mini|Titelei Düval und Charmille Düval und Charmille ist ein bürgerliches Trauerspiel in fünf Aufzügen von Christiane Karoline Schlegel. Unter der Autorschaft „Von einem Frauenzimmer“ wurde es 1778 in Leipzig von Weidmanns Erben und Reich veröffentlicht. Es beleuchtet eine komplexe Dreiecksbeziehung zwischen Heinrich Düval, seiner Ehefrau Mariane und Amalie von Charmille, wobei Düval zwischen Liebe, gesellschaftlichem Druck und Eifersucht hin- und hergerissen ist. Seine manipulative Tendenz und seine Besessenheit von Amalie führen zu einem tragischen Komplott, in dem er Amalie töten und sich anschließend selbst das Leben nehmen will. Amalie stirbt durch Düvals Hand, und dieser begeht daraufhin Selbstmord, nachdem sein Plan aufgeflogen ist.

Inhalt Mariane ist zutiefst unglücklich über die verbotene Beziehung zwischen Amalie und Düval. Doch auch der Adel bleibt von dieser Affäre nicht unberührt. Der Graf von Sternfels überbringt einen Brief von der Prinzessin an Düval. Im Gespräch mit Düva bittet der Graf ihn eindringlich, die Liaison mit Amalie zu beenden, da dies weitreichende Konsequenzen für ihn hat. In einem Gespräch gesteht Mariane Amalie, dass sie ihr nicht länger Hass entgegenbringen kann, da auch sie unter Düval leidet. Amalie bittet Mariane um Vergebung für ihre Liebe zu ihm. Um Amalie über den Brief zu informieren, schickt Düval Mariane zur Messe, damit er allein mit Amalie sprechen kann. Dort teilt er ihr mit, dass der Prinz und die Prinzessin von ihrer Beziehung wissen. Er übergibt ihr ein Pulver für ihren geplanten Eintritt ins Kloster und deutet auf einen möglichen gemeinsamen Tod hin. Doch Graf Sternfels rät Düval später, Amalie zu verlassen, um sich die Gunst des Prinzen zu erhalten. Aus Eifersucht testet Düval Amalies Liebe. Bei einem Besuch erfährt Mariane, dass Düval möglicherweise die Entlassung aus seiner Anstellung droht. Frau von Doenberg schlägt vor, Amalie entweder ins Kloster zu schicken oder sie zu verheiraten. Düval misstraut dem Grafen, verdächtigt ihn, Amalie für sich gewinnen zu wollen, und denkt über ein Duell nach. Gleichzeitig hegt er Zweifel an Frau von Doenbergs Fluchtplan.

Während eines Besuchs von Mariane und Amalie bei der Familie Reinfort entschließt sich Düval, den Fluchtplan aufzugeben. Als Amalie und Mariane zurückkehren, erzählt Düval von seiner Verhaftung und fragt Amalie, wie sie sich eine gemeinsame Zukunft für immer vorstellen. Beide entschließen sich, zusammen zu sterben. Düval verfasst Abschiedsbriefe, doch es kommt zu einem Streit mit Amalie. In einem Wutausbruch ersticht er sie mit einem Stilett durchs Herz. Amalie stirbt in Marianes Armen und nennt Düval als ihren Mörder. Daraufhin nimmt er sich das Leben. Der herbeieilende Hauptmann findet seine Leiche und die Abschiedsbriefe.

Handlung

Vorrede

Das Stück wird von einer jungen, verheirateten Frau geschrieben, die sich von einer bekannten tragischen Geschichte inspirieren lässt. Ursprünglich als privater Zeitvertreib gedacht, wird das Werk ohne ihr Wissen von einem Verleger veröffentlicht. In der Hoffnung auf ihre Nachsicht verzichtet er auf übertriebenes Lob, um ihre Bescheidenheit nicht zu verletzen, und bittet um Entschuldigung für die unerlaubte Veröffentlichung. In Bezug auf den moralischen Gehalt des Stücks verweist der Herausgeber auf Hannah Moores Abhandlung über die Gefahren empfindsamer Verbindungen. Ihrer Beschreibung eines gefühlvollen, aber gefährlichen Mannes, so führt der Herausgeber weiter aus, lasse sich der Hauptcharakter des Dramas perfekt zuordnen.He seem'd

For dignity compos'd, and high exploit,

But all was false and hollow, tho' his tongue

Dropt manna, and could make the worse appear

The better reason, to perplex and dash

Maturest counsels, for his thoughts were low,

To vice industrious, but to nobler deeds

Tim'rous und slothfull; yet he pleas'd the ear.

"Der Schauplatz ist zu *** in Düvals Hause. Die Handlung dauert von früh zehn Uhr bis Abends gegen die nämliche Zeit."

1. Aufzug "Ein Zimmer in Düvals Hause mit drey Thüren. Eine zur Linken ins Vorhaus; die zweyte zur Rechten in Marianens Zimmer; die dritte in der Mitten in Düvals Kabinet. Im Zimmer sind Stühle, Tische, eine Wanduhr, etc."

Die Dramenhandlung zeigt einen tiefen Ehekonflikt zwischen Mariane und Düval sowie das gespannte Verhältnis zu Amalie (Mally). Zu Beginn weint Mariane, während Franz versucht, sie zu trösten. Doch Mariane bittet ihn, zu ihrem Vater zu gehen, was zu Spannungen führt, als Düval seiner Frau vorwirft, sich unnötig in ihren Gefühlen zu verlieren. Er spricht abfällig über ihre Ehe und verkündet, dass er lieber allein essen möchte. Dabei scheint er keine Rücksicht auf Mariane zu nehmen, die von der Veränderung ihres Mannes enttäuscht ist. Sie beschreibt, wie er sich von einem cholerischen zu einem abweisenden Mann wandelt. Auch der Vorfall mit Amalie kommt zur Sprache. Zunächst spricht Mariane von Hass gegenüber Amalie, empfindet aber später Mitleid mit ihr.

Mariane und Amalie kommen sich in dieser Szene näher, als Amalie Mariane um Verzeihung bittet und ihre eigene Liebe zu Düval gesteht. Doch Mariane bleibt skeptisch und warnt sie vor den Folgen ihres Handelns. Düval hingegen plant, Mariane zur Messe zu schicken, um mit Amalie allein zu sein. In einem Gespräch mit Amalie offenbart Düval, dass der Prinz und die Prinzessin von der Affäre wissen und er sich zwischen einer Degradierung und der Trennung von Amalie entscheiden muss. Düval droht, Amalie zu verlieren, wenn sie sich ihm nicht unterwirft, während Amalie unerschütterlich an ihrer Liebe zu Düval festhält.

Im weiteren Verlauf der Szene wird Graf von Sternfels eingeführt, der Düval auffordert, seiner Verantwortung als Ehemann und Vater gerecht zu werden, oder aus der Gunst des Prinzen zu fallen. Düval reagiert sarkastisch und zweifelt an Amalies wahrer Liebe, woraufhin er sie auf die Probe stellt. Der Aufzug endet damit, dass Düval beschließt, mit seinem Sohn das Haus zu verlassen, um zu sehen, wie weit Amalie für ihre Liebe zu ihm bereit ist zu gehen.

2. Aufzug "Ein Dienstmädchen trägt das Frühstück und einige Kleidungsstücke hinweg; bringt das Zimmer in Ordnung, begießt Blumentöpfe, so da stehn u.s.w. Franz nimmt eine Schreibtafel oder Reisbret, und arbeitet Etwas."

Im zweiten Aufzug des Dramas spitzen sich die Konflikte weiter zu. Amalies Stiefmutter, Frau von Doenberg, wird eingeführt und stattet dem Hause Düval einen Besuch ab. Sie informiert Mariane über Düvals Amtsenthebung. Mariane ist von dieser Nachricht sehr verunsichert, da sie befürchtet, dass Düval sich nun endgültig für Amalie entscheiden könnte. Um dem sündigen Leben ein Ende zu setzen, schlägt Frau von Doenberg in einem Gespräch mit Mariane vor, Amalie entweder in ein Kloster zu schicken oder schnell zu verheiraten. Mariane ist einverstanden, auch wenn sie innerlich zögert.

Ein weiterer Höhepunkt des Aufzugs ist der Besuch des Grafen von Sternfels, der zusammen mit der Stiefmutter die aktuelle Situation bespricht. Der Graf erklärt, dass Düval unter Druck steht, da die Fürstin von der Affäre zwischen Amalie und ihm weiß, und stellt ein Ultimatum: Wenn Düval die Affäre nicht beendet, droht ihm der Verlust seiner gesellschaftlichen Stellung. In einem entscheidenden Moment deutet der Graf an, dass er selbst Amalie heiraten könnte, woraufhin Frau von Doenberg ihre Pläne in die Tat umsetzt und Amalie einsperrt. Als Düval davon erfährt, platzt er wütend in das Gespräch. Er fühlt sich von der Intrige des Grafen und der Stiefmutter betrogen und wirft dem Grafen vor, Amalie für sich beanspruchen zu wollen. Der Graf bleibt ruhig, versucht jedoch, Düval zu beruhigen, und erinnert ihn an seine Pflichten als Ehemann und Vater. Bevor der Graf den Raum verlässt, warnt er Düval, die Situation nicht weiter eskalieren zu lassen.

Die Szene endet mit einem Gespräch zwischen Mariane und Franz, in dem Franz fragt, ob sie jetzt essen können. Mariane, immer noch besorgt, fragt sich, wie lange dieser Zustand des Konflikts und der Entfremdung noch andauern wird. Die Beziehung zwischen den Figuren ist angespannt, und die Herausforderungen, vor denen sie stehen, scheinen sich weiter zu verschärfen.

3. Aufzug "Die Bedienten tragen Speisen in das Zimmer der Frau von Düval, und den Wein und Biscuit in das Kabinet. Sie gehen verschiedene mal mit zum Essen gehörigen Sachen durch das Zimmer."

Im dritten Aufzug des Dramas wird die Stimmung zunehmend düster und von Misstrauen sowie inneren Konflikten geprägt. Düval beginnt den Aufzug mit einem düsteren Monolog, in dem er über den Tod des Grafen von Sternfels nachdenkt – oder über ein mögliches Duell zwischen den beiden. Er überlegt, dass es vielleicht besser wäre, wenn der Graf tatsächlich stirbt. Anton teilt ihm jedoch mit, dass Frau von Doenberg ihn sprechen möchte. Sie hat einen Plan für Amalie, aber Düval misstraut ihr und nennt sie eine „falsche Schlange“. Frau von Doenberg steigert Düvals Wut noch weiter, als sie ihn auf die Möglichkeit hinweist, dass der Graf Amalie heiraten könnte, falls sie bei der Prinzessin bleibt. Sie schlägt vor, Amalie mit ihm verschwinden zu lassen, indem sie zwei Stunden früher eine Kutsche bestellt. Beim Nachdenken über diesen Plan wird Düval klar, dass dies sowohl seinem als auch Amalies Ruf schaden würde. Dennoch wünscht er sich, dass sie beide fliehen könnten, denn er ist überzeugt, dass sie nirgendwo in Sicherheit wären. Während er mit sich ringt, kündigt Anton einen weiteren Besuch an – diesmal von Amalie.

Mariane und Amalie von Charmille treten gleichzeitig durch die gegenüberliegenden Türen ein, begrüßen sich höflich, und Amalie schlägt vor, Mariane zu begleiten, um die Familie Reinfort zu besuchen. Mariane lehnt jedoch ab, da sie nicht in guter Stimmung ist. Amalie schlägt vor, auch Düval zu bitten, mitzukommen. Bevor Amalie zu ihm geht, wird sie von Mariane noch einmal gebeten, mit Düval zu sprechen, damit er beim Prinzen nicht in Ungnade fällt, da er ohnehin zu aufbrausend sei. Die inneren Spannungen werden in der Szene deutlich, als Düval, Amalie und Mariane zusammensitzen und Kaffee trinken. Düval sitzt zwischen den beiden Frauen und gesteht, dass er beide für die besten Frauen hält. Dennoch meint er, dass es besser wäre, wenn sie „eine Frau“ würden, was Amalie wie eine Braut erscheinen lässt. Düval bemerkt auch, dass die beiden Frauen zum Ball der Familie Reinfort gehen wollen, und fragt, ob er mitkommen soll. Doch er lehnt ab, da er noch jemanden besuchen muss.

In einem weiteren Gespräch fragt Düval Amalie vorwurfsvoll, warum sie nicht traurig sei, von der Trennung zu erfahren und ins Kloster geschickt zu werden. Amalie erklärt, dass sie sich durch das Pulver, das sie bei sich trägt, beruhigt fühlt und sich mit der Situation arrangiert hat. Düval zeigt Verständnis und fühlt sich ebenfalls beruhigt.

Amalie und Mariane verabschieden sich, und Düval bleibt zurück, um einen weiteren Monolog zu halten – diesmal über Amalie und ihre Bereitschaft, mit ihm in den Tod zu gehen. Nach diesem Moment der inneren Zerrissenheit schickt Düval Anton zu Frau von Doenberg, um das geplante Treffen abzusagen. Schließlich bittet er Franz, die anderen Gäste wegzuschicken und ihr ein Kleid zu bringen, sobald die erste Frau eintrifft.

"Franz verriegelt die Thüre ins Vorhaus, bringt selbst die Kleider des Vaters und wirft sie auf einen Stuhl, und hüpft in Marianens Zimmer."

Der dritte Aufzug zeigt Düvals zunehmend verzweifelte und gefährliche Gedanken, seine Unfähigkeit, klare Entscheidungen zu treffen, und die düstere Dynamik zwischen den Figuren, die sich immer mehr in einem Netz aus Lügen, Manipulation und emotionaler Isolation verfangen.

4. Aufzug "Es wird geklingelt. Franz macht auf. Es ist Anton. Er ordnet allerhand im Zimmer. Joseph kömmt, und will nach des Herrn Kabinet. Anton winkt, daß der Herr verschlossen ist. Franz macht sich mit einem Kräusel oder Ball, oder dergleichen was zu spielen."