Der Panzerzug 4 war ein deutscher Panzerzug aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges und wurde ab September 1939 von der Wehrmacht eingesetzt.

Geschichte 1937 hatte das Oberkommando des Heeres entschieden, keine neuen Panzerzüge zu bauen. Man empfand diese Art der Waffe als veraltet und zu teuer. Aus diesem Grund griff man, mit einer Verfügung vom 23. Juli 1938, auf ältere Bahnschutzzüge der Reichsbahn zurück. Somit wurde der Bahnschutzzug Breslau der Reichsbahndirektion Breslau zum neuen Panzerzug 4. Zu dieser Zeit waren die Panzerzüge nur infanteristisch ausgerüstet und verfügten, neben zwei Abstoßwagen, über sechs gepanzerte, ehemalige gedeckte Güterwagen.

Technische Daten Lokomotive mini|Ungepanzerte Preußische G 10 Die Dampflokomotive des Panzerzuges, damals noch Bahnschutzzug, war eine Preußische G 10, jedoch ist die Nummer dieser Panzerzuglokomotive nicht bekannt. Sie wurde komplett mit Panzerplatten gepanzert und wurde so bereits verwendet, als der Panzerzug noch ein Bahnschutzzug war.

Artilleriewagen Für den Panzerzug 4 wurden, durch Auftrag durch das Generalkommando VIII im Wehrkreis VIII, spezielle Artilleriewagen angefertigt. Diese wurden mit gepanzerten Aufbauten versehen und je zwei Geschütztürmen. Im vorderen Geschützturm wurde eine 3,7-cm-Pak 36 und im hinteren ein 7,5-cm-leichtes Infanteriegeschütz 18 verbaut. Die Geschütztürme befanden sich je an einer Stirnseite der Wagen, wobei der hintere höher war als der vordere. Zwischen ihnen befand sich ein gepanzerter Aufbau für die Besatzung und Munition.

Maschinengewehrwagen Der Panzerzug 4 verfügt zur Zeit als Bahnschutzzug über sechs ehemalige dreiachsige gedeckte Güterwagen der Bauart G(n)l, welche gemäß dem Musterblatt IIc 13 definiert waren. Diese wurden zwar mit Stahl gepanzert, dennoch konnten S.m.K.-Geschosse sie durchdringen. Der genutzte Stahl war zwar relativ dick, doch von minderer Qualität. Die Wagen verfügten über Gewehr-, Maschinengewehr- und Beobachtungsluken in unterschiedlicher Ausprägung und Anzahl in den Wänden. Für den Aus- und Einstieg verfügten sie über Türen an den Seiten der Wagen und über Bodenluken. Diese Bodenluken verfügten über, zwischen den Achsen befindliche, Ausfallkästen. Dadurch konnte Personal, welches über diese Luken den Wagen verließ, in Deckung gehen. Das Leergewicht der Wagen, ohne Panzerung, war mit 15 t angegeben. Die Wagen wurden je drei Stück vor und hinter der Panzerzuglokomotive angekoppelt. Je einer dieser drei Wagen einer Zughälfte verfügte über einen Beobachtungsstand. Dies waren Aufbauten, welche auf den Dächern der Güterwagen aufgesetzt wurden.

Die Maschinengewehrwagen waren 1938 noch mit 10 wassergekühlten schweren Maschinengewehren 08 ausgerüstet. Diese waren in den Wagen fest verbaut und wurden bis zur Umrüstung im Winter 1940/1941 verwendet. Für die Luftabwehr wurden in einigen Wagen Zwillingssockel 36 mit je zwei Maschinengewehren 34 eingebaut. Die Sturminfanterie, welche in diesen Wagen mitgeführt wurde, verfügte ihrerseits über Pistolen, Gewehre, leichte und schwere Maschinengewehre und einige wenige Maschinenpistolen. Für jedes Gewehr im Panzerzug wurden 180, für jede Pistole 24 und für jede Maschinenpistole 1536 Schuss ausgeteilt. Die Maschinengewehre der Sturminfanterie verfügten über 13500 Schuss, darunter waren 11350 s.S., 1500 S.m.K. und 650 S.m.K. Leuchtspur Geschosse. Zusätzlich standen der Infanterie zwei 8-cm-Granatwerfer 34 mit 246 normalen und 18 Nebelgranaten zur Verfügung. Die Pioniere des Panzerzuges verfügten über einen Flammenwerfer 35 oder auch einen Flammenwerfer 41.

Flakwagen Schon bei der Aufstellung des Panzerzug 4 sollten 2-cm-Flak 38 zur Sicherung gegen Flugzeuge verwendet werden. Die Ausstattung unterblieb jedoch vorläufig und so erhielt der Panzerzug zwei Zwillingssockel Typ 36 mit je zwei Maschinengewehre 34. Sie wurden in den Dächern von zwei Sturmwagen eingebracht. Diese verblieben auch dann noch beim Panzerzug, als dieser im März 1941 mit zwei 2-cm-Flak 38 ausgerüstet wurde. Hierbei wurde der Zwillingssockel entfernt und durch die Flak ersetzt.

Abstoßwagen Am vorderen Ende des Zuges befanden sich zwei, am hinteren ein zweiachsiger Flachwagen unterschiedlicher Bauart, welche als Abstoßwagen dienten. Sie dienten dazu, den Panzerzug vor Minen oder Entgleisung zu schützen und Gefahren vor den wichtigen Wagen zu beseitigen. Zusätzlich dienten sie zum Transport von Material wie Schienen, Bahnschwellen, Fahrrädern oder sonstigem Material. Die Wehrmacht nannte die Abstoßwagen auch Schutzwagen.

Einsatz 1938 Vom 6. bis 7. Oktober 1938 wurde der Panzerzug 4 bei der Besetzung des der Randgebiete der Tschechoslowakei eingesetzt. Hierbei fuhr er, zusammen mit der Heeresgruppe 1, in das Gebiet von Nordmähren. Die Besetzung verlief ohne Zwischenfälle, weshalb der Panzerzug am 14. Oktober wieder zurück nach Breslau fuhr, seinem damaligen Heimatstandort.

1939 Als am 15. März der tschechische Staatspräsident Hacha gezwungen wurde, der Besetzung der Rest-Tschechei zuzustimmen, wurde der Panzerzug 4 erneut eingesetzt. Am 15. März aus dem oberen Odertal über Prerau und Olmütz nach Prag vor. Im Juli und Anfang August begann die Vorbereitungsphase für den Überfall auf Polen. Dazu wurde Panzerzug 4 komplett besetzt und man begann mit der Ausbildung und Einweisung in die Aufgaben der Besatzung.

Als am 1. September der Überfall auf Polen begann, wurde der Panzerzug im Angriffstreifen der 3. Infanteriedivision eingesetzt. Er sollte von Wildfurt aus die Grenze überschreiten und über Lublinitz und Herby auf Tschenstochau vorstoßen. Dabei sollte er die Eisenbahnstrecke untersuchen und sichern. Bereits am Grenzbahnhof Pawonkau waren die Gleise so stark zerstört worden, das eine Wiederherstellung längere Zeit in Anspruch nehmen würde. Aus diesem Grund wurde der Panzerzug nach Schneidemühl verlegt und rückte langsam über Bromberg und Thorn nach Kutno vor. Der Panzerzug sollte die deutschen Truppen bei der Schlacht an der Bzura unterstützen, kam jedoch erst am 20. September an, einen Tag nach Beendigung der Schlacht. Ende September und Anfang Oktober war der Panzerzug im Raum Danzig und Gdingen zur Streckensicherung im Einsatz. Ab dem 7. Oktober verlegte er nach Hohensalza und absolvierte dort bis zum 19. November Sicherungsfahrten.

Vor dem Jahresende 1939 wurde der Panzerzug in den Westen Deutschlands verlegt. Neuer Stationierungsort für den Panzerzug 3 wurde erst Hamm, dann Osnabrück und später Rheine.

1940 mini|Die IJssel bei Deventer (2006) Mit dem Eintreffen in Hamm wurde der Panzerzug 4 der Heeresgruppe B unterstellt. Am 3. Mai 1940 wurden die Kommandanten von sechs Panzerzügen zu einer Einsatzbesprechung in Dinslaken beordert. Hier wurden ihnen die Befehle und Aufgaben für die kommenden Operationen erläutert. Ab dem 10. Mai sollten sie in einem raschen Vormarsch Brücken über die Vechte, IJssel und Maas nehmen, in die feindlichen Stellungen vordringen und diese durchstoßen.

Der Auftrag für den Panzerzug 4 war dabei einer der schwierigsten. Er sollte von Bad Bentheim aus über Hengelo, Almelo und Rijssen nach Deventer vorstoßen und die Ijssel-Brücken unversehrt erobern. Dies bedeutete, dass der Panzerzug eine Strecke von 72 km durch gegnerisches Gebiet noch vor dem eigentlichen Einsatz durchqueren musste. Die Eisenbahnstrecken wurden vorher durch in Zivil reisende Offiziere in fahrplanmäßigen Zügen erkundet worden. Am 10. Mai überschritt der Panzerzug um 5:35 Uhr die niederländische Grenze und lief kurze Zeit später beim Bahnhof Oldenzaal auf eine verkeilte Weiche auf, wobei der erste Wagen entgleiste. Von da an schickte man Pioniere mit Pkw und Lkw vor, um die Bahnhöfe zu besetzten und für freie Fahrt zu sorgen. Dadurch konnte die Gegenfahrt einer zivilen Dampflokomotive auf dem gleichen Gleis verhindert werden.

Gegen 13:45 Uhr erreichte der Panzerzug Deventer, nachdem bereits zwei Bataillone der Leibstandarte SS Adolf Hitler dort eingetroffen waren. Die Ijssel-Brücken waren bereits gesprengt worden und für den Panzerzug nicht passierbar. Aus diesem Grund ging die Besatzung am Ufer in Stellung und beschoss die niederländischen Kräfte am gegenüberliegenden Ufer, während die restlichen deutschen Truppen nach Zutphen abgezogen wurden. Am 13. Mai räumten die niederländischen Truppen ihre Stellungen, woraufhin die Besatzung des Panzerzuges mit Motorbooten den Fluss überquerten und mit Fahrrädern bis nach Apeldoorn vorrückten. Zwei Tage später sammelten sie sich wieder in Deventer und der Panzerzug wurde erst nach Rheine und später nach Wuppertal-Langenfeld verlegt.

Am 11. August wurde der Panzerzug 4für Sicherungsaufgaben in den Niederlanden eingesetzt und bis zum 19. Januar 1941 als Küstenschutzzug in Amsterdam.

1941 Am 20. Januar verlegte der Panzerzug ins Arrondissement Orléans und übernahm bis zum 10. Mai Strecken- und Küstenschutzaufgaben. Stationierungsort war dabei Fleury-les-Aubrais.

Am 11. Mai verlegte der Panzerzug von Fleury-les-Aubrais nach Krakau. Mit dem Beginn des Unternehmen Barbarossa, gab es für den Panzerzug keine Einsatzmöglichkeit. Aus diesem Grund verblieb er bis Juli in Krakau in Wartestellung.

Nachdem die Umspurung des ukrainischen Streckennetzes durch deutsche Eisenbahnpioniere gut vorangeschritten war, wurde der Panzerzug 4 aktiviert und Anfang Juli in Marsch gesetzt. Bei Cholm setzte er über den Bug und rückte bis nach Kowel vor. Von dort aus sicherte er die Eisenbahnstrecke nach Brest. Kurze Zeit später musste der Panzerzug für Reparaturen zurück nach Krakau verlegen und wurde vom Streckenschutzzug Fortschritt abgelöst.

Nach dem Abschluss der Reparaturen rückte der Panzerzug über Rowno, Schepetowka und Schitomir nach Fastow vor. Stationiert wurde er in Bobrinskaja und übernahm von dort aus die Streckensicherung. Am 16. November verlegte er zurück nach Kowel um im dortigen Ausbesserungswerk repariert zu werden. Später verlegte er für weitere Reparaturen nach Lemberg

Am 24. Dezember wurde der Panzerzug vom Dnepr aus über Stalino nach Amwrossijiwka verlegt. Hauptauftrag dort war es, die Sicherung direkt hinter der Front der 5. SS-Panzer-Division „Wiking“ zu übernehmen. Zwischendurch wurde die Infanterie des Panzerzuges für einen einwöchigen Einsatz an der Frontlinie vom Panzerzug abgezogen.

1942 mini|Zeichnung des Bahnhofes von Schukowka Nachdem im März 1942 die Frontlinie bei Minsk stabilisiert werden konnte, wurde der Panzerzug auf die Eisenbahnstrecke zwischen Dnjepropetrowsk, Tschaplino und Stalino zur Streckensicherung eingesetzt. Das Einsatzgebiet befand sich wenige Kilometer südlich des von sowjetischen Truppen zurückeroberten Gebietes. Der Panzerzug musste hier jedoch eingesetzt werden, da es die einzige Nachschublinie der im Donezbecken stehenden deutschen Truppen war.

Ab dem Sommer verfügte der Panzerzug über einen Panzerspähwagen P 204 (f). Am 1. Juli wurde der Panzerzug von Dnjepropetrowsk abgezogen und in den stark, durch Partisanen gefährdeten Bereich zwischen Orel und Brjansk verlegt und der Heeresgruppe Mitte unterstellt. Am 11. Juli wurde der Panzerzug am Bahnhof von Brjansk durch einen Luftangriff und einen Bombentreffer beschädigt. Daraufhin musste er zurückgezogen und repariert werden. Die Arbeiten dauerten bis zum 29. August. Noch am gleichen Tag rückte der Panzerzug wieder an die Front vor und löste den Panzerzug 2 bei Schukowka ab.