Die Geschichte der Bresse beschreibt die historische Entwicklung der Region der Bresse in Frankreich von der Frühzeit bis zum Ausbruch der Französischen Revolution. Der Schwerpunkt liegt auf der Bresse louhannaise, aber die angrenzenden Gebiete werden oft mitbeschrieben, da sie in der Geschichtsschreibung nicht klar abgegrenzt werden können.

Die Region der Bresse ist Teil von drei Départements, des Département Saône-et-Loire, des Département Ain und des Département Jura. Dabei bestehen verschiedene Definitionen für die Bresse als Ganzes. Die weiteste Umschreibung lautet: das Gebiet zwischen der Saône und den Jurahöhen südlich des Doubs und nördlich der Dombes.

Dabei gilt als Bresse chalonnaise der Teil, der zum Département Saône-et-Loire gehört, als Bresse savoyarde der Teil, der zum Département Ain gehört und schließlich als Bresse jurassienne der Teil, der zum Département Jura gehört. In diesem Artikel ist vielfach von der Bresse louhannaise die Rede, sie ist Teil der Bresse chalonnaise und umfasst die Gemeinden, die das Arrondissement Louhans bilden.

Vorgeschichtliche Zeit Die Bresse bildete seit ihrer Entstehung eine in sich geschlossene Einheit. Spuren von tierischer oder menschlicher Besiedlung finden sich vor allem entlang der Gewässer: Saône, Seille, Solnan und Vallière. Ein Schwerpunkt bildet der Fels von Solutré, der heute gut erforscht ist und auf eine erste Besiedlung entlang der Saône schließen lässt. Eine Silexbank zieht sich in geringer Tiefe von Mâcon nach Tournus und dürfte den Steinzeitmenschen das notwendige Material geliefert haben. Weitere Siedlungsspuren finden sich am Jurafuß mit verbreiteten Höhlen. Der zentrale Teil war für den Steinzeitmenschen nicht geeignet, da die Bresse aufgrund ihrer Entstehung keine Steine aufweist.

Entlang der Saône und dem Jurafuss wurden vereinzelt Menhire gefunden, Waffen, Töpfereien und bearbeitete Knochen. In der Gegend zwischen Loisy und Huilly-sur-Seille bestanden etliche Poypen, die als Gräber dienten. Es wird vermutet, dass etwa 1600 Jahre V. u. Z. eine Besiedlung durch keltische Stämme, insbesondere Gallier, erfolgte. Heutige Orts- und Flurnamen gehen teilweise auf keltische Begriffe zurück (Condal – von keltisch Condate, der Zusammenfluss; Baume-les-Messieurs – von keltisch Balm, die Höhle; Beauvernois – von keltisch Vernacum, der Erlenwald).

Aufgrund von Caesars Angaben wird davon ausgegangen, dass das Gebiet westlich der Saône durch die Haeduer besiedelt wurde, während sich östlich der Saône die Sequaner niederließen. Dabei war die Saône keine strikte Grenze, sondern die Stammesgebiete konnten sich durchaus auch auf die Gegenseite des Flusses ausdehnen. Hingegen scheinen sich die beiden Nachbarstämme nicht unbedingt wohlgesonnen gewesen zu sein, sondern bekriegten sich oft, wie beispielsweise bei der Schlacht bei Magetobriga.

Die römische Eroberung Galliens Ab 125 v. Chr. begann Rom mit der Eroberung der Gebiete Galliens. 58 bis 51 v. Chr. führte Gaius Iulius Caesar (* 13. Juli 100 v. Chr., † 15. März 44 v. Chr.) in teils blutigen Feldzügen die Eroberung weiter bis an den Rhein. Kaiser Augustus (* 23. September 63 v. Chr., † 19. August 14 n. Chr.) gliederte um die Zeitenwende Frankreich ins Imperium Romanum ein, die Bresse chalonnaise gehörte zur Provinz Gallia Lugdunensis, die Romanisierung schritt voran und es begann die Gallorömische Kultur in Frankreich. Das Gallische übernahm zusehends Begriffe aus der Lateinischen Sprache und langsam entwickelte sich die Grundlage des Französischen. Tatsächlich übernahm das lokale Latein viele Begriffe aus dem Gallischen, vorzugsweise von Pflanzen und geografischen Besonderheiten, die teilweise bis heute überdauern.

Für die Römer war wichtig, Salz zu ihren Truppen westlich der Saône zu bringen. Aus diesem Grund legten sie ein Netz von Straßen an, das auf lange Zeit das Hauptverkehrsnetz in Frankreich bildete. Für den Bau wurde die einheimische Bevölkerung zugezogen und mit dem Wachstum des Straßennetzes nahm auch die Besiedlung zu, denn wo die Straße durchging, konnte man auch wohnen. So weist die Bresse chalonnaise mindestens 14 Orts- und Flurnamen mit Chaux auf. Diese gehen mit Sicherheit nicht auf den Begriff Kalk zurück, der in der Bresse ja nicht vorkommt, sondern vielmehr auf Callis (lateinisch: Pfad, Steig), also auf die Nähe der Straße

mini|Römische Provinzen im Alpenraum 395 n. Chr.Unter dem römischen Kaiser Diokletian (* zwischen 236 und 234, † um 312) erfolgte im Jahr 297 eine Verwaltungs- und Militärreform und die Römischen Provinzen wurden neu festgelegt. Die Bresse chalonnaise lag nun in der Provinz Maxima Sequanorum.

Im 3. und 4. Jahrhundert war die große Zeit der Völkerwanderung. Von Osten drängten neue Stämme und ganze Völker Richtung Westeuropa. Insbesondere die Hunnen bedrängten das römische Reich entlang seiner Nordgrenze und in Gallien. Mit der Verteidigung Galliens war der römische Heermeister Flavius Aëtius (* um 390, † 21. September 454 oder 22. September 454) beauftragt, der sich dem Ansturm der Hunnen entgegenstellte. Dafür verbündete er sich mit den Burgunden, denen er in der Folge das Gebiet der heutigen Westschweiz als Siedlungsgebiet zuwies.

mini|Karte Königreich der Burgunden Ende 15. Jh.Den Burgunden gelang es später unter ihrem ersten Rex Gundahar, ihr Siedlungsgebiet auszuweiten und insbesondere das Saône- und das Rhonetal in Besitz zu nehmen. Das römische Reich hatte seine Stärke verloren und unter Kaiser Julius Nepos zerfiel das Weströmische Reich um 476 vollends.

Die Christianisierung der Bresse chalonnaise Die Christianisierung der Bresse begann um die Mitte des 2. Jahrhunderts. Pothinus war zu jener Zeit Bischof von Lyon, gefolgt von seinem Begleiter Irenäus. Ebenfalls aus Lyon stammte Marcellus († 4. September 178), der sich der Christenverfolgung in Lyon im Jahre 177 durch Flucht entziehen konnte und in der Folge das linke Ufer der Saône missionierte. Sein Begleiter auf der Flucht war Valerianus († 15. September 178), der sich auf der rechten Seite der Saône nach Castrum Trinorchium (Tournus) begab, um zu predigen. Nach dem Tod der beiden Märtyrer verbreitete sich das Christentum nur langsam und vermischte sich mit den heidnischen Bräuchen, zumal die Christen nach wie vor verfolgt wurden. Erst mit der konstantinischen Wende unter Konstantin dem Großen (* zwischen 270 und 288, † 22. Mai 337) wurde das Christentum offiziell die Religion des Landes. Mit der Regierungszeit von Konstantin II. (* 316, † 340) begann die eigentliche Christianisierung, die heidnischen Götter verloren zunehmend an Bedeutung, wurden versteckt oder vergraben.

Mit der Einwanderung der Burgunden kam eine neue Form des Christentums auf. Die Burgunden waren Homöer, eine besondere Richtung des Arianismus. Sie waren der Überzeugung, dass Gott, der allmächtige Vater, der Sohn und der Heilige Geist, einander ähnlich seien – aber eben nicht gleich – und hingen damit einem eher monotheistischen Glauben an. Der Arianismus war in ähnlichem Umfang verbreitet, wie der Katholizismus, in den Königsfamilien kamen beide Glaubensrichtungen vor. Der Arianismus wurde erst beendet mit der fränkischen Eroberung.

Die Herrschaft der Burgunden Nach dem Zerfall des Weströmischen Reiches war Gundobad († 516) sowohl magister militum – also Heermeister – als auch König der Burgunden. Er erließ eine umfassende Gesetzessammlung, die Lex Burgundionum, die das Römische Recht mit den Gepflogenheiten der germanischen Völker zusammenbrachte.

Gundobad regierte zusammen mit seinen Brüdern, da nach burgundischem Recht alle Söhne erbberechtigt waren. Einen Bruder, Chilperich II., ließ er zusammen mit dessen Gemahlin umbringen, Godomar II. war vermutlich ebenfalls schon verstorben, so dass lediglich noch Godegisel als Mitkönig verblieb, dem er ein kleines Territorium um Genf überließ. Eine der Töchter des ermordeten Chilperich, Chrodechild, lebte an seinem Hof, wurde katholisch erzogen und wurde zwischen 492 und 494 verheiratet mit Chlodwig I., dem fränkischen König aus der Dynastie der Merowinger.

mini|Das Reich der Burgunden im Jahr 511, zwischen Frankenreich und OstgotenreichIm Jahr 501 ließ Gundobad seinen letzten Bruder, Godegisel ebenfalls ermorden, um seinem Sohn Sigismund (* 475, † 1. Mai 524) 516 die Herrschaft über Genf zu übergeben. Nach dem Tod von Gundobad wurde Sigismund König der Burgunden, zugleich magister militum und erhielt den Titel Patricius. Seine Tochter verheiratete Sigismund um 517 mit dem Frankenkönig Theuderich I. und 523 ließ er seinen Sohn Sigerich erdrosseln, da er ihn der Verschwörung verdächtigte. Dadurch entzweite sich das Bündnis mit den Ostgoten und die drei jüngeren Söhne des Merowingerkönigs Chlodwig I. bemächtigten sich des Burgunderreiches. Godomar I., der Bruder Sigismunds, griff die fränkische Garnison an und vernichtete sie. Nun ließ Chlodomer, der drittälteste Sohn Chlodwigs I. den Burgundenkönig Sigismund und seine zwei Söhne am 1. Mai 524 töten und unternahm einen erneuten Feldzug gegen die Burgunden. Am 25. Juni 524 wurde er in der Schlacht bei Vézeronce geschlagen, erst 532 gelang es bei der Schlacht von Autun die Burgunden endgültig zu schlagen und ihr Reich zu übernehmen.

Die Merowinger König der Franken war zu jener Zeit Chlothar I. (* um 495, † Dezember 561), der jüngste Sohn von Chlodwig I. aus dem Geschlecht der Merowinger und der Chrodechild. Das Familienleben Chlothars war ausgesprochen abwechslungsreich, immerhin hinterließ er von seiner ersten Gattin Ingund noch vier Söhne. Diese teilten das Reich untereinander auf und König des Teilreiches Burgund und Orléans wurde Guntram I. (* um 532, † 28. März 592). Während seiner Regierungszeit, um 588, herrschte eine schwere Hungersnot, begleitet von einem Pestzug, die riesige Verluste bei der Bevölkerung forderten. 579 gründete Guntram «um seine vielen Fehler wieder gutzumachen» in Hubiliac, dem späteren Saint-Marcel zu Ehren des Märtyrers Marcellus das Kloster Saint-Marcel, in dem er 592 auch beigesetzt wurde. Da die vier Söhne Guntrams gestorben waren, adoptierte er 577 Childebert II., den Sohn seines Bruders Sigibert I.

Chlothar I. hatte zu Beginn des 6. Jahrhunderts das Salische Recht im Frankenreich eingeführt. Um dieselbe Zeit führte Gundobad das Burgundische Recht im Burgund ein. So bestanden bis zum Ende des 9. Jahrhunderts zwei Gesetzessammlungen nebeneinander, die von den jeweiligen Volksgruppen angewendet wurden. Auch in übrigen Bereichen behielt das Burgund weiterhin eine gewisse Freiheit und Selbstverwaltung.

Nach Childebert II. folgten weitere Merowinger als Könige von Burgund. Erst Childerich III. (* zwischen 720 und 737, † um 755) war der letzte Merowingerkönig.

Die sarazenischen Plünderungszüge Während der Regierungszeit von Theuderich IV. (* nach 711, † zwischen 16. März und 30. April 737), dem vorletzten Frankenkönig der Merowinger drangen muslimische Araber auf ihrer islamischen Expansion ins Frankenreich vor. Brandschatzend und mordend folgten sie dem Lauf der Saône und plünderten Mâcon, Chalon, Tournus, die Abtei Saint-Marcel und die angrenzenden Gebiete. Im August 725 wurde gar Autun geplündert und zerstört. Schließlich konnten die sarazenischen Horden durch die Franken geschlagen und zurückgedrängt werden.

Diese historische Episode hinterließ ihr Spuren in Frankreich: Buchweizen heißt im Französischen le sarrasin, eine besondere Kaminform beim Bressehaus ist eine cheminée sarrasine und in der Bresse louhannaise beziehen sich noch mindestens drei Ortsbezeichnungen auf die Sarazenen.

Die Karolinger