Hildgund ist ein Drama von Karoline von Günderrode aus dem Jahr 1805 und ist als Teil ihrer Veröffentlichung ‘Poetische Fragmente’ veröffentlicht worden. Zunächst erschien das Drama unter dem Pseudonym ‘Tian’.Tian: Poetische Fragmente. Frankfurt, 1805. Im Zentrum der Handlung steht die marginalisierte Burgundertochter Hildgund, welche sich in einer patriarchalen Weltordnung gegen die Macht – ausgehend von ihrem Vater ‘Herrich’ (Fürst der Burgunder) und dem Tyrannen ‘Attila’ (König der Hunnen) – zu wehren versucht.Tian: Hildgund. In: Poetische Fragmente. Frankfurt, 1805. S. 2–30.

Inhalt

Das Drama Hildgund ist der Epoche der Romantik zuzuordnen und vermutlich Günderrodes erstes Drama, welches wahrscheinlich noch vor 1804 entstanden ist.Walter Morgenthaler (Hrsg.) [u. a.]: Karoline von Günderrode: Sämtliche Werke und ausgewählte Studien, Historisch-Kritische Ausgabe. Bd. 3. Frankfurt am Main; Basel, 2006. S. 116. Es handelt sich um ein Dramenfragment.Walter Morgenthaler (Hrsg.) [u. a.]: Karoline von Günderrode: Sämtliche Werke und ausgewählte Studien, Historisch-Kritische Ausgabe. Bd. 3. Frankfurt am Main; Basel, 2006. S. 116. Es ist nicht eindeutig, ob der offene Schluss von der Autorin beabsichtigt wurde oder nicht. Laut Walter Morgenthaler [u. a.] ist anzunehmen, dass der offene Schluss ursprünglich nicht gedacht war.Walter Morgenthaler (Hrsg.) [u. a.]: Karoline von Günderrode: Sämtliche Werke und ausgewählte Studien, Historisch-Kritische Ausgabe. Bd. 3. Frankfurt am Main; Basel, 2006. S. 116. Andere Forschung wiederum betont, dass das Drama durchaus als ein poetisches Fragment von Günderrode geplant wurde.Michael Sommer (2023). Hildgund to go (Günderrode in 10,5 Minuten) [Video]. YouTube. Abgerufen unter: https://www.youtube.com/watch?v=yhWT4zDkv60 [21.02.2025]. Das Drama ist eine Neuerzählung der Judith-Sage zu Zeiten Attilas.Sigrid Lange: "Louise Brachmann: Das Militär". In: Bernd Leistner (Hrsg.): Deutsche Erzählprosa der frühen Restaurationszeit: Studien zu ausgewählten Texten. Berlin; Boston: Max Niemeyer Verlag, 1995. S. 160–161. Günderrode verbindet die Attila-Sage mit dem Walthari-Lied.Erich Regen: Die Dramen Karolinenens von Günderode. Berlin: Ehering, 1910. (=Berliner Beiträge zur germanischen und romanischen Philologie. Germanische Abteilung, 26). S. 12–28 / E. Götzinger: Reallexicon der Deutschen Altertümer. Leipzig, 1885. S. 1062–1066. Digital bei Zeno.org: http://www.zeno.org/Goetzinger-1885/A/Waltharilied. Als Vorbild diente ihr wahrscheinlich auch der Roman “Attila, König der Hunnen”Ignaz Aurelius Feßler: Attila, König der Hunnen. Breslau, 1794. Digitalisat MDZ: https://www.digitale-sammlungen.de/de/details/bsb11253657 von Ignaz Aurelius Feßler.

Zu Beginn des Dramas kehren die Burgundentochter Hildgund und ihr Verlobter Walther von Aquitanien an den Palast ihres Vaters, dem Burgunderfürsten Herrich zurück.Karoline von Günderrode: Hildgund. In: Leopold Hirschberg (Hrsg.): Gesammelte Werke der Karoline von Günderode. Band 1–3. Berlin-Wilmersdorf, 1920–1922. (Hier: Bd. 1, 1920.) S. 90. Sie waren unfreiwillig für mehrere Jahre am feindlichen Hof des Tyrannen und König der Hunnen Attila gefangen. Durch grausame Kriege versucht dieser, die ganze Welt einzunehmen, und ist dabei nicht unerfolgreich.Karoline von Günderrode: Hildgund. In: Leopold Hirschberg (Hrsg.): Gesammelte Werke der Karoline von Günderode. Band 1–3. Berlin-Wilmersdorf, 1920–1922. (Hier: Bd. 1, 1920.) S. 96. Am Königshof wurde Hildgund von Walther getrennt, konnte sich aber als eine enge Vertraute von Attila und dessen Ehefrau Ospiru etablieren.Karoline von Günderrode: Hildgund. In: Leopold Hirschberg (Hrsg.): Gesammelte Werke der Karoline von Günderode. Band 1–3. Berlin-Wilmersdorf, 1920–1922. (Hier: Bd. 1, 1920.) S. 92. So wurde Hildgund durch ihre Freundschaft mit Ospiru sogar die königliche Schatzwächterin für Attila.Karoline von Günderrode: Hildgund. In: Leopold Hirschberg (Hrsg.): Gesammelte Werke der Karoline von Günderode. Band 1–3. Berlin-Wilmersdorf, 1920–1922. (Hier: Bd. 1, 1920.) S. 93. Zusammen mit Walther gelingt ihr dann jedoch die Flucht.Karoline von Günderrode: Hildgund. In: Leopold Hirschberg (Hrsg.): Gesammelte Werke der Karoline von Günderode. Band 1–3. Berlin-Wilmersdorf, 1920–1922. (Hier: Bd. 1, 1920.) S. 94–95. Attila möchte Hildgund jedoch zurück, um sie zu heiraten und damit zur Königin der Hunnen zu machen.Karoline von Günderrode: Hildgund. In: Leopold Hirschberg (Hrsg.): Gesammelte Werke der Karoline von Günderode. Band 1–3. Berlin-Wilmersdorf, 1920–1922. (Hier: Bd. 1, 1920.) S. 99. Im Gegenzug bietet Attila den Burgunden den Frieden an. Während Herrich dem Angebot von Attila nicht abgeneigt ist und Hildgund zur Hochzeit drängt, versucht Walther Hildgund davon zu überzeugen, dass eine Heirat mit Attila die falsche Entscheidung sei.Karoline von Günderrode: Hildgund. In: Leopold Hirschberg (Hrsg.): Gesammelte Werke der Karoline von Günderode. Band 1–3. Berlin-Wilmersdorf, 1920–1922. (Hier: Bd. 1, 1920.) S. 100–101. Hildgund ist jedoch entschieden das Heiratsangebot anzunehmen.Karoline von Günderrode: Hildgund. In: Leopold Hirschberg (Hrsg.): Gesammelte Werke der Karoline von Günderode. Band 1–3. Berlin-Wilmersdorf, 1920–1922. (Hier: Bd. 1, 1920.) S. 101. Sie ist der Meinung, solange Attila lebt, können sie und Walther nicht in Frieden zusammen glücklich werden.Karoline von Günderrode: Hildgund. In: Leopold Hirschberg (Hrsg.): Gesammelte Werke der Karoline von Günderode. Band 1–3. Berlin-Wilmersdorf, 1920–1922. (Hier: Bd. 1, 1920.) S. 102. Hildgund kehrt schließlich an Atillas Hof zurück und plant, diesen in der Hochzeitsnacht zu ermorden.Karoline von Günderrode: Hildgund. In: Leopold Hirschberg (Hrsg.): Gesammelte Werke der Karoline von Günderode. Band 1–3. Berlin-Wilmersdorf, 1920–1922. (Hier: Bd. 1, 1920.) S. 102–104 Das Drama endet jedoch nicht mit der Ermordung Attilas, sondern bricht ab, nachdem Hildgund von Attila an dessen Hof begrüßt wird.Karoline von Günderrode: Hildgund. In: Leopold Hirschberg (Hrsg.): Gesammelte Werke der Karoline von Günderode. Band 1–3. Berlin-Wilmersdorf, 1920–1922. (Hier: Bd. 1, 1920.) S. 107 Das Ende des Dramas bleibt damit unausgestattet, da der Mord an Attila bloß verbal angekündigt, nicht aber dargestellt wird. Es bedarf der Fantasie der Rezipienten ebenso wie der Kenntnis über die tyrannenmordende Tat Ildikos aus der Attila-Sage, um den literarisch nicht ausgeführten Schluss des Dramas zu erahnen.Karoline von Günderrode: Hildgund. In: Leopold Hirschberg (Hrsg.): Gesammelte Werke der Karoline von Günderode. Band 1–3. Berlin-Wilmersdorf, 1920–1922. (Hier: Bd. 1, 1920.) S. 107 / Margarete Lazarowicz: Karoline von Günderrode. Porträt einer Fremden. Frankfurt am Main; Bern; New York: Lang, 1986. S. 145.

Handlung Personen Herrich, Fürst der Burgunder Hildgund, seine Tochter Walther von Aquitanien, ihr Verlobter Attila, König der Hunnen Edezon, ein Hunne

(Ospiru, Attilas Ehefrau)Anmerkung: Ospiru taucht nicht in dem originalen Namensregister bei Günderrode auf. Sie wurde hier ergänzt.

Szene 1

Hildgund – die Tochter des Fürsten der Burgunder –, und Herrich – ihr Vater – begrüßen sich, nachdem Hildgund und Walther an Herrichs Palast zu Cabilonum angekommen sind.Karoline von Günderrode: Hildgund. In: Leopold Hirschberg (Hrsg.): Gesammelte Werke der Karoline von Günderode. Band 1–3. Berlin-Wilmersdorf, 1920–1922. (Hier: Bd. 1, 1920.) S. 90. Sie waren für einige Jahre unfreiwillig an Attilas Hof gefangen genommen gewesen.Karoline von Günderrode: Hildgund. In: Leopold Hirschberg (Hrsg.): Gesammelte Werke der Karoline von Günderode. Band 1–3. Berlin-Wilmersdorf, 1920–1922. (Hier: Bd. 1, 1920.) S. 90–91. Hildgund betont, dass sie ihr Vaterland und auch ihren Vater schmerzlich vermisste und froh ist, wieder am Hofe ihres Vaters zu sein.Karoline von Günderrode: Hildgund. In: Leopold Hirschberg (Hrsg.): Gesammelte Werke der Karoline von Günderode. Band 1–3. Berlin-Wilmersdorf, 1920–1922. (Hier: Bd. 1, 1920.) S. 90. Auf Herrichs Nachfrage erzählt sie von ihren Erfahrungen mit Attila – dem König der Hunnen – und betont, dass die Gerüchte über diesen wahr sind.Karoline von Günderrode: Hildgund. In: Leopold Hirschberg (Hrsg.): Gesammelte Werke der Karoline von Günderode. Band 1–3. Berlin-Wilmersdorf, 1920–1922. (Hier: Bd. 1, 1920.) S. 91. Attila ist barbarisch und gierig – will die ganze Welt einnehmen-, jedoch persönlich auch bescheiden und großzügig. Hildgund habe sich am Hof zunächst sehr einsam gefühlt – so wurde sie auch von Walther getrennt-, jedoch hat sich eine enge Freundschaft mit der Ehefrau von Attila ’Ospiru’ entwickelt, welche sie in Attilas Gunst rückte.Karoline von Günderrode: Hildgund. In: Leopold Hirschberg (Hrsg.): Gesammelte Werke der Karoline von Günderode. Band 1–3. Berlin-Wilmersdorf, 1920–1922. (Hier: Bd. 1, 1920.) S. 92. So konnte sie sogar Attilas Schatzwächterin werden, vermisste jedoch ihre Heimat sehr.Karoline von Günderrode: Hildgund. In: Leopold Hirschberg (Hrsg.): Gesammelte Werke der Karoline von Günderode. Band 1–3. Berlin-Wilmersdorf, 1920–1922. (Hier: Bd. 1, 1920.) S. 93. Hildgund erzählt ihrem Vater von der Flucht, welche ihr gelungen ist, nachdem sie Walther auf einem Bankett begegnet ist. Dieser forderte sie auf, hilfreiche Dinge aus Attilas Schatz zu stehlen, und auf sein Signal zu warten. Nachdem Walther ihr das Signal gegeben hat, entwendete sie unter anderem ein goldenes Schwert, goldene Armbänder und ein Schild. Zusammen gelang ihnen die Flucht.Karoline von Günderrode: Hildgund. In: Leopold Hirschberg (Hrsg.): Gesammelte Werke der Karoline von Günderode. Band 1–3. Berlin-Wilmersdorf, 1920–1922. (Hier: Bd. 1, 1920.) S. 93–94. Auf die Nachfrage ihres Vaters, ob sie sich mithilfe der Götter befreit hätte, antwortet Hildgund, dass der Gott, welcher sie befreit hat, in ihrem eigenen Herzen wohnt.Karoline von Günderrode: Hildgund. In: Leopold Hirschberg (Hrsg.): Gesammelte Werke der Karoline von Günderode. Band 1–3. Berlin-Wilmersdorf, 1920–1922. (Hier: Bd. 1, 1920.) S. 94–95.

Szene 2

Attila belagert die römische Stadt Acuilegia. Sein Untergebener Edezon kommt zu ihm in sein Zelt, um ihn über Unruhen im Heer zu informieren.Karoline von Günderrode: Hildgund. In: Leopold Hirschberg (Hrsg.): Gesammelte Werke der Karoline von Günderode. Band 1–3. Berlin-Wilmersdorf, 1920–1922. (Hier: Bd. 1, 1920.) S. 95–97. Edezon fragt Attila, ob dieser nun nicht genug Reiche eingenommen hätte und ob es noch Etwas gäbe, das er nicht eingenommen hat.Karoline von Günderrode: Hildgund. In: Leopold Hirschberg (Hrsg.): Gesammelte Werke der Karoline von Günderode. Band 1–3. Berlin-Wilmersdorf, 1920–1922. (Hier: Bd. 1, 1920.) S. 96. Attila erwidert, dass er erst ruhen kann, wenn er alle Völker besiegt hat. Auf Edezons Nachfrage, ob die Zerstörung von Aquilegia und Verzweiflung der Bevölkerung ihm nicht reichen würde und ob er ihnen nicht seine Gnade anbieten könnte im Gegenzug zur Unterwerfung, antwortet Attila, dass er gerne bereit ist Gnade walten zu lassen, wenn diese sich unterwerfen.Karoline von Günderrode: Hildgund. In: Leopold Hirschberg (Hrsg.): Gesammelte Werke der Karoline von Günderode. Band 1–3. Berlin-Wilmersdorf, 1920–1922. (Hier: Bd. 1, 1920.) S. 98. Wenn sie sich jedoch nicht unterwerfen, sollen sie heute noch sterben.35 Nachdem Edezon davongeht ist Attila irritiert davon, dass er trotz des anstehenden Sieges mit Trauer erfüllt ist. Er vermisst Hildgund und möchte diese zurückfordern, um sie zu seiner Königin zu machen. Ihren Verrat will er ihr verzeihen, da ihr Herz sich nach Freiheit gesehnt hat.Karoline von Günderrode: Hildgund. In: Leopold Hirschberg (Hrsg.): Gesammelte Werke der Karoline von Günderode. Band 1–3. Berlin-Wilmersdorf, 1920–1922. (Hier: Bd. 1, 1920.) S. 98.

Szene 3