Wetten ist der älteste und zweitgrößte Ortsteil der Stadt Kevelaer im Kreis Kleve im Nordwesten des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Er hat etwa 2.600 Einwohner und aufgrund der früheren Zugehörigkeit zu den Spanischen Niederlanden ist die Bevölkerung überwiegend katholisch.
Lage Wetten liegt südöstlich der Ortschaft Kevelaer im Kreis Kleve in Nordrhein-Westfalen, die das Zentrum der gleichnamigen Stadt bildet. Den Nord-Osten des Dorfes durchfließt die Niers. Die östliche Ortsgrenze ist die Issumer Fleuth. An der Issumer Fleuth befindet sich Haus Wankum, ehemals ein Herrensitz.Jürgen Kwiatkowski (unter Einbezug von Teilen eines Typoskripts von Theo Küppers): Haus Wankum. Ein Adelssitz an der Fleuth in Kevelaer-Wetten. In: Geldrischer Heimatkalender, Jg. 2012, S. 26–38.
Geschichte Zu den Ursprüngen des Ortsnamens Wetten gibt es verschiedene Hypothesen. Die wahrscheinlichste – schriftliche Belege existieren nicht – besagt, der Name bezeichne etwa einen feuchten Platz am Wasser.
Die Entstehung der Ortschaft liegt weitgehend im Dunkeln. Zwar konnten vereinzelt archäologische Funde gesichtet werden, in vorchristlicher Zeit gilt die gesamte Region aber als siedlungsarm. Auch für die Römerzeit lässt sich, trotz der Nähe zur östlich verlaufenden Römerstraße von Xanten nach Tongeren, keine Besiedlung nachweisen. Erst nach der fränkischen Landnahme entstanden auch am linken unteren Niederrhein allmählich Einzelhofsiedlungen, die ab dem Ende des 9. Jahrhunderts wegen der Normanneneinfälle durch kleine Schutzburgen, sog. Motten, gesichert wurden. In Wetten sind im wenige hundert Meter östlich vom Ortskern gelegenen Park des ehemaligen Schwestern-Erholungsheims Maria Viktoria der Dominikanerinnen vom Arenberg, heute World House Wetten, die Reste einer Motte, die Ruine des ehemaligen Festen Hauses Alt-Vellar, noch erkennbar. Hier liegt womöglich die Keimzelle eines Weilers, aus dem die Ortschaft hervorgegangen sein könnte.
Urkundlich erwähnt wurde die Ortschaft Wetten erstmals im Jahr 1154; es handelt sich dabei um eine Bestätigung eines früheren Vertrages zwischen dem verstorbenen Kanonikus Ludolf vom Xantener St.-Viktor-Stift und dem Stift Cappenberg. Unter den namentlich erwähnten Zeugen befindet sich auch ein gewisser Heribert, der als Priester von Wetten (presbiter de Wettene) ausgewiesen wird.
1792 wurde Wetten von Frankreich für kurze Zeit besetzt und bildete nach dem Frieden von Basel – erneut unter französischer Verwaltung – 1795 mit seinen Nachbargemeinden den Kanton Geldern im Arrondissement de Clèves des Département de la Roer. 1798 bildete es zusammen mit den Bauerschaften Kevelaer, Kleinkevelaer und Twisteden die Bürgermeisterei (französisch: Mairie) Kevelaer. Diese Zugehörigkeit blieb auch nach der französischen Besatzungszeit bis zur Gebietsreform 1969 erhalten. Seither gehört Wetten zu Kevelaer. Am 1. Juli 1969 wurde der Ort in die Stadt Kevelaer eingegliedert. Im Jahr 2004 feierte das Dorf mit einer großen 850-Jahr-Feier die erste nachweislich urkundliche Erwähnung der Ortschaft.
Wappen und Banner mini|100px|Banner der ehemaligen Gemeinde Wetten
Bevölkerungsentwicklung mini|Turmwindmühle mit gemauertem Mühlenberg, um 1824 errichtet. 1500: 560 1722: 800 1820: 1.460 1840: 1.461 1843: 1.496 1852: 1.551 1862: 1.542 1895: 1.658 1900: 1.748 1905: 1.733 1910: 1.768 1931: 1.764 1961: 2.002 2017: 2.561Fakten zur Ortschaft Wetten, abgerufen am 11. Juli 2020. 2023: 2.585
Politik Gemeindevorsteher bis 1933:
1845–1847: Theodor Elders 1847–1861: Peter Gruntjens 1861–1879: Wilhelm van Bon 1879–1919: Peter Heinrich Aengenheyster 1919–1924: Lambert Deselaers 1924–1933: Jacob Kösters
Gemeindevorsteher 1933–1945:
1933: Wilhelm van Bon 1933–1945: Matthias Broeckmann (NSDAP)
Bürgermeister 1945–1969:
1945–1946: Johann Kösters 1946–1949: Mathias Selders 1949–1964: Johann Verheyen 1964–1969: Gregor Vos (CDU)
Ortsvorsteherinnen und Ortsvorsteher seit 1969:
1969–1973: Peter Steeger (CDU) 1973–2003: Hans Broeckmann (CDU) 2003–2004: Leni Stammen (CDU) 2004–2020: Beate Clasen (CDU) Seit 2020: Guido Küppers (CDU)
Dörfliches Leben Das dörfliche Leben Wettens wird maßgeblich durch die zahlreichen Vereine des Dorfs geprägt. So wird die jährlich stattfindende Kirmes von einem der „Geselligen Vereine“ ausgerichtet, im Jahr 2019 war dies die „St. Franziskus Bruderschaft“. Neben der Kirmes finden sich Schützenfeste, Karnevalsveranstaltungen sowie der Heimatabend im Wettener Jahreskalender.
Infrastruktur Wetten liegt verkehrsgünstig zur A57 (Nijmegen-Köln), in Kevelaer befindet sich ein Bahnhof der Deutschen Bahn. Der Wettener Bürgerbusverein bietet eine kostengünstige Linie an, die das Dorf mit zentralen Punkten der Stadt Kevelaer (wie z. B. dem Bahnhof oder Einkaufsmöglichkeiten) und den anderen Ortschaften Kevelaers verbindet.
Das Dorf verfügt über einen katholischen Kindergarten sowie eine katholische Grundschule. Ein Musikpavillon, zwei Sportplätze, Tennisplätze, eine Boulebahn, ein Schießstand, ein Reitplatz mit angrenzender Reithalle sowie eine Turnhalle ermöglichen es den Dorfbewohnern, ein breit gefächertes Freizeit- und Sportangebot wahrzunehmen. Für öffentliche oder sonstige Veranstaltungen kann der Knoase-Saal genutzt werden, der im November 2005 feierlich seiner Bestimmung übergeben wurde.
In der Dorfbäckerei können sich die Wettener mit dem Nötigsten versorgen. Zudem gibt es ein Küchenstudio, ein Schuhgeschäft, einen genossenschaftlichen Markt für landwirtschaftlichen und gärtnerischen Bedarf sowie ein Friseurstudio und diverse andere Handwerksbetriebe. Alle Produkte des täglichen Bedarfs können im nahe gelegenen Kevelaer erworben werden.
Nach einer positiven Nachfragebündelung wurde der Wettener Ortskern im Sommer 2020 an das Glasfasernetz angeschlossen. Auch Teile der Haushalte im Außenbezirk erhalten sukzessive entsprechende Anschlüsse.
Wichtige Gebäude und Denkmäler
Katholische Kirche St. Petrus Haus Gesselen Haus Wankum Hermann-Alders-Schule Hoenselaerer Mühle Backhaus beim Hof Voshael Ehemaliges Pastorat "De Weem" Weitere Gebäude und Denkmäler werden in der Denkmalliste der Wallfahrtsstadt Kevelaer, in der Liste der Bodendenkmäler der Wallfahrtsstadt Kevelaer sowie in der Liste der Naturdenkmäler der Wallfahrtsstadt Kevelaer geführt.
Zwei Stolpersteine erinnern seit 2022 an die beiden Euthanasie-Opfer Margaretha Heymanns (1895–1941) und Anna Boland (1899–1943).
Persönlichkeiten Töchter und Söhne des Ortes
Michael Knegten (1829–1859), Mathematiker und Erzieher des Franz von Thun und Hohenstein Sr. Ursula Sensen SSpS (1869–1932), Missionarin auf Tumleo Island (Neuguinea) Br. Gerhard Kraut OMI (1881–1968), Missionar in der kanadischen "Eismission" Josef Helmus (1886–1966), Priester und Gegner des NS-Regimes Johann Kösters (1897–1987), Heimatdichter Gregor Vos (1912–1993), CDU-Politiker, Organist und Chordirigent Hans Broeckmann (1932–2003), CDU-Politiker
Sr. Clementia Killewald OSB (1954–2016), 39. Äbtissin der Abtei St. Hildegard bei Rüdesheim Anna Janßen (* 2001), Sportschützin
Träger des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
Gregor Vos, Verdienstkreuz am Bande (1975) Hans Broeckmann, Verdienstkreuz am Bande (1995) Matthias Kröll, Verdienstkreuz am Bande (2004) Franz-Josef Vos, Verdienstkreuz am Bande (2010) Dennis Hartjes, Verdienstmedaille (2020) Franz-Josef Aymanns, Verdienstmedaille (2023)
Mit Wetten verbundene Persönlichkeiten
Hermann Alders (1882–1950), Hauptlehrer und Standesbeamter P. Gisbert Sölch OP (1905–1973), Theologe und Hausgeistlicher im Schwestern-Erholungsheim Maria Viktoria
Trivia mini|Die Stechmücke ziert eine Fahne am Ortseingang
Die in Wetten lebenden Mückenschwärme haben der Bevölkerung den Spitznamen Wettese Knoase (niederfränkisch für ‚Wettener Mücken‘) eingebracht.
Der gebürtig aus Wetten stammende Michael Knegten (1829–1859), Mathematiker und Erzieher des Franz von Thun und Hohenstein, erhielt 1859 das Privileg einer Bestattung auf dem Campo Santo Teutonico im Schatten des Petersdomes.
Literatur
Ortsgeschichte
Allgemein
Peter Brouwers: Chronologie der Ortschaft Wetten. In: Gesellige Vereine Wetten 1934 e. V. (Hrsg.): 850 Jahre Wetten. 1154–2004. Eine schöne Geschichte. Goch 2004, S. 257–265. Dorothee Flemming-Lühr: Die Entwicklung des Dorfes Wetten (1793–1943). Bevölkerungsstruktur – Sozialgefüge – Hausplätze. In: Gesellige Vereine Wetten 1934 e. V. (Hrsg.): 850 Jahre Wetten. 1154–2004. Eine schöne Geschichte. Goch 2004, S. 57–82. Stefan Frankewitz / Gerard Venner: De zegels der steden en dorpen in het Overkwartier van Gelder. Die Siegel der Städte und Dörfer im geldrischen Oberquartier. 1250–1798. Geldern 1987, S. 285–287 (Nrn. 205, 206, 207). Stefan Frankewitz: Zur Geschichte des Dorfes Wetten. In: Gesellige Vereine Wetten 1934 e. V. (Hrsg.): 850 Jahre Wetten. 1154–2004. Eine schöne Geschichte. Goch 2004, S. 13–20. Dennis Hartjes: Brandschutz und Brandbekämpfung in Wetten bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. In: Historischer Verein für Geldern und Umgegend (Hrsg.): Geldrischer Heimatkalender 2026. Geldern 2025, S. 224–241. Dennis Hartjes: Wetten bei Kevelaer. Territorialgeschichtliche Untersuchung zur Entstehung und Entwicklung einer Ortschaft und ihrer Kirche am linken unteren Niederrhein bis zum Ausgang des 12. Jahrhunderts (= Wolf, Hubert/Flammer, Thomas (Hrsg.): Junges Forum Geschichte. Band 8). dialogverlag, Münster 2020. Gregor Hövelmann: Die ältesten Nachrichten über Wetten und die Gründung der Münsterabtei in Roermond. Ein Nachwort zur 750-Jahrfeier der Wettener Pfarrkirche. In: Kreis Kleve (Hrsg.): Kalender für den Kreis Kleve 1976. Ausgabe Süd. Kevelaer 1975, S. 147–150. Franz-Bernd Kösters: Wettener Siegel und Wappen. In: Gesellige Vereine Wetten 1934 e. V. (Hrsg.): 850 Jahre Wetten. 1154–2004. Eine schöne Geschichte. Goch 2004, S. 21–23. Johann Kösters: Das Wettener Gemeindewappen. In: Kreisverwaltung Geldern (Hrsg.): Geldrischer Heimatkalender 1954. Rheinberg 1953, S. 73–74. Peter Lingens: Kulturlandschaft und Heimatgefühl. Eine Erinnerung an das Projekt „Gewerbepark Berendonk“. In: Der Niederrhein, 69. Jg. (2002), H. 2, S. 75–76. o. A.: Fördertürme an der Niers. Kapellen, Wetten, Winnekendonk – Zechenstädte der Zukunft?. In: Die Windmühle. Bebilderte Wochen-Zeitschrift für die niederrheinische Heimat, 1. Jg. (1949), Nr. 6, S. 7. Präsidium der „Geselligen Vereine Wetten“ (Hrsg.): Uet ons Derp. Eine Informationsbroschüre der „Geselligen Vereine Wetten“. Wetten 1998. Paul Selders: Das erste Dorf Wetten. Wo lag es? Woher hat es seinen Namen?. In: Unsere Heimat. Blätter des Vereins für Heimatschutz und Museumsförderung e. V. Kevelaer, 86. Jg. (1995), Nr. 3, S. 9–10. Heinrich Sommer: Aus Wettens frühester Geschichte. In: Kreisverwaltung Geldern (Hrsg.): Geldrischer Heimatkalender 1957. Rheinberg 1956, S. 73–75.
Bauwerke und Denkmäler
Peter Brouwers: Der Bahnhof Wetten. In: Gesellige Vereine Wetten 1934 e. V. (Hrsg.): 850 Jahre Wetten. 1154–2004. Eine schöne Geschichte. Goch 2004, S. 135–136. Peter Brouwers: Die Ehrenmale. In: Gesellige Vereine Wetten 1934 e. V. (Hrsg.): 850 Jahre Wetten. 1154–2004. Eine schöne Geschichte. Goch 2004, S. 225–228. Peter Brouwers: Feste Häuser oder Rittergüter in Wetten. In: Gesellige Vereine Wetten 1934 e. V. (Hrsg.): 850 Jahre Wetten. 1154–2004. Eine schöne Geschichte. Goch 2004, S. 137–162. Peter Brouwers: Heiligenhäuschen. In: Gesellige Vereine Wetten 1934 e. V. (Hrsg.): 850 Jahre Wetten. 1154–2004. Eine schöne Geschichte. Goch 2004, S. 233–238. Peter Brouwers: Wegekreuze. In: Gesellige Vereine Wetten 1934 e. V. (Hrsg.): 850 Jahre Wetten. 1154–2004. Eine schöne Geschichte. Goch 2004, S. 239–243. Stefan Frankewitz: Die Baudenkmäler in Wetten. In: Gesellige Vereine Wetten 1934 e. V. (Hrsg.): 850 Jahre Wetten. 1154–2004. Eine schöne Geschichte. Goch 2004, S. 117–133.