mini|Tatort war der Hauptplatz im Bereich des Prangers (2011) mini|Gedenkstätte am Tatort Unterer Hauptplatz (2025)
Der Messerangriff in Villach war ein am 15. Februar 2025 begangener islamistischer Terroranschlag in Villach im österreichischen Bundesland Kärnten, von dem sechs Personen betroffen waren. Ein 14-Jähriger wurde getötet. Der Angreifer, ein zum Tatzeitpunkt 23-jähriger aufenthaltsberechtigter syrischer Kurde, wurde am 27. Mai 2026 zu Lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt.
Tathergang Der 23-jährige syrische Staatsbürger Ahmad G. stach ab 15:51 Uhr in der Innenstadt mit einem Klappmesser von 10 cm Klingenlänge wahllos auf Passanten ein und soll laut Zeugen dabei Allahu akbar gerufen haben. Er tötete eine Person und verletzte fünf weitere Personen teils lebensgefährlich, wobei drei der Opfer auf der Intensivstation behandelt werden mussten. Laut Anklage habe die gesamte Tat nur rund 84 Sekunden gedauert.Lebenslange Haft für Angeklagten
Ein vorbeifahrender, ebenfalls aus Syrien stammender, 42-jähriger Essenslieferant bemerkte das Geschehen und rammte mit seinem Auto den Täter, wodurch nach Aussagen der Polizei Schlimmeres verhindert wurde. Ein Augenzeuge berichtete, wie der Angreifer durch den Aufprall auf das Auto ein paar Meter weggeschleudert wurde und das Messer fallen ließ. Er habe dann dagesessen, bis die Polizei gekommen sei. Von Personen vor Ort wurde der Essenslieferant für einen Angreifer gehalten, daher begannen diese auf sein Auto einzuschlagen. Er fuhr langsam weiter, parkte sein Auto ein und rief anschließend die Polizei. Augenzeugen schilderten, dass der Täter bei seiner Verhaftung Polizisten verhöhnt haben soll. Durch die Medien ging ein Foto von der Festnahme viral. Es zeigt den Täter lachend auf der Bank unter der Replik des Villacher Prangers mit erhobenem Zeigefinger, daneben eine Polizistin mit gezogener Dienstwaffe. Kurz darauf wurde der Mann festgenommen.
Ermittlungen und Strafprozess Laut der Staatsanwaltschaft Klagenfurt wurden Ermittlungen wegen Mordes und versuchten Mordes in Zusammenhang mit terroristischen Straftaten eingeleitet. Sie wurden vom Landesamt Staatsschutz und Extremismusbekämpfung gemeinsam mit dem Landeskriminalamt Kärnten geführt.Anja Kröll: Messerattentat in Villach mit einem 14-jährigen Toten dürfte islamistischer Anschlag gewesen sein in Salzburger Nachrichten vom 16. Februar 2025
Ermittlern zufolge wurde die Tat von einem islamistischen Attentäter begangen.Messerangriff in Villach hatte islamistisches Motiv bei tagesschau.de vom 16. Februar 2025 Bei der Durchsuchung der Wohnung des Tatverdächtigen stellte die Polizei an der Wand aufgehängte Fahnen der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) fest.Angelika Wienerroither: Messerattentat in Villach: Innenminister kündigt anlasslose Massenüberprüfungen an in Salzburger Nachrichten vom 16. Februar 2025 Nach Ermittlungen der Polizei hat er sich innerhalb kürzester Zeit über das Internet islamistisch radikalisiert, zuvor war er nicht polizeibekannt. Der Täter soll angeblich einen Treueschwur auf den IS oder eine andere dschihadistische Organisation geleistet haben.Messerangriff in Villach „islamistischer Anschlag mit IS-Bezug“ derstandard.at, 16. Februar 2025
Am 19. Februar 2025 verhängte das Landesgericht Klagenfurt die Untersuchungshaft über Ahmad G. wegen des dringenden Tatverdachts des Mordes und Mordversuchs aus den Haftgründen der Flucht- und Tatbegehungsgefahr. Ahmad G. hatte vor dem Richter keine Angaben zum Tatgeschehen gemacht, die U-Haft akzeptiert und keine Beschwerde eingelegt.U-Haft über Attentäter von Villach verhängt Die U-Haft wurde mehrfach verlängert und blieb bis zur Anklageerhebung aufrecht.U-Haft für mutmaßlichen Villach-Attentäter verlängertNach Anschlag in Villach: U-Haft verlängert
Im Dezember 2025 erhob die Staatsanwaltschaft Klagenfurt schließlich Anklage wegen terroristischer Straftaten (Mord und versuchter Mord), terroristischer Vereinigung und krimineller Organisation; sie geht davon aus, dass er die Tat verübte, um die Zivilbevölkerung im Sinne des Islamischen Staates einzuschüchtern."Anschlag in Villach: Staatsanwaltschaft Klagenfurt erhebt Anklage im Zusammenhang mit der terroristischen Straftat vom 15. Februar 2025" justiz.gv.at, 15. Dezember 2025
Die nur eintägige Verhandlung fand am 27. Mai 2026 unter hohen Sicherheitsvorkehrungen am Landesgericht Klagenfurt statt. Die Staatsanwaltschaft sprach von einer „Blitzradikalisierung“ des Täters, der nur vier Tage vor der Tat den Entschluss zum Angriff gefasst haben soll. Der Angeklagte zeigte vor Gericht keine Reue und erklärte, dass er sich weiterhin der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) verpflichtet fühle. Sein Ziel sei es sogar gewesen, noch mehr Menschen zu töten. Laut den Gutachtern stand der Angeklagte zum Zeitpunkt der Tat nicht unter dem Einfluss von Alkohol oder anderen Drogen und wurde als zurechnungsfähig eingestuft.Urteil gefällt – Lebenslange Haft für Villacher Attentäter Nach nur rund einstündiger Beratung der Geschworenen wurde Ahmad G. einstimmig des Mordes, des fünffachen Mordversuchs und terroristischer Straftaten für schuldig befunden und zu Lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt.Lebenslange Haft für Angeklagten
Opfer Der bei dem Angriff getötete 14-Jährige stammte aus dem Raum Villach, hatte dort das Peraugymnasium besucht und war zum Zeitpunkt der Tat Schüler an der HTL1 Lastenstraße Klagenfurt. Fünf weitere männliche Personen im Alter von zweimal 15 sowie 28, 32 und 36 Jahren wurden teils schwer verletzt, darunter vier österreichische und ein türkischer Staatsbürger.Trauerminuten, schwarze Flaggen, Polizei in Schulen: „Es herrscht große Trauer und Betroffenheit“Was man über das Attentat in Villach bisher weiß
Sprecher der Staatsanwaltschaft und des Krankenhausbetreibers KABEG teilten mit, dass die beiden 15-jährigen Opfer schwerste Verletzungen am Bauch und der Herzgegend erlitten hätten, wobei auch Dauerfolgen nicht ausgeschlossen wurden. Nach Notoperationen im Klinikum Klagenfurt befanden sie sich jedoch außer Lebensgefahr.Villach-Terrorist stach Opfer ins HerzAttentats-Opfer auf Normalstation verlegt – zwei weitere auf IntensivZwei 15-Jährige nach Villach-Terror weiterhin auf Intensivstation Zwei der erwachsenen Opfer wurden durch Messerstiche schwer verletzt; einer der Männer hatte einen Durchstich des Unterarmes erlitten. Ein weiteres Opfer, das laut Staatsanwaltschaft eine leichte Schnittverletzung erlitten hatte, habe eine Behandlung abgelehnt.Neue Erkenntnisse zu AttentatAnschlag in Villach: So geht es den Opfern Alle Verletzten konnten bis innerhalb der ersten Märzwoche 2025 aus dem Krankenhaus entlassen werden.Stand Villach-Attentäter unter Drogen? Gutachten liegt jetzt vor
Täter Nach Angaben des Innenministeriums wollte der Tatverdächtige Ahmad G. 2020 über Österreich nach Deutschland reisen, wo sich seine Familie aufhalten soll. In Freilassing wurde ihm aber die Einreise verweigert, weil er kein gültiges Dokument vorweisen konnte. Er stellte daraufhin im September 2020 einen Antrag auf internationalen Schutz in Österreich. Sein Asylansuchen habe er mit der Angst begründet, in seiner syrischen Heimat zum Militär eingezogen zu werden und dann Kriegsverbrechen begehen zu müssen. Er wohnte in Villach in einer Privatwohnung und war zunächst berufstätig, verlor diesen Job jedoch und bezog in den letzten Monaten vor der Tat Notstandshilfe.Villach-Attentäter wird Asylrecht in beschleunigtem Verfahren aberkannt
Das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) teilte in einer Stellungnahme mit, dass Ahmad G. im Jänner 2021 in erster Instanz der Asylstatus zuerkannt wurde. Dem BFA waren bis dahin keine kriminalpolizeilichen Anzeigen oder strafrechtlichen Verurteilungen durch österreichische Behörden bekannt. Auch die europaweiten Datenbanken EURODAC und SIS hätten keinerlei Hinweise ergeben, dass G. in einem anderen EU-Mitgliedstaat einen Asylantrag gestellt habe oder straffällig geworden wäre. Unmittelbar nach dem Anschlag in Villach wurde vom BFA noch am selben Tag ein Asyl-Aberkennungsverfahren eingeleitet, welches jedoch erst bei Vorliegen einer rechtskräftigen Verurteilung erfolgen könne.Stellungnahme zum Verfahren des Attentäters von Villach
Die Staatsanwaltschaft Traunstein (Bayern) teilte auf Nachfrage mit, dass der Tatverdächtige am 22. September 2020 über den Bahnhof Freilassing nach Deutschland einreiste, wo er sich bei einer vorgelagerten Grenzkontrolle mit einer totalgefälschten spanischen Identifikationskarte auswies. Seine Einreise sei daraufhin unterbunden worden und es wurde von der Staatsanwaltschaft Traunstein am 21. Januar 2021 ein Strafbefehl wegen unerlaubter Einreise und Urkundenfälschung beantragt, welcher vom Amtsgericht Laufen wenig später erlassen wurde. Weil Ahmad G. die geforderte Geldstrafe von 700 Euro nicht bezahlte, wurde am 22. Februar 2021 die Vollstreckung einer Ersatzfreiheitsstrafe angeordnet und ein Vollstreckungshaftbefehl erlassen. Aufgrund dieser Ausschreibung wurde Ahmad G. am 12. April 2024 in Erfurt festgenommen. Weil er nach wie vor nicht bezahlen konnte, verbüßte er vier Tage der Ersatzfreiheitsstrafe in den Justizvollzugsanstalten Tonna und Goldlauter (beide in Thüringen). Am 15. April 2024 bezahlte er die noch offene Geldstrafe und wurde aus der Haft entlassen. Damit war die Vollstreckung in dem Verfahren beendet.Täter von Villach saß in deutschem Gefängnis – wollte von Österreich nach DeutschlandTäter von Villach saß in deutschem Gefängnis – wollte von Österreich nach Deutschland
Reaktionen Der österreichische Innenminister Gerhard Karner äußerte, dass der Messerangriff ein islamistischer Anschlag mit IS-Bezug sei.
Christian Stocker, geschäftsführender Bundesparteiobmann der ÖVP, sagte, man müsse „politisch alle Hebel in Bewegung setzen, dass solche Horrortaten in Zukunft verhindert werden können“. Der Vorsitzende der FPÖ Herbert Kickl warb für eine restriktive Migrationspolitik unter dem Schlagwort „Festung Österreich“.Passanten mit Messer angegriffen: Attentäter soll IS-Bezug gehabt haben in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 16. Februar 2025
Neben europäischen Nachrichtenportalen wurde weltweit über die Tat berichtet, u. a. in den USA und Indien.Internationale Medien: Die ganze Welt fühlt mit Villach mit bei 5min.at vom 15. Februar 2025
Am 18. Februar 2025 fand in Villach ein Trauermarsch mit 4000 Teilnehmern, darunter Spitzenpolitiker und Kirchenvertreter, und anschließendem Gottesdienst statt.