Der Panzerzug 3 (kurz: Eisb. Pz. Zug Nr. 3 oder PZ 3) war ein deutscher Panzerzug aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges und wurde ab September 1939 von der Wehrmacht eingesetzt.

Geschichte Im Jahr 1937 hatte das Oberkommando des Heeres entschieden, keine neuen Panzerzüge mehr zu bauen. Man bewertete diese Art der Waffe als veraltet und zu teuer. Aus diesem Grund griff man, mit einer Verfügung vom 23. Juli 1938, auf ältere Bahnschutzzüge der Reichsbahn zurück. Somit wurde der Bahnschutzzug München der Reichsbahndirektion München zum neuen Panzerzug 3. Dieser war zur damaligen Zeit dem Wehrkreis VII zugeteilt. Zu dieser Zeit waren die Panzerzüge nur infanteristisch ausgerüstet und verfügten, neben zwei Abstoßwagen, über sechs gepanzerte ehemalige gedeckte Güterwagen. Der Panzerzug 3 bildete jedoch eine Ausnahme, da dieser bereits über zwei Artilleriewagen verfügte.

Technische Daten Lokomotive mini|Ungepanzerte Preußische T 14.1 Die erste Dampflokomotive des Panzerzuges, damals noch Bahnschutzzug, war eine Preußischen T 14.1. Diese wurde 1923 bei der Maschinenbauanstalt Humboldt mit der Werksnummer 1792 hergestellt. Mit der Einführung eines neuen Baureihenschemas erhielt sie die Betriebsnummer 93 1126. Die Panzerzuglokomotive war komplett mit 15 mm dicken Platten aus Chromnickelstahl gepanzert. Die Reichweite der Lokomotive betrug 100 km, mit dem Anhängen eines Schlepptenders konnte sie auf 200 km erhöht werden.

mini|Ungepanzerte Preußische G 10 Mit dem Beginn des Umbaus 1943 erhielt der Panzerzug eine Preußische G 10. 1923 wurde diese Dampflokomotive bei Henschel & Sohn mit der Werksnummer 19809 hergestellt. Bei der Reichsbahn erhielt sie, mit der Einführung eines neuen Baureihenschemas, die Nummer 57 3293. Am 10. Oktober 1940 wurde sie, zusammen mit dem Panzerzug, gesprengt.

Artilleriewagen Der Panzerzug 3 verfügte schon zur Zeit als Streckenschutzzug über zwei Artilleriewagen. Sie besaßen einen voll gepanzerten und geschlossenen Aufbau mit einem schwenkbaren Geschützturm. Diese waren allerdings nicht mit Kanonen bestückt. Das Generalkommando VII begann deshalb mit der Einrüstung der Geschütztürme mit der 7,7-cm-Feldkanone 16. Diese Geschütztürme konnten, durch eine neu eingebaute Elektromotor oder durch Handbetrieb, um 270° gedreht werden. Im hinteren Teil des Wagens befand sich ein komplett geschlossener und gepanzerter Mannschaftsunterstand mit Beobachtungsluken. Zwischen dem Geschützturm und dem Unterstand befand sich ein, durch Panzerplatten geschützter Verbindungsgang.

Als der Panzerzug beim Überfall auf Polen schwere beschädigt wurde, wurden die Artilleriewagen verbessert und modernisiert. Zwar wurde der Drehmechanismus entfernt und die Geschütze konnten nur sehr begrenzt zu den Seiten richten, die Kanonen wurden aber durch bessere 7,5-cm-Feldkanonen 16 n. A. ausgetauscht.

Am 10. Mai 1940 fuhr der Panzerzug zum Wagen-Ausbesserungswerk Halberstadt. Dort wurden, nach den Erfahrungen in den Niederlanden, die Artilleriewagen erneut umgebaut. Die Wagen erhielten nun je einen offenen, zehneckigen Geschützturm auf einem festen Panzerunterbau. Verbaut wurden die Geschützprototypen der 7,5-cm-Kanone L/41 mit Mündungsbremse von Rheinmetall, welche die Vorläufer der 7,5-cm-Pak 40 waren. Zusätzlich wurden ein neuer Beobachtungsstand und eine Plattform für eine 2-cm-Flak 38 angebracht. Um das deutlich erhöhte Gewicht des Wagens besser auffangen zu können, wurde eine dritte Achse in der Fahrzeugmitte eingebaut.

Nach dem letzten Umbau Ende Juli 1944 verfügte der Panzerzug über sechs zweiachsige, russische Beutewagen vom Typ OB-3. Diese hatten eine Länge von 10,42 m, eine Breite von 3,10 m und eine Höhe von 3 m. Die Panzerung bestand aus schräg gestellten, 45 mm dicken Panzerplatten. Die Wagen wurden zusätzlich mit Beobachtungsständen ausgebaut und erhielten verbesserte Kommunikationsmittel. Die russischen Geschütztürme wurden durch deutsche, zehneckige Geschütztürme ersetzt. Zwei dieser Wagen verfügten über je eine 2-cm-Flak-Vierling 38, während die anderen vier mit je einer 10,5-cm-leichte Feldhaubitze 18/40.

Maschinengewehrwagen mini|Güterwagen gemäßMusterblatt IId 8 Der Panzerzug 2 verfügt zur Zeit als Bahnschutzzug über sechs ehemalige gedeckte Güterwagen der Bauart G 02, welche gemäß dem Musterblatt IId 8 definiert waren. Diese wurden zwar mit 26 cm dicken Chrom-Nickel-Stahl gepanzert, dennoch konnten S.m.K.-Geschosse sie durchdringen. Der genutzte Stahl war zwar relativ dick, doch von minderer Qualität. Die Wagen verfügten über Gewehr-, Maschinengewehr- und Beobachtungsluken in unterschiedlicher Ausprägung und Anzahl in den Wänden. Für den Aus- und Einstieg verfügten sie über Türen an den Seiten der Wagen und über Bodenluken. Diese Bodenluken verfügten über, zwischen den Achsen befindliche, Ausfallkästen. Dadurch konnte Personal, welches über diese Luken den Wagen verließ, in Deckung gehen. Das Leergewicht der Wagen, ohne Panzerung, war mit 10,07 t bis 10,47 t angegeben. Die Wagen wurden je drei Stück vor und hinter der Panzerzuglokomotive angekoppelt. Je einer dieser drei Wagen einer Zughälfte verfügte über einen Beobachtungsstand. Dies waren Aufbauten, welche auf den Dächern der Güterwagen aufgesetzt wurden. Für Einsätze in der Nacht wurden zwei Scheinwerfer mitgeführt.

Die Maschinengewehrwagen waren 1938 noch mit 16 wassergekühlten schweren Maschinengewehren 08 ausgerüstet. Diese waren nur teilweise fest verbaut und wurden bis zur Umrüstung im Winter 1940/1941 verwendet. Für die Luftabwehr wurden in einigen Wagen Zwillingssockel 36 mit je zwei Maschinengewehren 34 eingebaut. Die Sturminfanterie, welche in diesen Wagen mitgeführt wurde, verfügte ihrerseits über Pistolen, Gewehre, sechs leichte und acht schwere Maschinengewehre und sechs Maschinenpistolen. Für jedes Gewehr im Panzerzug wurden 180, für jede Pistole 24 und für jede Maschinenpistole 1536 Schuss ausgeteilt. Die Maschinengewehre der Sturminfanterie verfügten über 13500 Schuss, darunter waren 11350 s.S., 1500 S.m.K. und 650 S.m.K. Leuchtspur-Geschosse. Zusätzlich standen der Infanterie zwei 8-cm-Granatwerfer 34 mit 246 normalen und 18 Nebelgranaten zur Verfügung. Die Pioniere des Panzerzuges verfügten über einen Flammenwerfer 35 oder auch einen Flammenwerfer 41.

Abstoßwagen An beiden Enden des Zuges befanden sich jeweils ein zweiachsiger Flachwagen unterschiedlicher Bauart, welche als Abstoßwagen dienten. Sie dienten dazu, den Panzerzug vor Minen oder Entgleisung zu schützen und Gefahren vor den wichtigen Wagen zu beseitigen. Zusätzlich dienten sie zum Transport von Material wie Schienen, Bahnschwellen, Fahrrädern oder sonstigem Material. Die Wehrmacht nannte die Abstoßwagen auch Schutzwagen. Zur Zeit als Bahnschutzzug konnten diese Wagen noch nicht automatisch entkuppelt, sondern mussten bei Bedarf per Hand geöffnet werden. Später wurde eine durch den Panzerzug verlaufende Scharfenbergkupplung eingebaut und eine pneumatische Abstoßvorrichtung eingebaut. Dadurch konnte der Wagen abgestoßen werden und durch eine selbstwirkende Bremse auf einer bestimmten Entfernung zu stehen gebracht werden. Um der steigenden Gefahr durch Minen im Jahr 1943 besser begegnen zu können, wurde vor dem Zug mehrere weitere Abstoßwagen angekoppelt.

Begleitfahrzeuge mini|Schwerer Panzerspähwagen Sd. Kfz. 231 (6 Rad) mini|hochkant|Panzerspähwagen P 204 (f) Der Panzerzug 3 verfügte seit 1938 über einen schweren Panzerspähwagen Sd. Kfz. 231 (6 Rad) mit dem Kennzeichen Pol-10 019 als Aufklärungs- und Unterstützungsfahrzeug. Die Besonderheit an diesem Fahrzeug war die Bewaffnung. War das Sd. Kfz. 231 eigentlich mit einer 2-cm-KwK 30 ausgerüstet, so verfügte dieser über zwei Maschinengewehre und fünf statt vier Mann Besatzung. Dazu zählten der Kommandant, zwei Schützen und zwei Kraftfahrer. Um auf den Schienen fahren zu können, wurden vor den Vorderrädern und zwischen den Antriebsrädern absenkbare Rollen mit Spurkranz angebaut. Damit konnte der Panzerspähwagen innerhalb kürzester Zeit von Gleisbetrieb auf Straßenbetrieb und umgekehrt wechseln. Dazu wurde der Wagen mithilfe eines unter dem Fahrzeug angebrachten Wagenheber angehoben und eingeschwenkt. Der Antrieb erfolgte auf den Gleisen durch die Reibung der Gummiräder. Aus diesem Grund wurde die Spurweite des Wagens auf 1437 mm angepasst. Weiterhin entfielen die hinteren Zwillingsreifen. Dieser Panzerspähwagen war ein Einzelstück und wurde nach einer schweren Beschädigung 1940 außer Dienst gestellt. Ab Sommer 1942 verfügte der Panzerzug über einen Panzerspähwagen P 204 (f).

Einsatz 1938 Als die Wehrmacht Anfang Oktober mit der Besetzung der Randgebiete der Tschechoslowakei begann, wurde der Panzerzug 3 ebenfalls eingesetzt. Er marschierte am 1. und 2. Oktober, zusammen mit der Heeresgruppe z. b. V. (Linz) in die Okkupationszone I (Südböhmen) und verblieb dort bis zum 14. Oktober. Danach wurde er zu seinem Heimatbahnhof in München zurückbeordert.

1939 Als am 15. März der tschechische Staatspräsident Hacha gezwungen wurde, der Besetzung der Rest-Tschechei zuzustimmen, wurde der Panzerzug 3 erneut eingesetzt. Kurz vorher wurde der Panzerzug ins Oberösterreichische Marchtal verlegt worden und rückte am 15. März über Lundenburg nach Brünn vor.

Im Juli und Anfang August begann die Vorbereitungsphase für den Überfall auf Polen. Dazu wurde Panzerzug 3 komplett besetzt und man begann mit der Ausbildung und Einweisung in die Aufgaben der Besatzung.

Als am 1. September der Überfall auf Polen begann, wurde der Panzerzug als schneller Stoßtrupp eingesetzt. Dabei sollte er in überraschenden Vorstoß den Bahnhof von Chojnice in Besitz nehmen und sichern. In der Nacht zum 1. September wurde der Panzerzug von Jastrowie nach Lipka vorgezogen und rückte um 4:15 Uhr Richtung Chojnice aus. Der Panzerspähwagen fuhr vor dem Zug und erkundete die Strecke. Da Bodennebel aufzog, war der Panzerzug nahezu ungesehen unterwegs und konnte jenseits der polnischen Grenze drei unbeschädigte Brücken passieren und in den Bahnhof von Chojnice einfahren. Umgehend begann der Schützentrupp mit der Besetzung des Bahnhofes, welcher ab 5:10 Uhr in deutscher Hand war. Erst nach der Eroberung begann der polnische Widerstand, welche sehr schnell an Stärke zunahm.

Da der Panzerzug um Bahnhof stand und kein freies Schussfeld hatte, konnte dieser nicht eingreifen. Aus diesem Grund setzte er zurück und fuhr über das noch intakte Gleis der mittlerweile teilweise gesprengten Eisenbahnbrücke vor dem Bahnhof. Da die Bahnhofbesatzung aber immer mehr unter Druck geriet, musste der Panzerzug erneut zum Bahnhof vorrücken, um die Kräfte zu evakuieren. Nachdem der Schützentrupp wieder aufgenommen war, setzte der Panzerzug zurück, um auf die Strecke vor dem Bahnhof zu gelangen. Von der Stadt aus und dem Vorfeld setzten die polnischen Truppen zunehmen Infanteriegeschütze und Panzerabwehrkanonen ein. Trotzdem sich die Besatzung des Panzerzuges wehrte, wurde der Panzerzug immer weiter zusammengeschossen und die Verluste stiegen. Darunter auch der Kommandant, der durch einen Treffer einer Panzerabwehrkanone in den Beobachtungsturm getötet wurde. Um kein gutes Ziel zu bieten, blieb der Panzerzug in ständiger langsamer Fahrt. Dadurch geriet er auf ein Gleis, welches zu einer gesprengten Brücke führte. Der Panzerzug konnte nicht mehr rechtzeitig halten, wodurch der Abstoßwagen abstürzte und der folgende Artilleriewagen entgleiste. Die Besatzung wollte die Wagen abkuppeln, was jedoch nicht gelang und so war der Panzerzug dem polnischen Beschuss voll ausgesetzt. Nachdem polnische Artillerie in den Kampf eingegriffen hatte, verließ die Besatzung den Panzerzug und bezogen neben ihm Stellung.