mini|Selenskyj, Trump und Vance während des Treffens am 28. Februar 2025 im Weißen Haus

Zu dem Disput zwischen Trump und Selenskyj im Weißen Haus am 28. Februar 2025 kam es bei einem Gespräch wegen des Russisch-Ukrainischen Krieges zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump und dem Präsidenten der Ukraine Wolodymyr Selenskyj. Der zunächst sachliche Austausch im Weißen Haus entwickelte sich zu einer öffentlichen Auseinandersetzung, als zuerst US-Vizepräsident JD Vance und dann Trump Selenskyj vor laufender Kamera wiederholt scharf kritisierten und schwere Anschuldigungen erhoben. Das Treffen wurde daraufhin abrupt abgebrochen und es kam nicht zur angekündigten Unterzeichnung eines Abkommens über den Abbau von Rohstoffen in der Ukraine.

Donald Trump demütigte im Mai 2025 auch den Südafrikanischen Präsidenten Cyril Ramaphosa auf eine ähnliche Weise vor laufenden Kameras.Das «Trump-Treatment» für gering geschätzte Staatsgäste hat System In der Schweiz zählte man Bundesrätin Karin Keller-Sutter ebenfalls zu den von Trump gedemütigten Staatsoberhäuptern.Diese Politiker wurden schon von Trump gedemütigtKarin Keller-Sutter und ihr Selenski-Moment

Hintergrund

Nach der Amtsübernahme von Donald Trump hatte dieser wiederholt dazu aufgerufen, den Krieg in der Ukraine schnell zu beenden, und weitere US-Militärhilfen an die Ukraine infrage gestellt. Er warf der Ukraine vor, den Krieg angefangen zu haben, obwohl ihn tatsächlich Russland begonnen hatte, und bezeichnete den demokratisch gewählten Selenskyj als „Diktator“. Die Ukraine solle die bereits geleistete US-Unterstützung in Form von Schürfrechten für US-Unternehmen an ukrainischen Rohstoffvorkommen zurückzahlen sowie umgehend einen Waffenstillstand mit Russland unterzeichnen. Sicherheitsgarantien für die Ukraine, die einen Bruch des Waffenstillstands verhindern würden, lehnte er dabei ab und verwies darauf, dass dafür die Europäer zuständig seien. Daneben räumte er in einem Gespräch mit Putin unter Ausschluss der Ukraine und anderer europäischer Partner bereits weitere potenzielle Druckmittel gegenüber Russland wie eine mögliche ukrainische NATO-Mitgliedschaft ab und akzeptierte damit zentrale Forderungen von Putin, noch bevor es zu Verhandlungen gekommen war. Bei den Vereinten Nationen brachten die USA am 22. Februar eine russlandfreundliche Resolution ein.

Dies hatte im Vorfeld des Besuchs zu Spannungen zwischen der Trump-Regierung und der Ukraine geführt, die aus historischer Erfahrung an Russlands Bereitschaft zweifelte, sich an Vereinbarungen zu halten. Die Ukraine wünschte im Gegenzug für ein Rohstoffabkommen Sicherheitsgarantien für einen nachhaltigen Frieden.aljazeera.com: Trump officials slam Zelenskyy, as Western leaders rally around UkraineTrump calls for ‘immediate’ ceasefire between Ukraine and Russia, but doubts Zelenskyy wants peacewww.president.gov.ua: Our Teams Are Working with the United States, We Are Preparing for Negotiations as Early as This Friday – Address by the President of Ukraine (26. Februar 2025) Trump bestand darauf, dass zunächst das Rohstoffabkommen mit den USA und ein bedingungsloser Waffenstillstand mit Russland unterzeichnet würde. Trumps absehbarer Kurs ließen den französischen Präsidenten Emmanuel Macron und den britischen Premierminister Keir Starmer nach Washington reisen, um zu vermitteln und das transatlantische Bündnis zu erhalten. Sie boten an, mehr für die eigene Sicherheit und die der Ukraine zu tun. Am 25. Februar 2025 einigten sich die die USA und die Ukraine auf ein Abkommen.Ukraine agrees minerals deal with US Die finale Version des Abkommens enthielt keine Sicherheitsgarantie, sondern die Formulierung, die USA würden „in eine freie, souveräne und sichere Ukraine“ investieren und die Ukraine in ihrem Bestreben unterstützen, Sicherheitsgarantien zu erhalten (“supports Ukraine’s efforts to obtain security guarantees”), um einen dauerhaften Frieden zu erreichen.Trump and Zelensky Had a Shouting Match in the Oval Office. Now What? Die Vereinbarung sollte am 28. Februar 2025 in Washington in Form einer gemeinsamen Absichtserklärung besiegelt werden. Die Vereinbarung sah die Einrichtung eines gemeinsamen Investitionsfonds zum Wiederaufbau der Ukraine vor, wobei die USA vom Abbau Seltener Erden in der Ukraine profitieren sollten. Die Ukraine hatte geplant, 50 % der künftigen Einnahmen aus den Ressourcen und Mineralien des Landes in den Fonds einzubringen.

Unmittelbar vor dem Treffen mit Selenskyj sagte Trump mit Blick auf die Zusammenkunft, man werde „sehr gut miteinander auskommen“. Zuvor hatte Trump seine Äußerung vom 19. Februar 2025 (auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social), Selenskyj sei ein „Diktator ohne Wahlen“, öffentlich angezweifelt: er könne „nicht glauben“, so etwas gesagt zu haben.Babett Gumbrecht: Putin-Verbündeter droht: „Wir werden Deutschland vom Erdboden tilgen“ www.fr.de, 26. Februar 2025

Verlauf des Gesprächs mini|Videoaufzeichnung des Treffens von Trump und Selenskyj am 28. Februar 2025 Gegen 11:20 Uhr EST kamen Selenskyj und seine Berater im Weißen Haus an. Trump traf ihn am Eingang des West Wing. Vor dem Treffen hatten Mitarbeiter aus Trumps Gefolge Selenskyj darauf hingewiesen, dass es respektvoll wäre, im Anzug zu erscheinen, er war aber wie üblich in einen militärisch anmutenden Stil gekleidet.Barak Ravid: Inside the Oval: How Trump’s team sent Zelensky home with no deal and no meal In: axios.com vom 28. Februar 2025, abgerufen am 7. März 2025. Nachdem Trump Selenskyj zur Begrüßung die Hand geschüttelt hatte, bemerkte er sarkastisch, dass er „heute ganz schick angezogen“ sei. Das Treffen im Oval Office fand in Anwesenheit von Journalisten statt, bei denen diese auch Fragen stellen konnten. Anders als normalerweise üblich wurden die Journalisten jedoch nicht nach wenigen Minuten hinausgebeten, um im Privaten weiterverhandeln zu können; stattdessen ließ Trump immer weitere Fragen zu. Dabei wurde Selenskyj unter anderem vom Reporter Brian Glenn des Right Side Broadcasting Network, dem Partner von Marjorie Taylor Greene, gefragt, warum er keinen Anzug trage. Dieser antwortete, dass er einen tragen werde, wenn der Krieg vorbei sei.Connor Stringer, Nick Squires: The Maga reporter whose humiliation of Zelensky sparked a geopolitical crisis In: The Telegraph vom 1. März 2025, abgerufen am 7. März 2025.

Etwa 40 Minuten nach Beginn des Treffens bat Trump um eine letzte Frage von Journalisten („one more question“Chaos-Treffen im Weissen Haus – Trump vs. Selenski: Der Eklat im Oval Office in voller Länge. SRF.). Stattdessen mischte sich Vizepräsident Vance ein und brachte das Treffen mit seinem Monolog über Diplomatie zum Entgleisen: Selenskyj wies auf den Kriegsbeginn des russisch-ukrainischen Krieges durch Putin 2014 hin. Er betonte, dass er 2019 mit Putin, Frankreich und Deutschland im Normandie-Format bereits einen Waffenstillstand ausgehandelt habe, Putin sich jedoch weder an den Waffenstillstand noch an einen vereinbarten Gefangenenaustausch gehalten habe. Selenskyj fragte Vance daher: „Von welcher Art Diplomatie sprechen Sie?“ Selenskyj fragte Vance mit dessen Erlaubnis, ob Vance jemals in der Ukraine gewesen sei, woraufhin Vance ihn als undankbar abkanzelte.Vance leans hard into Trump's foreign policy — and sparks an extraordinary Oval Office skirmishWashington: J. D. Vance wählte die perfekte Methode, um Selenski zu demütigen

Trump begann an dieser Stelle ebenfalls, Selenskyj zu belehren, er kritisierte Selenskyj außerdem dafür, dass er sich weigere, Zugeständnisse an Russland zu machen. Selenskyj antwortete, dass er einen Waffenstillstand wolle, aber Garantien brauche für den Fall, dass Russland diesen breche. Trump darauf: „Ihr seid nicht in einer guten Position. Ihr habt im Moment nicht die Karten in der Hand“, worauf Selenskyj antwortete: „Ich spiele keine Karten. Ich meine es sehr ernst, Herr Präsident. Ich meine es sehr ernst. Ich bin der Präsident in einem Krieg.“

Sowohl Trump als auch Vance unterbrachen Selenskyj wiederholt. So fragte Vance, ob Selenskyj sich jemals bedankt habe, obwohl Selenskyj das Gespräch bereits mit einem „vielen Dank“ an Trump begonnen hatte. Vance beschuldigte Selenskyj auch, er habe mit einem Besuch einer für die Ukraine produzierenden Waffenfabrik „Wahlkampf für die Demokratische Partei“ betrieben. Auf die Frage eines Journalisten, was die USA tun würden, wenn Putin den Waffenstillstand brechen würde, sagte Trump nur: „Was, wenn irgendwas? Was, wenn Ihnen jetzt eine Bombe auf den Kopf fällt?“ Gegen Ende des Treffens behauptete Trump, Putin würde ihn respektieren. Er erwähnte dabei die Sonderermittlung bezüglich der russischen Einmischung in die US-Präsidentschaftswahl 2016 und meinte darauf bezogen, dass „Putin verdammt viel durchgemacht“ habe und „er eine falsche Hexenjagd durchgemacht hat, bei der sie ihn und Russland benutzt haben“.

Siehe auch das Transkript des Treffens.

Abbruch des Treffens Berichten zufolge konsultierte Trump nach dem Treffen Vance, Außenminister Marco Rubio, Finanzminister Scott Bessent und andere hochrangige Berater und behauptete, Selenskyj sei „nicht in der Lage gewesen zu verhandeln“. Laut New York Times und CNN wurde Selenskyj zum Verlassen des Weißen Hauses aufgefordert. Rubio und der Nationale Sicherheitsberater Michael Waltz wurden zur ukrainischen Delegation (die im Roosevelt Room wartete) geschickt, um ihr dies mitzuteilen. In einem Interview mit Fox News behauptete Waltz später, einige ukrainische Vertreter seien „praktisch in Tränen“ gewesen, aber Selenskyj sei „streitlustig“ geblieben, als er (Waltz) die Ukrainer zum Verlassen aufforderte. Ein ukrainischer Vertreter schlug vor, ein weiteres Treffen zwischen Trump und Selenskyj zu arrangieren, um die Spannungen abzubauen, doch die Amerikaner lehnten ab. Trump sagte später, Selenskyj solle erst zurückkommen, wenn er „bereit für Frieden“ sei.Trump-Zelensky meeting: Europe rallies behind Ukraine after furious exchange in White House – latest. In: BBC News. Selenskyjs Wagenkolonne verließ den Hof des Weißen Hauses um 13:42 Uhr und kehrte zum Hay-Adams-Hotel zurück.

Selenskyj reiste am Folgetag ab, ohne dass es zur erwarteten Unterzeichnung eines Abkommens über die gemeinsame Ausbeutung von Rohstoffen (Ukraine–United States Mineral Resources Agreement) kam.

Reaktionen Namhafte Medien (Independent, New York Times, Financial Times, Atlantic, Haaretz) nannten die Möglichkeit einer Falle, eines Hinterhalts und im Guardian war von Absicht die Rede.Es war eine FalleAmbushed: How Ukraine Was Sacrificed for the Latest Disgraceful Episode of Trump's Reality Show[https://www.sueddeutsche.de/kultur/trump-selenskij-oval-office-weisses-haus-film-li.3211991 Ganz großes Kino Selenskyj habe mit der Art der Lügen, die die Trump-Administration in Umlauf bringe, nicht umgehen können.https://cdn.jwplayer.com/previews/5bSbXd8n Sam Kiley: Trump's Zelensky meeting almost pre-planned ambush by Vance] Die NZZ nannte Vance «Brandbeschleuniger» und brachte die Hinterhalt-Einlassungen zur Sprache.Der Vizepräsident spielt Brandbeschleuniger Thomas Jägers erster Gedanke war „Da ist ein Manuskript abgespielt worden“. Russland diktiere die Bedingungen und Trump sei deshalb nicht weiter gekommen. Weil Trump Russland in den USA nicht erheben könne, habe Trump die Ukraine erniedrigt.Jäger: Selenskyj ist in eine Falle gelaufen