mini|G.B. Tiepolo: Das letzte Abendmahl, 1738 Das letzte Abendmahl ist ein Giovanni Battista Tiepolo zugeschriebenes Altarbild im Dom von Desenzano.

Geschichte Das Altarbild von Giovanni Battista Tiepolo im Dom von Desenzano (italienisch Duomo di Desenzano del Garda) befindet sich in der Kapelle „Zum Allerheiligsten Sakrament“, die im Jahre 1738 erweitert und neu gestaltet wurde. Der sakrale Raum besteht aus einem achteckigen Sockel, Wänden mit Pilastern und Kompositkapitellen, vier Fenstern sowie einer runden Kuppel.Giuseppe Franco Viviani: Chiese nel veronese 2°, Verona; Vago di Lavagno, Società Cattolica di Assicurazione. Verona 2006.

Der barocke Altar aus grauem Marmor und rosa Brekzie zeigt das Altarbild „Das letzte Abendmahl“, das dem Barockmaler Giovanni Battista Tiepolo zugeschrieben wird und auf das Jahr 1738 datiert wurde.Giuseppe Franco Viviani: Chiese nel veronese 2°, Verona; Vago di Lavagno, Società Cattolica di Assicurazione. Verona 2006.

Darstellung Christus ist in dieser Darstellung nicht zentral in die Bildmitte gesetzt, sondern erscheint am äußeren Rand links an der Tafel. Er wird in der Seitenansicht gezeigt, die rechte Hand liegt mit ausgestrecktem Arm auf dem Tisch. Sein Gewand leuchtet mit einem roten auffallenden Ärmel unter seinem blauen Mantel hervor. Auch wenn er nicht das Zentrum dominiert, so steht er doch farblich im Mittelpunkt des Abendmahls. An seinen Lippen hängen seine Jünger – die zwölf Apostel: Petrus, Andreas, Jakobus der Ältere, Johannes, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Jakobus der Jüngere, Thaddäus, Simon, Judas Iskariot.

Perspektive Eine nähere Untersuchung der Perspektive im Gemälde zeigt deutlich eine Zentralperspektive mit einem Fluchtpunkt. Dieser befindet sich auf der linken Seite oberhalb der Säule. Die lineare Perspektive wird, wie hier, zumeist für eine frontale Ansicht der Architektur oder Räume genutzt. Es entsteht der Eindruck der Vertrautheit der zwölf Apostel zu Jesus durch diese perspektivische Anordnung.

Dennoch handelt es sich nicht um eine klassische Zentralperspektive wie bei Leonardo da Vincis Letztem Abendmahl, in dem der Fluchtpunkt symmetrisch und harmonisch genau in die Bildmitte gesetzt ist und die Figur von Jesus berührt. Bei Tiepolo ist der Fluchtpunkt leicht nach links versetzt. Dadurch wirkt das Bildgeschehen beim Abendmahl lebendiger, theatralischer und asymmetrischer – typische Merkmale der Barockkunst. Für den Betrachter entsteht der Eindruck von Bewegung und Tiefe durch diese Verschiebung, da der Blick dynamisch durch das Bild geführt wird und nicht symmetrisch starr wie in der Renaissance.

Rezeption Massimo Ghidelli hat sich in seiner Studie von 2024 intensiv mit der Frage beschäftigt, wie Tiepolo nach Desenzano kam und wer sein Auftraggeber für das Altarbild gewesen sein könnte. Bislang gibt es keine Dokumente oder Quellen, die diese Fragen beantworten.Massimo Ghidelli: Tiepolo a Desenzano. Brescia 2024, S. 4. Auch der Hinweis der Forschung, dass es ein Werk des Sohnes, Gian Domenico Tiepolo, sein könnte, ist nicht belegt.

Literatur Massimo Ghidelli: Tiepolo a Desenzano. Brescia 2024. Andrea Bayer: A Documented Chronology of Tiepolo's Life and Work. In: Keith Christiansen (Hrsg.): Giovanni Battista Tiepolo, 1696–1770. Metropolitan Museum of Art, New York 1996, S. 29–34 (Digitalisiert im Internet Archive).

Franz Hermann Meißner: Tiepolo (Künstler-Monographien, Band 22). Bielefeld/Leipzig 1897. Carlo Sgorlon: Die Fresken der Tiepolo in Venetien. Trezzano 1989 (ital.: Gli affreschi di Tiepolo nel Veneto, De Agostini, Novara 1982). Giuseppe Franco Viviani: Chiese nel veronese 2°, Verona; Vago di Lavagno, Società Cattolica di Assicurazione. Verona 2006.

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Einzelnachweise

Kategorie:Desenzano del Garda Kategorie:Lombardei Kategorie:Gemälde (18. Jahrhundert)