Die Einzelhandelsboykotte in Südosteuropa 2025 sind eine Reihe von Konsumentenboykotten gegen Einzelhandelsgeschäfte in Südosteuropa, die seit Ende Januar 2025 durchgeführt werden. Die Boykotte begannen am 24. Januar in Kroatien als Reaktion auf überzogene Einzelhandelspreise im ganzen Land. Danach breiteten sich die Boykotte in Serbien, Montenegro, Bosnien und Herzegowina, Nordmazedonien, Slowenien, Albanien, Rumänien, Bulgarien, Kosovo und Ungarn aus. In der Zwischenzeit gibt es in der Slowakei, Griechenland und Tschechien Pläne für Boykotte.
In den Boykotten wird großen Einzelhandelsketten vorgeworfen, sich an illegalen Preisabsprachen zu beteiligen. Eine weitere Rolle spielten die steigenden Lebensmittelpreise und Lebenshaltungskosten in der gesamten Region, die durch verschiedene wirtschaftliche Faktoren verursacht wurden. Die Boykotte erfahren eine breite öffentliche Unterstützung.
Hintergrund Die Preise in Kroatien waren im Vorfeld des Boykotts stark angestiegen, sodass Gehälter und Renten nicht mehr ausreichten. Der allgemeinen Preisanstieg verschärfte sich aufgrund der Inflation, die COVID-19-Pandemie und insbesondere durch den Beitritt Kroatiens in die Eurozone. Zudem wurde die Lage mit einer seit Jahren schrumpfende landwirtschaftliche Produktion, der starken Abhängigkeit von Importen und des Tourismus sowie den wenig effektiven Beamtenapparat. Außerdem kämpft das Land mit einer alternden Bevölkerung und der seit Jahrzehnten kontinuierlichen Auswanderung junger Menschen, welche zu einem Mangel an Arbeitskräften führt. (Weitere Ausführung unten bei Zweite Protestwelle nicht ausgeschlossen).
Verlauf Beginn in Kroatien Erstmals rief die Facebook-Gruppe Halo, inspektore im Januar 2025 zu Massenprotesten auf. Die Proteste und Boykotte nahmen ihren Lauf am 24. Januar in Kroatien und breiteten sich von den Großstädten bis in die Dörfer aus. Bürgerinnen und Bürger organisierten sich über Facebook und begannen mit einem eintägigen Boykott von Lebensmitteln wie Brot, Nudeln oder Fleisch. Ihr Protest wurde mittlerweile von Konsumentenverbänden, Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen und einer großen Mehrheit der Bevölkerung unterstützt. Innerhalb einer Woche breitete sich der Boykott auf andere südosteuropäische Länder wie Serbien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro und Nordmazedonien aus.
Folgen für Supermarktketten In den folgenden Tagen gingen die Besucherzahlen in den Supermärkten großer Ketten, wie Konzum auf weniger als die Hälfte der regulären Besucherzahlen zurück. Die kroatische Finanzbehörde meldete Umsatzeinbußen im Einzelhandel von 53 Prozent, weitere Länder verzeichneten ähnliche Werte von 42 Prozent. Um dennoch an Lebensmittel zu gelangen, fuhren grenznahe Kroaten zum Einkaufen nach Slowenien.
Ausweitung des Boykott Politische Oppositionelle kritisierten die Regierungen, die für die „Teuerungswelle“ verantwortlich seien und keine Gegenmaßnahmen ergreifen. Zeitgleich wurde dazu aufgerufen, Produkte der Coca Cola Company nicht mehr zu kaufen sowie Spühl- und Waschmittel zu boykottieren.
Gesetzliche Preisreduzierung in Kroatien Quelle: Thomas Roser Gesetzlich: Anfang Februar wurde eine Liste, welche 30 Grundnahrungsmittel umfasste veröffentlicht. Diese regelt den Höchstpreis, der für die jeweiligen Produkte verlangt werden darf bis heute und hängt im Eingang jedes Supermarktes.
Kaufland: Am 5. Februar veröffentlichte Kaufland eine Liste, die den Preis von 1000 Produkte dauerhaft festlegen würde. Zudem sollen 1800 weitere Produkte wöchentlich zu verminderten Preisen angeboten werden.
Konzum: Konzum erweiterte die dauerhafte Preissenkung 30 Grundnahrungsmittel auf 70. Zudem wurden über 250 einheimische Produkte bis mindestens Juli verbilligt.
Tommy: Alle letzten Preissteigerungen, die in Tommy-Filialen vorgenommen wurden, wollte Tommy möglichst rückgängig machen.
Reaktionen in anderen Staaten Quelle: Grande Consumo Serbien Der Verbraucherverband Efektiva unterstützte die Boykottwelle und übte Druck auf Einzelhändler aus. Die serbische Handelskammer kritisierte fehlende Investitionen und Zusammenhalt einzelner Teilnehmer.
Montenegro Premierminister Milojko Spajić sprach sich für die Protestwelle aus und übte Druck auf Einzelhandelsketten aus, sodass diese als Reaktion Preisnachlässe auf verschiedene Produkte zumindest temporär anboten.
Nord-Mazedonien Die regierende Partei VMRO-DPMNE sprach sich ebenfalls für die Protestwelle aus.
Folgen Als Folge der internationalen Protestwelle wurden die Lebensmittelpreise zunächst bezahlbarer. Dennoch empfindet mehr als die Hälfte der Bürger die Preise für zu hoch. Serbiens Lebensmittelpreise liegen heute nah am EU-Durchschnitt, während das durchschnittliche Einkommen deutlich unter dem EU-Durchschnitt liegt. Ähnlich verhält sich dies in den anderen Nicht-EU-Ländern, die an den Boykotten teilnahmen. Die Boykottwelle wird besonders in Nachbarländern weitestgehend als Erfolg angesehen, da die Auswirkungen auf die Konzerne deutlich spürbar waren.
Zweite Protestwelle nicht ausgeschlossen Während Kroatiens Inflationsdurchschnitt 4,8 % beträgt, liegt der EU-Durchschnitt mit 2,5 % bei fast der Hälfte. Einheimische beklagen in besonders touristischen Regionen eine hohe Preissteigerung seit der Euro Einführung. Da die kroatische Wirtschaft derzeit zwei bis drei Mal so schnell wie der EU-Durchschnitt wächst aber gleichzeitig besonders viele Arbeitskräfte fehlen. Lohnerhöhungen scheinen Experten nicht schnell genug, sodass sich die Preissteigerung der Lebensmittel nicht mit den Lohnerhöhungen nicht deckt. Zudem erwirtschaftet beispielsweise Konzum 38 Monate nach den Boykotten fortlaufend mehr realen Umsatz. (Stand: September 2026)
Einzelnachweise
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