Die Silbentachygraphie, eine kurzschriftliche Methode, gibt Wörter durch zusammengesetzte Silben wieder. Das Wort „Tachygraphie“ leitet sich aus dem Altgriechischen ab und ist synonym mit „Stenographie“ und „Kurzschrift“, bezeichnet also ein System, das eine schnelle Wiedergabe von Texten ermöglicht ( ‚schnell‘ und ).

Historische Entwicklung und Verwendung Die Silbentachygraphie ist besonders in Norditalien vom 8. bis ins 12. Jahrhundert in Urkunden nachweisbar. Vor allem im Kanzleibereich war der Bedarf an Noten hoch, um Eigennamen in Urkunden eintragen zu können. gerahmt|Bamberg, Class. 44, Ps.-Quintilian, Declamationes maiores, fol. 81r, X. Jh.; knappe Inhaltsangabe von Gerbert von Reims in silbentachygraphschen Zeichen: a-pes pau-(p)er-is. Die Silbentachygraphie unterscheidet sich systematisch von den tironischen Noten aus karolingischer Zeit.

Arthur Mentz, Schriftforscher der antiken und mittelalterlichen Stenographie, unterschied dabei drei historische Kurzschriftsysteme, die er als System A, System B und System C klassifizierte:

System A Hierbei handelt es sich um tironische Noten, ein antikes Kurzschriftsystem. Während die komplexen Wortnoten der tironischen Noten relativ stabil sind, wurden Eigennamen silbentachygraphisch wiedergegeben. System A wurde in karolingischer Zeit gezielt restituiert und fand vor allem im nordalpinen Raum Verbreitung. Ein Beispiel für seine Verwendung ist der Vergilius Turonensis, ein Kommentar zu den Werken von Vergil aus dem Martinskloster Tours, in dem tironische Noten neben Alphabetschrift eingetragen sind.

System B Dieses System entstand spätestens im 5. Jahrhundert als Weiterentwicklung der tironischen Noten. Es stellt einen Übergangszustand zur Silbentachygraphie dar. Zeugnisse von System B sind ausschließlich vorkarolingisch. System B wurde später von System C verdrängt.

System C System C zeichnet sich durch die nahezu vollständige Verwendung von Silbenzeichen aus. Die lateinische Silbentachygraphie fand besonders in Italien, vereinzelt auch in Spanien Anwendung. In karolingischer Zeit existierten System C mit südalpinem und A mit nordalpinem Schwerpunkt nebeneinander.

Auch Gerbert von Reims, später Papst Silvester II., nutzte ein silbentachygraphisches System. Die Hauptgebrauchszeit der Silbentachygraphie war im 10. Jahrhundert. Ihre Anwendung in den italienischen Kanzleien endete im 11. Jahrhundert.

Literatur Costamagna, Giorgio: Tachigrafia notarile e scritture segrete medioevali in Italia, Rom 1968 (=Fonti e Studi del Corpus membranarum italicarum 1).

Mentz, Arthur: Die tironischen Noten. Eine Geschichte der römischen Kurzschrift, Berlin 1944.

Einzelnachweise

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