Café Türk ist eine schweizerisch-türkische Ethno-Band aus Schaffhausen. Sie bestand von 1983 bis 1990 und ist nach ihrer Wiederentdeckung 2019 bis heute aktiv.
Bandgeschichte Erste Schaffensperiode (1983–1990) Metin Demiral kam 1973 im Alter von fünfzehn Jahren aus der türkischen Stadt Kars nach Ramsen in der Schweiz. Seine Mutter war Schweizerin, sein Vater ein türkischer Arzt, der in der Schweiz studiert hatte. Bereits in der Türkei lernte Demiral Gitarre und begann sich schnell in die Musikszene von Schaffhausen zu integrieren.
Café Türk wurde 1983 von Metin Demiral und Stefan Bittlinger-Grob in Ramsen gegründet. Die beiden waren geprägt von Psychedelic Rock aus der Türkei, später auch von elektronischer Musik wie Kraftwerk, aber auch frühen Bands der Punk- und Neuen Deutsche Welle wie Nina Hagen und Spliff. Dazu kam Funk und früher Hip-Hop.
Ihr erster Song Haydi Yallah entstand in einem Kellerstudio und verband Discobeats mit einer satirischen Erzählung über den osmanischen Reiseschriftsteller Evliya Çelebi, der durch Europa reist und aus einem deutschen Nachtclub geworfen wird. Die Geschichte war eine Anspielung auf die Migration türkischer Arbeiter nach Deutschland in den 1960er Jahren.
Er reiste nach Istanbul und versuchte erfolglos das Stück im türkischen Radio unterzubringen. Es scheiterte an den Zensurauflagen der Militärjunta in der Türkei zu jener Zeit.
Stattdessen gewann Café Türk 1985 einen Musikwettbewerb des deutschen Labels Türküola, damals die Adresse für türkische Musik in Deutschland, das die beste türkische Nachwuchsband Europas suchte.
Dies führte zur Gründung einer bis zu zehnköpfigen Band und zur Veröffentlichung des Debütalbums Pizza Funghi (1985). Da die Aufnahme jedoch doppelt so teuer wird, als dies Türküola veranschlagten, kam kein Plattendeal zustande und Demiral veröffentlichte das Album kurzerhand in Eigenproduktion. Die Band spielte mehr als 200 Konzerte in Deutschland und der Schweiz und trat auf verschiedenen Veranstaltungen auf, unter anderem bei Gewerkschaften, die türkische Einwanderer vertraten, hatte aber auch Fernsehauftritte im deutschen und Schweizer Fernsehen.
1987 folgte die Single Ali Baba, in der es um die Ausbreitung der Türken in Europa geht. Das an ein westliches Publikum gerichtete Lied, das auf Elemente der orientalischen Musik verzichtete, war eine Parodie auf den deutschen Schlager. Demiral versuchte den Song ins Schweizer und deutsche Radio zu bringen, was jedoch scheiterte. Ende der 1980er wurde die Band von rassistischen Skinheads bedroht.
Es folgten die Alben Giriş Serbest (1989) und Duty Free (1990), bevor sich Café Türk auflöste. Es kam zu Streitigkeiten innerhalb der Band, da Metin oft den anderen Musikern als Frontmann den Rang ablief. Zudem entwickelte die Band ein Verhgalten wie Rockstars mit Alkohol- und Drogenkonsum. Dabei zerstörten sie auch Hotelzimmer und verloren die Lust an der Studioarbeit. Eine Türkei-Tour scheiterte, dafür wurde Demiral ins türkische Militär eingezogen. Schließlich löste er die Band nach sieben Jahren auf.
Nach dem Ende der Band leitete Metin Demiral den Musikclub Orient in Schaffhausen.
Wiederentdeckung 2019
2019 kontaktierte eine Mitarbeiterin des Londoner Labels Zel Zele Metin Demiral. Ein DJ aus Istanbul hatte ein Bootleg-Tape von Café Türk entdeckt und wollte einen Song für eine geplante Compilation vorschlagen. Dies führte zu einer umfassenden Wiederveröffentlichung: Viele der alten Masterbänder waren beschädigt, konnten aber restauriert werden.
2020 erschien eine kompilierte Doppel-LP von Zel Zele mit alten und unveröffentlichten Songs der Band. 2022 folgte Live in Neunkirch 1990, 1990 auf dem Höhepunkt der Band auf einem Open Air in Neunkirch vor 2500 Zuschauern mitgeschnitten.
Die Arbeit an den Tonträgern sorgte dafür, dass Demiral wieder Lust am Musizieren bekam. Zusammen mit Bruno «Buddy» Niederhauser und Dani Leu gründete er die Band erneut und begann zu proben.
2024 veröffentlichte Café Türk mit Doğu Ekspresi ihr erstes Studioalbum nach über 30 Jahren.
Stil Die Musik der Band ist eine Mischung aus Rock, Reggae, New Wave, Disco und Hip-Hop mit Einflüssen aus der türkischen und aserbaidschanischen Musikkultur. Neben traditionellen Rock-Instrumenten verwendet die Band Akkordeon, Vibrafon, Querflöte, Saxofon, Klarinette, Trompete sowie traditionelle Instrumente wie Baglama, Oud oder Kanun. Gesungen wird hauptsächlich auf Türkisch, gelegentlich auch auf Deutsch.
Diskografie
Studioalben
1985: Pizza Funghi (Sound Concept Records) 1989: Giriş Serbest (Sound Concept Records) 1990: Duty Free (Fun Key) 2024: Doğu Ekspresi (Sound Concept Records)
Livealbum
2022: Live in Neunkirch 1990 (Sound Concept Records, Doppel-LP/CD)
Single
1987: Ali Baba / Zeynep (Sound Concept Records)
Kompilation
2020: Café Türk (Zel Zele)
Samplerbeitrag
2023: Mehmet Aslan presents Senza Decoro: Liebe + Anarchia in Switzerland 1980–1990 (Strut Records / K7 Music GmbH) – Enthält den Song "Söyledir". Kassette
1986: Haydi Yallah (Bootleg) (Teleskop Produced) – Raubkopie des ersten Albums Pizza Funghi.
Auszeichnungen 1983: Beste türkische Band in Europa – Auszeichnung durch das Label Türküola
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Schweizerische Band Kategorie:Gegründet in den 1980er Jahren Kategorie:Organisation (Schaffhausen) Kategorie:Kultur (Schaffhausen) Kategorie:Weltmusik-Band Kategorie:Fusion-Band