Fred Wander (geboren als Fritz Rosenblatt 5. Jänner 1917 in Wien, Österreich-Ungarn; gestorben 10. Juli 2006 in Wien) war ein österreichischer Schriftsteller.
Leben mini|Grabstein für Maxie Wander und Fred Wander auf dem Waldfriedhof Kleinmachnow Fritz Rosenblatt wuchs zusammen mit seiner zwei Jahre älteren Schwester Renée und seinem 12 Jahre älteren Bruder Isidor („Otto“) in ärmlichen Verhältnissen als Sohn galizischer Zuwanderer auf. Er besuchte in Wien die Volks- und Hauptschule, war drei Jahre Lehrling im Textilhandel und danach in verschiedenen Berufen tätig.
Nach dem Anschluss Österreichs 1938 gelang ihm über die Schweiz die Flucht nach Frankreich, wo er nach Kriegsbeginn als „feindlicher Ausländer“ interniert wurde. Er konnte nach Marseille fliehen und wurde schließlich 1942 nach einem Fluchtversuch in die Schweiz von dort an die Vichy-Polizei ausgeliefert. Rosenblatt wurde über das Sammellager Drancy in das KZ Auschwitz deportiert und im April 1945 aus dem Konzentrationslager Buchenwald befreit. Seine Eltern wurden im KZ Auschwitz ermordet.
Er kehrte zurück nach Österreich und arbeitete als Journalist und Fotoreporter. 1947 trat er der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ) bei, deren Mitglied er bis 1968 blieb. Ab 1950 nannte er sich Fred Wander. Er lebte in Wien, wo er seine erste Frau Ottilie im Dezember 1946 heiratete und 1953 seine Tochter Eveline geboren wurde. 1955 nahm Fred Wander am ersten Studiengang des Literaturinstituts „Johannes R. Becher“ in Leipzig teil. 1956 heiratete Wander seine Frau Maxie, geborene Elfriede Brunner. Mit ihr, einer später – seit den siebziger Jahren – bekannten Schriftstellerin, übersiedelte er 1958 nach Kleinmachnow in die DDR. Hier arbeitete er als freischaffender Schriftsteller. 1977 starb Maxie Wander. Fred Wander heiratete 1982 seine dritte Frau Susanne, verließ gemeinsam mit ihr 1983 die DDR endgültig und ließ sich erneut in Wien nieder. Er starb am 10. Juli 2006 nach schwerer Krankheit in seiner Wiener Wohnung und wurde in Kleinmachnow begraben.
In seinem Werk setzte er sich insbesondere mit seinen Erfahrungen in den deutschen Vernichtungslagern während der Nazi-Diktatur auseinander. Als sein Schlüsselwerk gilt der Roman Der siebente Brunnen.Zu diesem Roman vgl. Anja Thiele: Die Shoah in der Literatur der DDR. Heidelberg 2024. S. 83–113. Nach seinem Selbstverständnis sah er sich in der Tradition chassidischer Geschichtenerzähler. Neben Romanen und Erzählungen veröffentlichte Fred Wander Theaterstücke, Reiseliteratur und Jugendbücher.Anne Herzberg: Die Fröhlichkeit im Schrecken, Freitag vom 29. Juni 2007, S. 14
Sein Grab befindet sich auf dem Waldfriedhof Kleinmachnow.
Auszeichnungen 1966 Theodor-Fontane-Preis des Bezirks Potsdam 1972 Heinrich-Mann-Preis 1996 Österreichischer Würdigungspreis für Literatur 2003 Theodor-Kramer-Preis 2006 Literaturpreis der Stadt Wien 2009 Wingate Literary Prize
Werke Vierundzwanzig Stunden aus dem Leben eines Reporters, 1954 Taifun über den Inseln, 1957 Korsika – noch nicht entdeckt, 1959 Bandidos, 1963 Doppeltes Antlitz. Pariser Impressionen, 1966 (mit 174 Fotografien von Fred und Maxie Wander) Nicole, 1971 Der siebente Brunnen, 1971; Neuauflage 2005 Holland auf den ersten Blick, 1972 Ein Zimmer in Paris, 1975 Provenzalische Reise, 1978 Hotel Baalbek, 1991, Neuveröffentlichung 2007 mit Nachwort von Erich Hackl Josua läßt grüßen. Der Bungalow. Zwei Stücke, 1979 Das taubengraue Haus, 1977 Patrique, Patrique, 1983 Das gute Leben, 1996, erweiterte Neuausgabe 2006 unter dem Titel Das gute Leben oder Von der Fröhlichkeit im Schrecken. Erinnerungen, ISBN 3-89244-855-8
Herausgebertätigkeit Maxie Wander: Leben wär' eine prima Alternative. Tagebücher und Briefe, 1979 Maxie Wander: Ein Leben ist nicht genug. Tagebuchaufzeichnungen und Briefe. Herausgegeben und mit einem Vorwort von Fred Wander, 1990. ISBN 3-518-45963-5
Literatur Walter Grünzweig, Ursula Seeber (Hrsg.): Fred Wander, Leben und Werk, Weidle Verlag Bonn 2005, ISBN 978-3-931135-88-1
Konstantin Kaiser: Wander, Fred. In: Andreas B. Kilcher (Hrsg.): Metzler Lexikon der deutsch-jüdischen Literatur. Jüdische Autorinnen und Autoren deutscher Sprache von der Aufklärung bis zur Gegenwart. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. Metzler, Stuttgart/Weimar 2012, ISBN 978-3-476-02457-2, S. 523f. Erzählen zum Überleben. Ein Fred Wander Handbuch. Hrsg. von Walter Grünzweig, Ute Gerhard, Hannes Krauss, Verlag der Theodor Kramer Gesellschaft 2019, ISBN 978-3-901602-83-2 Erin McGlothin: Fred Wander: Between Exile Studies and Holocaust Studies. In: German Studies Review. Bd. 48 (2025), Nr. 3, October 2025, S. 427–445. Susanne Blumesberger, Michael Doppelhofer, Gabriele Mauthe: Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft 18. bis 20. Jahrhundert. Band 3: S–Z, Register. Hrsg. von der Österreichische Nationalbibliothek. Saur, München 2002, ISBN 3-598-11545-8, S. 1425.
Weblinks
https://www.literaturepochen.at/exil/a5078.html
Vortrag vor der Österreichischen Gesellschaft für Germanistik. Hans Höller: Erzählen als Erinnern und Widerstand. Fred Wanders’ „Der siebente Brunnen“ im Kontext der Literatur über die Shoa. Tagung Judentum und Antisemitismus in der Literatur und Germanistik Österreichs, Studien zum 20. Jahrhundert, Wien, Juni 2001; PDF-Datei 108 kB Fred-Wander-Archiv im Archiv der Akademie der Künste, Berlin
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