Der Köprü Pazarı (übersetzt: Brückenmarkt), ein inzwischen aufgegebener historischer Wochenmarktplatz in der Türkei, lag am Köprü Irmağı (Köprü Çayı, Köprü Suyu; in der Antike: Eurymedon) bei Aspendos in der südanatolischen Küstenlandschaft Pamphyliens an der mittleren Südküste Kleinasiens in der rezenten Provinz Antalya im Landkreis Serik unmittelbar an der Grenze zum Landkreis Manavgat.
Hintergründe Das tägliche Leben in der Türkei ist vor allem im ländlichen und kleinstädtischen Bereich bis in die Gegenwart ohne lokale periodische Märkte kaum vorstellbar. Sie sind nicht nur in der türkischen, sondern in der gesamten orientalischen Tradition eine wohl schon sehr alte Institution. Bereits während der Zeit der „Göktürk-Khaganate“, einer in der Spätantike in Zentralasien lebenden türkischen Stammeskonföderation, deckte die dortige Bevölkerung ihren Bedarf an Konsumgütern bei Straßenhändlern, deren Läden auf Eseln und Maultieren betrieben wurden. Im 11. Jahrhundert gab es in der eurasischen Kiptschak-Steppe, die sich nördlich des Aralsees nach Westen bis in die Region des nördlichen Schwarzen Meeres erstreckte, Händler, die ihre Karren als Läden nutzten. Im Danişmentname, einem islamisch-türkischen Epos aus dem 13. Jahrhundert über die Lebensgeschichte von Melik Danishmend Ghazi, einem türkischen Staatsmann des 11. Jahrhunderts, werden Straßenhändler als Bazargan/Bezirgan bezeichnet. Während in der Stadt auf Märkten hauptsächlich mit Geld gearbeitet wurde, war in den ländlichen Gebieten die Tauschhandelsmethode üblich. Entsprechende Veröffentlichungen zu jüngeren Untersuchungen und Erörterungen deutscher Geographen finden sich u. a. aus der Mitte der 1970er Jahre. Für die Türke erwähnen die Quellen drei Arten von Märkten:
Jahresmärkte (panayır), jahrmarktähnliche Institutionen, die einmal jährlich mehrere Tage lang auf dem Land stattfinden. Die jährliche, zumeist sonntägliche Tradition kam aus der Region Turkestan nach Anatolien, wobei die Bevölkerung ihren Bedarf durch Karawanen deckte, die wie wandelnde Märkte funktionierten und einmal im Jahr zur jeweiligen Jahreszeit zu ihnen kamen. Die zweite Marktart (çarşı, pazar) bilden solche, die in oder bei großen Dörfern und Städten oder an verschiedenen Toren großer Städte und an verschiedenen Tagen stattfinden. Einen weiteren Markttyp bilden Wochenmärkte (haftalık pazar) an wichtigen Straßen, Grenzübergängen und Brückenköpfen oder anderen unbewohnten Plätzen, wo sich Menschen leicht versammeln können.
Der Köprü Pazarı gehörte zu den letztgenannten Märkten. Derartige, zumeist abgegrenzte Wochenmarktplätze gab es mindestens seit der Zeit der anatolischen Beyliks. Allerdings liegen keine Belege dafür vor, dass diese Institutionen erst während der Seldschukenzeit eingerichtet wurden. Und obwohl es keine Vorschrift gibt, an welchem Tag die Wochenmärkte stattfinden, sollten die Märkte in Orten/Plätzen zumindest innerhalb einer Provinz/Region und nach einer gewissen zeitlichen Abfolge (Marktrotation) gestaltet ablaufen. In Orten mit einem überwiegend christlichen Bevölkerungsanteil war es aus religiösen Gründen nicht erwünscht, sonntags Märkte abzuhalten. Im islamischen Bereich dagegen hat der freitägliche Wochenmarkt wegen der im Koran verankerten religiösen Verpflichtung des Freitagsgebets eine besondere sozial-religiöse Bedeutung. Es ist verständlich, dass sich mit der Zeit an wöchentlichen Marktplätzen überdachte Einrichtungen zum Schutz von Käufern und Verkäufern etablierten. Diese wurden im Türkisch sprachigen Bereich „Lonca“ oder „Lamba“ genannt. Bemerkenswert ist, dass die Zahl der Wochen- und Jahresmärkte in Anatolien insbesondere im Laufe des 19. Jahrhunderts zunahm.
Zur Lage des Köprü Pazarı Die genaue Lage des Köprü Pazarı ist zwar nicht restlos gesichert, wird aber in den einschlägigen Quellen stets südlich der antiken Siedlung von Aspendos (Belkis) am westlichen Ufer des Köprü Irmağı unweit der historischen Eurymedonbrücke (Türkisch heute: Köprüpazar Köprüsü) angesiedelt. Dort ist der Standort des Köprü Pazarı seit der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts als Wochenmarkt dokumentiert, der samstags auf der Antalya zugewandten Seite der Brücke stattfand.
Hinweise auf einen antiken Markt am Köprü Çayı Informationen über einen Markt bei Aspendos bereits im Altertum lassen vermuten, dass der Köprü Pazarı möglicherweise einen antiken Vorgänger hatte: Nach Karl Graf von Lanckoronski, einem österreichischen Kunstsammler, Archäologen und Denkmalpfleger, war Aspendos in der Antike ein Handelszentrum und besaß einen Flusshafen, den Schiffe vom Mittelmeer aus aufwärts über den Eurymedon (Köprü Çayı) erreichten. Er beschreibt das Marktgebiet der Stadt im Detail, und seine Kartenskizze macht klar, dass das Südtor der Stadt Aspendos gleichzeitig das Tor in Richtung Hafen war. Aus weiteren Angaben Lanckoronskis wird ersichtlich, dass die Gründung des Köprü Pazarı bei Aspendos wahrscheinlich das Ergebnis einer historischen Tradition war. Nach Angaben des römischen Architekten Marcus Vitruvius Pollio, der zwischen 90 und 20 v. Chr. lebte, sollte sich das Forum (Markt) von Aspendos in römischer Zeit direkt neben dem Hafen befunden haben. Aspendos war im 1. Jahrhundert n. Chr. die drittgrößte Stadt Pamphyliens und ein wichtiges Handelszentrum. Salz aus dem nahe gelegenen Capria-See (nach Strabo ein See von beträchtlicher Größe), Trauben und Wein aus den Weinbergen sowie Getreide waren wichtige Handelsgüter. Offensichtlich gab es an der Stelle des späteren Köprü Pazarı seit der Antike eine Anlegestelle am Fluss bei Aspendos. In einem Defter aus dem Jahr 1455 wurde Folgendes vermerkt: „Der Aspendos Pier unterliegt der Verantwortung von Halil Fakih …“. Entsprechende Informationen zum Schiffstransport auf dem Aspendos-Fluss in der Antike findet man bei Francis Beaufort. Dieser Pier überlebte während der osmanischen Zeit, und in der Volkszählung von 1455 werden der Aspendos-Pier und verkehrende Schiffe in den Gewässern von Aspendos erwähnt. Die damaligen Steuereinnahmen allein an dieser Anlegestelle betrug 3000 Akçe, der Gesamtumsatz 6000 Akçe, was dem höchsten Hafen- und Marktumsatz in der Region Manavgat entsprach. Händler und Waren aus Alanya und Antalya, die über das Meer zum Aspendos-Pier kamen, konnten das Marktgebiet des Köprü Pazarı offenbar problemlos erreichen.
Köprü Pazarı zur Zeit der Seldschuken und anatolischen Beyliks Die Gründung des Köprü Pazarı in diesem Umfeld wird in den Quellen nicht dokumentiert. Sie wird aber zumeist mit zwei lokalen Bauwerken untrennbar in Verbindung gebracht: mit der oben genannten Eurymedonbrücke und dem Köprü Hanı (Köprüsuyu Hanı), einer Karawanserei, die an der Marktstelle errichtet wurde, um den Übernachtungsbedarf sowohl von Reisenden als auch der Marktbesucher zu decken. Der genaue Standort des Hans konnte bislang nicht mehr sicher lokalisiert werden. In diesem Kontext war die Existenz des Köprü Pazarı nicht nur mit diesen beiden Institutionen eng verknüpft, sondern zusätzlich mit der Fluss-Anlegestelle bzw. dem "Hafen" von Aspendos (s. u.), denn ohne diese drei Faktoren wäre, wie sich Anfang des 20. Jahrhunderts auch herausstellte (s. u.), ein reibungsloses Funktionieren des Marktbetriebes und Marktgeschehens auf Dauer kaum denkbar gewesen.
Die Einrichtung eines Wochenmarktplatzes an dieser Stelle wird (wahrscheinlich fälschlicherweise. s. u.) dem seldschukischen Sultan Alaeddin Keykubat zugeschrieben, ein Gründungsakt, der wohl vor allem dem Wunsch des Herrschers zu Ausbau und Festigung seiner Macht über Handel und Handelswege zu verdanken und zu verstehen ist: Laut Evliya Çelebi ließ Alaeddin Keykubat eine große Brücke mit elf Bögen über den Eurymedon (heute Köprü Irmağı = Brückenfluss) bauen, der zwischen Antalya, Karahisar-ı TekeDas antike Sillyon, 18 km westlich von Aspendos, heute Ruinen auf und um einen Tafelberg oberhalb des Weilers Şatırlı (Asar); eine Burg mit antiken Ruinen bei Yanköy, die heute im Volksmund „Asar“ genannt wird; Landkreiszentrum (Kaza) während der seldschukischen, Beylik und frühen osmanischen Zeit; eine kleine Moschee erinnert an die Seldschukenperiode; wurde ab dem 13. – 14. Jh. n. Chr. verlassen.(Quelle: Mustafa Cansız: “Serik” Adı Üzerine, Antalya 2022, S. 1–5). und Alaiye (Alanya) als größtes fließendes Gewässer (Nehr-i Ulusu) in der Region ein besonderes Hindernis bildete. Der Stifter dokumentierte dieses Unternehmen mit einer entsprechenden Inschrift. Der Text der Gründungs-Inschrift dieser „Alaeddin Keykubat-Brücke“ über den Köprü Irmağı wurde erst Anfang des 21. Jahrhunderts von Z. Kenan Bilici, Kunsthistoriker an der Universität Ankara, aus Bruchstücken rekonstruiert und publiziert. Ihr Inhalt lautete in etwa wie folgt: links|mini|Blick nach Norden auf die Eurymedon-Brücke (Alaeddin Keykubad Köprüsü) über den Köprü Irmağı östlich von Serik. Im Hintergrund der Anstieg zum mittleren Taurus. „Der Bau dieser glückverheißenden Brücke wurde vom Großen Sultan, dem Großen Schah der Schahs, dem Herrscher der Gemeinschaften der Gläubigen [Ummets], dem Meister der arabischen und Ajam [nicht-muslimischen] Sultane, dem Sultan des Landes und der beiden Meere [Schwarzes Meer und Mittelmeer], dem Dhul-Qarnayn [Alexander] des Zeitalters, Hüsrev-i sahib-kiran, dem Getreuen des Befehlsgebers [dem Allmächtigen treu], der Krone der Seldschuken-Dynastie, dem Helfer der Religion und der Welt, dem Vater der Eroberungen, Sultan Keyhusrev, dem Glücklichen, dem Gefährten des (abbasidischen) Kalifen, dem Sohn von Keykubad, dem Sohn von Sultan Keyhusrev, dem Glücklichen und Märtyrer, - möge Gott seine Seele segnen - dem Sohn von Sultan Kılıç Arslan, dem Glücklichen, angeordnet im Jahr 637 [nach christlichem Kalender: 1239/40]“ Nach der These von Kenan Bilici ließ aber – entgegen der landläufigen Meinung – nicht Alaeddin Keykubat I. dieses Bauwerk errichten, sondern erst sein Sohn und Nachfolger Gıyaseddin Keyhüsrev II. im Jahr H637 (1239–1240 n. Chr.; s. o.).
Obwohl die Seldschuken während der Herrschaft von Sultan Alpaslan (1029–1072) die Region Pamphylien erobert hatten, konnten sie zunächst dort keine dauerhafte Herrschaft etablieren. Lokale Fürstentümer (Beyliks) der Hamidoğulları und Tekeoğulları kontrollierten weitgehend die Region. Während die osmanische Herrschaft in Antalya damit begann, dass Tekeoğlu seine Burgen an Murad I. (1319 / 1326–1389) übergab und seine Loyalität erklärte, erfahren wir von den frühen osmanischen Historikern, dass die endgültige Eroberung von Teke letztendlich erst während der Herrschaft von Yıldırım Bayezid (1354–1404) stattfand. Erst später, während des Zweiten Kreuzzugs (1147–1149), kontrollierten die Türken z. B. Gebiete im Umfeld der Burg von Antalya, so dass die Byzantiner die Burg nicht mehr einfach verlassen konnten und weder ihr Land bebauen noch ihr Vieh weiden lassen konnten. Schließlich führte Gıyaseddin Keyhüsrevs Sohn, Alaeddin Keykubat, seinen ersten Feldzug gegen Calanoros Kalesi, die Burg von Alaiye (Alanya), und annektierte die Stadt und ihre Umgebung. Damit gerieten Pamphylien, der Westen Kilikiens und die lykische Region unter seldschukische Herrschaft.