Der Lohvinaŭ Verlag ist ein belarussischer unabhängiger Buchverlag mit Exilsitz in Vilnius. Zu seinen Programmfeldern zählen Literatur, Geschichte, Politik und Kunst. Programmschwerpunkte sind zeitgenössische belarussische Belletristik sowie internationale Gegenwartsliteratur in belarussischer Übersetzung. Im Sortiment finden sich aber auch Lyrik, Sachbücher, Kinderbücher, Fotobände und Zeitschriften. Bei Lohvinaŭ erscheinen zahlreiche bekannte belarussische Autoren wie Swetlana Alexandrowna Alexijewitsch, Uladsimir Arlou, Alhierd Bacharevič, Andrej Chadanowitsch und Artur Klinaŭ.

Verlagsgeschichte Der Lohvinaŭ Verlag wurde 2000 von Ihar Lohvinaŭ in Minsk gegründet.Inga Lizengevic, Aus Rebellion entstanden : Das Literaturhaus Lohvinaŭ in Minsk, auf: deutschlandfunkkultur.de (16. September 2016), abgerufen am 18. Februar 2025. Erklärtes Ziel ist die Veröffentlichung belarussischer Gegenwartsliteratur auf Belarussisch. Die Ausgangsbedingungen dafür waren schwierig: Belarussisch zählt in Belarus zwar zu den offiziellen Landessprachen, wird von der Lukaschenka-Regierung jedoch „inoffiziell als Sprache der Opposition“ wahrgenommen.Lara Sielmann, Der Überlebenskampf einer Literaturszene, auf: zeit.de (19. November 2013), abgerufen am 18. Februar 2017. Zudem genießen staatliche Verlage geringere Mehrwertsteuersätze, was die belarussischsprachigen Bücher unabhängiger Verlage zusätzlich benachteiligt. Auf dem belarussischen Buchmarkt machten folglich russischsprachige Bücher zirka 95 % aller Veröffentlichungen aus.Marketa Hulpachova, Belarus bookshop braves the state to publish Nobel winner's work, auf: The Guardian (19. Oktober 2015), abgerufen am 18. Februar 2025 (englisch). Indem der Lohvinaŭ Verlag auf moderne und kritische Autoren setzte, die bei Staatsverlagen nicht willkommen waren, konnte er sich jedoch zu einer „Lokomotive der belarussischen Literatur“Artur Klinaŭ, zitiert nach: Inga Lizengevic, Aus Rebellion entstanden : Das Literaturhaus Lohvinaŭ in Minsk, auf: deutschlandfunkkultur.de (16. September 2016), abgerufen am 18. Februar 2025. entwickeln. Lohvinaŭ eröffnete 2009 zudem eine gleichnamige Buchhandlung, die sich als „unabhängige öffentliche Plattform“ für Schriftsteller, Leser und Kritiker verstand.Кнігарня Логвінаў, auf: lohvinau.by (2015ff), abgerufen am 18. Februar 2025 (belarusisch).Marketa Hulpachova, Belarus bookshop braves the state to publish Nobel winner's work, auf: The Guardian (19. Oktober 2015), abgerufen am 18. Februar 2025 (englisch).

2011 gab der Lohvinaŭ Verlag den Bildband Belarus Press Photo 2011 heraus, in dem Bilder des gleichnamigen Fotowettbewerbs abgedruckt waren. Einige Fotos aus Minsk zeigten, wie Polizisten im Dezember 2010 bei Protesten gegen den Wahlbetrug die Demonstranten blutig prügelten. Daraufhin wurde dem Verlag vorgeworfen, „extremistische Bücher“ zu veröffentlichen. Auf Intervention des Informationsministeriums hin wurde Lohvinaŭ die staatlich vergebene Herausgeberlizenz 2013 entzogen.Index on Censorship, Belarus publisher loses licence after printing protest pictures, auf: indexoncensorship.org (25. November 2013), abgerufen am 18. Februar 2025 (englisch). Die verbliebenen Exemplare des Bildbandes wurden konfisziert und eingestampft.Alison Flood, Belarusian publisher on trial for selling books without state registration, auf: The Guardian (7. Januar 2015), abgerufen am 18. Februar 2025 (englisch).

Der Verlag verlagerte seinen Geschäftssitz daraufhin nach Vilnius. Der Minsker Buchladen blieb jedoch weiter in Betrieb. Die belarussische Regierung versuchte dessen Geschäfte u. a. durch das Zurückhalten einer Verkaufslizenz zu behindern. Da der Buchladen aus wirtschaftlichen Gründen dennoch weiter öffnete, wurde er 2015 vom Minsker Wirtschaftsgericht zu einer Strafzahlung von fast einer Milliarde belarussischer Rubel (ca. 60.000 Euro) verurteilt. Durch eine internationale Spendenaktion konnte der Bankrott abgewendet werden.Ales Piletski, Publisher Lohvinau collects almost whole amount of fine, auf: euroradio.fm (9. März 2015), abgerufen am 18. Februar 2025 (englisch). Seit Mitte 2016 ist der Buchladen Lohvinaŭ in Minsk aber „zeitweise geschlossen“.Bookshop LohvinaǓ to suspend work on July 1, auf: euroradio.fm (22. Juni 2016), abgerufen am 18. Februar 2025 (englisch).Змены ў працы | Changes in operation, auf: lohvinau.by (2016), abgerufen am 18. Februar 2025 (englisch).

Durch eine Crowdfunding-Aktion 2018 konnte der Lohvinaŭ Verlag die erste unzensierte Veröffentlichung der Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch in ihrer Heimatsprache realisierten.Belarusians donate 5 times more than needed for Svetlana Alexievich’s edition auf: euroradio.fm (12. April 2018), abgerufen am 18. Februar 2025 (englisch).

Im März 2026 erklärte der belarussische KGB eine Koalition mehrerer Verlage, darunter den Lohvinaŭ, eine extremistische Gruppe.

Würdigungen Für seinen Einsatz für die Meinungsfreiheit – trotz aller Maßnahmen des belarussischen Regimes gegen den Verlag – wurde der Verleger Ihar Lohvinaŭ 2014 mit dem Prix Voltaire ausgezeichnet.Prix Voltaire – 2014 Ihar Lohvinau (Belarus), auf: internationalpublishers.org (16. April 2014), abgerufen am 18. Februar 2025 (englisch). Im Jahr darauf wurde der Verlagsleiter für seinen Mut und die „Verbreitung intellektuellen und freiheitlichen Gedankenguts“ mit dem IPA Freedom to Publish Prize gewürdigt.Ein mutiger Verleger: "IPA Freedom to Publish Prize" für Ihar Lohvinau (6. Juli 2015), abgerufen am 18. Februar 2025 (englisch).

Logo Das als Logo verwendete „Ў“ (kurzes U) ist ein Buchstabe, der in der belarussischen Schrift, nicht aber in der Russischen vorkommt. Er gilt deshalb auch als ein „Symbol der Eigenständigkeit und der Abgrenzung vom großen Nachbarn“.

Einzelnachweise

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