alter von 41 Jahren, heiratete Cobden Thomas Fisher Unwin, einen avantgardistischen Verleger, auf dessen Liste Werke von Henrik Ibsen, Friedrich Nietzsche, H. G. Wells und W. Somerset Maugham standen. Das Ehepaar Cobden Unwin ließ sich in South Kensington nieder. Unwins Engagement für eine Reihe weltweiter und humanitärer Anliegen führte dazu, dass auch Cobden ihre Interessen auf diese Themen auszuweitete. So waren sie und Unwin zum Beispiel gegen den Burenkrieg und beide gehörten zu den Gründungsmitgliedern des South Africa Conciliation Committee, wobei Cobden als dessen Sekretärin fungierte. Cobden engagierte sich zu internationalem Frieden und Gerechtigkeit, Reformen im Freistaat Kongo und ganz allgemein zu den Rechten der indigenen Völker|.