Unsichtbare Tage oder Die Legende von den weißen Krokodilen ist ein deutscher dokumentarischer Essayfilm von Eva Hiller aus dem Jahr 1991. Hiller ist auch Drehbuchautorin und Produzentin. Der Film zeigt das nächtliche Leben in der Großstadt. Im Zentrum stehen die technische Infrastruktur und die Einsamkeit der Menschen. Uraufgeführt wurde der Film im Oktober 1991 auf den 25. Internationalen Hofer Filmtagen. Auf der Berlinale 2024 erschien er in der Reihe „Retrospektive“ erstmals in einer digital restaurierten Fassung.

Inhalt und Bezugnahmen

Gezeigt werden verschiedene Infrastruktureinrichtungen in den Großstädten Berlin und Frankfurt am Main bei Nacht, zum Beispiel eine Verkehrsleitzentrale, der Frankfurter Flughafen, eine Notaufnahme, eine Kläranlage und Waschsalons. Die Aufnahmen illustrieren das Leben in der Nacht, das sich deutlich vom Leben am Tag unterscheidet. Eine wesentliche Rolle spielt dabei das Licht. Im Dunkel der Nacht steht es für Sicherheit und Orientierung, sein Fehlen löst dagegen Unsicherheit und Furcht aus.

Eine weibliche Stimme gibt die Gedanken einer Frau wieder, die in einer fremden Wohnung auf einen Mann wartet. Darin geht es auch um die Legende von den weißen Krokodilen. Sie besagt, dass Reptilien in die Kanalisation gespült wurden. Im Dunkel der unterirdischen Gänge sind sie farblos und blind geworden, können sich aber, mangels natürlicher Feinde, ungehindert ausbreiten. Einst werden sie ihren Platz in der Welt beanspruchen.

Eine Botschaft des Essayfilms lautet: „Es muss Nacht sein, damit es Tag werden kann.“ Kritisiert wird, dass der Kapitalismus den Arbeitstag verlängert, es daher nicht mehr vollends Nacht werden kann und damit die notwendige Unterbrechung des Tagwerks verschwunden ist. Ein anderes Anliegen ist es, die Einsamkeit der Menschen als „Produkt der Moderne“ darzustellen.

Die Konzeption des Films erinnert an den rund 10 Jahre älteren Film Toute une nuit von Chantal Akerman. Im Unterschied zur Inszenierung der nächtlichen Dynamik bei Akerman hebt Hiller die Monotonie nächtlicher Abläufe in der Großstadt hervor. Darin steht Unsichtbare Tage in einer Tradition zu Fritz Langs expressionistischem Stummfilm Metropolis.

Im Auftrag der Deutschen Kinemathek wurde der Film 2023 in 4K-Auflösung digitalisiert und von der BASIS BERLIN Filmproduktion GmbH in 2K-Auflösung restauriert. Grundlage dafür waren das 35-mm-Originalnegativ und die 17,5-mm-Mischung.

Zitat

Rezensionen

Auszeichnungen Hessischer Filmpreis 1991: beste Kamera (Thomas Mauch) und bester Ton (Michael Busch)

Weblinks

Anfang des Films (5 Min.) bei filmportal.de

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 1991 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Dokumentarfilm