Die Stadtwerke Düsseldorf AG ist ein kommunales Versorgungsunternehmen, tätig in den Bereichen Strom-, Erdgas-, Trinkwasser- und Fernwärmeversorgung, Entsorgung und Mobilität und befindet sich mehrheitlich in Besitz des Energiekonzerns EnBW.

Geschichte mini|Das 1903 bis 1904 an der Ecke Luisenstraße und Scheurenstraße erbaute neue Verwaltungsgebäude mini|Perspektive mini|Grundrisse mini|Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Düsseldorf

Gründung Die Gasversorgung der Stadt Düsseldorf reicht bis in das Jahr 1843 zurück. 1843 wurde mit der Firma Sinzig & Cie. ein 20-jähriger Vertrag abgeschlossen, wonach die Firma das sogenannte „Patentgas“ (eine Mischung aus Kokereigas und Harzgas) liefern musste. Da das Gas qualitativ schlecht und überteuert war, entschloss sich die Stadt Düsseldorf, ein eigenes Gaswerk mit Rohrnetz zu errichten. Diese erste städtische Gasanstalt wurde auf dem Areal zwischen der heutigen Luisen-, Hütten- und Helmholtzstraße erbaut und am 20. September 1866 – ein Tag vor Ablauf des Vertrags mit Sinzig & Cie. – in Betrieb genommen. Das erste kommunale Gas mit einem sechs Kilometer langen Versorgungsnetz und 753 „gleißend hellen“ Gaslaternen wurde zunächst nur zur Beleuchtung genutzt. Zwei Jahre später betrug die Gasabgabe schon 1.840.000 Kubikmeter. Beliefert wurden 1866 Abnehmer und 800 Laternen. Fünf Jahre danach hatte sich die Abgabe bereits verdoppelt. Es wurde von 4064 Abnehmern berichtet. Düsseldorfs Nächte wurden spürbar heller: 2448 öffentliche Laternen wurden mit städtischem Gas gespeist.

Im Jahr 1866 hatte eine Cholera-Epidemie 111 Düsseldorfern den Tod gebracht, und die Sozialkosten für die Unterbringung der Kranken belastete die Stadtkasse. Unter hygienischen Aspekten wurde eine öffentliche Wasserversorgung beschlossen, die am 1. Mai 1870 mit Brunnen in Flehe und einem 30 Kilometer langen Versorgungsnetz in Betrieb ging. Düsseldorf verfügte damit als eine der ersten Städte der Rheinprovinz über eine zentrale Wasserversorgung.

Als die Gaserzeugung bei jährlich 5,25 Millionen Kubikmeter angekommen war, wurde in Flingern, damals drei Kilometer vor den Toren der Stadt, ein 47 Morgen großes Grundstück zum Preis von 205.551 Mark erworben. Am 15. Dezember 1890 beschickten die Arbeiter die ersten Öfen im neuen Gaswerk am Höherweg. Inzwischen war das Rohrnetz erheblich gewachsen: Aus bescheidenen 60.916 Metern im Gründungsjahr waren bis 1891 stattliche 181.608 Meter geworden. Ein Problem waren die Nebenprodukte, die bei der Gasherstellung anfielen. Zunächst waren sie nichts anderes als lästiger Abfall. Später wurden zunächst Teer und seine wertvollen Inhaltsstoffe, u. a. Benzol und Naphthalin, von der sich entwickelnden organischen Chemie abgenommen. Für Ammoniak, Schwefel und die großen Mengen Koks mussten erst Märkte gefunden werden. Teilweise wurde Koks nach Süddeutschland und ins Elsass verkauft.

Am 1. Dezember 1891 kam die Stromversorgung durch den Bau eines eigenen Kraftwerks mit Gleichstromgenerator in Düsseldorf-Flingern hinzu. Die Kraftwerksleistung lag bei 442 Kilowatt. Mit dieser Anlage begann die Geschichte des Heizkraftwerks Flingern.

Nachdem das alte Gaswerk an der Luisenstraße im Jahre 1898 stillgelegt worden war, versorgte das Gaswerk in Flingern die Stadt mit Gas. Auf dem Areal des stillgelegten alten Gaswerks wurde 1903–1904 an der Ecke Luisenstraße und Scheurenstraße ein neues Verwaltungsgebäude erbaut. Dieses war aufwändig im Stil der Neorenaissance gestaltet:

Im Jahr 1906 wurde das Kraftwerk in Flingern von Dampfmaschinen auf Turbinen umgerüstet, es produzierte seitdem sowohl Gleich- als auch Wechselstrom.

Der großzügige Ausbau des Straßenbahnnetzes machte in den Jahren 1912 bis 1913 den Neubau eines leistungsstarken Steinkohlekraftwerks notwendig. Flingern II wurde nach der technischen Konzeption des Kraftwerksingenieurs Georg Klingenberg errichtet, als Urheber der baulichen Gestaltung mit deutlichen Jugendstil-Einflüssen werden die Architekten Peters und Langheim vermutet.Kraftwerk Flingern II auf www.rheinische-industriekultur.de, zuletzt abgerufen am 14. Januar 2019 Drei AEG-Turbinen mit einer elektrischen Leistung von zusammen 42 Megawatt (MW) sicherten den zügigen Ausbau des städtischen Nahverkehrs. Das explosionsartige Wachstum Düsseldorfs drängte die Stadtwerke 1927 zur zweiten Ausbaustufe von Flingern II. Die elektrische Leistung lag jetzt bei 58 MW, die von fünf Turbinensätzen erzeugt wurden. Den nötigen Druck erzeugten 24 Steilrohr-Dampfkessel in zwei Kesselhäusern. Ab 1928 sorgte eine Kraft-Wärme-Kopplung für niedrigere Heizkosten der abgasgeplagten Flingeraner und ihrer Nachbarn. Die Fernwärme wurde zuerst in Flingern ausgebaut. Der Standort Flingern wird bis heute zur Energieerzeugung genutzt. Alle Versorgungsarten waren zu dieser Zeit in städtischer Hand.

Die Wassergewinnung in Flehe war bis 1924 auf fünf getrennt liegende Pumpwerke mit 117 Brunnen angewachsen. Von 1923 bis 1926 wurde das Wasserwerk Lörick gebaut. Als 1925 Flehe an die Fördergrenze stieß, wurde 1933 das Wasserwerk Am Staad in Betrieb genommen.

Im Jahr 1930 wurden nach mittlerweile 45 Jahren Stromversorgung im In- und Ausland die Grundlagen für eine allgemeine Versorgungssicherheit gelegt und eine gegenseitige Hilfe bei Unterbrechungen vereinbart. Die 1908 gegründete Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk AG (RWE) dehnte sich durch die Übernahme zahlreicher kleinerer Versorgungsunternehmen immer weiter aus. Wegen seiner Kosten sparenden Braunkohle-Großkraftwerke konnte es niedrigere Strompreise anbieten. Die Übertragung des städtischen Kraftwerks auf eine neu zu gründende Aktiengesellschaft wurde erwogen, aber die Ansichten über den Verkauf des kommunalen Betriebes waren in der Düsseldorfer Stadtverordnetenversammlung geteilt.

1933 wurde die Bezeichnung städtische Versorgungsbetriebe abgeschafft. Die erstmals so genannten Stadtwerke Düsseldorf waren das Amt 81 Stadt.

Die Entwicklung der Hochdruckkessel-Technologie ließ 1936 einen erneuten Umbau von Flingern II sinnvoll erscheinen. Doch erst 1940 erfolgte die Inbetriebnahme mit deutlich reduzierter Kesselzahl und drei neuen Turbinen. Das Kesselhaus B diente nur noch der Reserve. Der Zweite Weltkrieg brachte trotz zahlreicher Bombentreffer keine dauerhaften Beeinträchtigungen des Kraftwerkbetriebs.

Nachkriegsgeschichte Um den Bedarf der Stadt decken zu können, bauten die Stadtwerke das Kraftwerk Flingern in der Zeit von 1949 bis 1955 in vier Abschnitten auf insgesamt 242 MW Leistung aus.

Das Wirtschaftswunder brachte den Düsseldorfern Mitte der 1950er Jahre ihr bislang größtes Kraftwerk im Innenstadthafen. Das steinkohlebetriebene Kraftwerk Lausward ging 1957 mit seinem ersten energieerzeugenden Block Anton mit 10 MW ans Netz. Die Blöcke Berta (1962, 130 MW, Kohle), Cäsar (1965, 130 MW, Kohle) und Dora (1967, 150 MW, Kohle) folgten.

Die erste Ausbaustufe des Wasserwerks Auf dem Grind war 1954 abgeschlossen und umfasste zwei Pumpwerke von je 65.000 Kubikmeter Tagesleistung. 1955 war das Werk erstmals ganzjährig in Betrieb.

1956 wurde eine Interessengemeinschaft zur Bauvorbereitung eines Versuchs-Kernreaktors ins Leben gerufen. 1959 wurde daraus die Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor GmbH (AVR), ein Konsortium aus 15 regionalen Elektrizitätsversorgern unter Führung der Stadtwerke Düsseldorf als Bauherr und Betreiber. Die Machbarkeit und Funktionsfähigkeit eines gasgekühlten, graphit-moderierten Hochtemperaturreaktors zur Stromerzeugung sollte in Jülich erforscht werden.

1961 war ein Meilenstein für die Trinkwasserversorgung. Erstmals wurde nach dem heute weltweit eingesetzten Düsseldorfer Verfahren das gesamte Trinkwasser aus dem Wasserwerk Am Staad mit Ozon und Aktivkohlefilter aufbereitet.

1963 wurde das Wasserwerk Holthausen gebaut und ging 1964 in Betrieb.

Am 2. November 1965 ging neben dem Heizkraftwerk Flingern eine Müllverbrennungsanlage in Betrieb. Sie arbeitet mit einer eigens entwickelten Verbrennungstechnik, der Walzenrostfeuerung „System Düsseldorf“. Bis heute werden mehr als 60 Anlagen weltweit mit einem solchen System betrieben. In Garath ging erstmals ein vollständig entschwefeltes und entsticktes Steinkohle-Heizkraftwerk in Betrieb und begrenzt so den Schadstoffeintrag.

Ab 1967 wurde Düsseldorf von Stadtgas auf Erdgas umgestellt. Genau vom 24. April 1967 bis zum 15. Mai 1970 dauerte die Umrüstung der 119.806 Haushalte und der 5.300 gewerblichen bzw. industriellen Abnehmer. Die Kosten für Privathaushalte wurden dabei von den Stadtwerken übernommen. Auf dem Werksgelände in Flingern ging nach 102 Jahren das klassische Verfahren der eigenen Gaserzeugung am 29. April 1968 zu Ende. Düsseldorf war damit die erste westdeutsche Stadt mit 100 % Erdgas-Versorgung.

Der Betrieb der kommunalen Versorgung innerhalb der Stadtverwaltung endete am 18. Dezember 1972. Aus dem „Amt 81“ wurden die Stadtwerke Düsseldorf AG, wobei die Stadt 100 Prozent der Aktien hielt. An der öffentlichen Verpflichtung, die bereits im Jahr 1935 durch das Energiewirtschaftsgesetz geregelt wurde, änderte sich nichts. Das Gesetz machte zur Pflicht, allgemeine Bedingungen und allgemeine Tarifpreise für den gesamten Versorgungsbezirk einheitlich zu gestalten. In Flingern wurde das in die Jahre gekommene Kesselhaus B zugunsten eines modernen Gasturbinenkraftwerks abgerissen. 1973 wurden hier sechs Notstromaggregate von Rolls-Royce untergebracht. Es handelt sich hierbei um Flugzeugtriebwerke, die mit leichtem Heizöl betrieben werden können und zusammen 90 MW elektrischer Leistung liefern.

Die Inbetriebnahme des Gasturbinenblocks Emil im Steinkohlekraftwerk Lausward ermöglichte im Jahre 1978 die komplette Stilllegung des abgasintensiven Steinkohlekraftwerks Flingern II, das noch bis zum Rückbaubeschluss vom 8. April 1998 eine voll funktionsfähige Notfallreserve bildete.

1982 änderte sich die Beteiligungsstruktur des Unternehmens. Mit Einbringung seiner elektrischen Anlagen im Süden Düsseldorfs wurde das RWE mit 20 Prozent am Aktienkapital der Stadtwerke Düsseldorf beteiligt. Die Stadt brachte alle in ihrem Besitz befindlichen Aktien in die 1983 gegründete Düsseldorfer Stadtwerke – Gesellschaft für Beteiligungen ein, womit die Gesellschaft zu 80 Prozent an den Stadtwerken beteiligt ist. 2007 firmierte die Beteiligungsgesellschaft in Holding der Landeshauptstadt Düsseldorf GmbH um. Die Geschäftsführung der neuen Gesellschaft wurde stadtnah angesiedelt.

Die städtischen Häfen wurden 1990 von der Stadt Düsseldorf übernommen. Hauptgrund war die Sicherung des Kraftwerksstandorts auf der Lausward. 2003 wurden die Neuss-Düsseldorfer Häfen zu einer neuen Hafengesellschaft fusioniert.

1996 startete das Projekt Kraftwerksmodernisierung, in dessen Verlauf die Lausward-Blöcke Berta, Cäsar und Dora stillgelegt wurden und der Kohleblock Anton mit einer GUD-Anlage „ausgetauscht“ wurde. Block Emil wurde modernisiert.

In Garath wurde 1998 der in die Jahre gekommene Steinkohleblock auf den Betrieb mit Erdgas und leichtem Heizöl umgerüstet. Die thermische Leistung betrug jetzt 100 MW. Der weithin sichtbare Schornstein wurde zugunsten eines kleineren abgerissen. Das Kraftwerk Lausward wurde schrittweise in ein modernes und vor allem sauberes Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk umgewandelt, das 520 MW elektrische Leistung und 330 MW Fernwärme liefern wird.

Ein Jahr später ging die Müllverbrennungsanlage Flingern vollständig ins Eigentum der Stadtwerke Düsseldorf über. Das benachbarte Gasturbinenkraftwerk wurde auf Dampfbetrieb umgestellt. Eine mehrere hundert Meter lange Pipeline leitet nun 500 °C heißen Dampf aus der Müllverbrennungsanlage ins benachbarte Heizkraftwerk, das nun 55 MW elektrische Leistung und 100 MW Fernwärme liefert. Im Jahr 2000 erfolgte schließlich die Zertifizierung zum Entsorgungsfachbetrieb durch den TÜV Rheinland.