mini|Kristof Magnusson, 2020 Kristof Magnusson (* 4. März 1976 in Hamburg als Kristof Weitemeier-Magnusson) ist ein deutsch-isländischer Schriftsteller und Übersetzer. Bekannt wurde er durch das Theaterstück Männerhort, das nicht nur auf über 120 Bühnen in Deutschland und in anderen Ländern lief, sondern auch verfilmt wurde.

Leben

Kristof Magnusson wuchs als Sohn einer deutschen Mutter und eines isländischen Vaters, die beide Lehrer waren, zweisprachig in Hamburg auf. Er flog jährlich für die Sommerferien nach Island.Zwischentöne mit Kristof Magnusson vom 13.10.2019 (Musik gekürzt, mp3-Format), abgerufen am 13. Oktober 2019.Musik und Fragen zur Person: Der Schriftsteller Kristof Magnusson, abgerufen am 13. Oktober 2019. Nach dem Abitur leistete er den Anderen Dienst im Ausland bei der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in New York, wo er mit Obdachlosen und Holocaust-Überlebenden arbeitete.

Danach absolvierte Magnusson eine Ausbildung zum Kirchenmusiker bei der evangelischen Landeskirche Nordelbien. Ihn faszinierte die Breite und Vielseitigkeit der Ausbildung, als lebenslange Berufsperspektive genügte es ihm nicht, so dass er schon währenddessen kreatives Schreiben ausprobierte. Daher studierte er anschließend am Deutschen Literaturinstitut Leipzig, Szenisches Schreiben an der Hochschule der Künste Berlin sowie ein Jahr lang Isländische Literatur an der Universität Reykjavík.Autorenporträt auf literaturport.de, abgerufen am 13. Oktober 2019. Er hat sowohl als Schriftsteller als auch als Übersetzer viele Preise, Aufenthalts- und Arbeitsstipendien erhalten. Im Sommer 2006 war er Stadtschreiber des Goethe-Instituts im indischen Pune. Im Herbst 2008 war er Writer in Residence der University of Iowa, 2010 am Grinnell College in Iowa, 2013 an der Queen Mary University of London sowie im Frühjahr 2014 am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Als Translator in Residence war er im Herbst 2010 am Europäischen Übersetzer-Kollegium in Straelen. Im Wintersemester 2012/2013 sowie im Wintersemester 2016/2017 hatte er eine Gastprofessur am Deutschen Literaturinstitut Leipzig inne und unterrichtete Literarisches Schreiben. Im Wintersemester 2015/2016 war Magnusson Poetikdozent an der Hochschule RheinMain.

Er war bis zu seinem Austritt Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland und ist Mitgründer des PEN Berlin.

Magnusson engagiert sich regelmäßig als Juror im Literatur- und Übersetzungsbereich. Er war u. a. Mitglied in den Jurys des Straelener Übersetzerpreises und des Deutschen Übersetzerfonds sowie Stiftungsvorstand der Autorenstiftung Frankfurt am Main. 2024 berief Claudia Roth als Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) Magnusson für drei Jahre zum Jurymitglied für die Auswahl der Stipendiaten der Villa Massimo, der Casa Baldi und des Deutschen Studienzentrums in Venedig.

Werk Kristof Magnussons Werk umfasst neben Erzählungen, Essays und Reportagen in in- und ausländischen Zeitungen und Zeitschriften sowohl Romane als auch Theaterstücke. Hinzu kommen zahlreiche Übersetzungen aus dem Isländischen sowie ein Buch über Island. Der Ton seiner Werke ist stets geprägt von Komik, Leichtigkeit und Unterhaltsamkeit. Der Blick des Autors auf die Figuren, die sich häufig auf skurrilen Abwegen befinden, ist „sarkastisch, doch liebevoll“Zitiert aus dem ORF-Filmbeitrag zum Bachmann-Preis 2005. Auffallend sind die umfangreichen Detailkenntnisse unterschiedlichster Lebenswelten, denen oftmals intensive Recherchen zugrunde liegen. So gilt er in der Literaturkritik als „höchst wirklichkeits- und milieutrainierter Schriftsteller“, dessen Stil „pointen- und dialogsicher“Kommt er durch? In: Die Zeit. 14. Oktober 2014. ist. Magnusson trat zuerst als Theaterautor hervor und arbeitete bei seinen Theaterstücken häufig mit Kay Voges zusammen, unter anderem bei Männerhort und Apokalypse Miau. Auch in seiner Prosa, vor allem plotbetonte und temporeich erzählte Romane, sind schlagfertige, zugespitzte Dialoge stets ein wichtiges Element. Die ersten vier Romane erschienen im Münchner Verlag Antje Kunstmann, der neueste, Die Reise ans Ende der Geschichte, bei Klett-Cotta.

Theaterstücke Magnusson wurde zunächst bekannt durch seine Komödie Männerhort (2002), die 2003 am Schauspiel Bonn uraufgeführt wurde und dort „in kürzester Zeit zum Kulthit“ In: komoedie-muenchen.de. avancierte. Im November 2005 feierte das Stück auch am Theater am Kurfürstendamm in Berlin Premiere, mit Bastian Pastewka, Christoph Maria Herbst, Michael Kessler und Jürgen Tonkel in den Hauptrollen. Männerhort, das von einem Männerrückzugsreservat (Man Cave bzw. Männergarten) in einem Einkaufszentrum handelt, lief inzwischen an über 80 Theatern im In- und Ausland, zum Beispiel am Deutschen Theater Göttingen, am Hessischen Staatstheater Wiesbaden, an der Komödie im Bayerischen Hof in München, am VAT Teater Tallinn, Teatr Capitol Warschau und im Studio DVA Prag. Das Stück wurde unter anderem ins Niederdeutsche, Französische, Englische, Schwedische, Türkische, Bulgarische, Estnische, Slowakische, in Marathi, ins Tschechische und ins Polnische (clubcapitol.pl, polnisch) übersetzt.

Im Oktober 2014 kam der gleichnamige Film Männerhort in die deutschen Kinos, dessen Drehbuch auf Kristof Magnussons Theaterstück basiert. Er hatte bereits im Jahr 2000 das Stück Enge im Haus und im Sarg geschrieben, das im Rahmen eines Autorenprojekts an der Berliner Volksbühne in Begleitung von Improvisationen des Obdachlosen-Ensembles Ratten 07 entstand, eine „utopische Parabel“ oder ein „verschlungene(s) Antimärchen“. Die Handlung wechselt zwischen einem Wald ohne Tiere in einem zeitlosen Staat, in dem sich beschäftigungslose Jäger die Zeit mit resignierten Gesprächen vertreiben, und der Großstadt der Gegenwart, in der zwei verkaterte Jungs zusammen mit vier Punk-Mädchen eine vermisste Freundin suchen, jener Prinzessin, deren Verschwinden auch die Jäger betrauern. Das Stück verhandelt „Fragen der Identität und Freiheit, Gewalt und Liebessehnsucht“.

Im selben Jahr erschien die Farce Der totale Kick, die im November 2001 unter der Regie von Hans Falár am Staatsschauspiel Dresden uraufgeführt wurde. Darin bricht eine junge Frau beim Versuch, „endlich auch einmal ein Ding so richtig Tarantino-mäßig durchziehen“, gemeinsam mit ihrem ängstlichen Verlobten in die Wohnung einer alten Dame ein, die sich gemeinsam mit drei Kaffeekränzchen-Freundinnen gegen die Hobby-Einbrecher zur Wehr setzt.

Zehn Jahre später folgte die Komödie Sushi für alle, die im März 2011 am Theater Dortmund unter der Regie von Oliver Dominique Endreß uraufgeführt wurde. Darin versucht ein vermutlich sterbenskranker Familienvater, in einem Junggesellen einen Nachfolger für sich zu finden, als Partner für seine an Familie wenig interessierte Frau und als Vater für seine beiden neurotischen Kinder. Das Stück ist „eine turbulente und pointenreiche Komödie über die Glückssuche im Privaten, über letzte Kniffe, der Familie zu entkommen, und über Abgründe, die sich hinter den Fassaden heiler Familienwelten auftun“.

Im April 2010 wurde die Theateradaption des Romans Zuhause in einer Fassung von Ronny Jakubaschk am Volkstheater Rostock uraufgeführt, der im Dezember desselben Jahres auch den zweiten Roman von Kristof Magnusson, Das war ich nicht, für die Bühne adaptierte und am Theater Basel uraufführte.

Im Dezember 2022 wurde Magnussons Stück Apokalypse Miau – eine Weltuntergangskomödie am Wiener Volkstheater uraufgeführt. Der Intendant des Theaters, Kay Voges, inszenierte das Theaterstück. Die Theaterkritikerin Margarete Affenzeller lobte das Stück im Standard: „Autor Magnusson [...] trifft auch mit dieser für ein breites Publikum bestimmten Komödie ins Schwarze“. Anders als Magnussons vorangegangene Theatertexte entstand Apokalypse Miau in Zusammenarbeit mit einem Zweitautor: An der Entstehung des Stücks war Gunnar Klack als Mitarbeiter beteiligt. Das Werk ist als Ensemble-Stück angelegt und umfasst acht Rollen, die alle ähnlich stark prominent sind. Gespielt wurde es bei der Erstaufführung von Andreas Beck, Elias Eilinghoff, Mario Fuchs, Irem Gökçen, Evi Kehrstephan, Bettina Lieder, Uwe Rohbeck, Christoph Schüchner, Magdalena Simmel und Anke Zillich.

Regelmäßig werden seine Stücke auf deutschsprachigen Bühnen gespielt. Auch im Ausland ist Magnusson ein erfolgreicher Dramatiker. Darüber hinaus übersetzt er Dramatik aus dem Isländischen ins Deutsche.

Zuhause Im August 2005 veröffentlichte Magnusson sein Romandebüt Zuhause, mit dem er im selben Jahr zum Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb nach Klagenfurt eingeladen worden war. Die Handlung dreht sich um Lárus Lúðvígsson, Ende zwanzig, Anfang dreißig, der mit dem Erwachsensein hadert, das Vergessen und Verdrängen dem Erinnern vorzieht und damit nicht nur seiner Freundin aus Kindheitstagen, Matilda, immer wieder vor den Kopf stößt. Gerade verlassen von seinem jetzt Exfreund Milan, reist Lárus in der Adventszeit von Hamburg nach Reykjavík. Statt langer vergnüglicher Ausgehnächte auf dem Laugavegur und einer beschaulich-harmonischen Vorweihnachtszeit in abgeschiedener Umgebung mit seinen Wahlverwandten erwarten ihn dort sonderbare Begebenheiten in rasanter Abfolge.

Es beginnt damit, dass Lárus feststellen muss, dass ihn das isländische Einwohnermeldeamt als tot registriert hat. Seine beste Freundin Matilda und er haben sich kaum mehr etwas zu sagen, über das sie nicht in Streit geraten. Über seinen Liebeskummer versucht er sich mit einer Liaison mit dem verschrobenen Dagur, Sohn einer der mächtigsten Familien Islands, hinwegzutrösten. Diese Liebschaft sowie Dagurs plötzlicher Tod ziehen ihn so sehr in dessen Familiengeschichte hinein, dass Lárus sich selbst von Tag zu Tag an mehr erinnern muss, als ihm recht ist. Indem er zunächst unfreiwillig, dann forschend dem fremden Familiengeheimnis auf die Spur kommt, entschlüsselt Lárus ein damit verwobenes Geheimnis seiner eigenen Kindheit. Schließlich kehrt er, versöhnt mit Matilda und etwas gereift, „schwer versehrt wie ein Sagaheld, doch unbesiegt und zudem im Besitz einer geheimen Handschrift“Der Punk-Retrolook der Reiherente In: Süddeutsche Zeitung. 13. Februar 2006. nach Hamburg zurück.

In Zuhause verbindet Magnusson in humoristischer Weise Elemente von Schelmen-, Coming-of-age- bzw. Entwicklungsroman, Krimi- und Roadmovie-Geschichten und Mythenstoffen der isländischen Sagas mit diversen Zitaten aus Popsongs. Im April 2010 wurde die Theateradaption des Romans in einer Fassung von Ronny Jakubaschk am Volkstheater Rostock uraufgeführt, der im Dezember desselben Jahres auch den zweiten Roman von Kristof Magnusson, Das war ich nicht, für die Bühne adaptierte und am Theater Basel uraufführte.

Auf Vorschlag von Klaus Nüchtern wurde Magnusson im Sommer 2005 mit seinem Prosadebüt zum Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb eingeladen. Die Kontroverse der damaligen Jury zeigt in verdichteter Weise die beiden Pole, zwischen denen sich die Rezeption von Magnussons Werken im Feuilleton seitdem immer wieder bewegt. Das Publikum war begeistert, auch ein Teil der Jury lobte die große Unterhaltsamkeit des Texts, während der andere Teil hingegen urteilte, der Roman sei „zu flach“.

Der Autor selbst führt solche kontroversen Reaktionen zurück auf die „… veraltete(n) Trennung zwischen U- und E-Kunst. Dabei ist Humor eine wichtige und legitime Form des Weltwahrnehmens und Welterklärens. Die muss man nicht gegen andere Schreibweisen ausspielen. Humor bedeutet ja nicht, dass man sich ständig auf die Schenkel klopft. Humor ermuntert einen, sich den Dingen nicht gleich auszuliefern, sondern sie auch mal anders zu betrachten und sie nicht so hinzunehmen, wie sie erscheinen, oder wie sie einem verkauft werden“,Wer ist krank? Wer ist gesund? In: Berliner Zeitung. 4./5. Oktober 2014 wie er in einem Interview in der Berliner Zeitung äußerte.

Das war ich nicht