Das Museum Berlin-Karlshorst ist ein Museum und Baudenkmal in der Zwieseler Straße 4 im Berliner Ortsteil Karlshorst. Dort wurde am 8. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht ratifiziert und der Zweite Weltkrieg in Europa beendet. Mittelpunkt des Museums ist der Saal des Offizierskasinos, in dem die Unterzeichnung stattfand. Als einziges Museum in Deutschland wird mit einer ständigen Ausstellung an den Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion erinnert, der als Deutsch-Sowjetischer Krieg 1941–1945 in die Geschichte einging. In der ehemaligen Sowjetunion bzw. deren Nachfolgestaaten ist dieser als „Großer Vaterländischer Krieg“ bekannt. Die gesamte Anlage wurde ab 1936 als Festungspionierschule errichtet und diente während und nach der Schlacht um Berlin als Hauptquartier der Roten Armee.
Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.
Geschichte Am 7. Mai 1945 unterzeichnete im Obersten Hauptquartier der Alliierten Expeditionsstreitkräfte in Reims der hierfür von Karl Dönitz autorisierte Generaloberst Alfred Jodl eine Urkunde über die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht. Diese trat am 8. Mai um 23:01 Uhr MEZ in Kraft.Da im Deutschen Reich die Sommerzeit galt, war der Waffenstillstand tatsächlich am 9. Mai ab 0:01 Uhr, hierzu Kapitulationserklärung: Das Papier, das den Krieg beendete. In: Spiegel Online, 8. Mai 2005. Da diese militärische Kapitulation lediglich von Jodl, nicht aber von den Oberbefehlshabern der einzelnen Teilstreitkräfte der deutschen Wehrmacht unterzeichnet worden war, wurde vereinbart, ein zweites Dokument dieser Kapitulation von Vertretern des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) sowie den Oberbefehlshabern von Heer, Luftwaffe und Kriegsmarine gegenzeichnen zu lassen. (Museum Karlshorst).
mini|Historischer Kapitulationssaal mini|Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel unterzeichnet am 8. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht im Hauptquartier der Roten Armee
Daraufhin unterzeichneten am 8. Mai 1945 kurz vor null Uhr Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel für das Oberkommando der Wehrmacht und das Heer, Generaladmiral Hans-Georg von Friedeburg für die Kriegsmarine und Generaloberst Hans-Jürgen Stumpff für die Luftwaffe im Offizierskasino, im großen Speisesaal der Heerespionierschule der Wehrmacht in Berlin-Karlshorst, die ratifizierende Kapitulationsurkunde, die am 9. Mai nach null Uhr in Kraft trat. Für das sowjetische Oberkommando unterschrieben Marschall Georgi Schukow sowie für das SHAEF Marschall Arthur Tedder. Als Zeugen gaben der französische General Jean-Marie de Lattre de Tassigny sowie US-General Carl Spaatz ihre Unterschriften.
mini|Gedenktafel am Gebäude
Ab Mai 1945 diente das Haus zunächst als Amtssitz des Chefs der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD). Der erste Chef Marschall Schukow und seine Nachfolger residierten im ehemaligen Klubraum des Offizierskasinos. Von 1949 bis 1953 wurde das Gebäude als Sitz der nach der Gründung der DDR geschaffenen Sowjetischen Kontrollkommission genutzt. Von 1953 bis 1954 residierte der sowjetische Hohe Kommissar im Gebäude des jetzigen Museums Berlin-Karlshorst. Mit der Beendigung des Besatzungstatutes über die DDR am 25. März 1954 verlor dieser seinen Tätigkeitsbereich.
Namen des Gebäudes 1938–1945: Offizierskasino der Pionierschule I der Wehrmacht April 1945: Hauptquartier der 5. Stoßarmee der Belorussischen Front 1945–1949: Sitz der Sowjetischen Militäradministration 1949–1954: Sitz der Sowjetischen Kontrollkommission 1967–1986: Museum der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland 1986–1994: Museum der bedingungslosen Kapitulation des faschistischen Deutschlands im Großen Vaterländischen Krieg 1995–2022: Deutsch-Russisches Museum seit 2022:Museum Berlin-Karlshorst
Museum Im übrigen Europa und vor allem in Nordamerika steht der 8. Mai 1945 als VE-Day (Victory in Europe Day) für das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa. In dem würfelförmigen Gebäude, ursprünglich das Offizierskasino, wurde am 8. Mai 1945 kurz vor 24 Uhr die ratifizierende Urkunde über die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht unterzeichnet. Da in der Sowjetunion die Kapitulation erst nach diesem Akt bekanntgegeben wurde und, auch durch die Zeitverschiebung (siehe: Moskauer Zeit), das Inkrafttreten auf den 9. Mai fällt, wurden und werden in der Sowjetunion und deren Nachfolgestaaten die Feierlichkeiten zum Tag des Sieges erst an diesem Datum begangen, das dort gesetzlicher Feiertag ist.
Mit dem 20. Jahrestag des Kriegsendes 1965 setzte in der Sowjetunion eine museale Erinnerung an den Großen Vaterländischen Krieg ein. Auf dieser Grundlage kam es am 5. November 1967 zur Eröffnung des Museums der bedingungslosen Kapitulation des faschistischen Deutschland im Großen Vaterländischen Krieg im Gebäude des ehemaligen Offizierskasinos. Das Gebäude wurde als sowjetisches Museum auf deutschem Boden gegründet und war eine Außenstelle des Zentralmuseums der Streitkräfte der UdSSR in Moskau.
1975 entstand eine DEFA-Dokumentation zum Museum Das Haus in der Rheinsteinstraße.
mini|Beschriftung bis Mai 2022 Die mit der deutschen Wiedervereinigung (1990) getroffenen Vereinbarungen über den Abzug der sowjetischen Streitkräfte auf dem Gebiet der ehemaligen DDR enthielten einen am 9. November 1990 geschlossenen Freundschaftsvertrag. Darin war festgelegt worden, dass die Bundesrepublik Deutschland und die UdSSR an dem historischen Ort der deutschen Kapitulation in Berlin gemeinsam an die Geschichte des Deutsch-Sowjetischen Krieges und das Ende der nationalsozialistischen Herrschaft erinnern wollen. Das Museum wurde 1994 gemeinsam von der Bundesrepublik Deutschland und der Russischen Föderation in der Rechtsform eines Vereins gegründet. Danach kam es zu einer Umgestaltung und Neubenennung des früheren sowjetischen Museums. Es wurde im Mai 1995 als Deutsch-Russisches Museum eröffnet. 1997/1998 traten dem Verein die nationalen Weltkriegsmuseen der Ukraine und von Belarus als Mitglieder bei, ohne dass der Name des Museums geändert wurde. Vor dem Gebäude waren die Flaggen Deutschlands, Russlands, der Ukraine und von Belarus gehisst.
Angesichts des russischen Überfalls auf die Ukraine 2022 beschloss die Museumsleitung, in Zukunft den im Vereinsregister eingetragenen Namen Museum Berlin-Karlshorst zu verwenden, weil es unabhängig von deren Nationalität an alle sowjetischen Opfer des deutschen Vernichtungskrieges erinnert. Kulturstaatsministerin Claudia Roth kündigte am 8. Mai 2023 eine Änderung der Trägerschaft des Museums an.Wo Erinnerung zur Waffe wird sueddeutsche.de, 19. Juni 2023.
Infolge des russischen Angriffskrieges beteiligt sich das Museum an verschiedenen Projekten zur Unterstützung der Ukraine. Es ist Mitglied im Hilfsnetzwerk zur Unterstützung NS-Überlebender in der Ukraine und organisierte Hilfen für vom Krieg betroffene Museen und Sammlungen. Laut Recherchen der Welt besuchten prorussische Aktivisten wie die Nachtwölfe das Museum.
Dauerausstellung mini|Raum Die Sowjetunion im Krieg mini|links|hochkant|Eingangsbereich im Museum mini| Kapitulationserklärung der Deutschen Wehrmacht, 8. Mai 1945
Am 24. April 2013 wurde das Museum nach rund einem Jahr Schließung und einer grundlegenden Überarbeitung der Dauerausstellung wiedereröffnet.
Das Museum Berlin-Karlshorst zieht jährlich ca. 40.000 Besucher an und vermittelt auf ca. 1000 m² eine Vorstellung von der Geschichte der deutsch-sowjetischen Beziehungen von 1917 bis 1990. Im Mittelpunkt steht dabei der von 1941 bis 1945 dauernde Deutsch-Sowjetische Krieg als Teil des Zweiten Weltkriegs, insbesondere der Alltag von Soldaten und Zivilisten beider Seiten. Zentraler Ort der Dauerausstellung ist der im alten Zustand verbliebene ehemalige Speisesaal des Offizierskasinos, wo die Kapitulationsurkunde unterzeichnet wurde. Dort ist in einer Endlosschleife eine Filmaufnahme des damaligen Geschehens zu sehen. Neben den neuen, modern gestalteten Ausstellungsräumen sind auch Teile der alten Ausstellungen sowie Denkmäler aus sowjetischen Zeiten zu sehen, darunter auch das Diorama Sturm auf den Reichstag aus dem Jahr 1967 vom Künstler Michail Ananjew. Auf dem Außengelände befinden sich ein Denkmal, in das ein auf einem Podest aufgestellter sowjetischer T-34-Panzer integriert ist, sowie eine Sammlung von weiterem sowjetischen Militärgerät aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit. Schwerer Kampfpanzer IS-2 mit 122-mm-Kanone, Modell 1943 Gepanzerte Selbstfahrlafette ISU-152 mit 152-mm-Haubitze Jagdpanzer SU-100 mit 100-mm-Kanone, Modell 1944 Mehrfachraketenwerfer BM-13 „Katjuscha“ / „Stalinorgel“ auf Fahrgestell SIL-151 122-mm-Haubitze M-30, Modell 1938 76-mm-Geschütz SIS-3, Modell 1942 57-mm-Panzerabwehrkanone SIS-2, Modell 1943
Sonderausstellungen und andere Aktivitäten Das Museum Karlshorst zeigt pro Jahr zwei bis drei Sonderausstellungen. Hierfür steht seit Ende 1997 ein 100 m² großer Raum zur Verfügung. Schwerpunkte sind die Erinnerung an den Krieg sowie Themen der deutsch-sowjetischen Beziehungen, wie insbesondere Fotos aus dem Krieg, aber auch künstlerische fotografische Auseinandersetzungen mit der Thematik. Hierfür können die Mitarbeiter des Museums auf eine umfangreiche Sammlung zurückgreifen.
Ein Teil der Sonderausstellungen wurde bereits in anderen deutschen sowie russischen, ukrainischen und slowenischen Städten gezeigt.
Zu jeder Sonderausstellung veröffentlicht das Museum einen meist auch im Buchhandel erhältlichen Katalog in deutscher, russischer sowie englischer Sprache. Daneben organisiert es wissenschaftliche Tagungen bzw. Konferenzen sowie Studienreisen.
Im Auftrag der Bundesregierung (Kabinett Merkel II) richtete das Museum 2011 den zentralen Gedenktag zum 70. Jahrestag des „Unternehmens Barbarossa“, dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 aus. (PDF; 235 kB), Berlin-Karlshorst, 16. März 2011. Neben einem Gedenkkonzert in der Berliner Philharmonie erinnerten an dieses historische Datum auch eine bis Ende 2012 andauernde Veranstaltungsreihe, eine Wanderausstellung in Deutschland, der Europäischen Union und Russland sowie eine internationale Tagung zu Krieg und deutscher Besatzungspolitik in der UdSSR.
Initiative Gedenkort für die Opfer der NS-Lebensraumpolitik Das Museum Berlin-Karlshorst ist das einzige Museum in Deutschland, das mit einer Dauerausstellung an den Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion erinnert. Allerdings fehlt ein Gedenkort im Zentrum Berlins, der an die Millionen osteuropäischen NS-Opfer erinnert, die in Polen und der Sowjetunion der nationalsozialistischen Mordpolitik im Namen eines ‚deutschen Lebensraums‘ zum Opfer fielen.
Der langjährige Leiter des Karlshorster Museums, Peter Jahn, startete deshalb 2013 gemeinsam mit Daniel Ziemer und Florian WielerHomepage der Initiative. 2013 eine Initiative zur Errichtung eines zentralen Gedenkorts der NS-Lebensraum-Politik. Der AufrufAufruf für einen Ort der Erinnerung an die Opfer der NS-Lebensraumpolitik in Osteuropaauf (auf der Homepage der Initiative). wurde von namhaften Historikern wie Stefanie Schüler-Springorum, Michael Wildt und Peter Steinbach ebenso unterstützt wie von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wie Stephan Kramer, Lea Rosh, Egon Bahr und Walter Momper.