mini|Oleksij Beketow, 1900 Oleksij Mykolajowytsch Beketow (; * 3. März 1862 in Charkiw; † 23. November 1941 ebenda) war ein ukrainischer Architekt.
Leben und Wirken mini|Oleksij Beketow mit seiner Frau Hanna Altschewska, 1900 Oleksij Beketow wurde am 3. März 1862 in der Familie des Chemikers Nikolai Beketow geboren. In Charkiw absolvierte er die Realschule, an der Dmytro Bezpertschyj Zeichnen und Malerei unterrichtete, sowie die private Kunstschule von Marija Rajewska-Iwanowa. 1882 trat er in die Architekturabteilung der Kunstakademie in Sankt Petersburg ein und schloss sie 1888 mit Auszeichnung ab. Trotz der Möglichkeit, nach dem Studium in der damaligen Hauptstadt des Russischen Kaiserreiches, zu bleiben, kehrte er nach Charkiw zurück.
Im Jahr 1889 heiratete Beketow Hanna Altschewska, die Tochter des ukrainischen Mäzens Oleksij Altschewskyj, und aus der Ehe gingen vier Kinder hervor. Seit 1890 unterrichtete er am Charkiwer Technologischen Institut und eröffnete sein eigenes Architekturbüro.
Beketow spielte eine zentrale Rolle in der architektonischen Gestaltung von Charkiw, das um die Jahrhundertwende einen Bauboom erlebte und sich zu einem bedeutenden Bildungs-, Handels- und Industriezentrum entwickelte. Er entwarf mehr als 40 Gebäude, darunter Bildungseinrichtungen, öffentliche Bauten und Bankgebäude, die noch heute das Stadtbild prägen. Weitere Werke von Beketow schmücken Städte wie Simferopol, Baku, Aluschta, Donezk, Dnipro und Kiew. Der Architekt arbeitete in verschiedenen Stilen, darunter Jugendstil, Neorenaissance, Neoklassizismus und Eklektizismus. Neben seiner architektonischen Tätigkeit widmete er sich der Aquarellmalerei.
Beketow entwarf die Gestaltung des Altschewskyj-Anwesens in Charkiw, wo 1899 das erste Denkmal für Taras Schewtschenko errichtet wurde. 1896 vollendete er seine Sommerresidenz bei Aluschta auf der Krim. 1911 wurde in Simferopol das Theater nach seinen Entwürfen erbaut. Zwischen 1926 und 1933 entstand in Odessa am Chadschibej-Liman ein Bauernsanatorium nach Beketows Plänen. 1928 gestalteten die Bojtschukisten unter der Leitung von Mychajlo Bojtschuk, darunter Antonina Iwanowa und Marija Junak, die Innenräume des Sanatoriums.
Ab 1930 lehrte Beketow am Charkiwer Institut für Bauwesen, von 1935 bis 1941 am Charkiwer Institut für Kommunalwirtschaft (seit 2013 Beketow-Universität für Kommunalwirtschaft). Im Jahr 1939 wurde er als ordentliches Mitglied der Akademie der Architektur der UdSSR bestätigt und erhielt den akademischen Grad eines Doktors der Architektur.
Im Laufe seines Lebens bildete Beketow zahlreiche Schüler aus, darunter die bekannten Architekten Wassyl Krytschewskyj, Oleksij Tazij, Oleksandr Kassjanow und Alexei Duschkin.
Oleksij Beketow starb im Jahr 1941 während der deutschen Besetzung Charkiws.
Während der großangelegten Invasion Russlands seit 2022 wurden mehrere Gebäude des Architekten durch russische Angriffe beschädigt.
Bauwerke (Auswahl) 1889–1901: Wirtschaftsschule in Charkiw (heute das Hauptgebäude der Nationale Juristische Jaroslaw Mudryi-Universität Charkiw, Hryhorij-Skoworoda-Straße) 1893: Altschewskyj-Haus in Charkiw (heute: Kulturpalast der Nationalpolizei, Oblast Charkiw, Zhon-Myronosyts-Straße) 1896: Sonntagsschule für Frauen von Chrystyna Altschewska in Charkiw (heute das Ausstellungsgebäude des Kunstmuseums Charkiw, Zhon-Myronosyts-Straße) – durch russische Raketenangriffe beschädigt 1896: Eigenes Sommerhaus in Aluschta 1896: Dmytro-Altschewskyj-Haus in Charkiw (heute eine Schule, Darwin-Straße) 1896–1897: Eigenes Haus in Charkiw (heute Haus der Wissenschaftler, Zhon-Myronosyts-Straße) – durch russische Raketenangriffe beschädigt 1896–1898: Landbank von Charkiw (heute Berufsschule für Autotransport, Verfassungsplatz) – durch russische Raketenangriffe beschädigt 1896: Asow-Don-Handelsbank (heute: Verfassungsplatz) – durch russische Raketenangriffe beschädigt 1896–1912: Mariä-Geburts-Kirche in Charkiw – zerstört in den 1930er Jahren 1899: Handelsbank in Charkiw (heute: Verfassungsplatz) 1899: Sokolow-Haus in Charkiw (heute Haut- und Venerologische Ambulanz, Blahowischtschenska-Straße) – durch russische Raketenangriffe beschädigt 1899–1901: Öffentliche Bibliothek in Charkiw (heute: Charkiwer Staatliche Wissenschaftliche Bibliothek W. H. Korolenko) – durch russische Raketenangriffe beschädigt 1899–1902: Gebäude der Justizinstitutionen in Charkiw (zusammen mit Julij Tsaune und Wladimir Chrustaljow, heute das Appellationsgericht der Oblast Charkiw, Platz der Himmlischen Hundertschaft) – durch russische Raketenangriffe beschädigt 1900: Somow-Haus in Charkiw (heute Medizinische Gesellschaft, Maksymilianiwska-Straße) 1901–1903: Hoches Bergbauinstitut in Dnipro (umgebaut, heute: Nationale Technische Universität „Dniproer Polytechnikum“, Jawornyzkyj-Allee) 1902: Eigenes Haus in der Darwin-Straße (Darwin-Straße 17) 1907: Wolga-Kama-Bank in Charkiw (heute Staatliches Puppentheater, Verfassungsplatz) – durch russische Raketenangriffe beschädigt 1907–1908: Diözesan-Frauenschule in Lubny (heute Teil der Universität Luhansk, General-Ljaskin-Straße) 1910–1911: Anatomisches Theater des Medizinischen Fraueninstituts Charkiw (heute: Skripnykiwskyj-Steig) 1910: Wolga-Kama-Handelsbank in Rostow-am-Don 1911: Mietshaus mit Theatersaal in Simferopol (heute Dramatheater Krim) 1912: Bezirksgericht in Lubny (heute Verwaltungsgebäude der Rajon- und Stadtverwaltung von Lubny, Oleksij-Beketow-Platz) 1912: Eigenes Haus in der Darwin-Straße 1912: Herrenhaus von Iwan Ignatischtschew (heute Kunstmuseum Charkiw, Zhon-Myronosyts-Straße) – durch einen russischen Raketenangriff beschädigt 1911–1913: Gebäude der Medizinischen Gesellschaft Charkiw (heute I. I. Metschnikow-Institut für Mikrobiologie und Immunologie der Nationalen Akademie der Medizinischen Wissenschaften der Ukraine, Hryhorija-Skoworody-Straße) 1913–1915: Frauenhochschulkurse in Charkiw (heute Nationale Technische Landwirtschaftsuniversität (Petro-Wassylenko-Universität), Myronossytska-Straße) 1913–1915: Heim für Waisenkinder aus adligen Familien (heute Nationale Juristische Jaroslaw Mudryi-Universität Charkiw, Hryhorij-Skoworoda-Straße) 1914–1916: Handelsinstitut in Charkiw (heute Nationale Technische Agraruniversität Charkiw, Altschewskyкh-Straße) 1914–1916: Altenheim für Adlige (heute Sokolowski-Institut für Bodenkunde und Agrochemie, Mychajlo-Semenko-Straße) 1928–1929: Elektrotechnisches Gebäude des Technologischen Instituts Charkiw (heute Nationale Technische Universität „Polytechnisches Institut Charkiw“, Politechnitschnaja-Straße 2) 1925–1936: Wohngebäude für Eisenbahnarbeiter (heute Wohnhaus, Jewhena-Kotljara-Straße) 1934–1936: Sechsgeschossiges Wohngebäude „Industrieller Professor“ (heute: Bahalij-Straße) 1935: Fünfgeschossiges Wohnhaus in Kyjiw (heute: Mychajlo-Hruschewskyj-Straße)
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Einzelnachweise
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