mini|Stephanuskirche Hausen ob Verena Die Stephanuskirche in Hausen ob Verena im Landkreis Tuttlingen in Baden-Württemberg ist die Pfarrkirche der Evangelischen Kirchengemeinde Hausen ob Verena im Kirchenbezirk Rottweil der Evangelischen Landeskirche Württemberg. Sie steht leicht erhöht im historischen Ortszentrum von Hausen ob Verena und ist vom bis heute als Friedhof genutzten Kirchhof umgeben.

Geschichte Eine Kirche und Pfarrei in Hausen ob Verena wurden 1275 im Kreuzzugs-Zehntbuch der Diözese Konstanz erstmals erwähnt. 1563 wurde in Hausen ob Verena durch Hans III. von Karpfen die Reformation eingeführt, und die Stephanuskirche wurde evangelisch. Auch nach dem Aussterben des Hauses von Hohenkarpfen im ausgehenden 17. Jahrhundert blieb Hausen ob Verena gemeinsam mit Rietheim württembergisch und damit evangelisch.

Im 18. Jahrhundert wurde die ursprünglich spätgotische Kirche umgebaut. 1921 wurde sie im Jugendstil renoviert, was jedoch in den 1960er-Jahren wieder rückgängig gemacht wurde.

Ausstattung mini|Epitaph (1588) der Familie von Karpfen mini|Heilige Anna selbdritt im Dominikanermuseum Rottweil, ursprünglich aus Hausen ob Verena Die Stephanuskirche enthält ein Votivbild von Hans III. von Karpfen für seine 1559 verstorbene Frau Ursula geb. von Reischach mit einer zeitgenössischen Darstellung der Burg Hohenkarpfen im Hintergrund, das der Nürnberger Schule des Barthel Beham zugeschrieben wird.

Ein weiteres Votivbild aus dem Jahr 1588, vermutlich anlässlich des Todes Hans III. von Karpfen gestiftet, zeigt Hans III. von Karpfen zu Rietheim (1533–1588) mit seiner zweiten Ehefrau Anna von Plieningen (1541–1624) und ihren Kindern Hans Dietrich, Felicitas († 1639) und der 1588 bereits verstorbenen Elisabeth betend unter dem Kreuz sowie im Hintergrund die Erhöhung der Schlange (links) und die Geschichte von Jona (rechts). Das Original befindet sich im Dominikanermuseum Rottweil als Teil der Sammlung Dursch, in der Stephanuskirche befindet sich heute eine Kopie.

Im Chorraum befindet sich ein steinernes Epitaph für Eberhard II. von Karpfen und seine Frau Anna Magdalena von Wendorf aus dem Jahr 1601, das den gekreuzigten Christus und die am Fuß des Kreuzes knienden Eheleute darstellt, überschrieben mit dem Bibelvers Johannes 3,16. Ein weiteres, nur als Bruchstück erhaltenes Epitaph kann nicht sicher zugeordnet werden, doch es wird vermutet, dass es sich um den Grabstein des ersten evangelischen Pfarrers und Reformators Johannes Hauser handeln könnte. Es stellt einen bärtigen Mann mit Talar, Halskrause, Barett, gefalteten Händen und einem Buch unter dem rechten Arm dar.

Um 1500 stiftete Hans I. einen dreiteiligen spätgotischen Flügelaltar, von dem nur noch die Predella mit der Darstellung von Christus und den zwölf Aposteln, drei Heiligenfiguren von Stephanus, Barbara und der Muttergottes aus dem Altarschrein sowie die beiden fliegenden Engel, die ursprünglich im Gesprenge die Krone über die Madonna gehalten haben, erhalten sind. Sowohl der Altarschrein und als auch das sich darüber befindliche Gesprenge sind nicht mehr erhalten.

Während Predella und Engel stets in der Stephanuskirche geblieben sind, wurden die drei Heiligenfiguren höchstwahrscheinlich im Zusammenhang mit der Reformation nach Gunningen gebracht, da Gunningen im Gegensatz zu Hausen die Reformation nicht einführte und katholisch blieb. 1908 wurden die drei Heiligenfiguren in Gunningen entdeckt, von der Königlich-Württembergischen Altertumssammlung aufgekauft und gehören heute zum Bestand des Landesmuseums in Stuttgart. Als die Stephanuskirche 1965 bis 1967 renoviert wurde, fanden die bis dahin in der Stephanuskirche verstreuten Einzelteile des spätgotischen Altars wieder zusammen – nun jedoch an der Nordwand des Chorraums. Da keine Aussicht bestand, die zwischen 1480 und 1490 entstandenen Heiligenfiguren vom Landesmuseum wieder zurückzubekommen, wurden 1988 vom Bildhauer Josef Schiller aus Krumbach originalgetreue, jedoch unbemalte Kopien von Barbara, Stephanus und der Muttergottes angefertigt.

Dasselbe Schicksal widerfuhr auch einer Skulptur der Anna selbdritt aus Lindenholz, die aus der Stephanuskirche stammt, aber ebenfalls nach der Reformation entfernt wurde und heute als Teil der Sammlung Dursch im Dominikanermuseum in Rottweil zu sehen ist. mini|Chorraum mit Orgel Die heutige Orgel wurde 1968 durch die Orgelbaufirma Weigle errichtet. Der Orgelprospekt wurde von Walter Supper entworfen.

Pfarrer in Hausen ob Verena um 1513: Jörg Köllin um 1545: Jacob Fudi um 1550: Jacob von Karpfen 1564–1565: Georg Laichinger 1565–1606: Johannes Hauser 1606–1623: Johannes Marquardt 1623–1626: Ludwig Hetzer 1626–1638: Johannes Caementarius (Johannes Maurer) 1638–1682: Elias Caementarius 1682–1685: Johann Christian Caementarius 1685–1690: Johannes Belling 1690–1727: Georg Konrad Wagner 1728–1742: Johann Friedrich Zeller 1742–1751: Johann Jacob Schweickhardt 1751–1763: Rudolf Jacob Rues 1763–1776: Johann Heinrich Harpprecht 1776–1796: Johann Wilhelm Rothacker 1796–1812: Johann Christoph Maier 1812–1821: Friedrich Gottlob Schmid 1821–1845: Johann Friedrich August Lang 1846–1853: Carl Friedrich Goldmann 1854–1860: Eduard Elwert 1861–1869: Christian Friedrich Ostertag 1869–1897: Paul Hartmann 1900–1909: Eugen Kappus 1910–1922: Eugen Götz 1922–1927: Philipp Friedrich Matthias Hilzinger 1929–1935: Gotthilf Immanuel Leitz 1935–1950: Hermann Christian Schäfer 1950–1956: Hans Gerhard Ottmar 1956–1973: Christian Martin Hermann Werner 1973–1983: Heino Gaese 1984–1991: Martin Würschum 1992–2003: Günter Koschel und Birgit Sendler-Koschel 2003–2024: Matthias Figel

Weblinks und Literatur

Bild der Stephanuskirche von 1922 mit Jugendstil-Ausstattung

Einzelnachweise

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