Kamen Petkow (; * 1863 in Beloptitschene, Osmanisches Reich; † 17. Februar 1947 in Plowdiw, Volksrepublik Bulgarien) war ein bulgarischer Architekt. Er wurde als "Meister der Secession" bezeichnet. Mit seinen Werken leistete einen maßgeblichen Beitrag zur Entwicklung der modernen bulgarischen Architektur. Seine Bauten prägen bis heute das Erscheinungsbild von Plowdiw.
Eltern und Jugend Kamen Petkow (Simeonow) kam 1863 als Sohn von Petko Simeonow () im Dorf Beloptitschene (с. Белоптичене) in der Nähe der nordwestbulgarischen Stadt Belogradtschik (Белоградчик) zur Welt. Sein Geburtsort ist seit 1955 Ortsteil des Dorfs Ruschinzi (с. Ружинци). Nach Beendigung der Grundschule wechselte er in das Gymnasium nach Wraza über. Anschließend leistete er seinen Wehrdienst ab. Danach war er eine Zeitlang als Lehrer tätig.Matej Mateëw, 2009, S. 148
Schaffen Ursprünglich wollte Kamen ein Studium an einer Kunstakademie aufnehmen. Dafür waren jedoch keine Stipendien ausgelobt. Er orientierte sich um und konnte ein staatliches Stipendium für ein Architekturstudium erhalten. 1892 schrieb er sich an der Fakultät für Architektur der Technischen Hochschule Karlsruhe ein, der Vorläuferin des heutigen Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). 1896 schloss er sein Studium ab und kehrte nach Bulgarien zurück. Er war zunächst in Wraza als auch Widin als Architekt tätig. Später zog er nach Sofia, wo er sich dem Künstlerkreis "Bălgaran" („Българан“) anschloss. 1898 ließ er sich in Plowdiw nieder und eröffnete ein eigenes Architekturbüro.: (przone.info, 2020; deutsch: Petko Rusanow: Arch. Kamen Petkow - Vidin Online): (trevnenskibudil.blogspot.com, 2022; deutsch: Galina Iwanowa: Der prominente Plowdiwer Architekt Kamen Petkow ist Schwiegersohn einer Persönlichkeit aus Trjawna) Dort arbeitete bereits seit 1888 Josef Schnitter (* 1852, † 1914) als Stadtarchitekt. Auf ihn geht u. a. der erste Bebauungsplan für Plowdiw zurück. (babarchitecture.blogspot.com, 2015; deutsch: Kamen Petkow) Beide Architekten wurden gute Freunde. Zusammen mit seinem Fachkollegen Mariano Pernigoni (* 1857, † 1938) realisierte Kamen Petkow verschiedene Gebäude. In seinem Büro in Plowdiw arbeitete er bis zu seinem Lebensende am 17. Februar 1947. Allein für die Stadt Plowdiw schuf er über 800 private und öffentliche Gebäude.
Der Stil der meisten seiner Bauten war von der Wiener Secession geprägt. Pflanzeninspirierte Motive lassen einen Einfluss des Jugendstils erkennen. Für einige Gebäude wählte er streng geometrische Muster. Die von ihm entworfenen vier- bis sechsstöckigen Tabaklager setzten ästhetische Maßstäbe im Bereich der Industriearchitektur. Nach dem Erdbeben von Tschirpan im Jahre 1928 gewann er einen vom Heiligen Stuhl ausgeschriebenen Wettbewerb zur Renovierung und zum Wiederaufbau verschiedener beschädigter oder zerstörter katholischer Kirchen in Bulgarien.
Seine Arbeitsorganisation basierte auf der Teilung des Jahres in zwei Abschnitte. Im Winterhalbjahr legte er den Fokus auf die Entwurfsfarbeiten, im Sommerhabjahr auf die Bauausführung. Die am Bau beteiligten Firmen wurden von ihm persönlich ausgewählt. Die entsprechenden Handwerker kannten seine Wünsche und Anforderungen und waren so imstande, Details auch ohne genaue Bauzeichnungen zu realisieren.
In den 1930er Jahren war Kamen Petkow aktives Mitglied der Kammer der Ingenieure und Architekten (Инженерно-архитектурна камара, ИАК), die 1937 zur Kammer der Architekten in Bulgarien (Камарата на архитектите в България, КАБ) wurde.
Ehe und Familie 1903 heiratete er Radka Georgiewa Popowa (Радка Георгиева Попова) aus Trjawna. Sie war die Tochter von Georgi Popow, einem bekannten Politiker, ehemaligen Freiheitskämpfer sowie Mitstreiter Wassil Lewskis. Das Paar hatte zwei Töchter, Penka (* 1904) und Dorka (* 1909) sowie zwei Söhne, Petko (* 1912) und Georgi (* 1917, † 1991). Georgi trat in die Fußstapfen seines Vaters. Er studierte in München Architektur und war anschließend noch ein Jahr im Büro von Heinrich Rettig in München-Pasing tätig. Nach dem 9. Septembers 1944 arbeitete er in Plowdiw im Bereich der Stadtentwicklung. 1946 heiratete Georgi die Architektin Teodora Iwanowa Făssowa (Теодора Иванова Фъсова, * 1919, † 2002).Matej Mateëw, 2009, S. 149: (citybuild.bg, 2011; deutsch: KAB-RK: Die ersten Architektinnen von Plowdiw) Auch ihr Sohn, Kamen Georgiew Petkow (* 1950, † 1993), schlug eine Laufbahn als Architekt ein. Dieser und seine Frau Ljudmila Stamatowa, geb. Gerassimowa, wiederum eine namhafte Architektin, gaben ihre gemeinsame Liebe zur Architektur an ihren Sohn Georgi Kamenow (* 1973) weiter.
Bauten (Auswahl) 1898: Pavillon im Hof des Hauses von Luka Litschew, ul. Veliko Tărnowo 13, Plowdiw (). Die bis heute erhaltene Holzkonstruktion ist Kamen Petkows Erstlingswerk in Plowdiw.
1900: Wohnhaus von Jowko Gawrilow, ul. Kiril i Metodi 7, Plowdiw ().: (www.marica.bg, 2015; deutsch: Equipe Mariza: Plowdiwer Dynastien: Der Schwiegervater von Dr. Kitow hat das Hotel "Amerika" gebaut)
1901: Mietshaus mit Ladengeschäften von Dimităr Kondodimo, ul. Rajko Daskalow 5, Plowdiw (). Die Bauarbeiten wurden im Jahr 1902 beendet.
1901–1903: Haus der Wohltätigen Gesellschaft "Mütterfürsorge", ul. Christo G. Danow 14, Plowdiw (). Das Gebäude beherbergt seit 1946 das Staatliche Puppentheater - Plowdiw (Държабен Куклен Театър - Пловдив).
1902: Altes Wohnhaus des Rosenölhändlers Kăntscho Schipkow, ul. Petko Stajnow 16, Kasanlăk (). Es ist als Kulturdenkmal gelistet. Seine Fassade wurde im Januar 2022 renoviert.: (presstv.bg, 2022; deutsch: Antonia Draganowa: Das renovierte alte Haus der Schipkows strahlt) Wohnhaus des Glockengießers Lasar D. Weleganow, bul. Ruski 57, Plowdiw ().
1903: Wohnhaus von Janko Boschilow, ul. Mali Bogdan 30, Plowdiw (). Das einst prächtige Gebäude ist Teil des Landguts von Janko Boshilow (Божилова Чифтлик). 1989 wurde es als Kulturdenkmal eingestuft.: (plovdivtime.bg, 2018; deutsch: Viktoria Petrowa: Es gibt Hoffnung für das Landgut der Boshilows in Plowdiw) Aufgrund von Streitigkeiten zwischen der Stadt Plowdiw und den Erben ist es jedoch seit Jahrzehnten dem Verfall preisgegeben. (novini247.com, 2023; deutsch: Ein weiteres architektonisches Meisterwerk ist dabei unwiederbringlich verloren zu gehen, siehe ...)
1907: Mietshaus mit Ladengeschäften von Dr. Dagorow, ul. Zaribrod 1, Plowdiw ().Petăr Jokimow, 2005, S. 91 Die Ladenfront des Gebäudes zeigt heute zum Platz Rimski Stadion (пл. Римски Стадион), der informell unter dem Namen pl. Dshumajata (пл. „Джумаята“) bekannt ist.
1909: mini|Lagerhäuser des Tabakhändlers Dimităr Kudoglu (Postkarte aus dem Jahr 1927)
Lagerhäuser des Tabakhändlers Dimităr Kudoglu, ul. Kapitan Andreëw 2 und 3, Plowdiw ().Petăr Jokimow, 2005, S. 94 Ihre Fassaden waren im Stil der Secession gestaltet. Beide Gebäude wurden durch einen Brand am 20. August 2016 bis auf die Außenmauern zerstört.: (trafficnews.bg, 2022; deutsch: Marija Luzowa: Ehemalige Tabaklager in Athen und Plowdiw - finden Sie die Unterschiede heraus) Im Jahr 2018 legten der italienische Architekt Raimondo Flaccomino und die bulgarische Architektin Radka Stefanowa einen Entwurf vor, die Lagerhäuser, unter Erhaltung der Fassaden, in Wohnanlagen umzubauen.: - (www.marica.bg, 2018; deutsch: Daniela Arnaudowa: Die Tabakresidenz - die neue Perle im Herzen der Tabakstadt) Wohnhaus des amerikanischen Missionars George Marsh, ul. Boshidar Sdrawkow 27, Plowdiw (). Der Entwurf wurde von Kamen Petkow nach einer Zeichnung von George Marsh ausgeführt. Die Fassade des Hauses ist unverputzt und lässt das aus Werkstein bestehende Mauerwerk erkennen.: (blackandwhitecity.net, 2012; deutsch: Iwan Kolew: Das Wohnhaus von George Marsh - Plowdiw) (podtepeto.com, 2023; deutsch: 3 emblematische Gebäude auf dem Sachat Tepe "In Kapana von Pod Tepeto")
1914: Wohnhaus von Luka Litschew, ul. Veliko Tărnowo 13, (). Gestaltung der Krypta der Gedächtniskirche »Christi Geburt« im Kloster Schipka. (artrz.ru, 2011; deutsch: Die Gedächtniskirche Christi Geburt, Schipka, Bulgarien) Vom ursprünglichen Entwurf wurde bei einer Renovierung nach dem Zweiten Weltkrieg abgewichen.
1923: Gebäude der Jüdischen Wohltätigen Gesellschaft „Scholem Alejchem“, ul. Christo G. Danow 20, Plowdiw (). Die Fertigstellung erfolgte 1924.
1925–1932: Lagerhaus des Kartells der Tabakfabriken, ul. Exarch Josif 16, Plowdiw (). Der beeindruckende, funktional gestaltete Bau weist bis zu sechs Geschosse sowie einen Dachboden auf. Auftraggeberin war die AG "Vereinigte Tabakfabriken" (Безименно АД Съединени тютюневи фабрики), die auch als "das Kartell" bezeichnet wurde.: (offnews.bg, 2022; deutsch: Iwajlo Dernew: Man vernichtete ein Tabaklager in Plowdiw, das ein Teil einer Gruppe von Kulturdenkmälern ist) Das Gebäude wurde unter Leitung von Ljudmila Petkowa restauriert und zu einem Veranstaltungszentrum umgestaltet.: (deutsch: Eliza Iltschewa: Geschichten aus der Tabakstadt) , VIII, 12, S. 29, Sofia. Heute trägt es den Namen "Sklad" (, deutsch "Lagerhaus").
1928: mini|Gebäudekomplex am dritten Standort der Filiale Plowdiw der Technischen Universität Sofia (2013)
Aufstockung des 1898 von Georgi Fingow und Wălko A. Wălkowitsch entworfenen Französischen Mädchenkollegs »St. Josef«, ul. Zanko Djustabanow 8, Plowdiw (, ).Ljubinka Stoilowa: Architekt Georgi Fingow.- In: Museum für die Geschichte von Sofia (Hrsg.): Österreichische Architektureinflüsse in Sofia um die Jahrhundertwende, S. 60 Das Gebäude ist heute der dritte Standort der Filiale Plowdiw der Technischen Universität Sofia.
1929 Bulgarische Nationalbank, Filiale Plowdiw, ul. Rajko Daskalow 51, Plowdiw (). Das Bankhaus wurde vom Schweizer Architekten Henri Meyer entworfen und 1899 fertig gestellt. Kamen Petkow übernahm 1929 das Design des Erweiterungsbaus. 1974 wurde der Komplex um zwei Etagen aufgestockt und um einen Flügel ergänzt. Im Jahre 1985 erhielt er den Status eines nationalen Kulturdenkmals. Seit 2013 steht das Ensemble leer. Es befindet sich im Besitz der Stadt Plowdiw, die 2024 einen Ideenwettbewerb für dessen Nachnutzung ausschrieb.: (podtepeto.com, 2024; deutsch: Tanja Grosdanowa: Das historische Gebäude der BNB in Plowdiw - Vergangenheit und Zukunft)
1929–1932: mini|Katholische Kathedrale »St. Ludwig« in Plowdiw (2012)
Katholische Kathedrale »St. Ludwig«, bul. Knjaginja Maria Luisa 3, Plowdiw ().: (www.catholic-bg.org; deutsch: Katholische Kirche: Adressen und Kontakte im Bistum Sofia-Plowdiw) Die dreischiffige Basilika wurde am 25. März 1861 geweiht. Beim Erdbeben von Tschirpan (1928) trug sie schwere Schäden davon. Kamen Petkow entwarf für sie 1929 eine neue Hauptfassade im Stil des Neobarocks. Der Wiederaufbau konnte 1931 abgeschlossen werden. Nur ein Jahr später kam es durch einen Kurzschluß zu einem Brand. (spravochnik.marica.bg; deutsch: Die Kathedrale "Sankt Ludwig") Unter Beibehaltung der ursprünglichen Ausmaße gestaltete Petkow die Pläne für einen neuen Kirchenraum.The history of the largest cathedral in the country (lostinplovdiv.com) Die restaurierte Kathedrale wurde am 8. Mai 1932 vom damaligen Apostolischen Delegaten Angelo Roncalli, dem späteren Papst Johannes XXIII., konsekriert.Cathedral of St Louis (www.mycityhunt.de)
1930–1931: Katholische Kirche »Hl. Erzengel Michael«, ul. Nikola Wapzarow 2a, Rakowski-Sekirowo (). Es handelt sich dabei um eine neuromanische, dreischiffige Kreuzbasilika mit zwei Glockentürmen. Sie kann bis zu 2000 Gläubige aufnehmen.Dymitr Nowak: (religiousheritage-bg.eu, 2019; deutsch: Dymitr Nowak: Rakowski) Die Grundsteinlegung fand am 30. März 1930 statt. Die Kirche wurde am 8. Dezember 1931 geweiht.
mini|Katholische Kirche »Allerheiligstes Herz Jesu« in Rakowski-General Nikolaewo (2019)