Die Roland-Kaserne (zuvor Flak-Kaserne) war eine Garnison in Bremen, in der 1935 bis 1939 Wehrmachtseinheiten der Flakartillerie stationiert waren. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs nutzte die United States Army von 1945 bis 1955 die Anlage. Sie diente zwischen 1948 und 1951 zudem als vorübergehendes DP-Lager für Auswanderer. 1956 bezogen Einheiten der Bundeswehr die Kaserne. Die Hauptnutzung erfolgte bis 2000 durch die Nachschubschule des Heeres. Benannt wurde die Anlage nach der Statue des Bremer Roland. 2001 nahm die International University Bremen ihren Betrieb hier auf. Seit 2022 heißt die Hochschule Constructor University.

Militärische Nutzung Wehrmacht Der NS-Staat benötigte während der Aufrüstung der Wehrmacht zusätzliche Unterkünfte zur Unterbringung der neuen Verbände und Einheiten. Für Bremen war die Stationierung eines Flakregiments geplant. Insgesamt bestand daher Bedarf an drei Kasernen für zwei Flak-Abteilungen und eine Flak-Scheinwerferabteilung. Die Verhandlungen mit der Stadt Bremen gestalteten sich jedoch schwierig. Angeboten wurde der Luftwaffe eine Fläche im Bremer Blockland in der Nähe des Rangierbahnhofs Bremen-Gröpelingen. Wegen der zu erwartenden hohen Kosten durch die notwendigen Gründungsarbeiten im Baugrund kam dies für die Wehrmacht nicht in Betracht. Daher vereinbarten die Verantwortlichen mit der damals noch eigenständigen preußischen Gemeinde Grohn den Erwerb von Flächen zur Errichtung einer Flak-Kaserne. Eine weitere Kaserne sollte in Lesum entstehen.Thiel, Reinhold: Die bremische Flugabwehr im Zweiten Weltkrieg. Verlag Hauschild, Bremen 1995, S. 18

1936 wurde mit dem Bau der Kaserne begonnen, jedoch die Anlage erst 1938 vollendet. Am 5. April 1937 zogen bereits 1200 Wehrmachtsangehörige in die noch nicht vollständig fertiggestellte Kaserne ein. Es handelte sich um die 3. (schwere) und 7. (leichte) Batterie des Flakregiments 7 aus Wolfenbüttel, die nach Bremen zur Bildung der neuen Abteilung verlegt wurden. Zu den ersten hier stationierten Soldaten gehörte der spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt. Zum 1. Januar 1938 entstand aus den beiden Batterien die I. (gemischte) Abteilung des Flakregiments 27. Zwei Batterien der Abteilung nahmen 1938 nach dem Münchner Abkommen an der Besetzung des so genannten Sudetenlandes teil. Am 15. November 1938 erhielt die Abteilung die neue Bezeichnung als I./Flakregiment 26. Zeitgleich erfolgte die Bildung des Stabs des Flakregiments 26 in der Kaserne. Am 24. August 1939 wurde die Abteilung mobilisiert und in Vorbereitung auf den Beginn des Überfalls auf Polen zur Sicherung an den Westwall verlegt.Dieter E. Kilian: Politik und Militär in Deutschland: Die Bundespräsidenten und Bundeskanzler und ihre Beziehungen zu Soldatentum und Bundeswehr. Miles Verlag, 1. Auflage, Berlin 2011, S. 411 f. und Fn. 841Sabine Pamperrien: Helmut Schmidt und der Scheißkrieg: Die Biografie 1918 bis 1945. Piper Verlag, München 2014 (Auflage Februar 2016), Fn. 149Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Vierter Band, Die Landstreitkräfte 15–30, hrsg. vom Bundesarchiv-Militärarchiv mit Unterstützung des Arbeitskreises für Wehrforschung, Verlag E. S. Mittler & Sohn GmbH, Frankfurt am Main o. J., S. 247Thiel, Reinhold: Die bremische Flugabwehr im Zweiten Weltkrieg. Verlag Hauschild, Bremen 1995, S. 29

Am 10. Mai 1940 wurde der Stab des Flakregiments 26 nach Ostfriesland verlegt und am 5. Februar 1941 zur Aufstellung der Flakbrigade VIII herangezogen. Bereits am 10. Februar 1941 kam es in der Kaserne in Bremen-Grohn zur erneuten Bildung des Stabes des Flakregiments 26 und der Flak-Gruppe Bremen-Nord. Dem Verband kam der Schutz verschiedener Objekte zu, darunter der Raffinerie Vacuum Oil, die Norddeutsche Hütte, der Werksflugplatz der Weser-Flugzeugbau, die Gebäude der Bremer Wollkämmerei, das Tanklager Farge und die Werft Bremer Vulkan, später auch der U-Boot-Bunker Valentin. Hierfür waren der Flak-Gruppe Bremen-Nord wechselnd Einheiten unterstellt, die in Stellungen im Bremer Raum disloziert waren. Mit der Einnahme Bremens am 26. April 1945 endete hier der Krieg und die Nutzung der Kaserne durch die Wehrmacht.Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Vierzehnter Band, Die Landstreitkräfte: Namensverbände/Die Luftstreitkräfte (Fliegende Verbände)/Flakeinsatz im Reich 1943–1945. Bearbeitet auf Grund der Unterlagen des Bundesarchiv-Militärarchivs; hrsg. mit Unterstützung des Bundesarchivs und des Arbeitskreises für Wehrforschung, Biblio Verlag, Osnabrück 1980, S. 484Thiel, Reinhold: Die bremische Flugabwehr im Zweiten Weltkrieg. Verlag Hauschild, Bremen 1995, S. 68

US-Army mini|Von der US-Army errichtete Kapelle

Doch die britische Besatzung währte nicht lang. Da die US-Streitkräfte im Süden Deutschlands über den Seeweg versorgt werden mussten, fielen Bremen und Bremerhaven unter die Verwaltung der USA. Die 29th Infantry Division (reinforced) der US-Armee verlegte deshalb zwischen dem 7. und dem 21. Mai 1945 nach Bremen. Am 25. Mai 1945 übernahm die Division die Verantwortung für die Enklave Bremen. Das Hauptquartier der Division wurde in der früheren Flak-Kaserne eingerichtet, die nunmehr als Camp Grohn bezeichnet wurde. Ende November 1945 traf das 311th Infantry Regiment der 78th Infantry Division in der Enklave Bremen ein, um die 29th Infantry Division zum 1. Dezember 1945 abzulösen. Das Regiment zog in Camp Grohn ein. Die 29th Infantry Division verließ Bremen und Bremerhaven zwischen dem 18. Dezember 1945 und dem 3. Januar 1946. Die in der Kaserne verlaufenden 12 Straßenzüge wurden nach Soldaten des 311th Infantry Regiment benannt. Die Emigration von Displaced Persons von Bremen in die USA begann am 16. April 1946. Am 22. Mai 1946 wurde das 311th Infantry Regiment außer Dienst gestellt. Am 10. Oktober 1946 zog in Camp Grohn das 1st Battalion des 18th Infantry Regiment ein. Am 20. Oktober 1947 verlegte die C-Company des 382nd Military Police Service Battalion nach Camp Grohn. 1951 zog sie in die Funari Barracks, Mannheim, um. 1947 waren zudem in Camp Grohn die 558th Quartermaster Group, die 619th Quartermaster Company, die 596th Army Postal Unit und die 421st Band stationiert.

1947 errichtete die US-Armee für Militärgottesdienste in der Kaserne eine standardisierte Regimental Chapel der 29th Infantry Division.

Im Herbst 1947 schlug eine Arbeitsgruppe des Bremer Senats unter Christian Paulmann die Gründung einer internationalen Universität auf dem Kasernengelände vor. Am 16. Dezember 1948 erließ die Bremische Bürgerschaft ein Gründungsgesetz einer internationalen Universität. Das Vorhaben wurde jedoch aus finanziellen Gründen nicht umgesetzt.Konrad Elmshäuser: Geschichte Bremens. 1. Auflage, München 2007/2015, S. 108Cornelius Torp (Hrsg.): Aufbruchstimmung. Die Universität Bremen und das Projekt Hochschulreform, Göttingen 2023, S. 38

Am 30. September 1948 wurde im Camp Grohn das Interzonal Embarkation Center eingerichtet. Das Auswandererlager verfügte über eine Kapazität von 3500 Plätzen. Aus vielen Lagern für Displaced Persons wurden in Bremen Menschen kurzfristig aufgenommen, um sie hauptsächlich per Schiff in die gewünschten Zielländer zu bringen. Die International Refugee Organization (IRO) übernahm das Lager am 30. September 1950. Es wurde noch bis in die zweite Jahreshälfte 1951 betrieben.

Zwischen Dezember 1951 und Januar 1955 befanden sich Teile der 307th Replacement Depot Group in Camp Grohn. Von Juli bis Dezember 1952 war aus Sonthofen das 320th Replacement Battalion nach Camp Grohn verlegt.

Bundeswehr Nach der Übernahme des Standortes durch die Bundeswehr 1955 erfolgten umfassende Renovierungsarbeiten in der Kaserne. Als im März 1956 der Aufstellungsbefehl für das Panzeraufklärungslehrbataillon und das Panzerjägerlehrbataillon in der Flak-Kaserne erging, die der in der Tirpitz-Kaserne in Gröpelingen zu bildenden Schule für die Panzeraufklärungs- und Panzerjägertruppe Bremen dienen sollten, waren die Bauarbeiten in dem Objekt noch nicht abgeschlossen. Am 15. Juni und am 1. Juli 1956 traten die ersten Rekruten ihren Dienst an. Helmut R. Hammerich, Dieter H. Kollmer, Martin Rink, Michael Poppe, Rudolf J. Schlaffer: Das Heer 1950 bis 1970: Konzeption, Organisation und Aufstellung. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2006, S. 257 Im April 1958 wurden beide Bataillone aus der Kaserne abgezogen. Ab 1956 stellten in der Kaserne weitere Einheiten auf, die jedoch kurz nach ihrer Bildung an andere Standorte verlegt wurden. Erst im April 1959 kam mit dem Umzug der Quartiermeisterschule eine Dienststelle in die Kaserne, die hier mit ihren Nachfolgeeinrichtungen über Jahrzehnte stationiert bleiben sollte.

Folgende Stäbe, Verbände, Einheiten und Dienststellen der Bundeswehr waren in der Flak- und späteren Roland-Kaserne in Bremen stationiert: