Als Kiekser bezeichnet man im Musikerjargon und in der Musikliteratur sowie in der Stimmphysiologie einen „sich überschlagenden“ Ton, der in der Musik durch seine zumeist hohe Frequenz insbesondere beim Vortrag melodischer Passagen als deutlich hörbare Unterbrechung des Klangverlaufs wahrgenommen wird, die je nach den ästhetischen Kriterien einer Musikkultur als störender Ausführungsfehler oder aber als strukturell bedeutsame Akzentuierung empfunden werden kann.

Beschreibung Im Bereich der zumeist von einer exakten Realisation von Tonhöhen ausgehenden „klassischen“ europäischen Kunstmusik gelten Kiekser zumeist als ungewollt und somit als spieltechnischer Fehler. Bei Blechblasinstrumenten, insbesondere beim Horn, entstehen Kiekser beim Einschwingvorgang durch ungenaues Anspielen eng benachbarter Partialtöne,Klangbeispiele: Institut für musikalische Akustik der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien: Klangbeispiele zu Gustav Mahler und der Wiener Klangstil heute.; abgerufen am 18. Februar 2025. Hornkiekser am gis2 (notiert in F), zu tief angespielt (mp3) Hornkiekser am e2 (notiert in F), zu hoch angespielt (mp3) was zu einem „wasserfallartigen“ Spektralbild führt,Gregor Widholm: Das Wiener Horn – ein Instrument des 19. Jahrhunderts als erste Wahl in Orchestern des 21. Jahrhunderts. In: Adrian von Steiger, Daniel Allenbach, Martin Skamletz: Das Saxhorn. Edition Argus, Bern 2020, ISBN 978-3-931264-93-2, S. 232 (Abbildungen 8 und 9: „Wasserfallspektren“ eines Kieksers), Online (PDF; 2,1 MB); abgerufen am 18. Februar 2025. bei Singstimmen durch einen schlagartigen Registerbruch, bei dem die Stimme unkontrolliert in das Kopf- oder Pfeifregister in Form eines unbeabsichtigten und auf punktuelle Einzeltöne beschränkten Falsetts mit unharmonischen Klanganteilen umschlägt. Bei der Sprechstimme kann das Phänomen von Kieksern in der frühen Phase des Stimmbruchs, aber auch als Symptom einer Dysphonie auftreten.

Der Hornist Paul van Zelm nennt zwei Gründe für das Auftreten von Kieksern bei seinem Instrument: „Wenn der Luftfluss nur den Bruchteil einer Sekunde nicht stimmt oder sich Kondenswasser in einen der vielen Bögen sammelt, gibt es die gefürchteten Kiekser, die dann jeder im Konzertsaal hören kann.“Stadtmagazin RÖSRATHerleben: Paul van Zelm. Kein Instrument für schwache Nerven. Artikel von Sigrun Stroncik; abgerufen am 18. Februar 2025. Die international bekannte Hornistin Sarah Willis stellt dazu fest: „Beim Horn gibt es die berühmten Kiekser. Dagegen kann man nicht viel tun.“Tagesspiegel: Berliner Philharmoniker: Star-Hornistin Sarah Willis: „Wir Bläser sind wie Hochleistungssportler“. Artikel von Verena Meyer vom 22. April 2014; abgerufen am 18. Februar 2025.

Kiekser als stilistisches Element In der volkstümlichen und populären Musizierpraxis, aber auch in außereuropäischer Kunstmusik können durch Registersprünge erzeugte Kiekser ein charakteristisches Element innerhalb eines Personal- oder Genrestils sein. Im Bereich der Popmusik wurde beispielsweise die gezielte und häufige Verwendung von Kieksern in der Gesangstechnik von Michael Jackson zu einem charakteristischen Merkmal seines Personalstils,NDR: Mit Kieksen und Hecheln zum Weltstar. Radiosendung ZeitZeichen vom 25. Juni 2014 zum 25. Juni 2009; abgerufen am 17. Februar 2025 (Tondokument, ca. 15 min). während die durch plötzliches Überblasen der Klarinette erzeugten Kiekser in der Klezmermusik ein genretypisches Merkmal darstellen.Süddeutsche Zeitung: Musik gewordene Tränen. Artikel von Paul Schäufele vom 5. August 2019; abgerufen am 17. Februar 2025.

Literatur Gregor Widholm: Das Wiener Horn – ein Instrument des 19. Jahrhunderts als erste Wahl in Orchestern des 21. Jahrhunderts. In: Adrian von Steiger, Daniel Allenbach, Martin Skamletz: Das Saxhorn. Edition Argus, Bern 2020, ISBN 978-3-931264-93-2, S. 223–244, hier insbesondere S. 230ff. (Online [PDF; 2,1 MB]). Hermann Neuling: Große F und B Hornschule. Verlag Pro Musica, 1952, S. 18.

Weblinks

Institut für musikalische Akustik der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien: Artikel Wiener Horn

Einzelnachweise

Kategorie:Blasmusik Kategorie:Spieltechnik (Blasinstrumente)