Die niederländische Münzgeschichte ist ein wesentlicher Teil der niederländischen Geldgeschichte, die über die Münzen hinaus auch das Papiergeld und das bargeldlose Geldwesen umfasst. Im weiteren Sinne gehören zur Niederländischen Münzgeschichte auch die der Niederländischen Ostindien-Kompagnie, der Niederländischen Westindien-Kompagnie und der späteren Kolonie Niederländisch-Indien. Die Vorgeschichte der Geldgeschichte der Niederlande beginnt schon in der Antike, auch bereits mit eigenen Prägungen, schon bevor das römische Münzsystem auch auf das Gebiet der heutigen Niederlande einwirken konnte. Die eigentliche niederländische Münzgeschichte beginnt erst mit der Gründung der Republik der Vereinigten Niederlande. 1579 schlossen sich die calvinistischen Provinzen Holland, Zeeland und Utrecht zu einem Verteidigungsbündnis (Utrechter Union) zusammen, das Grundlage für die Staatsgründung der Republik der Vereinigten Niederlande im Jahr 1581 wurde. Die allgemeine Anerkennung durch andere Staaten erfolgte erst nach dem Achtzigjährigen Krieg durch den Frieden von Münster im Jahr 1648.

Antike Bereits vor der Zeitenwende wurden auf dem Gebiet der heutigen Niederlande Münzen geprägt. Die germanischen Stämme der Bataver und der Ubier stellten eigene Münzen her.Johannes Heinrichs: Kontinuität und Diskontinuität. Berlin 2002, S. 266–344.

Ab 50 v. Chr. wurden die südlichen Niederlande von den Römern erobert und der Raum der südlichen Niederlande den neuen Provinzen Germania inferior und Belgica zugeschlagen. Dadurch zirkulierten die Münzen der Römischen Währung. Anders als bei den römischen Kolonien in Kleinasien wurde für die Provinzen Germania inferior und Belgica kein gesondertes Bronzekleingeld hergestellt. Es wurde das gleiche Geld wie in Rom verwendet.

Frühmittelalter Durch den Untergang des Römischen Reiches ging der Geldumlauf stark zurück. Das Münzwesen im Frühmittelalter war auch deshalb nur rudimentär und folgte noch lange spätrömischen Vorbildern. Die sogenannten pseudoimperiale Prägungen der Germanenreiche, so auch der Merowinger, deren Herrschaftsgebiet sich immer weiter auf das Gebiet der heutigen Niederlande erstreckte, waren Nachahmungen spätrömischer und byzantinischer Münzen.Bernd Kluge: Münzen – Eine Geschichte von der Antike bis zur Gegenwart. S. 36.

Die Nachfolger Chlodwigs prägten zunächst nur Kupfermünzen. Erst Theuderich I. (reg. 511 bis 533) ließ dann für Austrasien auch Silbermünzen herstellen. Goldmünzen wurden im Früh- und Hochmittelalter in Mittel- und Nordeuropa nur selten geschlagen, während das Byzantinische Münzwesen weiter vor allem auf Gold gründete. Speziell für das Münzwesen der Merowinger wird ein Goldmangel vermutet, der dazu führte, dass um 680 ein größeres Geldvolumen auf Silber- statt auf Goldmünzen beruhte.Hans-Jörg Gilomen: Wirtschaftsgeschichte des Mittelalters. S. 51.

Dieses fränkische Münzwesen wurde durch die eigenmächtige Aneignung des Münzrechts durch merowingische Teilfürsten und die Bischöfe früh fragmentiert. Die wichtigste Münzstätte in fränkischer Zeit in diesem Gebiet befand sich in Dorestad, in der seit der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts Münzen geprägt wurden. Zunächst wurden goldene Tremissis, also Drittelsolidi, hergestellt. Später kamen auch Silbermünzen dazu. Insbesondere die Denare mit der Aufschrift DORESTATUS oder DORSTAD sind dieser Münzstätte klar zuzuordnen. Durch die karolingischen Münzreformen, die bereits von Pippin der Jüngere (751 bis 768) schon ab 755 eingeleitet wurden und vor allem durch die später folgende große Münzreform Karls des Großen wurde das Münzwesen deutlich vereinheitlicht. Pippin schrieb vor, dass Münzen den Namen oder zumindest die Initiale des Königs tragen müssen. Nach dieser ersten karolingischen Münzreform folgte um die Jahre 793/794 die große karolingische Münzreform. Karl der Große vollendete die Reform Pippins, indem er einen einheitlichen Münztyp festlegte (Karolingisches Münzsystem), während es bei Pippin noch örtliche Varianten gegeben hatte. Die Denare dieser reinen Silberwährung zeigen auf dem Avers das Kreuz, umgeben vom Königsnamen als Umschrift und auf dem Revers das Karolusmonogramm. Dieser Denar wurde für lange Zeit der vorherrschende Münztyp in Europa.John Porteus: Münzen – Geschichte und Bedeutung in Wirtschaft, Politik und Kultur. S. 53 f. Bis in die Mitte des 9. Jahrhunderts bis zum Zerfall des karolingischen Imperiums bildete Europa eine monetäre Einheit.John Porteus: Münzen – Geschichte und Bedeutung in Wirtschaft, Politik und Kultur. S. 57.

Die Besonderheit von Karls Münzreform lag in seiner Machtfülle, die es ihm erlaubte, die Reform auch für alle Münzstätten seines Reichs durchzusetzen. Sie wurde durch den Zufluss an Silber im 8. und 9. Jahrhundert, dessen Quellen nicht voll bekannt sind, erleichtert. Teilweise werden es die Silberminen in Spanien und in Melle gewesen sein, was die gestiegene Gesamtsilbermenge aber nicht erklärt. Zwei Münzen mit den Legenden und deuten auf neue Silberquellen aus dem Osten des Karolingerreichs hin.John Porteus: Münzen – Geschichte und Bedeutung in Wirtschaft, Politik und Kultur. S. 54.

Karls Sohn, Ludwig der Fromme, ließ auch wieder Goldsolidi prägen, hauptsächlich aber Silberdenare und diese in großen Mengen.John Porteus: Münzen – Geschichte und Bedeutung in Wirtschaft, Politik und Kultur. S. 56 f. Ab 822/823 waren die Christiana-Religio-Denare der vorherrschende Münztyp.

mini|Frankenreich im Jahr 843

Nach der Reichsteilung 843 gehörte das Gebiet der heutigen Niederlande zunächst zum Mittelreich (Lotharii Regnum), ging durch den Vertrag von Meerssen im Jahr 870 dann aber auf das Ostfränkische Reich über. Das Münzwesen auf dem Gebiet der heutigen Niederlande spaltete sich schließlich von dem dort in Entstehung begriffenen deutschen Münzsystem ab, indem dem wachsenden Geldbedarf dieses Gebietes auch mit einer stärkeren Herabsetzung des Silbergehalts des deniers begegnet wurde.John Porteus: Münzen – Geschichte und Bedeutung in Wirtschaft, Politik und Kultur. S. 76. mini|ohne|Karolingischer Denar, geprägt in Dorestad unter Lothar I.

Hochmittelalter Im Hochmittelalter gehörte das Gebiet der heutigen Niederlande zwar zu einem der beiden großen Wirtschaftsgebiete in Europa, das sich von Flandern bis in das Baltikum erstreckte, es stand aber im Schatten der wichtigen Handelsstädte Flanderns, wie Brügge und Antwerpen, die im Spätmittelalter auch eher Beziehungen zu dem anderen großen Wirtschaftsraum in Europa, den großen Handelsstädten Norditaliens aufbauen konnten.Jacques Le Goff: Geld im Mittelalter. S. 33, 140. Die Friesland Denare (friesische Pfennige aus Silber) gehörten wegen ihrer Wertstabilität zu den sogenannten „Fernhandelspfennigen“ (10. bis 12. Jahrhundert), die allerdings nicht primär für den Fernhandel hergestellt worden sind, bis diese durch unterschiedliche Abwertungen immer mehr von den Regionalen Pfennigen verdrängt wurden.

Der Geldbedarf war gegenüber den vorherigen Jahrhunderten schon beträchtlich gewachsen und trotz zunehmender Silberförderung in Europa musste das Gesamtgewicht und der Silberfeingehalt des deniers verringert werden, um den steigenden Geldbedarf zu befriedigen. Diese u. a. in Dordrecht geprägte Münze war im 12. und 13. Jahrhundert die gängige niederländische Münze.John Porteus: Münzen – Geschichte und Bedeutung in Wirtschaft, Politik und Kultur. S. 76, 78.

Spätmittelalter Im Spätmittelalter vollzieht sich auch auf dem Gebiet der heutigen Niederlande der Übergang vom Ostfränkischen Reich (Regnum Teutonicum) zum Heiligen Römischen Reich. Ab 1270 wurde der englische Sterling nachgeprägt, dessen Originale schon zuvor einen großen Anteil im Zahlungsumlauf bildeten. Sein Doppelstück, „ridder“ (Reiter) genannt, weil er auf seinem Revers einen Reiter trug, wurde später auch mit anderen Motiven geprägt. Parallel wurden unter Florens V., Graf von Holland, und seinem späteren Nachfolger Johann II., Herzog von Brabant, der französische Denier tournois mit gleichen Motiven nachgeprägt. Der Sterling hielt sich lange Zeit im holländischen Geldumlauf und unterschied sich von den englischen Vorbildern fast nur durch die fehlende Krone auf der Portraitseite. Da er hauptsächlich zur Bezahlung englischer Wolle diente, wurde er auch als crockard (crocket damals für „Locke“) und „poll“ („Schädel“) bezeichnet. Diese Nachprägungen wurden ab ca. 1300 für den englischen Umlauf untersagt. Die holländischen Münzmeister erschwerten die Unterscheidung zwischen englischen Originalen und holländischen Nachprägungen, indem sie die Krone auf dem Avers hinzusetzten. Bis in das 14. Jahrhundert hinein wurde der holländische Geldumlauf durch den Sterling bestimmt.John Porteus: Münzen – Geschichte und Bedeutung in Wirtschaft, Politik und Kultur. S. 93, 95 f., 99 f. Erst im Spätmittelalter folgte das Gebiet der heutigen Niederlande der wirtschaftlichen Entwicklung Flanderns. Bis zum Ende des 13. Jahrhunderts hatten aber beide Gebiete nicht den Entwicklungsstand Norditaliens erreicht. Zur Entwicklung des Bankwesens hatten die Niederlande bis dahin nicht mit Innovationen beigetragen,Jacques Le Goff: Geld im Mittelalter. S. 137 Als die Lombarden genannten Kreditbanken ihre ersten Filialen außerhalb Italiens gründeten, begannen sie in flandrischen Städten.Jacques Le Goff: Geld im Mittelalter. S. 140 Ab Mitte des 15. Jahrhunderts waren die Niederlande schon so stark in die Geldwirtschaft eingebunden, dass sie auch die negativen Ausschläge zu spüren bekamen. Von der zunehmenden Verschuldung auch der öffentlichen Hand ab der Mitte des 15. Jahrhunderts waren die Niederlande besonders betroffen. Das galt nicht nur für flandrische Städte, sondern zum Beispiel auf für Leiden.Jacques Le Goff: Geld im Mittelalter. S. 170. mini|Ausdehnung Burgunds unter Philipp dem Guten.

Trotz dieser finanziellen Herausforderungen nahm der wirtschaftliche Aufschwung der Niederlande an Fahrt auf. Mit schnelleren Schiffen, die zudem nach fast schon industriellen Maßstäben mit vorgefertigten und standardisierten Bauteilen in großer Stückzahl gebaut werden konnten, wurde der hansische Zwischenhandel immer stärker umgangen. Dazu trug insbesondere bei, dass Planken für niederländische Schiffe nun mit der Kraft von Windmühlen gesägt und so schneller und preiswerter hergestellt konnten als in reiner Handarbeit. Die zunehmende wirtschaftliche Stärke der Niederlande im Spätmittelalter auf vergleichsweise kleinem Raum führte zu einer außerordentlichen Vielfalt des Münzwesens. Zu den wichtigsten Münzproduzenten gehörten die Grafschaften Flandern, Hennegau, Holland, Geldern, Luxemburg sowie die Bistümer Utrecht und Lüttich. Die bereits in dieser Zeit wirksame Inflation führte bei den niederländischen Pfennigen dazu, dass diese im Laufe der Zeit immer kleiner und leichter wurden. Der englische Sterling galt schließlich vier flämische Pfennige und wurde so zum Vorbild der ersten niederländischen Groschen. 1269 begann die Prägung von Groschen im Wert von zwei Sterlingen (Baudekins). Ab Ende des 13. Jahrhunderts folgte auch die Herstellung von Turnosengroschen nach französischem Vorbild, denen ab 1434 in den burgundischen Niederlanden (Flandern, Brabant, Hennegau, Holland) bild- und wertgleiche Münzen folgten. Erst im 14. Jahrhundert wurde die reine Silberwährung aufgegeben und mit Goldmünzen ergänzt.

Goldmünzen Seit den 1330er Jahren wurden in den Niederlanden Goldmünzen geprägt, die sich teils am deutschen Goldgulden, teils an französischen Vorbildern orientierten. Besonders bedeutsam wurde die Reihe der flandrischen Goldmünzen des 14. Jahrhunderts. Die oberitalienischen Städte und Staaten und die späteren Niederlande waren zu der Zeit die wirtschaftlichen Kraftzentren Europas mit dem größten Geldbedarf an Goldmünzen. Der sich nach französischen Vorbildern orientierende Klinkaarts wurde zunächst die wichtigste niederländische Goldmünze.

Erste Niederländische Gulden