Die angolanisch-portugiesischen Beziehungen umfassen die bilateralen Beziehungen zwischen Angola und Portugal. Sie erneuerten 1976 ihre diplomatischen Beziehungen, nach der Unabhängigkeit Angolas von Portugal 1975. Angola war seit der Ankunft der Portugiesen 1483 als erste Europäer dort portugiesische Kolonie. Nach der Unabhängigkeit Brasiliens 1822 wurde es dann zur wirtschaftlich bedeutendsten portugiesischen Kolonie, insbesondere im Laufe des 20. Jahrhunderts. Diese jahrhundertealte gemeinsame Geschichte prägt ihre Beziehung bis heute.
Ihr heutiges Verhältnis gilt als gut, hat historisch aber zahlreiche Tiefpunkte in Folge der langen portugiesischen Kolonialherrschaft erlebt, auch nach der Unabhängigkeit 1975. Im Gegensatz zu anderen ehemaligen portugiesischen Kolonien bildete sich über die Jahrhunderte vor allem in Angolas Städten eine breite Mischlings-Elite abseits der lokalen Ethnien heraus, die sich kulturell stark mit Portugal verbunden fühlt, sich ansonsten aber ebenso stark um Abgrenzung zu Portugal bemüht. Und im Gegensatz zu den anderen afrikanischen Staaten portugiesischer Sprache weist Angola einerseits besonders tiefgreifende Prägungen durch Portugal auf, etwa in der hier besonders umfassend verbreiteten portugiesischen Sprache, die hier keine Kreolsprachen ausbildete. Auch in Gastronomie, Architektur, Sport oder Kultur sind die Parallelen deutlich, und auch die Verwaltungsgliederung Angolas weist enge Parallelen zur Verwaltungsgliederung Portugals in Aufbau und Begrifflichkeiten auf. Andererseits weist keine ehemalige portugiesische Kolonie seit dem grundlegenden Politikwechsel in Portugal 1974 ein vergleichbar wechselhaftes Verhältnis zur ehemaligen Kolonialmacht auf, wie Angola, das sich als einzige ehemalige portugiesische Besitzung auch nach der tiefgreifenden Nelkenrevolution 1974 und der folgenden partnerschaftlichen Ausrichtung der portugiesischen Außenpolitik noch häufig antikolonialer Rhetorik bediente und gelegentlich auch diplomatische Konflikte mit Portugal auslöste.
Seit Antritt des neuen angolanischen Präsidenten João Lourenço 2017 verbesserte sich ihr Verhältnis wieder deutlich. Doch auch zuvor bestanden abseits der gelegentlichen diplomatisch-politischen Differenzen stets enge Beziehungen auf allen Ebenen, politisch, wirtschaftlich, kulturell bis hin zu den weitverbreiteten gegenseitigen familiären und anderen persönlichen Verbindungen. So waren und sind sie gegenseitig bedeutende Handelspartner, sind in zahlreichen internationalen Organisationen Partner, gehören beide zu den Gründungsmitgliedern der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder (CPLP) und zählen traditionell bedeutende gegenseitige Diasporas, in denen eine Vielzahl Vereine und Initiativen bestehen, die beide Länder zivilgesellschaftlich miteinander verbinden. Auch bei Medien, im Fremdenverkehr, in der Bildung und in Sport und Kultur besteht regelmäßiger, teils auch institutionalisierter Austausch. Die angolanische TAAG Angola Airlines und die portugiesische TAP Air Portugal bieten beide direkte Flugverbindungen zwischen beiden Ländern, und reiche angolanische Persönlichkeiten sind häufige und gern gesehene Gäste in den Nobelboutiquen auf der Avenida da Liberdade und in den Luxusressorts überall im Land. Mit der 2023 erfolgten Lockerung der zuvor restriktiven Visa-Regeln unter Präsident João Lourenço, und als Teil der angestrebten breiten Diversifizierung der angolanischen Wirtschaft, soll der Tourismus nun auch in Angola zunehmen, auch aus Portugal.
Geschichte Bis zum Kolonialkrieg (1961) mini|hochkant|Der portugiesische Seefahrer Diogo Cão gilt als erster Europäer in Angola und begründete ab 1482 die portugiesische Präsenz dort. Nachdem erstmals mit Diogo Cão 1482 die portugiesischen Entdeckungsreisenden in Angola angekommen waren, wurde Angola zunehmend Teil des portugiesischen Weltreichs. Zunächst bemühten die Portugiesen sich um gute Beziehungen zum Königreich Kongo und konnten erste Handelsstationen in dessen Herrschaftsbereich errichten, zunächst in Soyo. Dann gründeten die Portugiesen weiter südlich, außerhalb des direkten Herrschaftsbereichs Kongos eigene Posten. Am 25. Januar 1576 gründeten sie Luanda, das von nun an Zentrum der portugiesischen Präsenz im heutigen Angola wurde. Es ging den ersten Portugiesen hier ausschließlich um Handel, insbesondere Sklaven handelten sie hier von Händlern aus dem Hinterland zu Weiterverkauf ein. Im Laufe der Zeit kamen sie weiter ins Inland und gerieten in Konflikt mit dem Königreich Ndongo, ein Vasallenreich Kongos, und dem Königreich Matamba, mit denen sie bisher einfachen Handel getrieben hatten. Der Königin Nzinga von Ndongo und Matamba gelang es lange, dank Verhandlungen eine Koexistenz mit den aufstrebenden Portugiesen zu erhalten und ihre Interessen zu verteidigen. Weiter südlich hatte Portugal 1617 mit Benguela eine weitere wichtige Handelsstation gegründet und trieb über die Ovimbundu Handel mit dem Hinterland. Im von Wüste umgebenen, schwach besiedelten Süden sollten sie erst viel später, im 19. Jahrhundert bedeutende Siedlungen gründen (Moçâmedes ab 1841, Tômbua ab 1860).
Insbesondere im erweiterten atlantischen Dreieckshandel wurden, neben etwas Warenaustausch, vor allem Sklaven aus Angola nach Brasilien, aber auch andere Regionen in Amerika für die dortige Plantagenwirtschaft gebracht. Dieser atlantische Sklavenhandel lief nach dem beginnenden Sklavereiverbot Portugals im 18. Jahrhundert in der Realität nur langsam aus. mini|hochkant|Königin Nzinga von Ndongo und Matamba (Njinga) empfängt um 1657 den portugiesischen Gouverneur in Luanda: sie verteidigte erfolgreich lange die Interessen der lokalen Bevölkerung gegen die aufstrebende portugiesische Kolonialmacht. Im Wettlauf um Afrika Ende des 19. Jahrhunderts sah sich Portugal dann plötzlich genötigt, seinen jahrhundertealten Anspruch auf Angola (und seine übrigen afrikanischen Kolonien) durch eine verstärkte Präsenz zu untermauern. Das zunehmend in die Krise geratene Portugal konnte dies nur bedingt tun, konnte aber durch oft fremdfinanzierte Infrastrukturprojekte (Luandabahn ab 1886, Benguelabahn ab 1899, Namibebahn ab 1905, Häfenausbauten) und verstärktes Unternehmertum eine stärkere wirtschaftliche Entwicklung bewirken. José Norton de Matos, zweimaliger Gouverneur Angolas (1912–1915 und 1921–1923), tat sich dabei besonders hervor. Er modernisierte die Verwaltung, baute Siedlungen aus (auch im schwach besiedelten Süden, etwa in Tômbua), stärkte die Präsenz des Staates und weitete diese deutlich aus. Auch gelang es ihm und dem portugiesischen Militär, deutsche Angriffe im Ersten Weltkrieg abzuwehren, wie zuvor auch schon die portugiesische Diplomatie britische und deutsche Pläne verhindern konnte (Angola-Vertrag 1898).
Nach Konsolidierung des semifaschistischen und kolonialistischen Estado-Novo-Regime unter Diktator Salazar ab 1932 wandte sich dieser auch stärker den Kolonien zu, insbesondere Angola, das sich als wirtschaftlich stärkste und aussichtsreichste Kolonie erwies und wo sich eine portugiesisch-geprägte Mischlings-Elite als Oberschicht herausgebildet hatte. Salazar, der stark auf Unabhängigkeit bedacht war und auch dank der Kolonien wirtschaftlich unabhängig bleiben wollte, gelang es, im Zweiten Weltkrieg neutral zu bleiben, und konnte so seine Kolonien erhalten und weiterentwickeln, wenn auch nur langsam mangels ausreichend Kapitalzuflüssen. In den 1950er Jahren kamen dann jedoch auch in Angola Unabhängigkeitsbewegungen auf, die von Portugals kolonialer Diktatur unterdrückt wurden, bis sie schließlich in die portugiesischen Kolonialkriege mündeten, die 1961 im Norden Angolas ihren Anfang nahmen.
Von 1961 bis zur Unabhängigkeit (1975) mini|hochkant|Schallplatten-Cover des populären propagandistischen Liedes Angola É Nossa (portugiesisch für: Angola gehört uns), 1961 mini|hochkant|Portugiesische Soldaten 1961 im Norden Angolas: der 1961 hier ausgebrochene Kolonialkrieg konnte militärisch durch massiven Militäreinsatz und Luftüberlegenheit vom portugiesischen Militär kontrolliert werden, legte durch die fehlende Friedensperspektive und die Unnachgiebigkeit des Kolonial-Regimes aber auch den Grundstein für das spätere Ende der portugiesischen Kolonialherrschaft in Angola und anderswo. Der internationale Druck auf Portugal, auch in seinen Kolonien eine Entkolonialisierung zuzulassen und den Kolonialkrieg zu beenden, konnte Salazar nicht zu einer Abkehr seiner Politik bewegen. Er verteidigte dies mit einer behaupteten jahrhundertealten zivilisatorischen Mission Portugals und einem „Portugal vom Minho (nördlichster Teil Portugals) bis Timor (entfernteste Besitzung, in Ostasien)“. Er versuchte seine Ideologie mit der Einführung des Status von Überseeprovinzen für Angola und alle seine Besitzungen zu untermauern. Aber auch weitere Änderungen, wie die Schaffung des Assimilado-Status zur Gleichstellung der schwarzen Bewohner der Kolonien mit den Portugiesen des Mutterlandes, und einige Vereinfachungen im Personen- und Warenverkehr zwischen Kolonien und Mutterland konnten die Situation weder für die Bewohner in Angola und den übrigen Kolonien noch vor den Augen der internationalen Gemeinschaft nennenswert verbessern. Wie die übrigen Kolonien hatte auch Angola weiterhin eine andere Währung als das Mutterland (Angolanischer Escudo) und es gab keinen freien Personenverkehr ins Mutterland. Gleichzeitig vermied Salazar aber politisch und wirtschaftlich zu viel Eigenständigkeit, zu sehr fürchtete er ein zweites Brasilien, also die Unabhängigkeit einer eigenständig lebensfähigen und wirtschaftlich erfolgreichen Kolonie wie Angola.
Nach ersten Revolten im Vorjahr nahm 1961 die spätere FNLA von Holden Roberto den bewaffneten Kampf auf, die MPLA folgte noch im gleichen Jahr. Daraufhin sandte Portugal immer mehr Kräfte nach Angola. Nach vielen blutigen Zusammenstößen im Norden Angolas, wo die Aufstände 1961 begonnen hatten, schaltete sich 1966 die UNITA im Osten des Landes ein. Das portugiesische Militär, das seine Präsenz seit 1961 immer weiter auf schließlich 70.000 Soldaten (40.000 Weiße und 30.000 Schwarze) erhöht hatte, konnte die Situation in Angola bis 1974 militärisch dennoch vollkommen unter Kontrolle bringen. Parallel hatte Portugal durch nun enorme Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Gesundheit versucht, auch die Bevölkerung davon zu überzeugen, unter portugiesischer Hoheit zu bleiben. Portugals Regime finanzierte das alles im Wesentlichen aus dem enormen Wirtschaftswachstum in Angola selbst (Diamanten, Sisal, Eisenerz, größter Kaffeeexporteur Afrikas 1973 und 1974, ab 1955 erste Erdölförderungen vor Cabinda, durchschnittliches Wirtschaftswachstum 1960–1974 betrug laut Weltbank 7,8 %)Jean Charles Pinheira, Sandro Bettencourt: Em paz por terras de Angola, S. 64f. Dennoch blieb der Widerstand der angolanischen Unabhängigkeitsbewegungen trotz ihres ausgebliebenen militärischen Erfolgs im Wesentlichen aufrecht.António Henrique de Oliveira Marques: Geschichte Portugals und des portugiesischen Weltreichs (= Kröners Taschenausgabe. Band 385). Aus dem Portugiesischen von Michael von Killisch-Horn. Kröner, Stuttgart 2001, ISBN 3-520-38501-5, S. 636f.