John Main OSB (* 21. Januar 1926 in London als Douglas Victor Main; † 30. Dezember 1982 in Montreal) war ein irisch-britischer Benediktinerpater und Meditationslehrer. Bekannt wurde er durch seine christliche Meditation, die auf der hinduistischen Japa-Meditation und dem frühchristlichen Ruhegebet gründet. Diese Meditationsübung besteht im Kern aus der gedanklichen Wiederholung des Mantras Maranatha (aramäisch für „Unser Herr, komm!“).
Leben Kindheit Douglas Main wurde 1926 in London als viertes Kind von David und Eileen Main geboren. Douglas’ Eltern stammten aus der Republik Irland und wohnten in London, da David Main von seinem Arbeitgeber Western Union dorthin versetzt worden war. Eileen Main, geborene Hurley, arbeitete als Krankenschwester und lernte während der Pandemie der Spanischen Grippe ihren späteren Ehemann kennen. Douglas wuchs mit drei Schwestern und zwei Brüdern in einer katholischen Familie auf. Das häusliche Leben in seiner Kindheit nahm er als „sehr glücklich“ wahr, was besonders am freundschaftlichen Umgang der Geschwister miteinander lag. Douglas’ Vater erzog die Kinder streng und galt als extravertiert und schnell aufbrausend. Seine Mutter hingegen hatte einen ausgeglichenen, standhaften Charakter und war für ihre Großzügigkeit bekannt. Douglas hatte ein enges Verhältnis zu seiner Mutter und bezeichnete sie als „sanfte Überredungskünstlerin“ (englisch: gentle persuader).
mini|Bienenkorbhütten auf der schwer zugänglichen Insel Skellig Michael, die im Mittelalter von Eremiten bewohnt wurden 1931 wurde Douglas Main in der St. Mary’s Parochial School in Hendon (heute zu London gehörend) eingeschult, die eine Schule in römisch-katholischer Trägerschaft ist und gegenwärtig den Namen St. Joseph’s Catholic Primary School trägt.Anschrift der St. Joseph’s Catholic Primary School auf der Website der Schule Da er ein Jahr später oft kränkelte, beschlossen seine Eltern, den Sechsjährigen in das väterliche Heimatdorf Ballinskelligs im irischen County Kerry zu schicken, wo seine Verwandten ein Hotel betrieben. Das bessere Essen und die bessere Luft in Ballinskelligs sollten die Gesundheit des Jungen stärken. Er wohnte zusammen mit seinem Onkel und dessen Frau im familiengeführten Hotel und besuchte die Schule im Dorf. Auf der nahegelegenen Insel Skellig Michael befindet sich ein verlassenes mittelalterliches Kloster, von dem Douglas Main fasziniert war.
Nachdem er einen Teil des Jahres in Ballinskelligs verbracht hatte, kehrte Douglas nach London zurück. Er ging wieder auf seine alte Schule und besuchte anschließend die Highgate Junior School, die von der Church of England getragen wird. 1937 wurde er mit 11 Jahren nach einem erfolgreichen Vorsingen in die renommierte Chorschule der Westminster Cathedral aufgenommen. Der Schulleiter Launcelot Long, der auch Priester war, schrieb in einer Beurteilung, dass Douglas Main eine „Neigung zu den Benediktinern“ habe.
Zweiter Weltkrieg Im September 1939, als der Zweite Weltkrieg ausbrach, wurden der 13-jährige Douglas Main und sein älterer Bruder in die nördlich von London gelegene Stadt Welwyn Garden City evakuiert, wo sie bei Freunden der Familie Main wohnten und die örtliche Jesuitenschule besuchten. Douglas Main empfand die damalige Lehrmethode der Jesuiten als ziemlich starr. Er besuchte diese Schule bis zu seinem Abschluss im Jahr 1942. Nach seinem Schulabgang war Main kurze Zeit als Nachwuchsjournalist für die Lokalzeitung Hornsey Journal tätig.
Am 13. Dezember 1943 trat er in das Royal Corps of Signals des Britischen Heeres ein. Aufgrund seiner Kenntnisse der Funktechnik und des Morsecodes, die ihm in einem Funktechnikkurs und von seinem Vater vermittelt worden waren, wurde er Funkaufklärer. 1945 wurde er an der Westfront in Belgien stationiert, wo er die Aufgabe hatte, Funksignale der deutschen Wehrmacht zu erfassen und zu dekodieren. Nach Beendigung seines Kriegsdienstes in England, Belgien und Deutschland kehrte Main im Sommer 1946 ins Zivilleben zurück.
Augustiner-Chorherren und Jurastudium Im November 1946 trat er mit 20 Jahren den Augustiner-Chorherren vom Lateran in Bodmin (Cornwall) bei, um für das Priesteramt zu studieren. Er begann 1949 ein Theologiestudium am Angelicum in Rom. Main empfand die dortige Atmosphäre als muffig und frauenfeindlich. Er brach deshalb das Studium nach einem Jahr ab und verließ die Ordensgemeinschaft. Trotzdem fühlte er sich den Augustiner-Chorherren zu Dank verpflichtet, weil sie ihm das Studieren beigebracht hatten.
Main zog nach Dublin, wo seine Familie inzwischen lebte. Er bewarb sich beim katholisch geprägten University College Dublin um einen Studienplatz im Studiengang Rechtswissenschaft. Da die Hochschule ihm aber bestimmte Leistungen aus seinem vorherigen Studium in Rom nicht anrechnen wollte, bewarb er sich dann beim protestantisch geprägten Trinity College Dublin, wo seine Bewerbung angenommen und seine Leistungen anerkannt wurden. Main war am Trinity College einer von 600 katholischen Studenten bei einer Gesamtzahl von 3000 Studenten. Er studierte dort von 1950 bis 1954.
Schüler von Swami Satyananda in Malaya Im Frühling 1954 bewarb sich Main beim britischen Colonial Service. Sein Freund Robert Farrell beschrieb Main als einen parteipolitisch unabhängigen Sozialisten, der Mahatma Gandhi bewunderte und dem Kolonialismus und Imperialismus abgeneigt war. Farrell vermutete, dass Abenteuerlust, Neugier und Geldnot ihn zu dieser Bewerbung motivierten. Zur Vorbereitung auf seinen Auslandsdienst in Britisch-Malaya (heute Malaysia) begann Main ein Studium der chinesischen Sprache an der School of Oriental and African Studies in London, das er nach seiner Ankunft in Kuala Lumpur 1955 an einer örtlichen Sprachschule fortsetzte. Main half mit, die Parlamentswahl in der Föderation Malaya 1955 vorzubereiten. Jene war die erste und einzige Parlamentswahl in der Geschichte der Kolonie, die 1957 ein unabhängiger Staat wurde.
Der Gouverneur von Malaya sandte Main zu dem hinduistischen Mönch (Sannyasin) Swami Satyananda, der Präsident und Mitgründer der Wohltätigkeitsorganisation Pure Life Society war, die in Kuala Lumpur ein Waisenhaus und einen Aschram gegründet hatte. Er sollte ihm eine Botschaft des guten Willens überbringen. Main fühlte sich sofort von Satyanandas „Friedlichkeit und ruhiger Weisheit“ angezogen. Satyananda, der als Kind eine katholische Missionsschule besucht hatte, war der Auffassung, dass die Stifter und Meister der verschiedenen Religionen ursprünglich dieselben grundlegenden spirituellen Wahrheiten gelehrt hätten. Da aber die Lehren von ihren Anhängern mit einem „getrübten Blick“ gelesen und interpretiert worden seien, hätten die Anhänger die Meister in den Hintergrund gedrängt und infolgedessen gehässigen Streit, Heilige Kriege, religiösen Hass, Zwangskonvertierungen und andere Schreckenstaten im Namen von Gott und Religion propagiert. Satyananda gehörte zu den hinduistischen Reformern in Malaya, die Vorträge über ein breites Spektrum an Themen (von Advaita-Vedanta bis hin zu malaiischer und indischer Geschichte) hielten, sich für interreligiösen Dialog engagierten sowie yogische und meditative Praktiken auf das Leben von Laien zuschnitten. Dieser reformierte Hinduismus war insbesondere bei der indischen Mittelschicht in Malaya beliebt.
Satyananda fragte Main, ob er ein religiöser Mensch sei, worauf dieser antwortete, dass er Katholik ist. Dann fragte er ihn, ob er meditiere. Main antwortete, dass er es versuche und beschrieb auf Satyanandas Wunsch hin kurz die ignatianischen Exerzitien. Satyananda legte eine Sprechpause ein und sagte dann, dass die Meditation seiner eigenen Tradition ganz anders sei. Das Ziel der Meditation war für Satyananda die Bewusstwerdung des Geistes des Universums (Brahman), der in den Herzen der Menschen wohnt. Anschließend trug Satyananda eine Paraphrasierung eines Verses aus der Chandogya-Upanishad so hingebungsvoll und ausdrucksstark vor, dass Main Satyananda fragte, ob Satyananda ihm seine Art der Meditation beibringen könne. Main wurde Satyanandas Schüler und besuchte ihn ungefähr 18 Monate lang einmal pro Woche, um mit ihm gemeinsam zu meditieren. Satyananda gab Main das christliche Mantra „Jesus“, das er bei der Meditation „treu, liebevoll und kontinuierlich“ wiederholen sollte, während er still und schweigend mit Satyananda zusammensaß. Er sollte sich während der Meditation gedanklich ganz auf den Klang des Wortes konzentrieren. Des Weiteren riet Satyananda ihm, mindestens zweimal täglich jeweils eine halbe Stunde zu meditieren, wenn er es ernst meine und das Mantra in seinem Herzen verwurzeln wolle, da alles darunter eine „Frivolität“ sei.
Jura-Dozent in Dublin mini|Innenraum der Kirche Notre Dame de France Im Sommer 1956 kehrte Main nach Dublin zurück. Er fand Arbeit als Dozent für Verwaltungsrecht, Römisches Recht und Internationales Recht am Trinity College Dublin. Nun ging er zur täglichen Messe und praktizierte weiterhin die Mantra-Meditation, die er in Malaya gelernt hatte. Während dieser Zeit reiste er oft nach London, um Freunde zu besuchen. Dort traf Main auch Diana Ernselsteen wieder, die die Tochter der Familienfreunde war, bei denen er während der Evakuierung im Zweiten Weltkrieg wohnte. Die 22-jährige Medizinstudentin Ernselsteen und der neun Jahre ältere Main verliebten sich ineinander und sprachen über Heirat. Als die beiden bei einem Spaziergang durch London spontan der Kirche Notre Dame de France in der Nähe des Leicester Square einen kurzen Besuch abstatteten, hatte Ernselsteen in der Stille und Dunkelheit der Kirche das starke Gefühl, dass sie und Main doch nicht füreinander bestimmt sind. Ernselsteen heiratete einige Monate später in derselben Kirche einen anderen Mann. Sie blieb mit Main freundschaftlich verbunden und kommunizierte mit ihm bis an sein Lebensende über Briefe und Telefonate. 1958 starb der 11-jährige Sohn von Mains verwitweter Schwester Yvonne an den Folgen eines inoperablen Hirntumors. Der Tod seines Neffen ging ihm sehr nahe. Als er über sein Leben nachdachte, fiel ihm auf, dass seine tägliche Meditation das Wichtigste in seinem gesamten Sein war. Darum beschloss er, sein Leben auf der Meditation aufzubauen und Mönch zu werden.
Eintritt in den Benediktinerorden und Schullehrer in London mini|Kirche der Ealing Abbey Im Alter von 33 Jahren wurde Main in der benediktinischen Ealing Abbey in London als Mönch aufgenommen. Er nahm den Ordensnamen John an, der an den Apostel Johannes (englisch: John the Apostle) erinnert. Er sprach früh in seinem Noviziat mit seinem Novizenmeister über die Mantra-Meditation, die er in Malaya gelernt hatte. Der Novizenmeister sagte ihm, dass dies kein christliches Gebet sei und wies Main an, stattdessen ein halbstündiges Gebet nach der ACTS-Methode zu verrichten, das aus Akten der Anbetung (englisch: adoration), der Reue (contrition), der Danksagung (thanksgiving) und des Bittens (supplication) besteht. Im Wesentlichen waren dies an Gott gerichtete Worte und Gedanken an Gott. Main folgte der Anweisung, aber dieses neue Gebet wurde für ihn mit der Zeit immer unbefriedigender. Die nächsten Jahre waren für ihn karg, was seine spirituelle Entwicklung anging, aber er kehrte immer wieder zum Gehorsam zurück, der das Fundament seines monastischen Lebens war. Je arbeitsreicher sein Leben als Mönch wurde, desto weniger dringlich erschien ihm dieses Problem jedoch. Rückblickend betrachtete er diesen Lebensabschnitt als eine Zeit der großen Gnade, weil er gelernt habe, von der Meditation, die ihm heilig war und auf die er sein Leben aufbauen wollte, loszulassen. Stattdessen habe er gelernt, sein Leben auf Gott selbst aufzubauen.