Bei einer Amokfahrt in Mannheim steuerte ein Mann am Mittag des 3. März 2025 einen Pkw in der Fußgängerzone in eine dortige Menschenmenge. Dadurch wurden zwei Personen getötet und elf Menschen zum Teil schwer verletzt. Der Fahrer wurde von der Polizei nach der Amokfahrt festgenommen und zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Anzeichen für ein politisches Motiv sah das Gericht nicht.

Verlauf Der zum Tatzeitpunkt 40-jährige Alexander S. fuhr am 3. März 2025 gegen 12:15 Uhr mit einem dreitürigen Kleinwagen, Ford Fiesta ’02,Bild des Tatfahrzeugs. mannheim24.de, abgerufen am 5. März 2025. vom Friedrichsring kommend in die Planken, die Haupteinkaufsstraße Mannheims, die sich über mehrere Hundert Meter erstreckt. Auf Höhe des Paradeplatzes erfasste er mehrere Passanten und verletzte sie teils schwer. Zum Tatzeitpunkt fand auf den Planken sowie rund um den Wasserturm ein Fasnachtsmarkt mit zahlreichen Imbissbuden und Fahrgeschäften statt. Bei der Tat wurden eine 83-jährige Frau und ein 54 Jahre alter Mann getötet und elf Menschen zum Teil schwer verletzt. Ein Taxifahrer, deutscher Staatsbürger mit pakistanischem Migrationshintergrund, der die Tat beobachtet hatte, verfolgte das Fahrzeug und stellte sich nach einem missglückten Wendemanöver dem Fahrer in den Weg, der nach Abgabe eines Schusses aus seiner Schreckschusspistole anschließend zu Fuß weiter floh.

Das verlassene Tatfahrzeug wurde im Bereich E 7, einem Häuserblock in der Quadratestadt, etwa einen Kilometer vom Tatort entfernt sichergestellt. Die Polizei nahm den Täter nahe der Fußgängerzone in der Hafenstraße fest. Im Verlauf der Festnahme verletzte sich der Mann mit der Schreckschusswaffe im Mund selbst und wurde in einem Krankenhaus behandelt.

Ermittlungen Die Staatsanwaltschaft Mannheim leitete ein Ermittlungsverfahren wegen zweifachen Mordes sowie zweifachen versuchten Mordes ein. Die Ermittlungsbehörden sehen keine Hinweise auf einen politischen Hintergrund und gehen davon aus, dass der Täter allein handelte. Am darauffolgenden Tag wurde Haftbefehl wegen zweifachen Mordes und mehrfachen versuchten Mordes erlassen. Bei der Vorführung vor den Haftrichter schwieg der Täter zu seinen Motiven.

Es handelte sich um einen 40-jährigen, ledigen deutscher Landschaftsgärtner aus Rheinland-Pfalz, der alleine im benachbarten Ludwigshafen wohnte. Er hatte Vorstrafen wegen kleinerer Vergehen, unter anderem wegen des Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund liegen nicht vor. Es gab Anhaltspunkte für eine psychische Erkrankung des Täters sowie einen psychischen Ausnahmezustand zur Tatzeit. Nach Recherchen des Recherchenetzwerks EXIF – Recherche & Analyse stammt der Täter aus der Neonazi- und der sogenannten Reichsbürgerbewegung, der er bis mindestens 2018 angehörte. Er war Mitglied im sogenannten „Ring-Bund“, einer Gruppe aus dem Umfeld eines rechtsextremen Waffen-Netzwerks.

Er wurde vor dem Landgericht Mannheim angeklagt. Die Hauptverhandlung begann am 31. Oktober 2025. Am 18. Dezember 2025 wurde er trotz verminderter Schuldfähigkeit zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt; außerdem wurden die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus und die Entziehung der Fahrerlaubnis mit lebenslanger Wiedererteilungssperre angeordnet. Obwohl der Täter sich in der Vergangenheit "mit Gedankengut befasst [habe], dass (sic!) dem rechten politischen Spektrum zugerechnet werden könne", schloss das Landgericht Mannheim ein politisches Motiv im Urteil aus.

Reaktionen Fasnachtsumzüge in der Region (Heidelberg, Brühl und Schwetzingen) wurden infolge des Angriffes abgesagt, ebenso die Straßenfasnacht in der Mannheimer Innenstadt sowie der Fasnachtsmarkt, bei dem sich die Amokfahrt ereignet hat. Auch drei große Innenstadt-Kaufhäuser blieben geschlossen. Maite Kelly sagte aus Respekt vor den Opfern ein zwei Tage später geplantes Konzert in Mannheim ab.

Am Abend des 3. März 2025 drückten Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD), Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) und Mannheims Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) in Mannheim ihre Betroffenheit aus. An städtischen Dienstgebäuden in Mannheim wurde Trauerbeflaggung angeordnet.

Am 4. März 2025 gab es einen ökumenischen Andachtsgottesdienst, bei dem auch die evangelische Landesbischöfin Heike Springhart und der katholische Erzbischof von Freiburg Stephan Burger sowie Muhterem Aras, die baden-württembergische Landtagspräsidentin, teilnahmen.

Eine Woche nach der Tat gedachten rund 1500 Menschen im Rahmen eines Interreligiösen Gebets der Opfer der Amokfahrt.

Laut einer Analyse von BuzzFeed News Deutschland sank das mediale Interesse an der Amokfahrt, als bekannt wurde, dass der Täter ein deutscher Staatsbürger ohne Migrationshintergrund ist. Nach Auswertungen mittels der Software von Meltwater hätten deutsche Medien mehr als doppelt so häufig über die Amokfahrten in Magdeburg und München wie über diese Amokfahrt in Mannheim berichtet. Zu gleichen Ergebnissen käme eine Analyse der Firma NewsWhip. Der Journalismusforscher Thomas Hestermann führt dies zurück auf eine „Betroffenheitsarmada“, die ihre Emotionen auf der Straße und in Onlinekommentaren nur dann äußerten, „wenn ein Ausländer unter Tatverdacht“ stehe, um auf ein vermutetes größeres Problem hinzuweisen. Der Wissenschaftler Sekou Keita vermutet die „gefühlte Wichtigkeit eines Themas“ hinter der geringeren Medienrelevanz, sobald „der Tatverdächtige ein Deutscher ist.“ Der Umstand, dass der Amokfahrer von einem Taxifahrer mit pakistanischen Wurzeln gestoppt wurde, wurde durch das anfängliche Interesse der Öffentlichkeit an der Herkunft des Täters überlagert.

Der Innenausschuss des Deutschen Bundestages befasste sich am 18. März 2025 mit der Tat, nachdem es insbesondere von Grünen-Politikern Kritik an anfänglicher Nichtbefassung gegeben hatte. Bundesinnenministerin Nancy Faeser sagte in diesem Zusammenhang: „Wir stellen fest, dass das öffentliche Interesse an solchen Vorfällen oft größer ist, wenn der Täter ausländischer Herkunft ist. Das ist ein Problem, denn es verzerrt die Wahrnehmung der Fakten, verstärkt Vorurteile und heizt gesellschaftliche Konflikte unnötig an.“Nach der Amokfahrt in Mannheim, bmi.bund.de, 18. März 2025, abgerufen am 23. März 2025 Bundestag: Innenausschuss tagt zu Gewalttaten in Berlin und Mannheim, tagesspiegel.de, 17. März 2025, abgerufen am 23. März 2025

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