Theodor Nottebohm (* 28. Oktober 1850 in Hamburg; † 31. Mai 1931 in Breslau, Provinz Niederschlesien) war ein deutscher evangelischer Geistlicher, Domprediger und Generalsuperintendent.Zum 70. Geburtstag. In: Evangelisches Kirchenblatt für Schlesien. 23. Jahrgang, Görlitz, 24. Oktober 1920, S. 337 f., .

Leben Nottebohm war das siebente Kind des Hamburger Großkaufmanns Carl Ludwig Nottebohm (* 1798, † 1870). Die Mutter, Hillegonda Jacoba Nottebohm, geborene van der Smissen (* 1813, † 1910), wurde 1835 die zweite Ehefrau seines Vaters nach dem frühen Tod der ersten Frau.Verheiratet ca. 1825 mit Maria Charlotte Hepeden (* 1799) Nachweis: Online-Ressource Stammbaum Nottebohm Seiner Geburtsstadt blieb er zeitlebens treu verbunden. Als im Jahre 1906 durch einen Brand der Turm von St. Michaelis zerstört wurde, folgte er dem Aufruf des Kirchenvorstandes und spendete einen erheblichen Betrag zum Wiederaufbau ebenso wie seine Verwandten, darunter seine Mutter und sein ältester Bruder Carl Friedrich Wilhelm Nottebohm (* 1837) sowie seine Schwestern Auguste (* 1845) und Eleonore (* 1838).Verzeichnis der Spender vom 20. bis 26. Juli 1906. In: Hamburger Fremdenblatt (Abend-Zeitung), 29. Juli 1906, S. 14, Sp. 13 [„General-Superintendent Nottebohm“, „Frau C. L. Nottebohm, Wwe.“, „C. F. W. Nottebohm“, „Frl. C. (Cornelia) M. (Magdalene) A. (Auguste) Nottebohm“ sowie „Frl. C. (Clara) E. (Eleonore)“],

Studium Nach dem Besuch der Gelehrtenschule des JohanneumsNottebohm, Theodor Ad., in Herrmann A. L. Degener: Wer ist's? Zeitgenossenlexikon. IV. Ausgabe, Leipzig 1909, S. 1000, Sp. 2, , seiner Geburtsstadt und Erlangung der Hochschulreife zu Ostern 1870 studierte er an der Universität Göttingen Theologie. Er unterbrach das Studium, um als Kriegsfreiwilliger am Deutsch-Französischen Krieg teilzunehmen. Nach Kriegsende setzte er das Theologiestudium an den Universitäten in Tübingen (1872–1873)Personenbezogene Akte Deutsche Digitale Bibliothek: Nottebohm, Theodor [Adolf] * 28. Oktober 1850 und Kiel fort. Die Erste Theologische Prüfung legte er in Hamburg mit der Note Auszeichnung ab.

Erste Berufsstationen Um sich für eine angestrebte wissenschaftliche Laufbahn vorzubereiten, bildete er sich an der Universität Halle weiter und blieb drei Semester an der Theologischen Fakultät in der Saalestadt. Anschließend erfüllte er ab 1. Oktober 1876 den Wunsch seines Onkels, eines Pfarrers, und unterstützte ihn bei der Arbeit im Sprengel Hinte. Sein Interesse an den Aufgaben eines praktischen Seelsorgers motivierte ihn, ab 1. Juni 1877 wieder nach Hamburg zu ziehenPfarrerbuch der Kirchenprovinz Sachsen. Biogramme Me-P, Bd. 6, Leipzig 2007, ISBN 978-3-374-02138-3, S. 345 [D. Notteboom, Theodor Adolf] und sowohl an St. Michaelis als auch an der Anschar-Kapelle bei Carl Ninck Hilfsprediger zu werden. Beispielsweise hielt er im Status eines Kandidaten der Theologie am 26. Oktober 1879, den 20. Sonntag nach Trinitatis, um 14 Uhr den Kindergottesdienst in der St. Anschar-Kapelle und um 19 Uhr den Abendgottesdienst, während Pastor Ninck am Vormittag den Hauptgottesdienst um 10.30 Uhr gestaltete.Kirchen-Anzeigen in Hamburgischer Correspondent, 25. Oktober 1879, S. 13

Am 20. Juli 1881 wurde Nottebohm ordiniert und 2. Pfarrer in Paderborn sowie ab 1883 für neun Jahre der 1. Pfarrer.Jens Murken: Die evangelischen Gemeinden in Westfalen. Band 2, Bielefeld 2017, ISBN 978-3-7395-1012-5, S. 839

Nach der Bildung des Predigerseminars Soest in Westfalen wurde ihm 1892 das Amt des Studiendirektors übertragen.Norddeutsche Allgemeine Zeitung. 19. Februar 1892, S. 1, Sp. 2, . Die Funktion als Direktor übte er bis Mitte 1901 aus. Während seiner Tätigkeit als Studiendirektor reiste er im April 1896 mit seiner Schwester Auguste (* 1845)Grabstein-Inschrift Auguste Nottebohm, mit Lebensdaten, Friedhof Ohlsdorf aus Hamburg nach Capri und trug sich dort mit ihr beim Besuch der Villa des deutschen Malers und Zeichners Christian Wilhelm Allers (1857–1915) in das Gästebuch ein.Online-Ressource: Gästebuch der Villa Allers auf Capri S. 152f. (Faksimile der Unterschriften)

Ab 1. Oktober 1901 wurde er Nachfolger von Hugo Nehmiz im Amt des Konsistorialrats und 2. Dompredigers in Magdeburg.

Generalsuperintendent in Schlesien Ausgerüstet mit den Erfahrungen aus seiner kirchenbehördlichen Tätigkeit und dem pastoralen, seelsorgerlichen Dienst folgte er dann der Ernennung zum Generalsuperintendenten für die gesamte Kirchenprovinz Schlesien durch den Evangelischen Oberkirchenrat in Berlin. Die Stelle war durch den frühen Tod des Vorgängers, Hugo Nehmiz, seit 1903 unbesetzt. Anfang Juli 1904 wurde Nottebohm in sein neues Amt in Breslau eingeführt. Er wurde 1905 nach Aufteilung der Generalsuperintendentur in zwei Sprengel, Breslau sowie Oppeln und andererseits Liegnitz, entlastet. Am 2. Juli 1905 weihte Nottebohm die neue evangelische Kirche in der Landgemeinde Zabrze ein.Der oberschlesische Wanderer, 4. Januar 1906, S. 5 [Oberschlesien im Jahre 1905 / Kirchliches]

Zum weiteren Generalsuperintendenten für den nordwestlichen Teil Schlesiens wurde der Theologe Wilhelm Haupt berufen.Handbuch der deutschen evangelischen Kirchen 1918 bis 1949. Göttingen 2010, ISBN 978-3-647-55784-7, S. 232 Eine der ersten Amtshandlungen Nottebohms war die Ordination von Pfarramtskandidaten. In der Breslauer St. Maria Magdalena ordinierte er am 3. Juli 1905 mehrere Kandidaten im Beisein der Gemeinde.Schlesischer Familien-Bote. 16. Juli 1905. Beilage zu Nr. 29, [St. Maria Magdalena], Am 30. Oktober 1919 ordinierte er in der Maria-Magdalenen-Kirche zwölf Kandidaten für das geistliche AmtSchlesische Zeitung. 26. Oktober 1919. Dritter Bogen, Sp. 2 und am 12. April 1922 neun Pfarramtskandidaten.Schlesische Zeitung (Abendblatt). 21. April 1922, S. 2, Sp. 3

Zu seinen Obliegenheiten zählten weiter eine jährliche Kirchen-Visitation nach einem Geschäftsplan. Die andere Visitation führte Generalsuperintendent Haupt durch. Nottebohm war Vorsitzender einer für seinen Sprengel gebildeten Kommission, bestehend aus geistlichen und weltlichen (zumeist kommunalen) Mitgliedern sowie einem Vertreter des Evangelischen Oberkirchenrats. Er führte z. B. 1914 im Kirchenkreis Ratibor vom 13. bis 27. Mai eine Generalkirchenvisitation durch, die wie jede mit einem Schlussgottesdienst sowie einer allgemeinen Abendmahlsfeier und einer Auswertungskonferenz beendet wurde.Schlesische Zeitung (Morgenblatt). 13. Mai 1914, S. 6, Sp. 1

Zudem unterbreitete er Vorschläge in Absprache mit dem Konsistorialrat Karl Alfred von Hase für die Besetzung von Pfarrstellen in seinem Sprengel.

Er überprüfte in seiner Amtszeit den an Gymnasien erteilten Religionsunterricht. So besuchte er im Schuljahr 1908/09 das Gymnasium in Patschkau und überzeugte sich von der ordnungsgemäßen Durchführung.Kgl. Gymnasium zu Patschkau. Bericht für das Schuljahr 1908–09, erstattet von Direktor Prof. Dr. Kuckert, S. 11 [Chronik der Schule],

Am 15. September 1910 nahm er die Weihe eines sozialen Projekts des Johanniterordens in Trebnitz vor, des am 1. Oktober desselben Jahres in Betrieb gehenden „Johanniterkranken- und Siechenhaus“ an der Wallstraße.Schlesische Chronik. 15. Oktober 1910, S. 38f., In Vertretung des verhinderten Herrenmeisters des Ordens, Prinz Eitel Friedrich von Preußen, überbrachte der amtierende Kommendator dessen Grüße und Wünsche den Anwesenden der Einweihungsfeier, darunter waren die evangelischen und katholische Geistlichen des Kreises Trebnitz, die beiden Ärzte des Krankenhauses sowie die künftigen Schwestern vom Diakonissenmutterhaus in Grünberg.

Er predigte in seiner Amtszeit als Generalsuperintendent auch außerhalb seines schlesischen Sprengels. So hielt er bei den Jubiläumsfeierlichkeiten anlässlich des 200. Jahrestages der Altranstädter Konvention am 1. September 1907 die Festpredigt in Altranstädt.Hallesche Zeitung. Landeszeitung für die Provinz Sachsen für Anhalt und Thüringen, 3. September 1907, S. 2, Sp. 2f. [Das Jubiläum der Altranstädter Konvention], Bei der Abschlussfeier am Folgenden Tag schilderte er in einem Vortrag das Leben der evangelischen Christen in der Diaspora des katholischen Schlesiens.

Anlässlich der Jahrhundertfeier der Errichtung des Lützowschen Freikorps in Rogau und Zopten hielt Nottebohm 1913 die Festpredigt in der evangelischen Kirche Rogau-Rosenau. In dem klassizistischen Sakralbau fand 1813 die Einsegnung des Lützowschen Freikorps statt. In Zobten wurde anschließend im Beisein von weiteren Ehrengästen, u. a. Kronprinz Wilhelm von Preußen und Oberpräsident der Provinz Schlesien, Hans Lauchlan von Guenther, das vom Bildhauer Theodor von Gosen geschaffene „Reiterstandbild des betenden Lützowers“ enthüllt.„Die Presse (Thorner Presse)“. 2. September 1913, S. 1,

Gelegentlich nahm er an kirchlichen Veranstaltungen gemeinsam mit seinem Amtskollegen Wilhelm Haupt teil, beispielsweise im Februar 1920 an einer Tagung in Liegnitz für Mitarbeitende und Freunde des Schlesischen Provinzialvereins für die Berliner Innere MissionNamslauer Stadtblatt. 7. Februar 1920, S. 3, Sp. 2 [Kirchliche Tagung in Liegnitz], wie auch im selben Jahr am 39. Kongress des Schlesischen Provinzialvereins für Innere Mission in Breslau.Schlesische Zeitung (Abendblatt). 7. September 1920, S. 3, Sp. 2f. Bereits 1912 hatte er mit seinem Amtskollegen Haupt die Festveranstaltung zum 25-jährigen Bestehen des Schlesischen Provinzialvereins für die Berliner Innere Mission in der Aula Leopoldina der Universität Breslau besucht, wo er u. a. den anwesenden Rektor Adolf Kneser begrüßen konnte. Schlesische Zeitung (Abendblatt).5. Februar 1912, S. 2, Sp. 1

Bis zur 1923 erfolgten Abtretung von Teilen Oberschlesiens und der Bildung der selbständigen Unierten Evangelischen Kirche in Polnisch-Oberschlesien nahm Nottebohm an der Oberschlesischen evangelisch-kirchlichen Woche in Kattowitz teil.Kattowitzer Zeitung (Abendblatt). 3. Februar 1921, 1. Beiblatt [„Zweite oberschlesische evangelisch-kirchliche Woche“] So hielt der Breslauer Generalsuperintendent am 1. Februar 1921 im evangelischen Gemeindesaal eine biblische Ansprache über den Römerbrief, Kapitel 1, Vers 16. Anschließend ergriff der damalige Vorsitzende des Ausschusses der oberschlesischen evangelischen Kreissynoden, Hermann Voß (1872–1938), das Wort. Er berichtete den einheimischen und auswärtigen Teilnehmern, darunter die Pfarrer Max Braun und Otto Dibelius aus Berlin, über die Lage der evangelischen Gemeinden in Oberschlesien seit 1920. Es gab zu jener Zeit 26 Polnisch sprechende Pastoren für 25 Tausend Christen polnischer Herkunft.

Nottebohm blieb unverheiratet. Den Haushalt in Breslau führte seine ebenfalls unverheiratete Schwester Clara Eleonore († 1923) bis Anfang der 1920er Jahre.Nottebohm, Eleonore, Rentnerin, Kaiser-Wilhelm-Straße 154 I (gleiche Telefonnummer wie ihr dort wohnender Bruder), laut Adressbuch für Breslau und Umgebung, Ausgabe 1918, Teil I., S. 407, Sp. 2, Die beiden Geschwister verbrachten gelegentlich gemeinsam den Urlaub, z. B. 1910 im österreichischen Bad Gastein in der seit 1878 bestehenden Villa Mühlberger.Von Nottebohm u. a. geschildeter Aufenthalt, datiert mit 17. August 1910, handschriftliche Briefkarte, versehen mit freundlichem Gruß auch von seiner Schwester, adressiert an einen seiner Kollegen, Konsistorialrat Karl Alfred von Hase. – Privatsammlung Benutzer:Schudi 45 1910 war das Todesjahr der Mutter, verstorben am 19. Juni in ihrem 97. Lebensjahr nach kurzer Krankheit in Hamburg und bestattet am 22. Juni auf dem Familiengrabfeld Nottebohm des Friedhofes Ohlsdorf unter den Worten aus Psalm 23, Vers 6.Hamburgischer Correspondent (Morgenblatt), 21. Juni 1910, S. 4, Sp. 1/2 [Rubrik Familien-Anzeigen: „Frau C. L. Nottebohm, Wwe., geb. van der Smissen“], Seine um fünf Jahre ältere Schwester Auguste hatte die gemeinsame Mutter im Hamburger Stadtteil Harvestehude, betreut.Gemeinsame Wohnanschrift: Mittelweg 50, ein heutiges Kulturdenkmal: Hamburger Adressbuch, Ausgabe 1906SUB Hamburg Ausgabe 1911, Nottebohm, Frl. A., Mittelweg 50