rechts|thumbnail|Das Hexagramm – Symbol und „Pentakel“ des Martinismus Der Martinismus ist eine Sammelbezeichnung für einige esoterische/okkulte Richtungen der Freimaurerei, die in verschiedener Form auf Martinès de Pasqually zurückgeführt werden. Man unterscheidet zwischen den Martinezisten, die nach dem älteren System von Martinès de Pasqually arbeiten und den Martinisten, die nach dem abgeänderten System von Louis Claude de Saint-Martin (1743–1803) arbeiten. Horst E. Miers: Lexikon des Geheimwissens. (= Esoterik. Bd. 12179). Goldmann, München 1993, S. 406f. Mit aus der Gnosis entlehnten Komponenten gelangten erstmals im 18. Jahrhundert derartige Strömungen in die Nähe der Freimaurerei.Karl R. H. Frick: Die Erleuchteten. Gnostisch-theosophische und alchemistisch-rosenkreuzerische Geheimgesellschaftem bis zum Ende des 18. Jh. Marix Verlag, Wiesbaden 2005. S. 532.
Ursprung mini|130px|Louis Claude de Saint-Martin Martinès de Pasqually begründete angeblich einen Hochgrad-Freimaurerorden namens Ordre des Chevaliers Maçons Élus Coëns de l’Univers. Nachdem der okkulte Charakter des Élus Coën durch einige Indiskretionen bekannt wurde, verbot die zuständige Großloge die Tätigkeit, da die Regularität bezweifelt wurde. Weil die französische Regierung die Freimaurerei seit 1737 in ganz Frankreich verboten hatte, reorganisierte Pasqually den Orden. Als Ersatz für die inzwischen aufgelöste Großloge bestimmte er im März 1767, dass ein Tribunal Souveräin seines Élus Coën, nunmehr die oberste Freimaurer-Behörde sei, wozu er angeblich während einer Geisterbeschwörung ermächtigt worden sei. Der Orden nannte sich nunmehr Ordre des Chevaliers Maçons Élus Coëns de l’Univers. Als „Geheimaufseher“ leitete Pasqually als höchster Chef diesen Orden, in den auch Louis Claude de Saint-Martin ein führendes Mitglied wurde.Karl R. H. Frick: Die Erleuchteten. Gnostisch-theosophische und alchemistisch-rosenkreuzerische Geheimgesellschaftem bis zum Ende des 18. Jh. Marix Verlag, Wiesbaden 2005. S. 518ff. Das damalige System der Logengrade nannte die Inhaber des höchsten Grades „Très Puissant Maitre“. Dieser Begriff findet sich später auch bei den Martinisten.Karl R. H. Frick: Die Erleuchteten. Gnostisch-theosophische und alchemistisch-rosenkreuzerische Geheimgesellschaftem bis zum Ende des 18. Jh. Marix Verlag, Wiesbaden 2005. S. 525. Pasqually setzte seine Lehre aus gnostischen, manichäischen, katharischen Elementen zusammen, denen er Bausteine aus den Traditionen der hermetischen und christlich-jüdischen Esoterik hinzufügte, wie er sie in der spanischen Kabbala, der Christlichen Kabbala Knorr von Rosenroths und seines Sulzbacher Kreises vorfand.Karl R. H. Frick: Die Erleuchteten. Gnostisch-theosophische und alchemistisch-rosenkreuzerische Geheimgesellschaftem bis zum Ende des 18. Jh. Marix Verlag, Wiesbaden 2005. S. 528. Um 1770 hatte sich in Frankreich unter Pasqually und Saint-Martin ein System des sogenannten Illuminismus verbreitet, das – im Gegensatz zum deutschen Illuminatenorden – gegenaufklärerische Ziele anstrebte und den Gold- und Rosenkreuzern nahestand.http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=9146&ausgabe=200603 Anfänglich grenzte sich der Martinismus klar von den protestantischen Rosenkreuzern ab. Erst im 19. Jahrhundert wurden auch Rosenkreuzer in die Martinisten-Orden aufgenommen und es entstand zwischen den beiden Lehren Verbindungen.Martinism.com: Jules Boucher: Über den Marinismus und die Martinisten-Orden
Die „älteren“ Martinisten Bedeutend für den Martinismus sind die Werke Saint-Martins, der unter anderem mit „Irrtümer und Wahrheit“ den damaligen Nerv der kulturellen Elite Frankreichs traf und nach dem einigen Autoren zufolge der Martinismus so benannt wurde. Darin erklärt er dem Suchenden oder auch Hommes de désir, den göttlichen Ursprung durch den Weg des Herzens wiederzufinden. Der Mensch wird aufgefordert sich nicht im Alltag dahin treiben zu lassen, sondern bewusst die Gegenwart wahrzunehmen und sie zu gestalten. Saint-Martin wurde durch die Werke des deutschen Schuhmachers und Philosophen Jakob Böhme inspiriert, die er teilweise ins Französische übersetzte. Nachdem sein Werk „Irrtümer und Wahrheit“ 1782 von Matthias Claudius ins Deutsche übersetzt worden war, folgten weitere Bücher und Schriften: L’Homme de désir – Der Suchende, (1790) Ecce homo – Seht welch ein Mensch, (1792) Le Nouvel Homme – Der neue Mensch, (1792) Le crocodile, ou la guerra du Bien et du Mal – Das Krokodil oder der Kampf zwischen Gut und Böse, (1799) Le Ministère de l’homme-esprit – Der Dienst des Geistmenschen, (1802)
Nach Saint-Martins Tod 1803, nannten sich die Anhänger seiner Philosophie und Theosophie fortan Martinisten. Saint-Martin hat jedoch erwiesenermaßen keine organisierte Jüngerschaft hinterlassen und das Logenwesen immer nur als etwas Äußerliches betrachtet, das innerlich befruchtet werden müsse. Konsequent bat er dann auch seinen Freund Willermoz um 1790, seinen Namen aus den freimaurerischen Listen zu tilgen, um sich fortan individuell dem Göttlichen widmen zu können. Nichtsdestoweniger benutzten im 19. und 20. Jahrhundert verschiedene esoterische Organisationen Saint-Martin nicht nur als Namenspatron und Quelle, sondern leiteten auch die Abstammung ihrer eigenen Organisation durch fantasievoll ausgeschmückte Sukzessionsketten, auf ihn zurück, um den Anschein der Authentizität zu erwecken. Bemerkenswerterweise wurden dabei zwei verschiedene Sukzessionsketten angeführt, um den 1891 gegründeten Ordre Martiniste mit der Tradition der älteren Martinisten in Verbindung zu bringen, an deren Ende Gérard Encausse, der angeblich 1882 in die Interna des Martinismus eingeweiht worden sein will, sowie der Bibliothekar des Museum Guimet (frz.: Musée Guimet), Augustin Chaboseau standen.Der Ordre Kabbalistique de la Rose-Croix in: Material zum Buch: Neue Rosenkreuzer von Harald Lamprecht. So führte der französische Okkultist Gérard Encausse alias Papus, mit Unterstützung von Stanislas de Guaita, die zerstreuten Martinisten 1888 in dem Martinistenorden Ordre Martiniste zusammen. Horst E. Miers: Lexikon des Geheimwissens. (= Esoterik. Bd. 12179). Goldmann, München 1993, S. 269. Papus' Bemühung führten zu einer erneuten Blüte des Martinismus. Nach dem große Pariser Kongress Spirite et Spiritualiste International im September 1889 entstanden 27 Martinistenlogen in Frankreich, 33 in Deutschland, 36 in den Vereinigten Staaten sowie 9 in Schweden.
Die „jüngeren“ Martinisten Wie schon den „älteren“ Martinisten diente Saint-Martin auch vielen „jüngeren“ Martinisten als Namenspatron. Es gab innerhalb des Martinismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts jedoch auch Richtungen, die sich primär auf Pasqually und dessen Lehren des Élus Coën bezogen. Eine immer wieder behauptete organisatorische Sukzessionslinie, die zu den „älteren“ Martinisten des 18. Jahrhunderts führt, ist historisch nicht nachweisbar. Die „jüngeren“ Martinisten sind ideengeschichtlich jedoch von den „älteren“ Martinisten abhängig. Neben den geistigen Ahnherren Pasqually und Saint-Martin beziehen sich die „jüngeren“ Martinisten auch auf die Alchemisten Heinrich Khunrath und Alexander Seton, die Theosophen Jakob Böhme und Johann Georg Gichtel sowie auf Hochgradmaurer wie Jean Baptiste Willermoz und Rudolf von Salzmann. Letztere Strömung wird innerhalb vom Martinismus auch „Willermozismus“ bezeichnet.Karl R. H. Frick: Licht und Finsternis. Gnostisch-theosophische und freimaurerisch-okkulte Geheimgesellschaften bis zur Wende des 20. Jahrhunderts. Band II. Marix Verlag, Wiesbaden 2005, ISBN 3-86539-044-7, S. 390.Neue-rosenkreuzer.de: Neubelebung in Frankreich
Lehre und Gradsystem Ihrem Selbstverständnis zufolge sieht sich der Martinismus als eine spirituelle Initiationsgemeinschaft. Ihre Kandidaten folgen einem Einweihungspfad, mit dem Ziel den Kandidaten mit einem Schöpfungsprinzip in Verbindung zu bringen, um ihm so Zugang zum geheimen Wissen der Schöpfung zu ermöglichen. Dabei soll der Martinismus eine Basis für die spirituelle Transformation des Menschen bilden. Mit ritueller Arbeit soll der Kandidat Antworten auf den Ursprung und die Ziele der menschlichen Entwicklung bekommen. Dabei verwendeten die Martinisten ursprünglich Elemente der Manichäer und Katharer sowie aus der Christliche Mystik und Jüdische Mystik. Später kamen auch Alchemie, Hermetik und Tarot hinzu.Moup.org: The Martinist Order of Unknown Philosophers - PhilosophersMoup.org: The Martinist Order of Unknown Philosophers - Suggested ReadingMoup.org: Martinism – History and Doctrine (pdf)
Der ursprüngliche Ordre des Chevaliers Maçons Élus Coëns de l’Univers von Pasqually arbeitete mit anfänglich drei und später acht Logengraden. Diese beruhten auf dem Gradsystem der Freimaurer des 18. Jahrhunderts aus Frankreich und Deutschland. Die neuzeitlichen Martinisten-Orden nach den Lehren von Gérard Encausse arbeiten mit drei oder maximal fünf Logengraden.
Associé Commencé Supérieur Inconnu (S::I::) Supèrieur Inconnu Initiateur (S::I::I::) Initiateur Libre (I::L:: oder S.I.IV)
Die ersten beiden Grade sollen den Kandidaten in die wichtigsten Lehren des Martinismus einführen. Im dritten Grad wird die eigentliche Initiation vermittelt, die Saint-Martin seinen ursprünglichen Schülern gab. Die Grade 4 und 5 sind Verwaltungsgrade und den Meistern und Großmeistern vorbehalten. Diese können Meister ernennen und neue Martinisten-Orden gründen. Einzelne aktuelle Martinisten-Orden verwenden auch das Gradsystem der Rosenkreuzer oder Arbeiten nach dem Alten Angenommenen Schottischen Ritus (AASR) und dem Schwedischen Ritus.
Martinisten-Orden Die nachfolgende Auflistung ist unvollständig. Sie enthält die bedeutendsten Martinisten-Orden, Orden die den Martinismus prägten sowie aktuelle Orden.
Ordre Martiniste (M:-:O:- oder OM) mini|Gérard Encausse und Mitglieder des Ordre Martiniste