Der Goldspecht (Colaptes auratus), manchmal auch als Kupferspecht bezeichnet, ist eine Art aus der Gattung der Goldspechte (Colaptes) innerhalb der Unterfamilie der Echten Spechte. Die gut grünspechtgroße Spechtart kommt in vier deutlich differenzierten Unterartengruppen in weiten Bereichen des nördlichen Amerikas und Teilen Mittelamerikas sowie auf Kuba vor. Wie die meisten Arten dieser Gattung lebt auch der Goldspecht vor allem am Boden, wo er sich, häufig in kleineren Gruppen versammelt, von Insekten, vornehmlich Ameisen ernährt. Er ist für viele andere höhlenbewohnende Vögel, Säugetiere und Insekten ein wichtiger Höhlenlieferant. Der lange als Unterart des Goldspechts betrachtete Wüstengoldspecht wurde 1995 als eigenständige Art abgetrennt.Karen L. Wiebe, William S. Moore (2008) Introduction Obwohl regional der Bestand der Art abnimmt, ist der Goldspecht in weiten Teilen seines Verbreitungsgebietes eine häufige und gut bekannte Spechtart, die von der IUCN als ungefährdet eingestuft wird.

Die taxonomische Situation ist nicht restlos geklärt. Meist wurden elf Unterarten beschrieben, die sich auf vier Unterartengruppen verteilten. 2014 wurde vom HBW eine Änderung vorgeschlagen, die die Vögel der Colaptes cafer – Gruppe, sowie Colaptes mexicanoides in Artrang stellt.

Aussehen

Mit einer Größe von bis zu 35 Zentimetern und einem maximalen Gewicht von etwa 180 Gramm ist der Goldspecht gut grünspechtgroß, aber im Durchschnitt etwas leichter als dieser. Die Spannweite beträgt bis zu 54 Zentimeter. Weibchen sind im Jahresdurchschnitt mit bis zu 20 Prozent signifikant leichter als Männchen. Die größte und schwerste Unterart ist C. a. cafer aus dem nordwestlichen Kanada, die kleinste C. a. gundlachi von Grand Cayman.Karen L. Wiebe, William S. Moore (2008) Systematics; Measurements

Colaptes auratus auratus mini|Adultes Männchen Die Oberseite ist auf bräunlichem Grund unregelmäßig dunkel gebändert. Die hinteren Rumpfseiten sind ungebändert weiß, gelegentlich sind unregelmäßige schwarze Tupfer und Flecken eingestreut. Die Oberflügeldecken und die Oberschwanzdecken sind dunkel gebändert bräunlich, letztere weisen ein schwarzes Subterminalband auf. Die Schwingen sind dunkelbraun, eher undeutlich hell bräunlich gebändert, die Federschäfte sind gelb. Die Schwanzoberseite ist schwarzbräunlich, die Außenfahnen der äußeren Steuerfedern andeutungsweise weiß gefleckt. Die Zentralfedern sind gelb geschaftet, die Schwanzspitze ist undeutlich ledergelb gefärbt. Die Unterseite des Rumpfes ist hinter dem markanten halbmondförmigen schwarzen Brustabzeichen weiß, besonders an den Flanken leicht rahmfarben. Der Bauch ist unregelmäßig schwarz gefleckt, an den Flanken eher pfeilspitzenartig schwarz gezeichnet und zu den Unterschwanzdecken hin schwärzlich gebändert. Die Flügelunterseite ist gelblich, an den Spitzen und Rändern eher gelbbraun. Die Unterflügeldecken weisen schwarze Tupfer auf. Die Schwanzunterseite ist ebenfalls gelblich, die Schwanzspitze ist schwarz. mini|C. a. auratus, adultes Weibchen Der Kopf ist von der Stirn bis in den unteren Nackenbereich und an den Schläfenseiten bläulichgrau. Im unteren Nackenbereich befindet sich beim Männchen ein markanter, V-förmiger roter Nackenfleck. Wangen und Ohrdecken, Kehle und obere Brustseite sind zimtfarben. Der Bartstreif ist schwarz.

Der lange, spitze, abwärts gebogene Schnabel ist schieferfarben oder schwarz, die Beine und die vier zygodactyl angeordneten Zehen sind grau bis grünlichgrau. Die Iris der Augen ist satt braun.

Weibchen sind geringfügig kleiner und nicht unerheblich leichter, jedoch reichen diese Unterschiede nicht zu einer sicheren Geschlechtsbestimmung im Feld aus. Sicherster Färbungsunterschied ist das Fehlen des schwarzen Bartstreifs; diese Region ist beim Weibchen zimtfarben wie die übrige Kopfseite. Der halbmondförmige Brustlatz ist etwas weniger intensiv schwarz als beim Männchen und etwas kleiner.

Jungvögel ähneln bereits stark adulten; die Kopfseiten sind bei ihnen eher grau, der Scheitel häufig etwas schwarz gefleckt. Oft ist ein schwarzer Zügelfleck zu sehen. Die oberen Flügeldecken weisen stärkere Schwarzmarkierungen auf, die dunkle Bänderung der Oberseite ist breiter. Immature Männchen zeigen am Scheitel oft einen rötlichen Farbeinschlag, ihr Bartstreif ist noch nicht deutlich ausgebildet. Auch bei immaturen Weibchen kann ein angedeuteter Bartstreif vorhanden sein.

Der Flug des Goldspechtes ist rasch und typisch-spechtartig bogenförmig. Der Aufschwung erfolgt durch eine Folge schneller Flügelschläge, beim Abschwung sind die Flügel angelegt.

Färbung der Federschäfte

Die Färbung der Schäfte der Schwingen und der zentralen Steuerfedern sowie von großen Teilen der Flügel- und Schwanzunterseite sind neben den unterschiedlichen Merkmalen der Kopffärbung die wesentlichsten Unterscheidungsmerkmale zwischen den verschiedenen Unterarten. Der Hauptgürtel der Rocky Mountains bildet die Trennlinie zwischen den goldgelb gefärbten Spechten der C. a. auratus – Gruppe im Osten und den Spechten mit rötlichen oder lachsfarbenen Federschäften der C. a. cafer (Syn. Colaptes cafer) – Gruppe im Westen. C. a. mexicanoides (Syn. Colaptes mexicanoides) steht C. cafer nahe und ist ähnlich gefärbt.

Die Färbungsunterschiede werden mit einer unterschiedlichen Metabolisierung von β-Carotiniden erklärt; früher angenommene unterschiedliche Nahrungsbestandteile spielen keine Rolle.Jocelyn Hudon, Karen L. Wiebe, Elena Pini und Riccardo Stradi: Plumage pigment differences underlying the yellow-red differentiation in the Northern Flicker (Colaptes auratus). In: Comparative Biochemistry and Physiology, Part B 183 (2015) 1–10.

Etwa ein Drittel der Individuen der Colaptes auratus – Gruppe weist einzelne rötliche oder lachsfarbene Federschäfte auf. Der Anteil der unterschiedlich gefärbten Federn kann beim gleichen Individuum von Jahr zu Jahr variieren. Rückwirkungen von zurückliegenden Hybridisierungen wurden als Erklärung für diese Erscheinung herangezogen. In einer 2017 publizierten Untersuchung weisen Jocelyn Hudon et al. nach, dass die Rhodoxanthin enthaltenden Beeren von schon im frühen 18. Jh. im östlichen Nordamerika eingeführten, ursprünglich aus Ostasien stammenden Heckenkirschen, für die abweichende Färbung einzelner Federschäfte verantwortlich sind, und Auswirkungen von Mischbruten keine Rolle spielen. Ähnliche Farbabweichungen wurden auch beim Zedernseidenschwanz und beim Baltimoretrupial beobachtet, die ebenfalls Beeren dieser Heckenkirschen konsumieren.Jocelyn Hudon, Robert J. Driver, Nathan H. Rice, Trevor L. Lloyd-Evans, Julie A. Craves und Daniel P. Shustack: Diet explains red flight feathers in Yellow-shafted Flickers in eastern North America. In: The Auk, Volume 134, 2017, SS 22–33; doi:10.1642/AUK-16-63.1

Stimme

Der Goldspecht ist eine sehr ruffreudige Art. Der häufigste Ruf, der von der Revieretablierung bis zur Paarbildung zu hören ist, ist eine laute Serie unterschiedlich transkribierter Laute. Meist werden sie mit wick…wick…wick oder kick…kick…kick wiedergegeben. Die durchschnittliche Dauer dieses Rufes liegt bei über 5 Sekunden; er kann aber auch fast 20 Sekunden andauern. Daneben spielen die Wicka – Rufe die wesentlichste akustische Rolle. Sie sind relativ leise und werden unterschiedlich gereiht, betont und moduliert. Die Rufreihen, die vor allem bei sexuell gestimmten Interaktionen zu hören sind, dauern bis zu 4 Sekunden. Das Trommeln der Art wird mit dem Geräusch, das ein Miniatur-Luftdruckbohrer erzeugt, beschrieben. Es ist eher leise, die Einzelschläge verbleiben auf einer Tönhöhe und folgen sehr rasch aufeinander.Karen L. Wiebe, William S. Moore (2008) Sounds

Mauser Wie alle Echten Spechte schlüpfen Goldspechte unbefiedert. Das erste Nestlingsgefieder beginnt ab dem sechsten Tag zu wachsen. Die Mauser dieses Gefieders beginnt mit dem Ausfliegen und ist mit dem Wechsel der zentralen Steuerfedern abgeschlossen. Vom Großgefieder werden die Armschwingen nicht oder nur zum Teil vermausert. Ins Adultgefieder mausern Goldspechte im darauf folgenden Sommer. Die Großfedern fallen absteigend, beginnend mit den proximalen Handschwingen, die Steuerfedern werden paarweise gewechselt, wobei die kürzeren äußeren zuerst ausfallen.Karen L. Wiebe, William S. Moore (2008) Appearance

Systematik mini|Verbreitung der Unterartengruppen mini|Colaptes cafer – adultes Weibchen mini|C. a. chrysocaulosus, Weibchen Der Goldspecht ist eine von 9 Arten der Gattung Colaptes innerhalb der Tribus Malarpicini, die mittelgroße bis annähernd große, ihre Nahrung meist auf dem Boden suchende Arten umfasst. Bis auf Colaptes auratus und den erst vor einigen Jahren von diesem abgetrennten Colaptes chrysoides sind alle anderen Mitglieder der Gattung in Südamerika beheimatet.Winkler et al. (1995) S. 307–326 Colaptes ist am nächsten mit der Gattung Piculus verwandt, deren kleine bis knapp mittelgroße Arten in Mittel- und Südamerika vorkommen. Neuere phylogenetische Arbeiten zeigen, dass einige Arten der Gattung Piculus eher zur Gattung Colaptes gehören.Brett W. Benz, Mark B. Robbins, A. Townsend Peterson: Evolutionary history of woodpeckers and allies (Aves: Picidae): Placing key taxa on the phylogenetic tree. In: Molecular Phylogenetics and Evolution 40 (2006): S. 389–399; S. 395 ff.

10–11 Unterarten werden zurzeit anerkannt, die in vier Unterartengruppen eingeteilt werden können. Am weitesten verbreitet ist C. a. auratus. Diese Unterart ist oben beschrieben. Colaptes auratus auratus - Gruppe: Sie umfasst neben der Nominatform die in den nördlichen USA, Kanada und in Alaska brütende Unterart C. a. luteus . Sie ist durchschnittlich etwas größer als C. a. auratus, gleicht ihr ansonsten in den meisten Färbungsdetails. Die meisten Populationen dieser Unterart sind Mittelstrecken-, einige Langstreckenzieher. C. a. chrysocaulosus : Diese Unterart kommt auf Kuba vor und ist dort stellenweise häufig. Oberseite etwas heller als die Nominatform. C. a. gundlachi : Diese kleinste Unterart ist nur auf Grand Cayman heimisch. Oberseite noch eine Spur heller, Grundfarbe der Unterseite fast rein weiß.

mini|C. cafer – Paar; rechts das Männchen Colaptes auratus cafer – Gruppe Sie umfasst fünf Unterarten. Gemeinsam ist ihnen das Fehlen eines roten Nackenabzeichens; die Scheitel- und Nackenregion ist bräunlich. Die Malarregion ist beim Männchen rot, bei einigen Weibchen intensiv zimtfarben. Die Federschäfte der Schwingen und der mittleren Steuerfedern sind wildlachsfarben. Wangen, Ohrdecken, Kinn und Kehle sind grau. Unterschieden werden die Unterarten C. c. cafer , die im Pazifikgürtel vom südlichsten Alaska bis ins nördlichste Kalifornien vorkommt, C. a. collaris , eine etwas hellere und kleinere Unterart lebt im kalifornischen Küstenstreifen südwärts bis ins nördliche Niederkalifornien. Zusätzlich besiedelt diese Unterart einige, der der kalifornischen Küste vorgelagerten Inseln, wie beispielsweise die Santa Cruz Inseln. Die nördlichsten Populationen unternehmen außerhalb der Brutzeit kleinräumige Wanderungen nach Süden. C. a. mexicanus : kleine und bräunliche Unterart aus Zentralmexiko. C. a. nanus : die kleinste Unterart der cafer-Gruppe entspricht in ihrer Größe etwa der Nominatform. Sie brütet im südöstlichen Texas und im nordöstlichen Mexiko. C. a. rufipileus †: Diese Unterart war auf der Insel Guadalupe vor der niederkalifornischen Küste heimisch. C. a. mexicanoides : Sie kommt von Südmexiko bis Nicaragua vor. Sie Spechte sind groß, ähneln jenen der cafer-Gruppe, weisen aber eine kastanienbraune Stirn-, Scheitel und Nackenfärbung auf. Der rote Bartstreif des Männchens ist oft schwarz gerahmt. Die Federschäfte sind orange, der schwarze Brustlatz ist weniger deutlich halbmondförmig.