mini|Komtureihof Rohrdorf mini|Wappen der Gemeinde Rohrdorf Die Johanniterkommende Rohrdorf geht auf eine Niederlassung des katholischen Johanniter-/Malteserordens zu Beginn des 14. Jahrhunderts zurück, die 1806 aufgehoben wurde. Die Kommende Rohrdorf gehörte zur Ballei Oberdeutschland - Schwaben. Vom Gebäudebestand in Rohrdorf im heutigen Landkreis Calw sind die Alte Kommende- das Kaplaneigebäude, Kirche und die Schaffnerei erhalten. Die Gebäude werden heute als Rathaus und von der katholischen und evangelischen Kirchengemeinde genutzt.
Komtureiensemble In der Mitte der Ortschaft Rohrdorf befindet sich das historische Gebäudeensemble der ehemaligen Komturei des Johanniterordens. Es besteht aus der Kirche Sankt Johannes der Täufer der ehemaligen Kaplanei und dem alten Komtureigebäude (Alter Bau) sowie der ehemaligen Schaffnerei. Kirche und Alter Bau müssen ursprünglich eine bauliche Einheit gebildet haben, die weniger in ihrer Ausdehnung als in ihrer aufstrebenden Größe harmoniert hat.Hermann Diruf, Die Johanniterkommende Rohrdorf, Denkmalpflege in Baden-Württemberg, Bd. 20 Nr. 3, 1991 Die heutige Anlage umschließt an drei Seiten die Reste der mittelalterlichen Ummauerung. Noch bis zum Jahr 1741 stand ein massiver Turm, wohl der Rest der ehemaligen Burg der Vögte von Wöllhausen. Die Steine wurden für den Kirchenanbau der Evangelischen Kirche im Jahr 1741 verwendet. 1991 wurden die Fundamente dieses Turms an der Ostseite des Chors der Kirche aufgedeckt und dokumentiert. 1811 wurden die Gebäude, ausgenommen die Kirche, im Rahmen der Säkularisation an Privatleute verkauft. Der Alte Bau und das Kaplaneigebäude, welche heute als Rathaus dienen, wurden in den Jahren 1987–1991 unter denkmalpflegerischer Berücksichtigung grundlegend saniert.
Kirche mini|Johanneskirche Rohrdorf mini|Johanneskirche Rohrdorf, Blick in den Chor Am 25. April 1311 wurde die jetzige Kirche im Auftrag des Konstanzer Diözesanbischofs Gerhard von Avignon durch den Weihbischof Johannes von Capoleos geweiht. Dieses Datum ist durch die erhaltene Weiheurkunde im Staatsarchiv Stuttgart gesichert. Die Kirche ist somit der älteste Teil des Ordensensembles. Im Jahr 1430 erfolgte schließlich der Bau des Alten Baues unter dem Komtur Johannes von Weitingen, unmittelbar an die Johanneskirche. Die Kirche beherbergte zum Ende des 15. Jahrhunderts vier Altäre. Diese waren der Hochaltar der Mutter Gottes und Johannes Baptista, ein Kreuzaltar, sowie ein Georg- und ein Katharinen-Ottilien-Altar. Von der mittelalterlichen Ausstattung der Kirche befindet sich im katholischen Teil der Kirche eine Figur der Muttergottes. Dieses sehr hochwertige und fast lebensgroßes Kunstwerk wurde von Komtur Georg Bombast von Hohenheim im Jahr 1485 gestiftet. Eine Stifterinschrift und sein Wappen befinden sich auf der Rückseite der Figur. Die mittelalterlichen, ebenfalls sehr hochwertigen Tafeln des Rohrdorfer Hochaltares, wurden Ende des 19. Jahrhunderts durch das Königreich Württemberg glücklicherweise aufgekauft und befinden sich heute in der Staatsgalerie in Stuttgart. In der Kirche erhalten haben sich die mittelalterlichen Figuren des Johannes des Täufers als Namenspatron der Kirche und des Johanniterordens, der Heiligen Katharina sowie des Heiligen Sebastians. Die Figur der Heiligen Barbara ist eine Kopie eines spätgotischen Originals in der Pfarrkirche Affalterbach. Bedingt durch die Einführung der Reformation in Rohrdorf wurde die Kirche bis ins 18. Jahrhundert simultan genutzt. Diese Regelung führte immer wieder zu Streitigkeiten.
Am 6. Juni 1738 kam es zu einem Vertragsabschluss zwischen dem Johanniterorden und dem Herzogtum Württemberg über den Neubau einer Evangelischen Kirche als Anbau an die bestehende Ordenskirche. Im Jahr 1741 erfolgte die Grundsteinlegung für die Erweiterung der Kirche, mit räumlicher Trennung der Konfessionen. Seitdem wird der hintere, östliche Teil mit dem Chor von der katholischen, der vordere, westliche Teil, erweitert durch einen Anbau in einem stumpfen Winkel, von der evangelischen Kirchengemeinde genutzt.Archiv der evangelischen Kirchengemeinde Rohrdorf
Diese Regelung wurde in einem Vertrag zwischen dem damaligen katholischen Johanniterkomtur Dietrich Hermann von Schade mit dem Herzogtum Württemberg vereinbart.
Die Kirche hatte wohl nie ein Netzgewölbe besessen. Das vorhandene System aus Gewölbeanfängern hätte dies nicht ermöglicht. Die Vermutung von Karl Eduard von Paulus in der Oberamtsbeschreibung von 1862, dass das Netzgewölbe eingerissen wurde, kann somit nicht stimmen, es ist eher anzunehmen, dass die Kirche in diesem Punkt unvollendet geblieben ist. Dies kann eventuell aus finanzieller Sicht geschehen sein, da diese Gewölbe sehr kostspielig waren.St. Johannes der Täufer Rohrdorf, aus der Reihe „Kleine Kunstführer“, Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg i. Allgäu, 2024, S. 13
Vom Inventar der Kirche haben sich aus der Johanniterzeit eine ganze Reihe alter, liturgischer Gegenstände erhalten. Hier ist besonders hervorzuheben eine barocke Hostienmonstranz und ein Wettersegen mit kleinen Reliquien, sowie ein spätmittelalterlicher und ein frühbarocker Messkelch, Letzterer gestiftet vom Komtur Hans Werner Ritter von Raitenau. Seine Stifterinschrift befindet sich in aller Bescheidenheit in der Innenseite des Kelchfußes, ist also nicht sichtbar angebracht.
Das Innere der evangelischen Kirche beherbergt ein spätgotisches Kruzifix um 1500. 1824 bekam die Kirche einen neuen Dachreiter. Dieser Dachreiter, in der Mitte des Kirchendaches, wird aufgrund einer historischen Regelung zu je einem Drittel von der evangelischen, der katholischen und der weltlichen Gemeinde Rohrdorf unterhalten.
Das evangelische Kirchenschiff wurde 1969 vollständig im Stil der Zeit umgestaltet. Der katholische Chor erfuhr bereits im Jahr 1911 mit dem erneuten Einbau des verlorengegangenen, gotischen Maßwerkes der Fenster eine Aufwertung. 1954–1956 erfolgte eine Renovierung des Kircheninneren. Hier wurde die 1885 vorgenommene Neogotisierung zurückgenommen. 1996/1997 wurde der Chor umfassend renoviert. 1957/58 erfolgte eine Außenrenovierung. 1957 wurde eine neue Uhr in den Dachreiter der Kirche eingebaut.
Glocken 1862 befanden sich zwei Glocken in dem Dachreiter der Doppelkirche. Eine 1817 von Heinrich Kurtz in Stuttgart umgegossene und eine kleinere Glocke mit alten Majuskeln, die Eduard von Paulus nicht zu deuten wusste. Diese Glocken gingen wohl durch die Verpflichtung zur Ablieferung im Ersten Weltkrieg verloren. Heute befinden sich im Dachreiter vier Glocken.
Die beiden großen Glocken wurden 1950, ebenfalls in der Gießerei Kurtz in Stuttgart gegossen.
Die erste Glocke befindet sich im Dachreitertürmchen rechts unten. Auf ihr befindet sich ein zweireihiges Schriftband um die Glockenschulter: „EHRE SEI GOTT IN DER HOEHE UND FRIEDEN AUF ERDEN UND DEN MENSCHEN EIN WOHLGEFALLEN“ Lukas 2:14. Auf der unteren Glockenflanke trägt sie die Gussmarke „H (das Firmenlogo) K ROHRDORF 1950“.
Die zweite Glocke befindet sich links unten. Sie trägt das Schriftband um die Glockenschulter: „LAND, LAND, LAND, HOERE DES HERRN WORT“.
Gleichfalls von der Firma Kurtz wurde die 1922 gegossene dritte Glocke geschaffen. Sie befindet sich links oben, sie trägt folgende Inschriften: Auf der Glockenflanke: „DER VOELKERHASS VERZEHRTE MICH DER BRUDERLIEBE ENTSPRANG ICH“. Auf dem Glockenwolm: „GESTIFTET VON ADOLF GROPP IN ROHRDORF 1922“.
Im Jahr 2000 schenkte die weltliche Gemeinde Rohrdorf die vierte, kleinste Glocke den Kirchengemeinden. Auch sie wurde wieder in Stuttgart von der Firma Kurtz gegossen. Sie befindet sich rechts oben und trägt die Jahreslosung der Herrnhuter Brüdergemeine für das Jahr 2000 als Inschrift auf der Glockenflanke: „WENN IHR MICH VON GANZEN HERZEN SUCHEN WERDET; SO WILL ICH MICH VON EUCH FINDEN LASSEN Jeremia 29:13+14 Jahreslosung 2000“ Diese Glocke wird Millenniumglocke genannt.
Das Geläut ist auf a′-h′-eis″-e″ abgestimmt.St. Johannes der Täufer Rohrdorf, aus der Reihe „Kleine Kunstführer“, Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg i. Allgäu, 2024, S. 32/33 Die Unterhaltung von Uhr, Dachreiter und Glocken tragen je zu 1/3 Katholische, Evangelische und weltliche Gemeinde.
Der Alte Bau mini|Alte Komturei Rohrdorf - Sicht von Norden Unter Komtur Johannes von Weitingen wurde das alte Komtureigebäude an der Nordseite der Kirche erbaut. Dieses Gebäude wird der Alte Bau oder Alte Kommende genannt. Dort findet sich am ehemals mittelalterlichen Portal eine Inschrift: anno 1430 do wart dis hus gebut. Mit dem Wappen des Komturs Johannes von Weitingen, dem Wappen des Großprior Hugo von Montfort-Bregenz und dem Wappen der Herrschaft Heitersheim. Das Gebäude, mit seinen massiven Stockwerken und schön gestalteten, gotischen Fenstern, hatte einst die Kirche überragt. Der Grundriss des Gebäudes ist trapezförmig. Ende des 15. Jahrhunderts verfügte das Ordenshaus über 26 Schlafstellen. Um 1561 muss ein entscheidender Umbau im Inneren des Alten Baues stattgefunden haben, welcher die alte Raumstruktur zumindest in den zwei verbliebenen unteren Geschossen entscheidend verändert hat. Hiervon gibt die Jahreszahl 1561 im Kaminsturz Anlass. Um 1600 wurde der Sitz des Komturs in das katholische Dätzingen verlegt. Seit dem Bau der neuen Kaplanei wurde der Alte Bau in der Folge mehr und mehr vernachlässigt, obwohl dieser nochmals mit den Wandmalereien im kleinen Saal eine prächtige Ausstattung erfuhr. Aus Archivalienbeständen aus dem Jahr 1686 ist bekannt, dass sich im Alten Bau eine Klosterküche mit laufenden Brunnen befand.Hermann Diruf, Die Johanniterkommende Rohrdorf, Denkmalpflege in Baden-Württemberg, Bd. 20 Nr. 3, 1991 1862 beschreibt Karl Eduard von Paulus das alte Komtureigebäude: Es sind noch zwei Stockwerke vorhanden, auf die erst in neuerer Zeit ein Holzbau aufgesetzt wurdeOberamtsbeschreibung Nagold -Band V, herausgegeben vom königl. statist. topograph. Bureau, Stuttgart 1862, Seite 207 Der 1826 aufgeschlagene Notdachstuhl beinhaltete Hölzer, die laut dendrochronologischer Datierung um 1429/30 geschlagen wurden. Dies gibt Anlass, dass dieses Holz vom mittelalterlichen Kommendenbau selbst stammt.Hermann Diruf, Die Johanniterkommende Rohrdorf, Denkmalpflege in Baden-Württemberg, Bd. 20 Nr. 3, 1991 Im Jahr 1917 erfolgte durch die Gemeinde der Kauf des alten Komtureigebäudes von Privatleuten. Der Bau wurde in der Folge als Magazin benutzt. Die Gemeinde verkaufte aber schon im Jahr 1918 die östliche Hälfte an die katholische Kirchengemeinde. 1987 konnte die Gemeinde alle Kelleranteile von Privateigentümern erwerben und die katholische Kirchengemeinde übertrug der Gemeinde Rohrdorf ihren Eigentumsanteil an dem alten Komtureigebäude, im Hinblick auf die geplante Wiederherstellung des Gebäudes. Somit ist die Gemeinde Rohrdorf nunmehr alleiniger Eigentümer des Alten Baues. 1987 bis 1990 wurden die alte Komturei (Alter Bau) und das neue Schloss (Kaplanei) umfassend restauriert. Heute beherbergt der Alte Bau einen Teil des Rathauses, den Sitzungssaal des Gemeinderats und Vereinsräume, sowie die Räumlichkeiten der katholischen Kirchengemeinde Rohrdorf.
Die Wandmalereien im Alten Bau der Komturei mini|Malerei am Abgang zum Keller in der alten Komturei Rohrdorf mini|Wandmalereien im Gemeindesaal der Katholischen Kirchengemeinde Im Rahmen der Restaurierung der ehemaligen Komturei gab es überraschende Neuentdeckungen von verschiedenen Wandmalereien von hohem, kulturgeschichtlichem Rang. Besonders hervorzuheben sind die Malereien im kleinen Saal, heute der Raum des Hauptamtes, welcher auch als Trau- und Besprechungszimmer dient. Dieser Teil im 1. Obergeschoss des Alten Baues beherbergte einst den großen Saal (heute Sitzungssaal), von welchem dieser Raum abgeteilt war. Zeitlich können die Malereien unter Komtur Johann Werner von Raitenau, im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts eingeordnet werden. Raitenau veranlasste umfangreiche Renovierungen. Auch die stilistischen Kriterien sprechen für diesen Zeitraum.