Die Diamond Dogs Tour (ab Oktober 1974 auch bekannt als The Soul Tour, bzw. The Philly Dogs Tour) war eine weltweite Konzerttournee des britischen Singer-Songwriters David Bowie, auf der er sein 1974 veröffentlichtes Konzeptalbum Diamond Dogs vorstellte. Ab Oktober 1974 nahm Bowie auch Lieder seines bis dato noch nicht veröffentlichten nächsten Studioalbums Young Americans in sein Live-Repertoire auf.
Hintergrund Die Tournee, die 78 Auftritte beinhaltete, begann am 14. Juni 1974 in Montréal und endete am 1. Dezember des gleichen Jahres in Atlanta. Dabei trat Bowie ausschließlich in Nordamerika auf, wo er mit dieser Tour seinen dortigen Bekanntheitsgrad steigern konnte.
Die Vorbereitung der aufwändigen Bühnenkulissen dauerte zwei Monate und kostete 275.000 Dollar, eine für die damalige Zeit sehr hohe Summe.Kamp, Thomas, David Bowie: The Wild-Eyed Boy 1964–1984, O’Sullivan, Woodside & Co., 1985. Die Bühne stellte eine hypothetische Stadt (von Bowie und seinen Mitmusikern scherzhaft hunger city genannt) dar,Edwards, Henry & Zanetta, Tony, Stardust: The David Bowie Story, 1986, ISBN 0-07-072797-X. geprägt durch Silhouetten von vier Wolkenkratzern und mehreren Laufbändern, die in alle Richtungen ferngesteuert werden konnten. Weitere ferngesteuerte bewegliche Teile waren Straßenlaternen und einige Stühle. Zu weiteren Accessoires gehörten ein Glascockpit mit zahlreichen Spiegeln, aus dem Bowie das Lied Big Brother sang, und eine riesige Hand, auf der er während der Aufführung des Liedes Time saß. Die Bühnenausstattung, die viele dieser fortschrittlichen Technologien beinhaltete, wog insgesamt ungefähr 6 Tonnen und war erst wenige Tage vor Beginn der Tour fertig, ohne vorher ausreichend getestet worden zu sein. Mehrere Teile gingen zu Bruch, insbesondere ein Laufband gab beim ersten Konzert nach, als Bowie sich darauf bewegte.Edwards, Henry & Zanetta, Tony, Stardust: The David Bowie Story, 1986, ISBN 0-07-072797-X . Das Bühnenbild orientierte sich teilweise an den Werken des deutschen Malers George Grosz.
Bowie war bereits durch seinen exzessiven Kokainkonsum gesundheitlich beeinträchtigt, als er erfuhr, dass er für die gesamten hohen Schulden von MainMan, der Firma seines Managers Tony DeFries, die seine Karriere verwaltete, verantwortlich war. Nach einer Tourpause in der zweiten Septemberhälfte 1974 wurden die Tournee Anfang Oktober wieder aufgenommen. Der Kostenaufwand für die Bühnenshow wurde ab da strenger kontrolliert, so dass die Bühnenshow selbst deutlich schlichter wurde.
Wie das Album Diamond Dogs bestand auch das Repertoire des ersten Tourabschnitts hauptsächlich aus rockorientierten Stücken. Die Tournee wurden im August erstmals unterbrochen, um Bowie die Zeit für die Aufnahmen zum Album Young Americans zu geben, mit dem er sich der Soulmusik verschrieben hatte. Die Tour wurde ab Anfang September mit einigen neuen Musikern in der Besetzung und einem in Richtung Black Music orientierten Sound fortgesetzt. Insbesondere gab es von da an eine neue Rhythmusgruppe bestehend aus Carlos Alomar an der Gitarre, Doug Rauch am Bass und Greg Errico am Schlagzeug sowie neue Backgroundsänger, darunter der damals noch unbekannte Luther Vandross.
Der dritte Tourneeabschnitt begann schließlich ab Anfang Oktober mit weiteren neuen Musikern, die den souligen Charakter dieses letzten Tourteils noch verstärkten. Zu ihnen gehörte der Schlagzeuger Dennis Davis, der für den Rest der 1970er Jahre weiterhin mit Bowie zusammenarbeitete. Diese letzte Etappe der Tour wurde The Soul Tour oder The Philly Dogs Tour genannt, wobei das Wort „Philly“ ein Kosename für Philadelphia ist, die für den Phillysound berühmte Stadt, in der Young Americans aufgenommen wurden.Christopher Sandford, Bowie: Loving The Alien, Da Capo Press, 2009, S. 126–130, ISBN 0-7867-5096-0 . Während dieser letzten Touretappe wurden oft die gleichen Rocksongs wie bei den Sommerkonzerten gespielt, jedoch in neuartigen Arrangements mit deutlichen Soul-Einflüssen.
Trotz ihres großen Erfolgs beim Publikum rief die Diamond Dogs Tour auch einige Kritik hervor. Dazu gehörte die nach Musikkritikern übertriebene Akribie bei der Gestaltung der Bühnenshow im amerikanischen Stil, die dem Ganzen eine Kälte verlieh, die auf Kosten der Natürlichkeit und Unvorhersehbarkeit ging, die frühere Auftritte Bowies gekennzeichnet hatte. Auch Fans der älteren Stücke der Alben Hunky Dory und Aladdin Sane missfielen die Soul-Arrangements dieser Lieder.
Liveaufnahmen Bowies Manager Tony DeFries bestand darauf, von den Konzerten in Philadelphia, die zwischen dem 8. und dem 13. Juli 1974 stattfanden, ein Live-Album aufzunehmen. Als die Musiker in Bowies Begleitband davon erfuhren, verlangten sie für ihre Beteiligung zusätzliche Tantiemen. Dank Bowies Fürsprache stellte DeFries jedem von ihnen einen Scheck über 5.000 Dollar aus und die Aufnahmen zum geplanten Live-Album, das schließlich im Oktober 1974 unter dem Titel David Live erschien, konnten fortgesetzt werden.Edwards, Henry & Zanetta, Tony, Stardust: The David Bowie Story, 1986, ISBN 0-07-072797-X .
Setlist Setlist 1. Tourabschnitt (Juni – Juli 1974) 1984 Rebel Rebel Moonage Daydream Sweet Thing/Candidate/Sweet Thing (reprise) Changes Suffragette City Aladdin Sane All the Young Dudes Cracked Actor Rock ’n’ Roll with Me Watch that Man Knock on Wood Here Today, Gone Tomorrow Space Oddity Diamond Dogs Panic in Detroit Big Brother/Chant of the Ever-Circling Skeletal Family Time The Width of a Circle The Jean Genie Rock ’n’ Roll Suicide
Setlist 2. Tourabschnitt (September 1974) 1984 Rebel Rebel Moonage Daydream Sweet Thing/Candidate/Sweet Thing (reprise) Changes Suffragette City Aladdin Sane All the Young Dudes Cracked Actor Rock ’n’ Roll with Me Knock on Wood It’s Gonna Be Me Space Oddity Future Legend/Diamond Dogs Big Brother/Chant of the Ever-Circling Skeletal Family Time The Jean Genie Rock ’n’ Roll Suicide John, I’m Only Dancing
Setlist 3. Tourabschnitt (Oktober – Dezember 1974) Memory of a Free Festival Rebel Rebel John, I’m Only Dancing Sorrow Changes 1984 Moonage Daydream Rock ’n’ Roll with Me Love Me Do/The Jean Genie Young Americans Can You Hear Me? It’s Gonna Be Me Somebody Up There Likes Me Suffragette City Rock ’n’ Roll Suicide Panic in Detroit Knock on Wood Footstompin’/I Wish I Could Shimmy Like My Sister Kate/Footstompin’ (reprise) Diamond Dogs/It’s Only Rock ’n Roll (But I Like It)/Diamond Dogs (reprise)
Tourdaten Nr.DatumStadtLandVeranstaltungsortAnmerkungenLeg 1 – Nordamerika114. Juni 1974MontréalForum215. Juni 1974OttawaCivic Centre316. Juni 1974TorontoO’Keefe Centre2 shows4517. Juni 1974RochesterCommunity War Memorial618. Juni 1974ClevelandPublic Auditorium719. Juni 1974820. Juni 1974ToledoSports Arena922. Juni 1974DetroitCobo Hall1023. Juni 19741124. Juni 1974TrotwoodHara Arena1225. Juni 1974AkronCivic Theatre1326. Juni 1974PittsburghSyria Mosque1427. Juni 19741528. Juni 1974CharlestonCivic Center1629. Juni 1974NashvilleMunicipal Auditorium1730. Juni 1974MemphisMid-South Coliseum181. Juli 1974AtlantaFox Theatre192. Juli 1974TampaCurtis Hixon Hall203. Juli 1974MiamiJai-Alai Fronton215. Juli 1974CharlotteColiseum226. Juli 1974GreensboroColiseum237. Juli 1974NorfolkScope Arena248. Juli 1974Upper DarbyTower Theatre259. Juli 19742610. Juli 19742711. Juli 19742812. Juli 19742913. Juli 19743014. Juli 1974New HavenVeterans Memorial Coliseum3116. Juli 1974BostonMusic Hallxx17. Juli 1974YarmouthCape Cod Coliseum3219. Juli 1974New York CityMadison Square Garden3320. Juli 1974Leg 2 – Nordamerika342. September 1974Universal CityUniversal Amphitheatre353. September 1974364. September 1974375. September 1974386. September 1974397. September 1974408. September 19744111. September 1974San DiegoSports Arena4213. September 1974TucsonCommunity Center4314. September 1974PhoenixArizona Veterans Memorial Coliseum4415. September 1974AnaheimConvention Center4516. September 1974Leg 3 – Nordamerika („The Soul/Philly Dogs Tour)“465. Oktober 1974St. PaulCivic Centerxx6. Oktober 1974St. PaulCivic Center478. Oktober 1974IndianapolisConvention Center4810. Oktober 1974MadisonDane County Veterans Memorial Coliseum4911. Oktober 19745013. Oktober 1974MilwaukeeMECCA Arena5115. Oktober 1974DetroitMichigan Palace Theatre5216. Oktober 19745317. Oktober 19745418. Oktober 19745519. Oktober 19745620. Oktober 19745721. Oktober 1974ChicagoArie Crown Theater5822. Oktober 19745923. Oktober 19746028. Oktober 1974New York CityRadio City Music Hall6129. Oktober 19746230. Oktober 19746331. Oktober 1974641. November 1974652. November 1974663. November 1974676. November 1974ClevelandPublic Auditorium688. November 1974BuffaloMemorial Auditorium6911. November 1974LandoverCapital Center7014. November 1974BostonMusic Hall7115. November 19747216. November 19747318. November 1974PhiladelphiaSpectrum7419. November 1974PittsburghCivic Arena7524. November 1974PhiladelphiaSpectrum7625. November 19747728. November 1974MemphisMid-South Coliseum7830. November 1974NashvilleMunicipal Auditorium791. Dezember 1974AtlantaThe Omni
Band Besetzung I (Juni – Juli 1974) David Bowie: Gesang Michael Kamen: elektrisches Klavier, Keyboards, Oboe Earl Slick: Gitarre Mike Garson: Klavier, Mellotron David Sanborn: Saxophon, Flöte Richard Grando: Saxophon, Flöte Herbie Flowers: Bass Tony Newman: Schlagzeug Pablo Rosario: Percussion Gui Andrisano: Hintergrundgesang Warren Peace: Hintergrundgesang
Besetzung II (September 1974) David Bowie: Gesang Earl Slick: Gitarre Mike Garson: Klavier, Mellotron Carlos Alomar: Gitarre David Sanborn: Saxophon, Flöte Richard Grando: Saxophon, Flöte Doug Rauch: Bass Greg Errico: Schlagzeug Pablo Rosario: Percussion Gui Andrisano: Hintergrundgesang Warren Peace: Hintergrundgesang Ava Cherry: Hintergrundgesang Robin Clark: Hintergrundgesang Anthony Hinton: Hintergrundgesang Diane Sumler: Hintergrundgesang Luther Vandross: Hintergrundgesang
Besetzung III (Oktober – Dezember 1974) David Bowie: Gesang Earl Slick: Gitarre Mike Garson: Klavier, Mellotron Carlos Alomar: Gitarre David Sanborn: Saxophon, Flöte Richard Grando: Saxophon, Flöte Emir Ksasan: Bass Dennis Davis: Schlagzeug Pablo Rosario: Percussion Gui Andrisano: Hintergrundgesang Warren Peace: Hintergrundgesang Ava Cherry: Hintergrundgesang Robin Clark: Hintergrundgesang Anthony Hinton: Hintergrundgesang Diane Sumler: Hintergrundgesang Luther Vandross: Hintergrundgesang
Weblinks The Diamond Dogs Tour on bowiewonderworld.com
Einzelnachweise
Kategorie:Musiktournee 1974 Kategorie:David Bowie