Walter Deckwarth (Johannes Walter Deckwarth; * 24. Januar 1899 in Zittau; † 15. Januar 1967 in Görlitz) war ein deutscher Glasmaler und Maler in der Lausitz.
Leben und Werk Deckwarths Vater Johann Deckwarth war HilfsbahnsteigschaffnerAdressbuch Zittau 1898/99 und arbeitete später als TrichinenbeschauerAdressbuch Zittau 1926. Deckwarth absolvierte in Zittau in den Kunstwerkstätten des bedeutenden Glasmalers Richard Schlein eine Lehre als Glasmaler und -Zeichner und bildete sich daneben im Selbststudium künstlerisch weiter. Ab 1919 arbeitete er in Zittau freischaffend als Gebrauchs- und Reklamegrafiker. U. a. beteiligte er sich 1927 an einem Wettbewerb der Berliner Privat-Telefon-Gesellschaft zur Erlangung eines Wort- und Firmenzeichens, wobei sein Entwurf angekauft wurde.
Deckwarth zog um 1929 nach Görlitz und arbeitete bis zu seinem Ableben als erfolgreicher und gefragter Glasmaler. Er schuf u. a. Farbglasfenster für eine Vielzahl von Kirchen und eine große Zahl von profanen Fenstern mit dekorativen und figürlichen Motiven für Privathäuser in Görlitz, Zittau und Löbau. In Görlitz gibt es Farbglasfenster u. a. in der Landskron Kulturbrauerei, in der Gaststätte „Bürgerstübel“ und im Hotel „Tuchmacher“.
Allein ab 1945 beteiligte Deckwarth sich an der Restaurierung von über 600 historischer Bauten, darunter in Görlitz die Dreifaltigkeitskirche und die Pfarrkirche St. Peter und Paul, die Oberkirche St. Nikolai in Cottbus und die Wartburg. Aufträge erhielt er auch vom VEB Textilkombinat Zittau (1963), von der Sparkasse Freital (1965) und von der Apotheke Niederoderwitz (1965).
Außerdem betätigte Deckwarth sich als Maler. Er konnte die Ausstellungsmöglichkeiten nutzen, die der Kunstverein für die Lausitz und der Jakob-Böhme-Bund boten, und machte sich nach 1918 in Görlitz und darüber hinaus einen Namen. Seit Anfang der 1920er Jahre war er regelmäßig auf Görlitzer Ausstellungen vertreten. Bis in die zweite Hälfte der 1920er Jahre gehörte er zu den wichtigsten Vertretern der expressionistischen Kunstszene in Görlitz. Später malte er im Stil der Neuen Sachlichkeit.
In der DDR war Deckwarth Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR.
Die Werkstatt Deckwarths führte nach seinem Ableben Rudi Wünsche weiter.
Deckwarths künstlerischer Nachlass befindet sich in den Görlitzer Sammlungen für Geschichte und Kultur.
Kirchen mit Glasfenstern Deckwarths (unvollständig)
Beeskow: Marienkirche (1950) Bernstadt auf dem Eigen: St. Nikolaus (1955) Burg: Kirche Burg (1955) Dzierżoniów, damals Reichenbach: heutige Kirche Maria Mutter der Kirche (Dzierżoniów)(1933) Hirschfelde: St. Peter und Paul (1952) Lauta (1954) Malschwitz: Kirche Kleinbautzen Świeradów-Zdrój, damals Flinsberg (1942) Zittau-Wittgendorf: Dorfkirche Wittgendorf
Weitere Werke Deckwarths (Auswahl)
Profane Glasfenster
Geschwister (1931, Glasfenster; Görlitzer Sammlungen)https://www.facebook.com/Goerlitzer.Sammlungen/posts/hinter-verzauberten-fenstern-k%C3%BCrzlich-bekamen-wir-ein-bedeutendes-kunstwerk-des-/856359239826461/
Malerei
Weberberg (1962, Öl auf Leinwand, 128 × 82 cm; Kulturhistorisches Museum Görlitz)https://nat.museum-digital.de/object/977682 Tänzerin (1959, Öl auf Leinwand, 95 × 75 cm; Kulturhistorisches Museum Görlitz)https://nat.museum-digital.de/object/977692 Sechs Hühner (1964, Öl auf Leinwand, 85 × 100 cm; Kulturhistorisches Museum Görlitz)https://nat.museum-digital.de/object/977697
Gruppenausstellungen (unvollständig)
1932: Görlitz, Städtische Kunstsammlungen 1939: Berlin, Haus der Kunst („Schlesische Kunstausstellung. Sonderschau Kunsthandwerk“)
Postum
2018: Görlitz, Kulturhistorisches Museum. („Unerhört! Expressionismus in Görlitz“) 2023: Zittau-Wittgendorf: Dorfgemeinschaftshaus „Alte Schule Wittgensdorf“ (Frauenbilder)
Literatur Werner von der Schulenburg: Walter Deckwarth – ein moderner Glasbildner. Görlitz, 1936 Ernst-Heinz Lemper: Künstler schaffen am Antlitz und am geistigkulturellen Profil der Stadt Görlitz 1945–1965. Städtische Kunstsammlungen Görlitz, 1965 Bernd Mälzer: Zittauer Glasmaler und ihre Werkstätten. In: Zittauer Geschichtsblätter; 2007, S. 2–41 Hans F. Schweers: Gemälde in Museen. Deutschland, Österreich, Schweiz. Teil I. Künstler und ihre Werke. K. G. Saur, München 2008, S. 283 (Liste von 17 Gemälden) Ines Haaser, Kai Wenzel: Unerhört! Expressionismus in Görlitz. Verlag Günter Oettel, Zittau, 2018; Schriftenreihe der Görlitzer Sammlungen für Geschichte und Kultur; ISBN 9783944560533; 978955560533; S. 56/57
Einzelnachweise
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