mini|Portale des Tunnels Niederkönigswalde. Die Zugtrennung erfolgte in der rechten Tunnelröhre

Der Eisenbahnunfall von Ludwigsdorf war eine Zugtrennung auf der Bahnstrecke Waldenburg–Glatz am 27. Januar 1945. In dem entlaufenen und verunfallten Personenwagen starben bei Ludwigsdorf 60 Menschen. Sie wurden anonym in einem Gemeinschaftsgrab auf dem Friedhof von Kunzendorf beigesetzt.

Ausgangslage Am 25. Januar 1945 wurde das Luftwaffenlazarett 8/XVII verlegt. Es sollte vom Niederlindewiese nach Cottbus verlegt werden. Der Transport sollte aus zwei Zugteilen bestehen. Der erste Transport bekam die Transportnummer 157 451 und wurde im Laufe des Tages am Bahnhof Niederlindewiese verladen. Der Zugteil umfasste einen Reisezugwagen dritter Klasse und 4 O-Wagen.

Die fünf Wagen wurden einem Personenzug mitgegeben. Der Zug verließ am Morgen des 26. Januar 1945 um 2 Uhr den Bahnhof.Brief des Oberstabsarztes Dr. med. Willgrod vom 6. Februar 1945 über den Eisenbahnunfall in Ludwigsdorf vom 27. Januar 1945, Seite 1

Der Personenzug mit den zusätzlichen fünf Wagen des Teils des Lazarettzuges fuhr in der Nacht noch bis Glatz. Den 26. Januar 1945 verbrachte der Lazarettzugteil in Glatz. Am Abend des 26. Januar 1945 wurde er nach Mittelsteine gebracht, wohin auch der zweite Lazarettzugteil folgte. Die beiden Zugteile warteten in Niedersteine auf eine entsprechende Lokomotive, mit der die Reise fortgesetzt werden konnte. Ebenso warteten in Niedersteine zwei Munitionszüge auf Lokomotiven. In der Nacht vom 26. auf den 27. Januar 1945 trafen zwei Lokomotiven in Mittelsteine ein, die die beiden Munitionszüge bespannten und die durch die beiden Lazarettzugteile ergänzt wurden.

Der spätere Unglückszug bestand nun aus der Lokomotive, 25 Munitionstransportwagen und dem Teil des Lazarettzuges mit einem Reisezugwagen und den 4 O-Wagen. Der Reisezugwagen mit den Personen war der vorletzte Wagen des späteren Unglückszugs. Der auch zum Lazarettzug gehörende Oberstabsarzt Willgrod saß nicht mit im Personenwagen des Unglückszuges; er fuhr auf der Lokomotive mit.

Unfallhergang Zugtrennung Am 27. Januar 1945 fuhr der Zug auf der Bahnstrecke Waldenburg–Glatz in nördliche Richtung auf dem Streckenabschnitt zwischen Mittelsteine und Waldenburg. Bei der Einfahrt in den Eisenbahntunnel bei Niederkönigswalde gegen 06:30 Uhr, auf dem Teilstück der Eisenbahnstrecke mit dem höchsten Gefälle, lösten sich einige der hinteren Wagen von dem Zug. Oberstabsarzt Willgrod, der mit auf der Lokomotive saß, bekam von der Zugtrennung nichts mit. Erst in Waldenburg wurde mitgeteilt, dass auf Fahrt Wagen verloren gegangen waren.

Unkontrolliertes Ablaufen und Umleitung Da die Bahnstrecke vor dem Eisenbahntunnel eine Steigung von 1,6 % hat, begannen die abgerissenen Wagen, unkontrolliert bergab zurückzurollen. Zu diesem Zeitpunkt befand sich ca. 11,5 km bergab auf der Strecke im Bahnhof Ludwigsdorf ein voll besetzter und abfahrbereiter Flüchtlingszug. Der Fahrdienstleiter im Stellwerk Ludwigsdorf leitete die außer Kontrolle geratenen Wagen, nachdem diese etwa 4 km bergab gerollt waren, auf ein Abstellgleis um, um einen Zusammenstoß mit dem Flüchtlingszug zu verhindern. mini|Abzweigstelle an der Anschlussbahn zur Wenceslaus-Grube. Die entlaufenen Wagen wurden nach links in die Anschlussbahn geleitet.

Überlaufen des Prellbocks Das Abstellgleis war Teil der Gleisanlagen der Wenceslaus-Grube. Auf der Bahnstrecke von Glatz Richtung Waldenburg zweigen kurz vor dem Bahnhof Ludwigsdorf nach rechts Gleise zur Grube ab. Außerdem verläuft von dieser Abzweigung aus ein Abstellgleis parallel zur Bahnstrecke in Richtung Glatz. Anders als die Bahnstrecke nach Glatz ist das Abstellgleis aber nicht abschüssig; es verläuft in der Waagerechten und endet nach ca. 600 m in einer Höhe von ca. 10 m über dem Boden auf einem Bahndamm. Die Wagen überliefen den Prellbock und stürzten den Bahndamm hinunter. mini|Das Ausziehgleis in der Anschlussbahn Wenceslaus-Grube endet auf einem hohen Damm. Die Wagen stürzten am Gleisabschluss in die Tiefe.

Absturz und Brand Die Wagen stürzten nah der Siedlung Grabersgrund vom Bahndamm. An der Unglücksstelle entstand ein Brand, der durch im Personenwagen vorhandenen medizinischen Sauerstoff und die Munition begünstigt wurde.

Rettungsversuche Etwa eine Stunde nach dem Unglück erreichten die ersten Rettungskräfte die Unglücksstelle. Es stellte sich heraus, dass nicht genügend Wasser zur Unfallstelle gebracht werden konnte, um den Brand wirkungsvoll zu löschen. Löschversuche mit Schnee stellten sich als wenig wirksam heraus. Die sechs oder sieben Überlebenden wurden in das Reservelazarett nach Neurode gebracht. Die Leichen vieler Personen waren zur Unkenntlichkeit verbrannt. In der ersten Stunde explodierte noch Munition. Als wertvolle brennbare Ladung werden Wolldecken und Sohlenleder beschrieben. Die Wagen brannten bis zum nächsten Morgen. Neben dem Personal des Lazarettzuges soll sich auch eine unbekannte Anzahl von Flüchtlingen im Zug befunden haben, die aus Mitleid mitgenommen worden waren.

Verluste Menschen mini|Bericht des Pfarrers von Kunzendorf über die Bestattung der Toten (Dezember 1945)

Am 30. Januar 1945 wurden die Opfer des Eisenbahnunglücks auf dem Friedhof in Kunzendorf beigesetzt.Brief des Oberstabsarztes Dr. med. Willgrod vom 6. Februar 1945 über den Eisenbahnunfall in Ludwigsdorf vom 27. Januar 1945, Seite 2Bericht über die Bestattung der Verunglückten des Bahnunglücks von Grabersgrund Nach Angaben des Pfarrers aus Kunzendorf wurden 60 Personen beigesetzt.

Der Grafschafter Bote gab 1958 65 bis 70 bei dem Unfall getötete Menschen an.

Material Es wurde das gesamte Material vernichtet, das in den O-Wagen transportiert wurde. Außerdem wurden durch das Unglück sämtliche Verschlusssachen und Druckvorschriften vernichtet.

Unklarheiten Es gibt unterschiedliche Angaben darüber, wie viele Wagen sich von dem Zug gelöst haben. Eine Rot-Kreuz-Schwester, die das Unglück überlebt hatte, berichtet von 30 Wagen, die sich vom Zug mit insgesamt 60 Wagen gelöst hatten. Sie selbst hatte die Wagen aber nicht gezählt, sondern ihr wurde einige Tage nach dem Unglück diese Zahl genannt. Oberstabsarzt Willgrod nannte am 6. Februar 1945 die Zahl von 60 abgerissenen Achsen. Am 7. Februar nannte er die Zahl von 30 abgerissenen Achsen. Ein Bericht aus dem Grafschafter Boten vom April 1958 nennt die Zahl von insgesamt 120 Achsen. Es wird beschrieben, dass sich die Hälfte der Wagen gelöst hätten und 30 Wagen verunfallten.

Es gibt keine klaren Angaben dazu, aus welchem Grund es zur Zugtrennung gekommen sei. Außerdem sei unklar, aus welchem Grund die abgerissenen Wagen nicht selbstständig gebremst haben. Weiter gibt es keine Informationen dazu, ob dem Fahrdienstleiter, der die Wagen in Ludwigsdorf durch Umstellen der Weiche auf das Abstellgleis geleitet hatte, um eine Kollision mit dem abfahrbereiten Zug in Neurode zu vermeiden, bekannt war, dass auch ein mit Personen besetzter Reisezugwagen unter den abgetrennten Wagen war.

Literatur Marek Cybulski: Nowa Ruda Neurode Tajemnice, zagadki, historia. Część 1. ISBN 978-83-942498-1-6, S. 185–192.

Weblinks

Gedenkseite mit einem Gedenkbuch für die Todesopfer, der Rekonstruktion der Ereignisse durch einen Hinterbliebenen, einem Kriegstagebuch und zwei Augenzeugenberichten (deutsch) Blogartikel über das Eisenbahnunglück (polnisch) Dokumentation über das Eisenbahnunglück (polnisch)

Einzelnachweise

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