Der Jaʿar Schweiz (Die Plene-Schreibung buchstabiert sich so: .) ist ein Wald im Stadtgebiet von Tiberias. Wegen der Nähe zu Wohngebieten und der guten Aussicht über den See Genezareth ist er ein Naherholungsgebiet mit jährlich hunderttausenden Besuchen.ʿUzzi Eliyahu (), „ʿUzzi Eliyahu im Gespräch: «Nicht die Landschaft der Schweiz, aber die ihr Ähnlichste, die wir hier haben»“, in: Neuland, Bd. 61 ‹120 Jahre KKL-JNF› (23. Mai 2012), S. 14seq., hier S. 15.

mini|KKL-Namensstein am Mitzpor Jaʿar Schweiz, 2011

Lage Der Jaʿar Schweiz liegt auf der Westseite des Sees Genezareth im südwestlichen Weichbild der Stadt Tiberias. Er erstreckt sich am Steilhang, der den Übergang zwischen der untergaliläischen Ramat Porijja () und dem tief eingeschnittenen Syrisch-Afrikanischen Grabenbruch am See Genezareth bildet. Unten an der Nationalstraße 90 (Kvisch ) am Seeufer grenzt der Jaʿar Schweiz an den mit 13 metrischen Dunam kleinen Nationalpark Chammat Tverjah () von 1967.“” (19. Dezember 2022), auf: ; aufgerufen am 12. Februar 2025. Oben am Grat, dem Reches Porijja () liegt der Wald auf bis zu 200 Metern über dem Meeresspiegel und fällt dann über 1200 Meter Breite auf −170 Meter, also unter Meeresniveau, ab. Die Gesamtfläche des Jaʿar Schweiz beträgt etwa 3000 metrische Dunam und erstreckt sich über 3,5 km zwischen Tverjah ʿIllit im Norden, einem Stadtteil von Tiberias, und der Jugendherberge Porijja im Süden. Der Bewuchs ist lichter mediterraner Wald, noch längst nicht alle Flächen sind bewaldet.

Aus der Stadt im Norden bestehen mehrere Zugänge in den Wald, einige an größeren Straßen wie den Sderot Sappir (; in deren Südkurve), am Maʿaleh KKL () Ecke Derech haGvura () und vom Rechov Klil haChoresch () Ecke Rechov Chartzit (). Bei den Sderot Sappir erreicht der landesweite Fernwanderweg Schvil Jisraʾel von Norden kommend den Jaʿar Schweiz auf 170 Metern über Normalnull und durchmisst über sechs Kilometer Wegstrecke den Wald, bevor er ihn im Süden auf Meeresniveau beim ʿEin Porijja verlässt. Am ʿEin Porijja und der Herberge bestehen gut erschlossene Zugänge von der Regionalstraße 7677, die vom Ufer des Sees Genezareth hinauf nach Porijja ʿIllit Straße führt., Tel Aviv: , 2011, S. 75. ISBN 978-965-521-110-8. Viele kleinere Zugänge bestehen an mehreren Stellen aus allen Richtungen.

Geschichte

Die Geschichte des Jaʿar Schweiz durchlief vier Phasen. Die erste Aufforstung begann, als das Department of Agriculture & Forests des Government of Palestine 1927 die Steillage mit Setzlingen bepflanzen ließ. Nachdem kräftige Niederschläge 1934 dramatische Erdrutsche und eine Überschwemmung hinab in die Altstadt spülte, die 25 Menschen in Tiberias das Leben kostete, wurde die Aufforstung neu überdacht.

Mit 446 mm/m² Regen per annum ist Tiberias eher trocken, zudem verteilen sich die Niederschläge im Schnitt auf nur 31 Tage im Jahr. Daher sind Erdrutsche und Sturzfluten nur selten zu erwarten, aber eine nicht zu vernachlässigende Gefahr. Gemäß neuer Planung setzten Forstarbeiter schnell wachsende Baumarten hinzu, um einen Bewuchs einzuleiten, der bald Aufgaben eines Schutzwaldes übernehmen könnte.ʿUzzi Eliyahu (), „ʿUzzi Eliyahu im Gespräch: «Nicht die Landschaft der Schweiz, aber die ihr Ähnlichste, die wir hier haben»“, in: Neuland, Bd. 61 ‹120 Jahre KKL-JNF› (23. Mai 2012), S. 14seq., hier S. 14. Daher bestand Hoffnung, der Aufwuchs könne schon Wirkung entfalten, bis wieder ein Unwetterereignis eintreten würde. Die Bepflanzung der Berghänge soll vor allem durch Wurzeldurchdringung den Boden halten. Selbst mäßige Niederschläge sind zu selten und das Gefälle zum See zu stark, so dass kaum Wasser in den Boden einsickert, weshalb sich der Wald unbefriedigend entwickelte, viele Bäume gingen ein. Im Jahre 1941 erklärten die Mandatsbehörden den Wald bei Tiberias im Rahmen der Dürreverordnung zum geschützten Sondergebiet.

Anfänge der Betreuung durch den Jüdischen Nationalfonds In ihrer finanziellen Notlage nach dem Krieg um Israels Unabhängigkeit bei hunderttausenden meist mittellosen Einwanderern verkaufte die israelische Regierung dem Jüdischen Nationalfonds (JNF-KKL) 1000 Quadratkilometer Land am 27. Januar 1949 für elf Millionen Israelische Pfund, im Oktober 1950 noch einmal 1000 Quadratkilometer. Dabei übernahm der JNF, der schon seit 1909 eigene Flächen aufforstete, auch den Wald bei Tiberias. Die Regierung betraute den JNF-KKL damit, die Naturflächen zu hüten, wiederherzustellen, auszubauen und nach Funktionen zu entwickeln (Erosionsverhütung, Artenschutz, Grundwasserregeneration, Besserung lokaler Mikroklimata, Erholung für Menschen). Bis in die späten 1950er Jahre pflanzte der JNF hauptsächlich Eukalypten, vor allem solche der Gattung Blauer Eukalyptus. Aus verschiedenen Gründen entwickelten sich die Setzlinge und jungen Bäume nicht gut, teils weil die gewählten Baumarten das Klima nicht vertrugen, für sie die Böden zu trocken und mager sind, ferner setzten Brände und unkontrollierte Beweidung durch Kühe dem Wald zu. Erdrutsche und Überschwemmungen nach starken Regenfällen begleiten die Geschichte des Waldes leider seit Jahren.

Hochwasservorsorge durch Verbauungen Der Jüdische Nationalfonds setzte in den 1960er Jahren auf Verbauungen, die abfließendes Regenwasser quer zum Hang führen, in trichterförmigen Vertiefungen sammeln und über Ausflüsse dosiert auf breiter Front auf Hangflächen leiten, um den Abfluss des Regenwassers an den Hängen zu verlangsamen. Auch die Wege im Waldgebiet sind in Abschnitten, wo geeignet, so angelegt oder erneuert worden, dass sie abfließende Niederschläge hindern, den Steilhang hinabzuschießen. Das verringerte die Bodenerosion. Um die Vielfalt unter den Baumarten zu steigern, wurden auch Atlantische Pistazien, Johannisbrotbäume, Indische Jujuben und Jerusalem-Kiefern gesetzt, welch letztere sich jedoch in den lokalen Begebenheiten nicht bewährten.

Erneuerung in den 1980er Jahren In den 1980er Jahren wählte der KKL mehr Baumarten aus, die den Umweltbedingungen besser gewachsen sind, darunter Setzlinge der Gattung Sandarakbaum, ein kleiner Nadelbaum des westlichen Mittelmeerraums, hauptsächlich in Nordafrika beheimatet. Sein Markenzeichen sind die Tannenzapfen, die nur vier Schuppen haben. Eine weitere Neuerung war die Anpflanzung großer Kassien, die den Wald verdichten und die Entstehung von Unterholz unterstützen. Auch die bereits vorher gesetzten Arten wurden weiter gepflanzt.

mini|Alter Mitzpor Jaʿar Schweiz, 2019 Für die Erneuerung des Waldes wurden Schweizer Gönner gewonnen, der Jüdische Nationalfonds Schweiz unternahm die Einwerbung der Spenden. Im Prozess der Sanierung entstand ein Aussichtspunkt, auf genannt, mit Ausblick über die Stadt, den See Genezareth und auf den Golan, wo Stelen stehen, in deren Seiten Listen eingraviert sind, welche die Namen der schweizerischen Spender aufführen. Deshalb war Pierre Aubert, Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Auswärtiges (EDA), am Rande seines Israelbesuchs 11. bis 15. Oktober 1985 eingeladen,„Internationale Lage und bilaterale Beziehungen: Bundesrat Aubert besucht Jordanien“, in: Liechtensteiner Volksblatt, 10. September 1985, S. 1. die Warte einzuweihen und der JNF-KKL benannte den Wald als Jaʿar Schweiz.„35 Jahre «Schweizer Wald»: Eine «grüne Umarmung» für den Schweizer Wald in Israel“, in: Neuland, Bd. 61 ‹120 Jahre KKL-JNF› (23. Mai 2021), S. 12seq., hier S. 12.

mini|Blick durch Wipfel des Jaʿar Schweiz gen Tiberias, 2011 Mit dieser Benennung war die Erneuerung nicht abgeschlossen, sondern sollte das Interesse bei Schweizern geweckt werden. Der Wald wurde unter Schweizer Israelfreunden eine Bezugsgröße. Manche Reisegruppe aus der Schweiz nimmt den Jaʿar Schweiz als Etappe in die Reiseplanung. Am 11. April 1994 versammelten sich Freunde und Beteiligte auf der Warte des Jaʿar Schweiz, im Andenken des schweizerischen Judenretters Paul Grüninger, Gerechter unter den Völkern, zu einer Gedenkfeier. Eingehende Spenden erlaubten 400.000 Baumpflanzungen in die Hängen, jährlich 30.000 Setzlinge.

Weitere Angebote für die Freizeitgestaltung kamen hinzu: In der zweiten Januarwoche 2012 übergab Bürgermeister Sohar ʿOved () den Mountainbikern eine Velostrecke durch den Wald, die der JNF-KKL in Zusammenarbeit und mit der Stadt Tiberias finanzierte.“Schweizer Wald in Israel” (13. Januar 2012), auf: Botschaft des Staates Israel, Bern: Offizieller Blog; abgerufen am 10. Februar 2025. Zusätzlich wurden im Frühjahr 2012 etwa 7.000 neue Bäume gepflanzt. Spender aus Sankt Gallen finanzierten 2018 in einem Waldbereich namens Park Elot – Sankt Gallen die Anlage eines barrierefreien Picknickplatzes.“Park Elot – Sankt Gallen: Ein rollstuhlgängiger Picknickplatz”, in: Neuland, Bd. 57 (13. März 2018), S. 10.

Wald und Landschaft Von der Ramat Porijja etwa fünf Kilometer Luftlinie südwestlich von Tiberias aus überblickt man den ganzen Jaʿar Schweiz wie den See Genezareth. Das Grün des Waldes, unterbrochen von Wiesen, ist das Ergebnis von bald 100 Jahren Aufforstung und Grünpflege. Der Wald bietet malerische Wanderwege, gut angelegte Picknickplätze und spektakuläre Ausblicke, von denen je nach Ausrichtung der See Genezareth und die Golanhöhen, der südliche Golan und das Jordantal bis hin nach Jordanien, der Chermon und die Berge von Ginnossar zu sehen sind. Auf der Nordseite des Waldes präsentiert sich die Stadt Tiberias. Die Wege sind gut ausgeschildert. Eine Wanderung lohnt sich am Nachmittag, wenn die Sonne auf den See Genezareth und die Golanhöhen scheint und der Jaʿar Schweiz im Schatten des Reches Porijja liegt.

Der in Nord-Süd-Richtung gestreckte Jaʿar Schweiz ist durch Hauptwege erschlossen, die in der gleichen Richtung verlaufen, so dass sie mit geringem Höhenunterschied gezogen werden konnten. Der westlichste und höchste Weg im Wald ist der von Nord nach Süd verlaufende landesweite Fernwanderweg Schvil Jisraʾel, der in diesem Abschnitt befestigt ist und etwa 400 Meter über dem Seeniveau (−209 m) liegt. An ihm liegen einige Haltepunkte, darunter der Mitzpor Carl Lutz, der Mitzpor Jaʿar Schweiz, beide mit Ausblick, und der ʿEin Porijja. Etwas hangabwärts verläuft die asphaltierte Panoramaroute Derech Nof () über sechs Kilometer durchs Waldgebiet.„35 Jahre «Schweizer Wald»: Eine «grüne Umarmung» für den Schweizer Wald in Israel“, in: Neuland, Bd. 61 ‹120 Jahre KKL-JNF› (23. Mai 2021), S. 12seq., hier S. 13. Sie beginnt an der Nordkurve der Regionalstraße 7677 im Süden des Waldes, passiert nach 200 Metern die Herberge Porijja () der Aguddat Achsanjot Noʿar beJisraʾel (). Die 7677 ist dabei einer der landschaftlich schönst gelegenen Serpentinenstraßen Israels.

mini|800 Meter ab von der Derech Nof im Jaʿar Schweiz, 2013 Nach gut zwei weiteren Kilometern laufen Schvil Jisraʾel und Derech Nof am Parkplatz Chanjon Jaʿar Schweiz zusammen, bevor sie sich 800 Meter weiter nördlich wieder trennen. Im gemeinsamen Abschnitt beider Wege befindet sich der Mitzpor Jaʿar Schweiz (180 m nördlich des Parkplatzes). Die Derech Nof liegt an ihrem Beginn im Süden auf 60 Metern Höhe, im mittleren Verlauf bis auf 150 Meter ansteigend, und endet im Norden an der Derech haGvurah Ecke Maʿaleh KKL auf 40 Metern über Meeresspiegel, was um die 250 Meter überm Seeniveau (−209 m) liegt. Auch einige andere Wege im Jaʿar Schweiz sind asphaltiert und für Kinderwagen geeignet, so einer östlich ab von der Derech Nof hinauf zum Berenike-Berg. Dieser etwa 900 Meter lange Weg ist sehr steil und für Karren und Fußgänger geeignet. Starkes Gefälle bzw. große Steigung von West nach Ost erfordern, dass Wege in dieser Richtung durch Serpentinen und Spitzkehren, die Höhenunterschiede bewältigen. An den befestigten Wegen befinden sich Picknickplätze und Spielmöglichkeiten und Klettergerüste für Kinder.