Das deutsche Weinanbaugebiet Pfalz liegt innerhalb der gleichnamigen Region im Land Rheinland-Pfalz. Mit der Herkunftsbezeichnung „Pfalz“ werden Qualitäts- und Prädikatsweine produziert, die als Pfalzweine bezeichnet werden.

Nach Rheinhessen (etwa 257 km²) stellt die Pfalz mit gut 228 km² Anbaufläche das zweitgrößte deutsche Weinanbaugebiet dar. Etwa 3600 Winzerbetriebe, weniger als die Hälfte davon im Haupterwerb, pflegen hier mehr als 100 Mio. Rebstöcke und erzeugen jährlich etwa 2,5 Mio. Hektoliter Wein. Das prozentuale Verhältnis der Anbauflächen weißer und roter Rebsorten beträgt etwa 60:40, wobei der Anbau von roten, nach Anstieg in den letzten Jahrzehnten, wieder leicht abgenommen hat.

Überblick Geographie mini|links|Weinberge bei Hambach: vorn Rebenhügel, dahinter Osthang des Pfälzerwaldes

Die gut 5400 km² große Pfalz ist eine Region in Südwestdeutschland, die im Süden des Landes Rheinland-Pfalz liegt. Nur knapp 5 Prozent der Gesamtfläche der Pfalz nimmt das gleichnamige Weinanbaugebiet ein, in dem der Wein die Landwirtschaft und das Landschaftsbild bestimmt.

Wein wird in insgesamt 144 pfälzischen OrtschaftenPfalzwein e. V.: , 2008. angebaut, bevorzugt in Süd- und Vorderpfalz am Westrand der Ebene zwischen dem Rhein und dem Pfälzerwald. Dort, an der Bruchstufe zwischen Flachland und Mittelgebirge, liegt auf 110 bis eine schmale, etwa 85 km lange und maximal 15 km breite Hügelzone, die das größte pfälzische Weinanbaugebiet darstellt. Allerdings ist bei Weitem nicht ihre Gesamtfläche mit Weinbergen bewirtschaftet; die geeigneten Teile erstrecken sich vor allem beidseitig der Deutschen Weinstraße, die sich mitten durch die Rebenhügel von Süd nach Nord zieht.

Ursprünglich war das Weinanbaugebiet dreigeteilt und gliederte sich von Süd nach Nord in Ober-, Mittel- und Unterhaardt. Bei der rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform 1969 wurde u. a. der Landkreis Frankenthal (Pfalz), zu dessen Westteil die Unterhaardt gehörte, aufgelöst und dieser Westteil dem neuen Landkreis Bad Dürkheim zugeschlagen, der vom gleichfalls aufgelösten Landkreis Neustadt an der Weinstraße auch fast die gesamte Mittelhaardt übernahm. In der Folge wurden Mittel- und Unterhaardt als Mittelhaardt-Deutsche Weinstraße zusammengelegt, während aus der Oberhaardt die Südliche Weinstraße wurde.

mini|Deutsche Weinstraße

Damit besteht das Weinanbaugebiet Haardt aus zwei etwa gleich großen Bereichen:

Südliche Weinstraße Der Bereich liegt größtenteils innerhalb des gleichnamigen Landkreises Südliche Weinstraße einschließlich der zentral gelegenen kreisfreien Stadt Landau, teilweise auch im benachbarten Landkreis Germersheim, und reicht von der elsässischen Grenze im Süden – einzelne Flächen liegen bei Weißenburg sogar auf französischem Staatsgebiet – bis zur nördlichen Kreisgrenze am Südrand von Neustadt an der Weinstraße.

Mittelhaardt-Deutsche Weinstraße Der Bereich beginnt an der Südgrenze von Neustadt; er umfasst die kreisfreie Stadt Neustadt, den Kreis Bad Dürkheim und einige Gemeinden im Rhein-Pfalz-Kreis und endet im Norden an der Grenze zu Rheinhessen. Dort zieht sich das Zellertal, das noch dem Bereich zugerechnet wird, nach Westnordwest bis in die Nordpfalz hinein.

Generell gilt bei dieser Einteilung, dass Weinbau selbstverständlich nicht auf allen landwirtschaftlichen Flächen der aufgeführten Kreise und Städte betrieben wird, sondern nur auf den Teilen, die innerhalb oder zumindest nahe beim Haardtrand liegen; die westlichen Flächen erstrecken sich ins Mittelgebirge hinein, wo wegen der Höhenlage lediglich Forstwirtschaft betrieben werden kann, die östlichen in die Rheinebene, die zu den deutschen Zentren des Gemüseanbaus zählt. Dort ist allerdings in etlichen Gemeinden auch nennenswerter Weinbau anzutreffen, doch reichen die Weinberge hier, im Unterschied zu benachbarten Weinanbaugebieten, nicht bis unmittelbar an den Rhein heran.

Westlich der Nordgrenze der Haardt zu Rheinhessen hin schließen sich das Zellertal und das östliche Donnersberg­vorland an, die zur Nordpfalz gehören und mit 13 Winzerorten zum Weinanbaugebiet Pfalz beitragen. Andere Teile der Nordpfalz im Alsenz- und Glantal zählen zum Weinanbaugebiet Nahe.

Klima mini|Weinberge bei Gimmeldingen

Die genannten kleinen Gebiete in der Nordpfalz profitieren im Einzelfall von besonders geschützter Lage, während die Gegend um die Deutsche Weinstraße großräumig ideale Voraussetzungen für den Weinbau besitzt:

Bei jährlich knapp 1700 SonnenstundenStation 3575 (Neustadt an der Weinstraße) des Deutschen Wetterdienstes, abgerufen am 6. März 2024. gehört sie zu den Regionen mit den mildesten Temperaturen in Deutschland, woraus ein nach Werbeaussagen fast mediterranes Klima resultiert. Innerhalb der EU wird das Gebiet der Weinbauzone A zugeordnet. Die mittlere Jahrestemperatur liegt bei 11 °C, die Durchschnittstemperatur im Sommer bei 20 °C, im Winter bei 0 °C. Hinzu kommt, dass die Rheinebene durch die sie einschließenden Gebirge weitgehend vor extremen Kaltlufteinbrüchen geschützt ist. Bei den Hanglagen der Haardt wird zudem die Gefahr von Frostschäden nach dem Austrieb der Reben im Frühjahr verringert, weil in den Nächten entstehende Kaltluft nicht über den Weinbergen liegen bleibt, sondern zur Ebene hin abgleiten kann. Obendrein bewahrt das Mittelgebirge im Westen das in seinem Lee gelegene pfälzische Weinanbaugebiet bei Südwest- oder Westwetterlagen vor zu viel Niederschlag; in Neustadt an der Weinstraße z. B. beläuft sich die jährliche Menge auf etwa 600 mm.Station 3575 (Neustadt an der Weinstraße) des Deutschen Wetterdienstes, abgerufen am 6. März 2024.

Besonders solchen Hängen, die nach Südost, Süd oder Südwest und damit zum Sonnenlauf hin ausgerichtet sind, kommt die Summe der aufgezählten Vorteile zugute.

Böden mini|Riesling-Weinberg bei Dirmstein

Die Böden am Haardtrand bestehen durchweg aus Mischungen von Sand, Lehm, Mergel und Ton, allerdings wechseln die Anteile. Generell gelten die Böden an der Südlichen Weinstraße wegen ihres höheren Gehalts an Lehm als nährstoffreicher und damit als schwerer als diejenigen im Bereich Mittelhaardt-Deutsche Weinstraße. Deren leichtere Böden sind durchlässiger für Wasser und bewirken, dass die Wurzeln des Weinstocks eher im Trockenen stehen, wodurch sich die umgebende Erdschicht stärker und nachhaltiger erwärmen kann. Dass die Reben in leichten Böden zudem tiefer wurzeln müssen, um sich mit Feuchtigkeit zu versorgen, fördert obendrein die Aufnahme von Mineralien. Diese Umstände werden dafür verantwortlich gemacht, dass die Reben der Südpfalz höheren Ertrag bringen, während die pfälzischen Spitzenweinorte mehr zwischen Neustadt und Bad Dürkheim zu finden sind.

Geschichte Die Weinrebe kam mit den Römern kurz nach der Zeitenwende auch in die Pfalz. Ihre weitere Geschichte deckt sich mit derjenigen der übrigen deutschen Weinanbaugebiete, wie sie unter Geschichte des Weinbaus nachzulesen ist.

Nach dem Ende der napoleonischen Ära wurde die Pfalz ab 1816 durch das Königreich Bayern zunächst als „Rheinkreis“ verwaltet und später, nicht zuletzt zur Unterscheidung von der Oberpfalz, bis 1946 als „Rheinpfalz“ bezeichnet. Vor diesem historischen Hintergrund stand „Rheinpfalz“ lange Zeit auch für das pfälzische Weinanbaugebiet. Seit dem 27. August 1993 lautet der Name für dieses Anbaugebiet, der Benennung der Region folgend, ebenfalls „Pfalz“.

Rebsorten 78 weiße und 53 rote Rebsorten sind (Stand: 2021) in der Pfalz zum Anbau zugelassen.

Weiße Sorten mini|hochkant|Trauben der weißen Rebsorte Gutedel

Führende Rebsorte beim Pfälzer Weißwein ist seit Langem der Riesling (5.971 ha = 25,2 % der AnbauflächeDeutsches Weininstitut, Statistik , 2023.), der mitunter säurebetonte Weine hervorbringt. Müller-Thurgau (Rivaner) (1.630 ha = 6,9 %) und Silvaner müssen Einbußen hinnehmen. Der Grau- (2.142 ha = 9,0 %) und der Weißburgunder (1.451 ha = 6,1 %) haben ihre Marktanteile in der letzten Zeit deutlich erhöht. Regional bedeutsam sind außerdem Chardonnay und Sauvignon Blanc. Für den im Herbst beliebten Federweißen, der hier „Najer Woi“ (Neuer Wein) heißt, werden bevorzugt die früh reifenden Sorten Bacchus, Siegerrebe und Ortega verwendet. Im Norden der Pfalz dominiert der Riesling als die am häufigsten angebaute Rebsorte, gefolgt vom Müller-Thurgau. Im südlichen Teil ist der Rebsortenspiegel reichhaltiger: Müller-Thurgau, Weißer und Grauer Burgunder, Riesling, Gewürztraminer, Muskateller und Chardonnay sind hier die meistverbreiteten Weißweinsorten.

Vor allem aus Riesling-, aber auch aus Weißburgunder- und Spätburgundertrauben stammen die mittlerweile über die Region hinaus bekannten pfälzischen Winzersekte.

Im Sortenspektrum aufsteigend sind die pilzwiderstandsfähigen Rebsorten, neue Rebsorten die weniger Pflanzenschutz benötigen. So werden als statistisch relevant die Sorten Cabernet Blanc 0,5 %, Sauvignac, Solaris, (je ca. 0,2 %), sowie Souvignier gris, Muscaris, Viognier und Johanniter mit je ca. 0,1 % gelistet.

links|14px Zugelassene weiße Rebsorten (78; Stand 2021)rechts|14px Albalonga Arnsburger Auxerrois Bacchus Blauer Silvaner Bronner* Cabernet Blanc* Calardis blanc* Chardonnay Ehrenbreitsteiner Ehrenfelser Faberrebe Felicia* Findling Freisamer Früher Malingre Früher roter Malvasier Gelber Muskateller Gewürztraminer (syn. Roter Traminer) Goldmuskateller Goldriesling Grüner Silvaner Grüner Veltliner Helios* Hibernal* Hölder Huxelrebe Johanniter* Juwel Kanzler Kerner Kernling Mariensteiner Merzling* Morio-Muskat Müller-Thurgau (syn. Rivaner) Muscaris* Muskat Ottonel Nobling Optima Orion* Ortega Osteiner Perle Phoenix* Prinzipal* Regner Reichensteiner Rieslaner Rosa Chardonnay Roter Elbling Roter Gutedel Roter Müller-Thurgau Roter Muskateller Roter Riesling Ruländer (syn. Grauburgunder) Saphira* Sauvignon Blanc Sauvignon Cita Sauvignon Gryn Sauvignon Sary Sauvitage* Scheurebe Schönburger Septimer Siegerrebe Silcher Sirius* Solaris* Souvignier gris* Staufer* Trebbiano di Soave Villaris* Weißer Burgunder Weißer Elbling Weißer Gutedel Weißer Riesling Würzer

* pilzwiderstandsfähige Rebsorte (Piwi), robust gegen Echten und Falschen Mehltau, abhängig von Befallsdruck und Sorte kann der Pflanzenschutz reduziert werden.

Rote Sorten mini|hochkant|Trauben der roten Rebsorte Spätburgunder

Häufigste Rotweinsorte der Pfalz war lange Zeit der anspruchslose Blaue Portugieser. Heute ist er, gezielt für leichten Schoppenwein und Weißherbste angebaut, auf Rang 3 (1.086 ha = 4,6 %) zurückgefallen. Enorme Zuwächse verzeichnete der Dornfelder, der wegen seiner Vorzüge als früh reifer und farbintensiver Massenträger zur Modesorte geworden ist und nun mit 2.544 ha = 10,7 % auf dem 1. Platz liegt. Im Zuge der Qualitätsverbesserung holt auch der Spätburgunder (Pinot noir) auf und erreicht auf dem 2. Rang 1.712 ha = 7,2 %. Nennenswerte Anteile verzeichnen z. B. auch Regent, Merlot, St. Laurent, oder Cabernet Sauvignon.

Der noch wenig verbreitete rote Winzersekt wird in erster Linie aus Trauben vom Spätburgunder, z. T. auch vom Dornfelder, hergestellt. Aus roten Trauben wird teilweise auch weißer oder zart roséfarbener Sekt bereitet. Diese auch in der Champagne übliche Methode wird gerne bei Schwarzriesling und Spätburgunder angewandt. Sie ergibt weiche, säurearme Sekte.

links|15px Zugelassene rote Rebsorten (53; Stand 2021)rechts|15px Accent* Acolon Allegro* Baron* Blauburger Blauer Frühburgunder Blauer Limberger Portugieser Blauer Spätburgunder Blauer Trollinger Blauer Zweigelt Bolero* Cabernet Cantor* Cabernet Carbon* Cabernet Carol* Cabernet Cortis* Cabernet Cubin Cabernet Dorio Cabernet Dorsa Cabernet Franc Cabernet Mitos Cabernet Sauvignon Cabertin* Calandro* Dakapo Deckrot Domina Dornfelder Dunkelfelder Färbertraube Hegel Helfensteiner Heroldrebe Merlot Monarch* Müllerrebe (syn. Schwarzriesling) Muskat-Trollinger Neronet Palas Petit Syrah Pinotin* Piroso* Prior* Reberger*