Rana Eid (geboren 1976 in Beirut) ist eine libanesische Sounddesignerin und Filmemacherin.
Leben Rana Eid wuchs in Beirut auf. Sie studierte Kino- und Filmstudien und schloss 1999 den Masterstudiengang im Fach Filmton an, den sie 2002 an der Université Saint Joseph in Beirut mit dem Master of Arts abschloss. Seit 2003 arbeitet sie als Sounddesignerin. Daneben unterrichtet sie Filmton an der Université Saint Esprit de Kaslik.
2006 gründete sie zusammen mit dem Komponisten Nadim Mishlawi die DB Tonstudios in Beirut, die sich mit der Audio Post-Produktion von Filmen befassen. Der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit als Sounddesignerin liegt auf Filmen aus der MENA-Region, doch auch internationale Produktionen zählen in jüngerer Zeit zu ihrem Portfolio, so etwa der 2025 im Rahmen der 75. Internationalen Filmfestspiele Berlin uraufgeführte Spielfilm Hot Milk von Rebecca Lenkiewicz und das Musical The Wave von Sebastián Lelio, das im Jahr 2025 seine Premiere haben soll.
Seit 2020 ist Rana Eid Mitglied der Academy of Motion Picture Arts and Sciences und der Motion Picture Sound Editors. Im Jahr 2022 war sie Teil der Jury für den Berlinale Dokumentarfilmpreis.
Werk Im Jahr 2017 veröffentlichte Rana Eid als Regisseurin mit Panoptic ihren ersten Dokumentarfilm, für den sie auch das experimentelle Sounddesign gestaltete. Zur Entstehung des Films gab sie an, dass die Collage der Klänge der Bildmontage vorausgegangen sei, woraus sich eine rhythmische Bildkomposition ergibt. Das dokumentarische Essay hatte seine Uraufführung beim Locarno Filmfestival. Die Zeitschrift Variety verortete den Film im Genre der „Stadtsymphonie“ und bezeichnete ihn als „eine komplexe und poetische Erkundung in Beiruts Untergrund“. Auch bei dem im Jahr 2020 als Bester Dokumentarfilm für den Oscar nominierten Film Eine Klinik im Untergrund – The Cave in der Regie von Feras Fayyad, der während des Krieges in Syrien gedreht wurde, hat die Tongestaltung eine emotionale Wirkung, die weit über die rein dokumentarische Aufnahme der Filmgeräusche hinausgehen. Dies betrifft insbesondere die Geräusche des Krieges, die die Arbeit der Klinikmitarbeitenden im Alltag begleiten und von der Oberfläche in den unterirdischen Klinikbau dringen. Rana Eid war als Sound Effects Editor am Film beteiligt.
Der Krieg und die Geräusche des Krieges spielen in der Biografie der Beiruterin eine prägende Rolle. Sie erlebte als Sechsjährige während des Libanesischen Bürgerkriegs die israelischen Luftangriffe des Jahres 1982, was sie nach eigenen Aussagen auch für ihre spätere Arbeit als Sounddesignerin beeinflusste. Sie habe in dieser Zeit mit einem Kassettenrekorder die Alltagsgespräche und -geräusche ihres alltäglichen Familienlebens aufgenommen und immer wieder abgespielt, um sich selbst zu vergewissern, dass sie und ihre Familie noch lebten. Als im Jahr 2024 im Zuge des Gaza-Israel-Konflikts erneut Luftangriffe Israels auf Beirut erfolgten, habe sie ihrem zu diesem Zeitpunkt vierzehnjährigen Sohn vorgeschlagen, die Kriegsgeräusche gemeinsam aufzunehmen, um die Erlebnisse gemeinsam mit ihm psychologisch verarbeiten zu können.
Für ihre Arbeit am Horrorfilm Evil Dead Rise (2023) in der Regie von Lee Cronin, dem fünften Sequel der Tanz-der-Teufel-Reihe, lobte das US-Branchenmagazin IndieWire Rana Eids Arbeit: „Allein das Sounddesign rechtfertigt es, diesen Film im Kino anzusehen, um die volle Wirkung zu erleben. Die knirschenden und krachenden Geräusche, gepaart mit der beeindruckenden Kontorsionsarbeit, sprechen für die physisch anspruchsvolle Natur des Films und das Talent seiner Darstellerinnen.“
Filmografie (Auswahl) Regie 2017: Panoptic
Sound und Sounddesign 2007: Sous les bombes, Regie: Philippe Aractingi 2010: Yanoosak, Regie: Elie Khalifé, Alexandre Monnier 2011: Rue Huvelin, Regie: Mounir Maasri 2014: La Vallée, Regie: Ghassan Salhab 2016: Nuts – Once Upon a Time in the Middle East, Regie: Henri Bargès 2017: Ismai, Regie: Philippe Aractingi 2017: Der Affront, Regie: Ziad Doueiri 2017: One of These Days in Beirut, Regie: Nadim Tabet 2017: Listen, Regie: Philippe Aractingi 2018: Morine, Regie: Tony Farjallah 2018: War Travelers, Regie: Joud Said 2019: Mit 20 wirst du sterben, Regie: Amjad Abu Alala 2019: 1982, Regie: Oualid Mouaness 2019: All this Victory, Regie: Ahmad Ghossein 2019: Eine Klinik im Untergrund – The Cave, Regie: Feras Fayyad 2019: Land des Honigs, Regie: Ljubomir Stefanov, Tamara Kotevska 2020: The Insomnia of a Serial Dreamer, Regie: Mohamad Soueid 2021: Memory Box, Regie: Joana Hadjithomas und Khalil Joreige 2022: Mariupolis 2, Regie: Mantas Kvedaravičius 2023: Al Murhaqoon, Regie: Amr Gamal 2023: Goodbye Julia, Regie: Mohamed Kordofani 2023: Evil Dead Rise, Regie: Lee Cronin 2025: Hot Milk, Regie: Rebecca Lenkiewicz
Weblinks
DB Studios Beirut
Einzelnachweise
Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Sound Designer Kategorie:Tonmeister Kategorie:Libanese Kategorie:Geboren 1976 Kategorie:Frau