Sophia Süßmilch (* 1983 in Dachau) ist eine deutsche Medienkünstlerin und Feministin.
Leben Sophia Süßmilch studierte zuerst Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München bei Stephan Huber, dann von 2011 bis 2013 Malerei an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Ashley Hans Scheirl. Anschließend besuchte sie von 2012 bis 2013 die Klasse für Medienkunst bei Isaac Julien an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe (HfG).
2008 wurde Sophia Süßmilch in das Programm der Rosa-Luxemburg-Stiftung aufgenommen und erhielt 2011 ein Forschungsstipendium für die USA. 2022 wurde sie vom Institut für Moderne Kunst für das Marianne-Defet-Malerei-Stipendium ausgewählt und 2024 bekam sie das Neustart-Kultur-Stipendium des Stiftung Kunstfonds Bonn. Ausgezeichnet wurde Sophia Süßmilch 2018 mit dem Bayerischen Kunstförderpreis und 2020 mit dem Förderpreis für Bildende Kunst der Landeshauptstadt München.
Sophia Süßmilch lebt und arbeitet in Berlin.
Künstlerische Tätigkeit Sophia Süßmilch arbeitet genreübergreifend in zahlreichen Medien. Sie schafft Skulpturen, Zeichnungen, Gemälde, Filme und Fotografien, schreibt Liedtexte und entwickelt Performances.
In ihren Werken beschäftigt sie sich mit Fragen nach dem Sinn des Lebens, Moral und Liebe. Humor, Groteske und die bewusste Überschreitung gesellschaftlicher Konventionen gehören zu wiederkehrenden Elementen ihrer Arbeit. In ihren Performances verbindet sie groteske und komische Inszenierungen mit einem dezidiert feministischen Impetus. Die Auseinandersetzung mit weiblicher Sexualität und dem weiblichen Körper ist dabei ein zentrales Thema; Süßmilch setzt ihren eigenen, häufig nackten oder teilweise nackten Körper als künstlerisches Mittel ein. Sie bricht mit Tabus und hinterfragt gesellschaftliche Regeln und Rollenerwartungen.
Für die Arbeit Everything is Beautiful and Nothing is Broken ließ sie sich gemeinsam mit ihrer Mutter in einen Berg voller Butter einpacken. In der Ausstellung Sanatorium Süßmilch bezog Süßmilch die Räumlichkeiten des Francisco Carolinum in Linz, „ihr persönliches Sanatorium“, und wohnte dort 30 Tage lang. Sie befolgte einen von ihr selbst erstellten Therapieplan. Besucher konnten die Künstlerin zu bestimmten Zeiten besuchen und mit ihr sprechen. Sophia Süßmilch lag dabei auf einer Massageliege und unterhielt sich mit dem Besucher, der unter der Liege lag. Die Arbeiten, die Süßmilch und ihr Team in den 30 Tagen produzierten, wurden danach in der Ausstellung gezeigt.
2026 weitete Süßmilch ihre Arbeit auf das abendfüllende Theater aus: Im September hatte am Berliner Hebbel am Ufer ihr erstes abendfüllendes Theaterstück Etwas Schreckliches wird passieren: Die Menschenfresserin Premiere. Im Zentrum des Stücks steht eine Kannibalin; thematisch setzt sich die Inszenierung mit weiblicher Wut und der Umkehrung der Frau vom Objekt des Konsums zum konsumierenden Subjekt auseinander. Die Produktion verbindet Performance, Schauspiel, Live-Musik und groteske Kostüme mit selbstironischen Reflexionen über Nacktheit im feministischen Theater und über blinde Flecken politischen Aktivismus.
Süßmilch nahm mehrfach an der literarischen Veranstaltung Toter Salon an der Volksbühne Berlin teil.
Ausstellungen und Performances Süßmilchs Performances finden häufig anlässlich von Vernissagen statt und sind während der Ausstellungen teilweise als Filme zu sehen.
Einzelausstellungen 2018 Kann ich mal die Braun? im Rahmen der Ausstellung Günter Brus, Unruhe nach dem Sturm, Belvedere 21, Wien 2019 If you think you are a performance artist but you’re really just a meme, Tanzquartier Wien 2020 Bei Langeweile öfter mal das ABC aufsagen, Neue Galerie Graz, Österreich 2021 Im Einklang mit Mutter Natur, Galerie Russi Klenner, Berlin 2022 15 Jahre Psychoanalyse und immer noch kein Gott in Sicht, Galerie Martinez, Köln 2022 Wer hat Angst vorm kleinen Mann?, mit Felix Burger als der kleine Mann, Galerie Krobath, Wien 2023 Sophia Süßmilch und das Leben nach dem Tod, Kunsthalle Leipzig 2023 Sanatorium Süßmilch im Francisco Carolinum Linz, Österreich 2023 Das ABC der klugen Entscheidungen, Atelier- und Galeriehaus Defet, Nürnberg 2024 Then I’ll huff and I’ll puff and I’ll blow your house in im Rahmen des Jahresprogramms „Kinder hört mal alle her“, Performance und Ausstellung mit Musik, Liedtexte von Sophia Süßmilch, Kunsthalle Osnabrück 2024 Ist das Kunst oder Verachtung?, Galerie ASPN, Leipzig 2025 Feminismus oder Schlägerei, Akademie Graz (mit Galerie Krobath Wien)
Gruppenausstellungen Auch in internationalen Gruppenausstellungen ist Süßmilch vertreten, u. a. im Bank Austria Kunstforum Wien, im Kunstpalast Düsseldorf, im Ludwig Forum für Internationale Kunst in Aachen, im Textilmuseum Augsburg, im Kunstmuseum Heidenheim, im Nordico Linz, in der Neuen Galerie Innsbruck und im Fotohof Salzburg.
Auszeichnungen 2018 Bayerischer Kunstförderpreis 2020 Münchner Förderpreis Bildende Kunst
Publikationen Sanatorium Süßmilch, Herausgeber: OÖ Landes-Kultur, Distanz Verlag, Berlin, 2024, deutsch und englisch, ISBN 978-3-95476-598-0
Rezeption und Kontroversen 2024 rief die CDU zum Boykott der Ausstellung Kinder hört mal alle her in der Kunsthalle Osnabrück auf, da Süßmilchs Performance Then I’ll huff and I’ll puff and I’ll blow your house in Kannibalismus verherrliche und nicht kindgerecht sei. Die Kontroverse fand bundesweite mediale Beachtung und machte Süßmilch auch außerhalb des engeren Kunstpublikums bekannter. Im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung erhielt die Künstlerin Morddrohungen.
Die taz hob bei der Premiere von Etwas Schreckliches wird passieren: Die Menschenfresserin 2026 insbesondere das Zusammenspiel der Darstellerinnen, die Musik, die Ausstattung und die dramaturgische Stringenz hervor, kritisierte zugleich aber einige Längen sowie eine stellenweise zu erklärende und didaktische Behandlung der Themen.
Weblinks Website von Sophia Süßmilch Interview mit Sophia Süßmilch Über das Sammeln Sophia Süßmilch bei Galerie Krobath, Wien Interview mit Sophia Süßmilch Ist die Kunstfreiheit in Gefahr, Sophia Süßmilch?
Einzelnachweise
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