mini|Meteorologica, Ausgabe der lateinischen Übersetzung von 1560 mini|Erste Seite einer griechischen Ausgabe von 1837 Die Meteorologica (griechisch: Μετεωρολογικά; lateinisch: Meteorologica oder Meteora) sind eine Abhandlung von Aristoteles. Der griechische Philosoph beschreibt darin alle Affektionen, die Luft und Wasser gemeinsam haben, sowie die Arten und Teile der Erde und die Affektionen ihrer Teile. Sie enthalten frühe Berichte über Wasserverdunstung, Erdbeben und andere Wetterphänomene.
Die Meteorologica von Aristoteles sind die älteste umfassende Abhandlung zum Thema Meteorologie. Sie wurden um 340 v. Chr. geschrieben und bestehen aus vier Büchern, von denen sich drei mit der Meteorologie und eines mit der Chemie befassen. Sie umfasst damit im Gegensatz zur modernen Naturwissenschaft des gleichen Namens alle „Naturerscheinungen, die sich ‚in der Schwebe‘ [...] abspielen“.Hans Strohm: Meteorologie. Über die Welt (= Aristoteles, Werke in deutscher Übersetzung. Band 12). Akademie Verlag, Berlin 1984, S. 121.
Anliegen Nach Malcolm Wilson sah sich Aristoteles der Situation ausgesetzt, die Meteorologie als Wissenschaft innerhalb der griechischen Weltanschauung neu zu verorten: Einerseits sei sie im Niedergang begriffen gewesenMalcolm Wilson: Structure and Method in Aristotle's Meteorologica. Cambridge University Press, Cambridge 2013, ISBN 978-1-107-04257-5, S. 10., andererseits wollte er vermeiden, sie auf die allgemeinen Prinzipien der Physik zurückzuführen, um so ihre Eigenständigkeit zu erhalten.Malcolm Wilson: Structure and Method in Aristotle's Meteorologica. Cambridge University Press, Cambridge 2013, ISBN 978-1-107-04257-5, S. 11.
In seiner Abhandlung stellt Aristoteles zwei Theorien auf:
Das Universum ist kugelförmig. Der innere Kern der Erde besteht aus den Bahnen der Himmelskörper. Das Universum hat zwei Bereiche: den himmlischen (Bereich jenseits der Mondbahn) und den irdischen Bereich – die Sphäre (die Veranlagung des Mondes, die Erde zu umkreisen). Ausgehend von dieser Theorie gelangte Aristoteles zu einer Unterscheidung zwischen dem, was verstanden wurde (Astronomie) und seinen neuen Erkenntnissen (Meteorologie). Die „Vier-Elemente-Lehre“ Die irdische Umgebung besteht aus vier Elementen: Wasser, Erde, Feuer und Luft. Diese Elemente sind in kugelförmigen Schichten angeordnet, mit der Erde als Zentrum und dem Mond am Rande der Kugel. Sie stehen in ständigem Austausch miteinander, z. B. prallt die Hitze der Sonne auf kaltes Wasser, wodurch Luft und Nebel entstehen.
Er setzt sich darin mit anderen Beschreibungen derselben Phänomene auseinander und bezieht sich auf Texte von Dichtern, Philosophen und Naturbeobachtern.
In seiner gesamten Abhandlung geht Aristoteles einerseits bei der Darstellung seiner Erkenntnisse methodisch und konsequent vor, irrt sich aber andererseits bei nahezu allen Beobachtungen.H.D.P. Lee, in: Aristotle. Meteorologica. Translated by ders., Loeb Classical Library 397. Cambridge, MA: Harvard University Press, 1952. S. xxv–xxvi. Zunächst führt er in das Thema ein, indem er die Theorien anderer Gelehrter vorstellt. Indem er deren Behauptungen widerlegt oder unterstützt, formuliert Aristoteles seine eigenen Behauptungen. Gelehrte wie Anaxagoras leiteten viele ihrer Theorien auf Schlussfolgerungen ab und stützten ihre Entdeckungen eher auf Beobachtungen als auf Fakten. Im Vergleich dazu ging Aristoteles an seine Forschung heran, indem er bei der Prüfung seiner Theorien deduktive Schlüsse zog. Während er seine Hypothesen formulierte, stellte er seine Theorien auf der Grundlage von beobachteten Wetterphänomenen auf. Anstatt Wetterbeobachtungen zur Entwicklung seiner Erkenntnisse zu nutzen, interpretierte er diese Beobachtungen, um seine Hypothesen zu stützen.
Inhalt Buch 1 Inhaltsverzeichnis des ersten Buches:Nach H. Howard Frisinger: Aristotle and his „Meteorologica“. In: Bulletin of the American Meteorological Society. Band 53, 1972, S. 634–638, hier S. 634–635.
Kap. 1: Einführung in die Meteorologie
Kap. 2: Allgemeine Prinzipien und Elemente in Bezug auf die Welt und das Universum
Kap. 3: Zusammensetzung der vier Elemente: Luft, Erde, Feuer und Wasser. Weitere Themen sind die Zusammensetzung des Raums zwischen Erde und Sternen, die doppelte Natur des Ausatmens und die Zusammensetzung der Wolken. Dieses Kapitel enthält auch Anaxagoras’ Analyse des Elements Äther.
Kap. 4: Sternschnuppen
Kap. 5: Die Aurora Borealis und ihre Auswirkungen
Kap. 6: Kometen, einschließlich der Analysen von Anaxagoras, Demokrit und den Pythagoräern. Widerlegung dieser Erkenntnisse durch Hippokrates von Chios und Aischylos
Kap. 7: Kometen, ihr Wesen und ihre Ursachen
Kap. 8: Die Milchstraße, einschließlich der neuen Theorie des Aristoteles
Kap. 9: Die Entstehung von Regen, Nebel und Wolken
Kap. 10: Tau und Raureif
Kap. 11: Regen, Schnee, Hagel und ihr Zusammenhang mit Raureif
Kap. 12: Hagel, warum er im Sommer auftritt und Widerlegung der Theorien von Anaxagoras
Kap. 13: Winde, Entstehung von Flüssen
Kap. 14: Klimatische Veränderungen und Küstenerosion
Buch 2 Inhaltsverzeichnis des zweiten Buches:Nach H. Howard Frisinger: Aristotle and his „Meteorologica“. In: Bulletin of the American Meteorological Society. Band 53, 1972, S. 634–638, hier S. 635.
Kap. 1: Der Ozean und seine Natur
Kap.2 & Kap.3: Der Salzgehalt der Meere und seine Ursprünge
Kap. 4: Winde, ihre Ursachen und Auswirkungen (siehe auch Notos)
Kap. 5: Winde, Auswirkungen von Hitze und Kälte auf die Winde
Kap. 6: Winde und ihre Richtungen
Kap. 7: Erdbeben und die Ansichten und Widersprüche von Anaxagoras, Demokrit und Anaximenes
Kap. 8: Erdbeben und ihre Ursachen
Kap. 9: Donner und Blitz, Ursachen und Theorien von Empedokles und Anaxagoras
Buch 3 Inhaltsverzeichnis des dritten Buches:Nach H. Howard Frisinger: Aristotle and his „Meteorologica“. In: Bulletin of the American Meteorological Society. Band 53, 1972, S. 634–638, hier S. 635.
Kap. 1: Wirbelstürme, Taifune, Feuerwinde und Gewitterblitze
Kap. 2: Halos und Regenbögen
Kap. 3: Halos und ihre Formen
Kap. 4: Regenbögen und ihre Formen
Kap. 5: Regenbögen Fortsetzung
Kap. 6: Sonnenattrappen und Stäbe
Buch 4
Einordnung und Autorschaft Bereits Alexander von Aphrodisias bemerkte, dass der Anfang des vierten und das Ende des dritten Buches nicht zusammenhingen. Er versuchte ihn deshalb innerhalb des Corpus Aristotelicum vor dem Text De generatione et corruptione einzuordnen.Hans Strohm: Beobachtungen zum vierten Buch der aristotelischen Meteorologie. Zweifelhaftes im Corpus Aristotelicum: Studien zu einigen Dubia. Akten des 9. Symposium Aristotelicum (Berlin, 7.-16. September 1981), edited by Jürgen Wiesner, Berlin, Boston: De Gruyter, 1983, pp. 94–115, hier: S. 94. Die Debatte darum, ob es sich tatsächlich um einen von Aristoteles verfassten Text handelt oder er von einer anderen, möglicherweise ihm nahestehenden Person stammt, wird seitdem geführt. Olympiodoros der Jüngere ordnete es zwischen De caelo und De generatione et corruptione ein, während Francesco Patrizi da Cherso es vor De partibus animalium stellte. Nur Ammonios Hermeiou behauptet, es sei sowohl echt als auch an der richtigen Stelle eingeordnet. Insgesamt ist eine starke Überarbeitung verschiedener Teile in nicht mehr rekonstruierbaren Schritten bemerkbar, die nach Hans Strohm eine eindeutige Zuordnung unmöglich macht.Hans Strohm: Beobachtungen zum vierten Buch der aristotelischen Meteorologie. Zweifelhaftes im Corpus Aristotelicum: Studien zu einigen Dubia. Akten des 9. Symposium Aristotelicum (Berlin, 7.-16. September 1981), edited by Jürgen Wiesner, Berlin, Boston: De Gruyter, 1983, pp. 94–115, hier: S. 115. Er nimmt mit dieser Einschätzung Bezug auf eine zwischen dem Ende des 19. Jahrhunderts und dem Verfassen seines Aufsatzes 1981 geführten Debatte, in der sich beispielsweise Ingemar Düring und Heinz Happ für die Echtheit ausgesprochen hatten, während sich Léon Robin für eine Verfasserschaft von Straton von Lampsakos aussprach.Robin, Léon: Aristote. Presses universitaires de France, Paris 1944, S. 17. Die für die jeweiligen Einschätzungen unternommenen Vorannahmen verhinderten jedoch einen Konsens. Der Philosophiehistoriker Hans Benedikt Gottschalk merkt dazu an, dass es gar nicht um meteorologische Phänomene gehe, sondern um die Bildung von Stoffen aus den vier Elementen und deren Veränderung unter dem Einfluss von Wärme, Kälte und Feuchtigkeit. Ebenfalls als Möglichkeit diskutiert wurde eine Entwicklung innerhalb des Denkens des Aristoteles, sodass die offensichtlichen inhaltlichen Unterschiede erklärt werden konnten.Hans Strohm: Beobachtungen zum vierten Buch der aristotelischen Meteorologie. Zweifelhaftes im Corpus Aristotelicum: Studien zu einigen Dubia. Akten des 9. Symposium Aristotelicum (Berlin, 7.-16. September 1981), edited by Jürgen Wiesner, Berlin, Boston: De Gruyter, 1983, pp. 94–115, hier: S. 113.
Ende der 90er Jahre versuchte Eric Lewis neue Belege für die Authentizität der Meteorologica zu liefern, was ihm aber laut Leo Elders misslang, der stattdessen einen dem widersprechenden weitgehenden Konsens in der Forschung feststellte.Elders, Leo J. The Review of Metaphysics 51, no. 2 (1997): 407–8. . In ihren jeweiligen Darstellungen haben Dorothea FredeSiehe dazu die Darstellung der Debatte in: und Malcolm Wilson die Debatte als nicht mehr lohnenswert beziehungsweise entschieden betrachtet und sie im Falle Friedes in einer Fußnote und im Falle Wilsons auf wenigen Seiten abgehandelt.Malcolm Wilson: Structure and Method in Aristotle's Meteorologica. Cambridge University Press, Cambridge 2013, ISBN 978-1-107-04257-5, S. 9.
Inhalt Das vierte Buch enthält eine detaillierte Untersuchung organischer und natürlicher Prozesse und versucht, die Interaktion und die Zusammensetzung der Elemente durch Bezugnahme auf die gegensätzlichen physikalischen Eigenschaften zu erklären. Es liefert auch eine Theorie der sekundären Qualitäten, die aus unterschiedlichen Zusammensetzungen der primären Qualitäten hervorgehen. Das bedeutet beispielsweise, dass Härte oder Sprödigkeit auf die zugrunde liegenden Beziehungen zwischen den primären Gegensätzen (heiß, kalt, trocken und feucht) zurückzuführen sind.
Zusammenfassung der Lehre von den vier Ur-Gegensätzen (heiß, kalt, feucht, trocken) und ihrer Beziehung zu den vier Elementen (Feuer, Luft, Wasser, Erde). Heiß und kalt sind die aktiven Faktoren, die für Erzeugung und Zerstörung verantwortlich sind. In den Kapiteln zwei und drei werden die Auswirkungen von Hitze und Kälte auf die natürlichen Prozesse untersucht, insbesondere auf die Vermischung [πέψις]. Die Konkoktion wird definiert als der Reifungsprozess [τελέωσις] eines Stoffes, der durch eine innere Wärme seine eigene Entwicklung in Gang setzt, d. h. er ist seine eigene innere bewegende Ursache (379b18-25). Die entsprechende Hitze wird die Unbestimmtheit der materiellen Elemente „meistern“, um ihnen Form zu geben (380a1). Richtiges Mischen ist ein Zeichen von Gesundheit (380a2). Die Reifung ist eine besondere Art des Mischens [πέψις τις]: der Prozess, in dem die nährenden Elemente in der Frucht zur Reife gelangen, so dass ihre Samen Leben hervorbringen können (380a11-15). Aristoteles sagt, dass wir metaphorisch über andere Prozesse als Reifung [τελέωσις] sprechen können, alle Prozesse, in denen „die Materie durch natürliche Hitze und Kälte bestimmt wird“ (280a18-22). Das Kapitel befasst sich dann mit der Rohheit als Gegenpol des Zusammenziehens: dem Zusammenziehen des nährenden Elements in einer Frucht mit unbestimmter Feuchtigkeit (380a27-b13). Dann untersucht er verwandte Prozesse, bei denen äußere Einflüsse das innere Gleichgewicht der Kräfte in natürlichen Verbindungen beeinflussen: Kochen, Brühen und Rösten.