Die schmalspurigen Tenderlokomotiven der Bauart Typ Fabia waren von Henschel in Kassel gebaute Industrielokomotiven der Bauart B n2t. Sie wurden vorrangig in der Spurweite von 600 mm von 1908 bis 1939 in 377 Exemplaren hergestellt. Einige wenige Exemplare wurden auch in anderen Spurweiten (630 mm, 700 mm, 716 mm, 750 mm, 762 mm 785 mm, 800 mm) gefertigt.
Die Lokomotiven waren bis ungefähr Ende der 1960er Jahre im Einsatz. Zahlreiche Exemplare der Baureihe sind erhalten geblieben.
Geschichte Vorgeschichte Die Bauserie Typ Fabia stammt aus einer Reihe von Henschel-Bau-Lokomotiven für die Feuerung mit Steinkohle, sie wurden auf Vorrat gefertigt. Die Henschel Typ Fabia war ungefähr im mittleren Leistungsbereich angesiedelt und mit 50 PS Leistung kleiner als die bekannten Henschel Typ Monta und Henschel Typ Riesa.Karl R. Repetzki: Bau-, Feldbahn-, Kleinbahn- und Industrielokomotiven von Henschel, Steiger-Verlag, Moers 1982/83, ISBN 3-921564-52-2, Tafel 1
Die erste gefertigte Lokomotive mit der Fabriknummer 8806 wurde 1908 an die Firma Jäger & Co in Kassel verkauft.Auflistung der von Henschel gefertigten Lokomotiven auf www.werkbahn.de (kann als CD kostenpflichtig erworben werden) Diese Maschine wurde zwei Jahre ausgiebig getestet, bis 1912 die Serienfertigung begann. Hauptsächlich wurden die Lokomotiven an Lokomotivhändler verkauft, die sie an ihre Kunden weiterveräußerten. Verwendet wurden die kleinen Loks hauptsächlich für den Baustofftransport mit Güterloren. Vielfach wurden sie auch an Baufirmen direkt verkauft, so z. B. an Grün & Bilfinger, Siemens-Bauunion, R. Dolberg oder Glaser & Pflaum.
Die Lokomotiven gelangten auch nach Rumänien, Norwegen, in die Niederlande, Indien, Tschechoslowakei, Vereinigte Staaten, Italien, Dänemark, Java, Südamerika und Spanien. Die Lokomotiven wurden bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges gebaut.
Nachkriegsgeschichte
In der ersten Zeit nach Kriegsende wurden die Lokomotiven vielfach für Trümmerbahnen verwendet. Erste Ausmusterungen setzten ein, bedingt durch den Zugang von Kleinlokomotiven und durch Ausmusterungen erfolgten Ende der 1950er Jahre bis Mitte der 1960er Jahre, einzelne Exemplare in Spanien konnten sich bis Ende der 1970er Jahre halten, und in Indonesien auf Zuckerfabriken der Insel Java waren die Lokomotiven regulär bis Anfang der 1990er Jahre im Einsatz.
Erhaltene Lokomotiven
Die älteste erhaltene Lokomotive ist die mit der Fabriknummer 12202. Sie wurde 1913 gebaut und war anschließend in einem Kieswerk bei Forchheim bei Karlsruhe eingesetzt. Nach ihrer Ausmusterung 1967 ging die Lok in Privatbesitz und kam 1995 zur Dampf-Kleinbahn Mühlenstroth. Im Ausbesserungswerk Görlitz wurde sie wieder fahrfähig aufgebaut und ist seitdem bei dem Verein mit der Nummer 8 eingesetzt.
Die Lok 12316 aus dem Jahr 1913 kam zu einem Lokhändler in Hannover und wurde auf vielen Baustellen im Bauzugverkehr eingesetzt. Das Ausmusterungsdatum ist nicht bekannt, in den 1970er gelangte die Lok in Privatbesitz. Seit 2002 zählt sie zur Sammlung des Deutschen Dampflokomotiv-Museums in Neuenmarkt als Nummer 4.
Im Bestand des Frankfurter Feldbahnmuseums befindet sich die Lok mit der Fabriknummer 20517 aus dem Jahr 1925. Sie wurde an die Gerätevereinigung Köln geliefert und war über viele Jahre bei einem Bauunternehmer in Aschaffenburg im Einsatz. 1954 wurde die Lok ausgemustert und 1968 als Denkmal aufgestellt. 1977 kam sie zum Feldbahnmuseum. Heute ist die Lok als Fabian fahrfähig.
Die Lok mit der Fabriknummer 20768 von 1928 wurde an einen Lokhändler in Hamburg verkauft und war danach bei einem Bauunternehmen in Mühlheim am Main eingesetzt. Dort wurde sie nach ihrer Ausmusterung in einem Bürgerpark als Denkmal aufgestellt. 2005 war die Lok in Nieder-Roden in einer Halle geschützt abgestellt.
Mit der Fabriknummer 23148 wurde 1936 eine Lokomotive an eine Zuckerplantage in Mosambik geliefert, sie wurde nach ihrer Ausmusterung in den 1990er Jahren in Privatbesitz überführt und gelangte um 2000 zur Stumpfwaldbahn. 2001 erhielt sie eine Hauptuntersuchung.
Konstruktion
Die Lokomotiven zählten zu der Regelbauart von Henschel-Baulokomotiven für die Steinkohlenfeuerung und wurden im Beschaffungskatalog mit einem geringen Beschaffungspreis, kurzen Lieferfristen, schneller Beschaffung von Ersatzteilen und einem geringen Ersatzteillager angeboten. Die Lokomotiven sind maßlich etwas kleiner als die zur selben Zeit entstandenen Henschel Typ Monta und besitzen auch eine kleinere Dampfmaschine mit geringerem Zylinderdurchmesser und weniger Leistung.
Die Lokomotiven besaßen einen Blechrahmen mit einer Stärke von 20 mm, der gleichzeitig als Wasserkastenrahmen im Bereich der ersten Achse ausgelegt war. Außerdem führten sie kleine seitliche Kästen mit, die zur besseren Wartung der Federn und der Aufwurfhebel der Steuerung vor dieser endete und den Kohlenvorrat sowie Hilfsmaterialien mitführte. Der Rahmen war mit den stabil ausgebildeten Pufferbohlen und mehreren Querträgern vernietet, in ihm waren die beiden Achsen gelagert und oberhalb der Achslager mit Blattfedern abgefedert. Als Kupplung wurde eine Mittelpuffer-Kupplung verwendet, die an der Pufferbohle abgefedert war.
Die Lokomotiven hatten einen Kessel mit einer Feuerbüchse aus Kupfer. Auf Kundenwunsch konnte auch eine Feuerbüchse aus Stahl eingebaut werden. Der Schornstein war zur Vermeidung von Funkenflug mit einem Funkenfänger ausgerüstet. Der Kessel bestand aus zwei Schüssen, auf dem ersten saß der Dampfdom, von dem Regler gingen die Dampfeinströmrohre für die Zylinder äußerlich am Kessel entlang. Auf dem zweiten Schuss saß der Sandkasten. Von ihm ging ein Sandfallrohr zwischen die Räder hinab. Auf dem Dampfdom saß ein Sicherheitsventil. Die Steuerung der Dampfmaschine wurde mit der Heusinger-Steuerung und Flachschieber durchgeführt, sie wurde mit einem großen Handhebel gesteuert, der Kreuzkopf wurde einschienig auf der Gleitbahn geführt.
Sie besaßen eine Handbremse, die als Gewichtsbremse mit Ratschenhebel ausgeführt war und Handsandstreuer. In der Normalausführung waren sie mit einer mittleren Stirnlampe an der Rauchkammertür bzw. Führerhausrückwand als Petroleumbeleuchtung ausgerüstet. Sie konnten mit der Geschwindigkeit von 10 km/h in der Ebene eine Last von 323 t befördern, auf einer Steigung von 10 ‰ waren es 101 t, bei 25 ‰ 50 t und bei 50 ‰ noch 21 t.
Siehe auch Liste schmalspuriger Lokomotiven von Henschel
Literatur Karl R. Repetzki: Bau-, Feldbahn-, Kleinbahn- und Industrielokomotiven von Henschel, Steiger-Verlag, Moers 1982/83, ISBN 3-921564-52-2, Seite 52
Weblinks
Liste der erhaltenen Lokomotiven von Henschel auf www.werkbahn.de
Einzelnachweise
Kategorie:Tenderlokomotive Achsfolge B Kategorie:Schienenfahrzeug (Henschel)