Günter Ofner (* 13. November 1958 in Wien) ist ein österreichischer Politiker, Atomgegner, Genealoge und Autor. Er ist Gründer und Präsident des Vereins Familia Austria, des größten genealogischen Vereins auf dem Gebiet des ehemaligen Österreich-Ungarn.

Biografie Ofner ist der zweite Sohn des Bundesbeamten Alois Ofner (1906–1996) und der Lehrerin Margaretha Ofner (1922–1996), Enkel von Johann Ofner (Bauernvertreter) und Bruder von Helmut Ofner. Er besuchte in Wien die Volksschule und maturierte 1977 am Bundesrealgymnasium Wien XVIII – Schopenhauer Gymnasium. Er studierte einige Semester lang Medizin und dann Völkerkunde an der Universität Wien. 1983–1984 absolvierte er seinen Zivildienst in der Volkshochschule Brigittenau in Wien 20. Bezirk. Dort hielt er in der Folge auch Kurse zur Sprachgeographie.

Von 1986 bis 2011 war Ofner Beamter des gehobenen Dienstes und Sachbearbeiter der Post- und Telegraphenverwaltung (PTV) der Republik Österreich sowie nach deren Privatisierung der Telekom Austria.

Ofner war einer der Begründer der Grünbewegung in Österreich, bereits in der Antiatom-Bewegung vor der Volksabstimmung 1978 aktiv. Von 1978 bis 2001 war er Mitglied und Aktivist eines Menschenrechtsvereins. Bei der Nationalratswahl 1983 war Ofner Kandidat und Wahlkampfleiter der Vereinte Grüne Österreichs (VGÖ), der damals führenden Grünpartei in Österreich. Danach begründete er gemeinsam mit Konsul Alois Englander und Heinrich Noller die Gruppe Grüne Demokraten und war Chefredakteur deren Zeitung von 1983 bis 2001. Ofner kehrte 1990 in die VGÖ zurück und wurde dort Generalsekretär und Vorsitzender der Landesgruppe Wien. Er war von 1991 bis 1996 Mitglied der Bezirksvertretung Währing in Wien und von 1991 bis 1995 Mitglied des Zentralausschusses der Österreichischen Hochschülerschaft und dort Menschenrechtssprecher. 1994, nach einer Kontroverse über die politische Ausrichtung, spaltete er sich mit den Landesgruppen, die einen Kurs der Mitte weitergehen wollten (Wien, Niederösterreich, Tirol mit dem Landesvorsitzenden Georg Willi, Steiermark) ab und wurde zu einem der Gründer und Generalsekretär der Partei Bürgerliche Grüne Österreichs (BGÖ), die bis 1998 aktiv war. 1995 initiierte er das Volksbegehren für ein atomfreies Österreich das 1996 erfolgreich durchgeführt wurde und letztlich 1999 in ein gleichnamiges Bundesgesetz mündete. Danach zog sich Ofner aus der Politik zurück.

Ofner begründete 2003 gemeinsam mit Helmuth Tautermann den Wiener Genealogen-Stammtisch, der sich mit seinen vielen Veranstaltungen, Vorträgen und Führungen rasch zum Zentrum der Genealogie im Osten Österreichs entwickelte.

2007 initiierte er die Erfassung aller Sterbelisten aus der historischen Wiener Zeitung von 1703 bis 1898, ein Projekt mit 113 ehrenamtlichen Mitarbeitern, das 2016 erfolgreich abgeschlossen wurde und inzwischen mehr als zwei Millionen Datensätze (Verstorbene) umfasst. Ofner und 13 weitere Mitarbeiter wurden dafür im Jänner 2017 bei einer Festveranstaltung im Wiener Rathaus ausgezeichnet.

Aus diesem Projekt heraus gründete Ofner, gemeinsam mit sechs Kolleginnen bzw. Kollegen den Verein Familia Austria, der rasch zum führenden und mitgliederstärksten genealogischen Verein auf dem Gebiet des historischen Österreich-Ungarns aufgestiegen ist.

Seit 2004 hat Ofner in Österreich, Deutschland, Tschechien und Ungarn hunderte Vorträge zu den Themen Genealogie und Geschichte gehalten, seit 2020 (Corona-Verbote) über das Internet. Die von ihm geleitete wöchentliche virtuelle Vortragsreihe von Familia Austria ist mit durchschnittlich 100 bis 300 Teilnehmern die bestbesuchte deutschsprachige genealogische Vortragsreihe im Internet.

Publikationen (Auswahl)

Genealogisch relevante Materialien im Diözesanarchiv St. Pölten. In: Gesammelte Beiträge für Genealogen, Historiker und Heimatforscher. Schrift Nr. 1 von Familia Austria, 2011 Die Vielsprachigkeit der Habsburgermonarchie. 2015 Evangelische Gemeinden im alten Österreich nach dem Toleranzpatent von 1781. 2015 Griechisch-Katholische Gemeinden im alten Österreich. 2015 Die Altkatholiken im alten Österreich. 2015 Armenische Gemeinden im alten Österreich nach dem Toleranzpatent von 1781. 2015 Jüdische Gemeinden im alten Österreich nach dem Toleranzpatent. 2015 Konfessionslose im alten Österreich. 2015 Die kleinen christlichen Kirchen im alten Österreich. 2015 Die sprachliche Zusammensetzung Wiens zwischen 1850 und 1918. 2016 Hausnummern im alten Österreich. 2016 Was war DAMALS anders? 2016 Schriftarten (Alphabete) im alten Österreich. 2016 Die Umgangssprachen der Habsburgermonarchie in Mitteleuropa ab 1521. 2016 Orthodoxe Gemeinden im alten Österreich nach dem Toleranzpatent von 1791. 2016 Die Matrikenordnung von 1784 von Kaiser Joseph II. 2016 Der schwierige Weg der Brüderkirche. 2016 Woher und warum wanderten Deutsche in die Böhmischen Länder ein? 2016 Johann Ofner (1802–1875), Bürgermeister von Weinhaus. In: Unser Währing, Viertelsjahresschrift des Museumsvereins Währing. 51. Jahrgang, 2016, 4. Heft Meldewesen im alten Österreich. 2016 Pfarrchronik Asperhofen 1854–1962. Schrift Nr. 5 von Familia Austria, 2017 Die Mechanismen und Nutznießer der Migration. 2017 bzw. 2019 Spuren des Krieges, Soldaten, Marketenderinnen und Kriegsgewinnler. In: Computergenealogie, Magazin für Familienforschung. 32. Jahrgang, Heft 4/2017 Seuchen und Krankheiten. In: Computergenealogie, Magazin für Familienforschung. 32. Jahrgang, Heft 4/2017 Menschenströme. Einwanderer nach und Auswanderer aus Böhmen, Mähren und Schlesien zwischen 1500 und 2004 eine Übersicht. In: Sudetendeutsche Familienforschung. Band XV, Heft 3, Juni 2020 Der Türkenkrieg 1683 im Amt Lanzendorf. In: Catalogus Captivorum Christianorum. Schrift Nr. 7 von Familia Austria, 2020 Ahnenforschung im alten Österreich. (gemeinsam mit Ursula Faustmann), Ratgeber Nr. 1 von Familia Austria, 2023 Alte Schriften lesen. Ratgeber Nr. 2 von Familia Austria, 2023 Quellen abseits der Matriken. Ratgeber Nr. 3 von Familia Austria, 2023 Der Beginn der Neuzeit, 1450 – 1453 – 1492 – 1513 – 1517, Anlässe, Mechanismen, wechselseitige Beeinflussung und ihre Bedeutung für die Genealogie, Eine kleine Betrachtung samt einiger Spaziergänge durch die Geschichte. 2024 Ein Schweinfurter Spengler namens Scipio ging nach Österreich. (gemeinsam mit Dietger Braun), In: Getreu in Glück und Not; Schicksale in Niederösterreich. Schrift Nr. 19 von Familia Austria, 2024

Literatur Markus Huber: Zur Geschichte der Vereinten Grünen Österreichs (VGÖ) bis zu den Nationalratswahlen im April 1983. Diplomarbeit, Universität Wien, 1991 Franz Schandl, Gerhard Schattauer: Die Grünen in Österreich, Entwicklung und Konsolidierung. Promedia, Wien 1995, ISBN 3-85371-103-0.

Kategorie:Person der Anti-Atomkraft-Bewegung Kategorie:Genealoge Kategorie:Autor Kategorie:Politiker (Währing) Kategorie:Politiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Vereinsfunktionär Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1958 Kategorie:Mann