mini|hochkant|Holzvergaser an einem Opel P4 (1940) mini|Imbert Holzgasgenerator Funktionsschema mini|Kraftrad mit Holzgasgenerator mini|VW Kübelwagen „Typ 230 mit Generator-Antrieb“ mini|SLM-Landwirtschafts-Holzgas-Traktor (1945) mini|Panzerkampfwagen I Ausf. A, Fahrschulpanzer mit Pz. Kpfw. III Ausf. C Turm, Kummersdorf 1941 mini|Comte AC-4 mit Holzgasgenerator (Bild: 2009) Ein Kraftfahrzeug mit Holzgasgenerator ist ein Fahrzeug mit Holzgas als Kraftstoff.
Entwicklungsgeschichte Die Entwicklungsgeschichte von Gasgeneratoren mit Holzvergasung (Holzgasgeneratoren) geht auf den französischen Ingenieur Philippe Lebon zurück. Er erhielt 1799 das erste Patent zu seinen Erfindungen mit Gasen aus der Destillation von Holz und meldete später weitere Patente an. Étienne Lenoir entwickelte im Laufe des Jahres 1859 den ersten brauchbaren Gasmotor, der mit Leuchtgas (Stadtgas) betrieben werden konnte. Der Motor von Lenoir wurde erfolgreich stationär und mobil eingesetzt. Als eines der frühesten Kraftfahrzeuge ist das Hippomobile von 1860 mit dem Gasmotor von Lenoir bekannt. Ab etwa der Mitte des 19. Jahrhunderts kamen etliche Patentanmeldungen zur Gaserzeugung hinzu, die hauptsächlich zur Beschickung von stationären Einrichtungen mit Stadtgas genutzt wurden. Der Anteil von Holzgas blieb bei Stadtgaswerken mengenmäßig eher gering. Die Gebrüder Edouard und Leon Benier erhielten die Patente CH4742 und FR344988 für Gasmotoren und Holzgasgeneratoren, die unter anderem von M. Taylor & Cie. in Paris gebaut und verkauft wurden. Die Gasmotoren von Taylor waren für Gas pauvre (Holzgas oder Leuchtgas) eingerichtet. Der Erfindung des Ottomotors folgten Verbesserungen an den Holzgasgeneratoren.
Georg Imbert erhielt ab 1902 Patente zu Holzvergaseranlagen, die mit Anpassungen für den mobilen Betrieb als „Kraftgasanlagen“ auch für den Einsatz mit Automobilen und weiteren Fahrzeugen geeignet waren. In Frankreich wurde die Technik in den 1920er-Jahren gefördert. Nach Imbert wurden Hersteller wie Gohin-Poulenc, Fap Elgazo Tarbes, Panhard, Electrolux und weitere bekannt. 1944 waren in Frankreich rund 20 Hersteller aktiv. In der Zeit des Zweiten Weltkrieges wurden weltweit Fahrzeuge mit Holzgasgeneratoren nachgerüstet, weil mineralische Flüssigkraftstoffe (Motorenbenzin, Dieselkraftstoff, Benzol und Petroleummischungen) knapp und militärischen Verwendungen vorbehalten waren. Die Imbert Generatoren GmbH stellte 1945 noch 500.000 Holzgasgeneratoren her. 1952 wurde die Fertigung von Imbert in Köln geschlossen.
Im 21. Jahrhundert blieben nur wenige Oldtimer mit Holzgasgeneratoren erhalten. Neue Fahrzeuge werden nur noch selten für Holzgasbetrieb ausgerüstet. Die Technik zur Gaszeugung aus Holz hat im Bereich der Biomassevergasung an Bedeutung gewonnen, da sowohl Holzvergaserkessel als auch Kraft-Wärme-Kopplung damit möglich sind. Das Wissen zur Technologie für den mobilen Einsatz mit Fahrzeugen betrachten staatliche Stellen wie beispielsweise die Federal Emergency Management Agency als nützlich für Fälle von nationalen Energienotständen.
Betrieb mit Holzgas Der Betrieb von Kraftfahrzeugen ist eine der möglichen Nutzungen von Holzgas. Die Generatoren mit ihren Holzvergaserkesseln, Wärmetauschern und weiteren Gasaufbereitungsstufen und -leitungen wurden außen an der Karosserie befestigt oder als Anhänger mitgeführt. Die technische Anlage dazu, der Holzvergaserkessel, wurde mit Brennholz befüllt und funktionierte als Festbettvergaser. Durch Erhitzen entwich aus dem Holz das brennbare Gasgemisch (Holzgas), dessen Bestandteile hauptsächlich aus dem nicht brennbaren Stickstoff der Luft, Kohlenstoffdioxid, brennbarem Kohlenstoffmonoxid (zusammen ca. 85 %) und Methan sowie kleineren Anteilen von Ethylen und Wasserstoff bestanden. Beim Betrieb der Fahrzeuge konnte etwa ein Liter Benzin durch die aus etwa 2 kg bis 3 kg Holz gewonnene Gasmenge ersetzt werden.
Fahrzeuge mit Holzgasgeneratoren Fahrzeuge wie das Hippomobile von Lenoir mit speziell für Holzgas ausgelegten Gasmotoren konnten sich nicht gegen Fahrzeuge mit Mineralenergieantrieben oder mit elektrischen Batterien durchsetzen. Dennoch wurde die Technik gefördert und eingesetzt, um in Zeiten von Brennstoffknappheit eine einfach verfügbare Alternative zur Sicherung der Mobilität zu haben. Die meisten holzgasbetriebenen Fahrzeuge sind aus dem Bereich der Landfahrzeuge bekannt. Es wurden auch Wasserfahrzeuge und als Flugzeug der Typ Comte AC-4 mit Holzgas betrieben.
Bei großen Kfz-Herstellern wie Renault, Peugeot und Citroen waren Fahrzeuge mit Holzgasgeneratoren ab Werk erhältlich. Von 1930 bis etwa in die 1950er-Jahre wurden weltweit für Fahrzeuge Holzgasgeneratoren entwickelt und zeitweise über eine Million Kraftfahrzeuge damit betrieben.
Lastkraftwagen
In den 1920er-Jahren wurden in Frankreich Versuchsfahrten zur Förderung von Lastkraftwagen mit Holzgasgeneratoren veranstaltet. Nachfolgend waren von französischen Herstellern Lastkraftwagen und auch landwirtschaftliche Traktoren mit der Technik verfügbar. Während des Zweiten Weltkrieges wurden von allen Kriegsparteien Holzgas-Lkw genutzt. In Russland wurden systematisch Fahrzeuge wie der GAZ-42 entwickelt und genutzt. Bis in die frühen 1950er-Jahre waren in Deutschland etliche Lastwagen mit Holzvergaser im Einsatz.
Omnibusse
Der Betrieb von Omnibussen mit Holzgasgeneratoren wurde in etlichen Länder zur Absicherung des Verkehrs bei Brennstoffknappheit eingeführt. Die Technik war meist eine Abwandlung von Lastkraftwagen, wobei die Fahrgäste möglichst wenig vom Holzgasbetrieb beeinträchtigt werden sollten. Deshalb wurde zum Teil die Technik auf Anhängern nachgeführt.
Personenkraftwagen
Der Betrieb von Personenkraftwagen war zeitweise für Privatpersonen eine Möglichkeit für Individualverkehr trotz Brennstoffknappheit oder Rationierung. Im Zweiten Weltkrieg und einige Zeit danach wurden viele Pkw mit Holzgas betrieben.
Traktoren
Aufgrund der zunehmenden Kraftstoffknappheit vor und während des Zweiten Weltkriegs forcierten auch viele Traktorenhersteller die Entwicklung und Produktion von Modellen mit Holzgasgenerator.Oldtimer Traktor, VF Verlagsgesellschaft mbH, Ausgabe Dezember 2025, ISSN 1862-1716, Seite 74. Je nach spezifischer Ausführung des Generators konnten diese Traktoren nicht nur mit Holz, sondern alternativ auch mit Torfkoks, Anthrazitkohle oder Braunkohlebriketts betrieben werden. Obwohl diese Technik die Mobilität in der Landwirtschaft sicherstellte, galten die Fahrzeuge technisch als aufwendige Notlösung. Der Betrieb war im Vergleich zu herkömmlichen Diesel- oder Benzinmotoren umständlich und zeitaufwendig (lange Vorheizzeiten). Zudem war der gesamte Aufbau komplexer. Nach dem Ende des Krieges verschwanden die mit Holzgas betriebenen Traktoren daher rasch wieder.
Schienenfahrzeuge
Einige Hersteller von Schienenfahrzeugen haben systematisch Schienenbusse und Triebwagen für Holzgasbetrieb entwickelt. Darüber hinaus wurden einige kleinere Lokomotiven wegen Brennstoffknappheit auf Holzgasbetrieb umgestellt.
Patent-Informationen Patentübersicht zu Holzvergasersystemen:
Literatur
Weblinks
Forum und Bildersammlung, seltene Modelle bei driveonwood.com (englisch).
Einzelnachweise
Kategorie:Kraftfahrzeug