Felix H. Hinssen (* 1899 in Danzig; † 1983; vollständiger Name: Felix Hinz Hinssen) war ein deutscher Architekt und Kirchenbaumeister. Ende der 1920er Jahre gehörte er gemeinsam mit Theo Kellner zu den prägenden Vertretern des Neuen Bauens in Erfurt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Hinssen in den frühen 1950er Jahren maßgeblich am Wiederaufbau und Neubau katholischer Kirchen im Bistum Berlin beteiligt. Im Laufe jenes Jahrzehnts widmete er sich vor allem dem Entwurf von Wohnbauprojekten im Stil der Moderne.

Leben und Werk Felix H. Hinssen studierte in den 1920er Jahren Architektur an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg. Zu seinen Lehrern gehörten unter anderem Hans Poelzig und Otto Bartning.Andreas Miadowicz: Unterschutzstellungsverfahren – Eintragungstext Kath. Kirche Christus König. Stadt Duisburg, Untere Denkmalbehörde, 1. Juli 2021. Weitere Studiensemester absolvierte er in München und Breslau. Während des Studiums lernte er Theo Kellner kennen. Gemeinsam gründeten sie 1927 die Architektengemeinschaft „Atelier für Architektur“ mit Büros in Erfurt und Berlin. Sie galten als „lokale Vorreiter der neuen Baukunst in Thüringen“ und prägten maßgeblich die moderne Architektur in den 1920er Jahren in Erfurt. Hinssen und Kellner sind unter anderem für den Verwaltungssitz der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) in Augustinerstraße verantwortlich, für den der Bildhauer Hans Walther die Skulpturen am Portal beisteuerte. Das AOK-Gebäude gehört zu den bemerkenswertesten Bauwerken des Neuen Bauens in Thüringen.

1931 schied Hinssen aus der Bürogemeinschaft mit Kellner aus und zog nach Oberschlesien. Dort arbeitete er zunächst für die „Ostdeutschen Werkstätten für Christliche Kunst“ in Neisse und übernahm später deren Leitung. Ab 1936 widmete Hinssen sich dem Kirchenbau. In dieser Zeit entstanden nach seinen Plänen zwei Kirchen in Oberschlesien. Außerdem war er an Umbaumaßnahmen der Kirche St. Sebastian in Berlin-Gesundbrunnen beteiligt.

Von 1946 bis zum Ende der 1950er Jahre war Hinssen Diözesanbaurat des Bistums Berlin. In dieser Funktion lagen der Wiederaufbau sowie der Neubau zahlreicher katholischer Kirchen in Berlin in seiner Verantwortung. Die Wiederherstellungen erfolgten häufig in vereinfachter oder von Hinssen veränderter Form. Zu seinen wichtigsten Werken dieser Zeit zählt die Kirche St. Rita in Berlin-Reinickendorf, die von 1951 bis 1952 entstand. Sie gilt als der erste vollständig neu geplante katholische Kirchenneubau in Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg.

Neben seiner Tätigkeit für das Bistum Berlin wirkte Hinssen in den 1950er Jahren auch an bedeutenden Wohnungsbauprojekten mit. Er war unter anderem an der Planung und Errichtung der Ernst-Reuter-Siedlung führend beteiligt und leitete den Bau der nach Plänen von Architekt Le Corbusier entstandenen Unité d’habitation Typ Berlin, die als Corbusierhaus bekannt ist.

Leben und Werk von Felix H. Hinssen sind bislang nur in Teilen wissenschaftlich erforscht. Neben den beschriebenen Projekten ist im Werk von Hinssen die katholische Kirche Christus König in Duisburg hervorzuheben, sein einzig bekanntes Gebäude in Westdeutschland. Zahlreiche seiner Bauwerke stehen heute unter Denkmalschutz.

Bauwerke (Auswahl)

Bauzeit Bezeichnung Lage Anmerkungen Verweise Bild 1928–1929 AOK-Verwaltungsgebäude Erfurt-AltstadtAugustinerstraße 38 zusammen mit Theo Kellner 30x30px|Kulturdenkmal in ErfurtNr. unbekannt 80x80px|AOK-Verwaltungsgebäude, Erfurtweitere Bilder 1928–1930 Haus für alleinstehende berufstätige Frauen, Altenheim und Lehrlingsheim Erfurt-LöbervorstadtWindthorststraße 43/43aFriedrich-List-Straße 20 zusammen mit Theo Kellner 30x30px|Kulturdenkmal in ErfurtNr. unbekannt 80x80px|ehem. Haus für alleinstehende berufstätige Frauen, Erfurtweitere Bilder 1929–1930 Erwo-Block Erfurt-KrämpfervorstadtCarmerstraße 6Dresdener Straße 1/2/6Hallesche Straße 14Reißhausstraße 15/16/17/18/19 zusammen mit Theo Kellner 30x30px|Kulturdenkmal in ErfurtNr. unbekannt 80x80px|Erwo-Block, Erfurtweitere Bilder 1930–1931 Umgestaltung der Wolff’schen Villa Erfurt-AltstadtRegierungsstraße 43 zusammen mit Theo Kellner und Charles Crodel; Umbau und Renovierung des Stadthauses Wolff von 1875 30x30px|Kulturdenkmal in ErfurtNr. unbekannt 80x80px|Umgestaltung Villa Wolff, Erfurtweitere Bilder 1936–1937 St. Antonius ZdzieszowiceChrobrego 5 80x80px|St. Antonius, Zdzieszowiceweitere Bilder 1937–1938 St. Josef Racibórz-OciceGdańska 70 30x30px|Kulturdenkmal in PolenNr. A/366/12 80x80px|St. Josef, Racibórzweitere Bilder 1938–1939 St. Sebastian Berlin-GesundbrunnenGartenplatz Umgestaltung des Innenraums zusammen mit Heinrich Schelhasse 30x30px|Kulturdenkmal in BerlinNr. 09030374 80x80px|St. Sebastian, Berlinweitere Bilder 1950–1951 St. Johannes Evangelist Berlin-SteglitzSembritzkistraße 19 neues Kirchengebäude auf dem Fundament des 1943 im Zweiten Weltkrieg zerstörten Vorgängerbaus, erster neu konsekrierter Kirchenneubau in Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg 30x30px|Kulturdenkmal in BerlinNr. 09065655 80x80px|St. Johannes Evangelist, Berlinweitere Bilder 1950–1952 St. Franziskus Berlin-FriedrichshagenScharnweberstraße 9/10 Wiederaufbau 30x30px|Kulturdenkmal in BerlinNr. 09045649 80x80px|St. Franziskus, Berlinweitere Bilder 1950–1952 St. Laurentius Berlin-MoabitBandelstraße 40 vereinfachter Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg 80x80px|St. Laurentius, Berlinweitere Bilder 1951–1952 St. Rita Berlin-ReinickendorfGeneral-Woyna-Straße 55 der erste vollkommen neu errichtete katholische Sakralbau nach 1945 in Berlin 80x80px|St. Rita, Berlinweitere Bilder 1951–1953 St. Fidelis Berlin-TempelhofRöblingstraße 107 veränderter Wiederaufbau der Friedhofskirche 80x80px|St. Fidelis, Berlinweitere Bilder 1952 St. Matthias Berlin-SchönebergWinterfeldtplatz vereinfachter Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg 30x30px|Kulturdenkmal in BerlinNr. 09066735 80x80px|St. Matthias, Berlinweitere Bilder 1952–1953 St. Joseph Groß Kreutz (Havel)-JeserigPotsdamer Landstraße 20/21 30x30px|Baudenkmal in Groß Kreutz (Havel)Nr. 09191020 80x80px|St. Joseph, Jeserigweitere Bilder 1953 Christus König Duisburg-DellviertelJohanniterstraße 93 einzige Kirche von Hinssen in Westdeutschland 30x30px|Baudenkmal in DuisburgNr. 715 80x80px|Christus König, Duisburgweitere Bilder 1953–1955 Ernst-Reuter-Siedlung Berlin-GesundbrunnenErnst-Reuter-Siedlung 1–20Ackerstraße 123/124/125/131 zusammen mit Peter Matischiok 30x30px|Kulturdenkmal in BerlinNr. 09030326 80x80px|Ernst-Reuter-Siedlung, Berlinweitere Bilder 1955 Allerheiligenkirche Berlin-BorsigwaldeRäuschstraße 20 30x30px|Kulturdenkmal in BerlinNr. 09012251 80x80px|Allerheiligenkirche, Berlinweitere Bilder 1955–1956 St. Aloysius Berlin-WeddingSchwyzer Straße 2 30x30px|Kulturdenkmal in BerlinNr. 09030428 80x80px|St. Aloysius, Berlinweitere Bilder 1956 Wohnblock mit Hochhaus Berlin-HalenseeKurfürstendamm 120/121/122Nedlitzer Straße 2/4/6 80x80px|Wohnblock Kurfürstendamm/Nedlitzer Straße, Berlin 1956 Jugendheim Berlin-WestendFlatowallee 24 in Zusammenhang mit „Unité d’habitation“ entstanden; heute Kindergarten 30x30px|Kulturdenkmal in BerlinNr. 09040533 80x80px|ehem. Jugendheim, Berlin-Westend 1956–1958 Unité d’habitation Berlin-WestendFlatowallee 16 Bauleitung; Architekt: Le Corbusier 30x30px|Kulturdenkmal in BerlinNr. 09040533 80x80px|Unité d’habitation, Berlinweitere Bilder 1956–1958 Apartmenthochhaus Berlin-GrunewaldHubertusallee 6/8 30x30px|Kulturdenkmal in BerlinNr. 09046453 80x80px|Apartmenthochhaus Hubertusallee 6/8, Berlinweitere Bilder 1959 St. Ludgerus Berlin-TiergartenPotsdamer Straße 94 veränderter Wiederaufbau inkl. neuer Eingangsfassade und Vorderhaus 80x80px|ehem. St. Ludgerus, Berlinweitere Bilder 1967–1968 Wohnhochhaus Berlin-LankwitzMudrastraße 29 80x80px|Wohnhochhaus Mudrastraße 29, Berlin

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