Der BP 42 (Langform: Behelfsmäßiger Panzerzug 1942) war ein deutscher Panzerzugtyp aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges und wurde Ende Dezember 1942 von der Wehrmacht bei mehreren Panzerzügen eingesetzt.
BP 42 (Behelfsmäßiger Panzerzug 1942) Geschichte BP 42 Unter der Zuständigkeit der Eisenbahnpioniere übernahm die Wehrmacht 1937 alte Bahnschutzzüge und wandelte diese zu Panzerzügen um. Während der Zerschlagung der Tschechoslowakei und des Überfalls auf Polen erbeutete sie einiges an Fahrzeugen und erstellte damit weitere Panzerzüge. Damit hatte die Wehrmacht 1941 ein buntes Sammelsurium von 18 verschieden zusammengestellten Panzerzügen. Diese Panzerzüge unterschiedenen sich nahezu in allem: bei der Länge, der Anzahl der Wagen und der Wagentypen sowie bei der Ausrüstung. Mit dem Unternehmen Barbarossa gegen die Sowjetunion erhöhte sich die Anzahl der Unterschiede noch einmal gravierend, nicht zuletzt durch die veränderte Spurweite (Normalspur und Breitspur).
Nachdem die Panzerzüge im August 1941 den schnellen Truppen unterstellt wurden, übernahm die Inspektion 6 (Inspektion für Heeresmotorisierung) die Federführung für die Entwicklung von Panzerzügen. Diese unternahm die ersten Schritte für eine einheitliche Lösung für die Zukunft, da durch die Größe des eroberten Raumes und die steigende Zahl der Partisanenaktivitäten ein höherer Bedarf an Panzerzügen bestand.
Planung BP 42 In den ersten Forderungen versuchte die Inspektion 6, alle Gesichtspunkte miteinander zu vereinen. Dabei hielt man an einer zahlenstarken Infanterie-Besatzung fest, welche mit Maschinengewehren und Granatwerfern ausgerüstet werden und außerhalb des Panzerzuges operieren sollte. Zur Unterstützung der Infanterie wollte man ihnen zwei Panzerkampfwagen 38 (t) auf eigenen Trägerwagen zur Verfügung stellen. Weiterhin sollte es einen Pioniertrupp geben, welcher sich um erforderliche Reparaturen am Panzerzug und der Strecke kümmern sollte. Das Material für die Reparaturen sollte auf den Abstoßwagen mitgeführt werden. Als Bewaffnung sollten die Pioniere über einen Flammenwerfer und Sprengmittel für Angriffe auf befestigte Stellungen oder zur Entfernung von Hindernissen verfügen.
Als Bewaffnung des Panzerzuges sollte ausschließlich Beutematerial verwendet werden. Jeder Panzerzug sollte damit über zwei 7,62-cm-Feldkanonen 295/1 (r), zwei 10-cm-Feldhaubitzen 14/19 (p) und zwei 2-cm-Flak-Vierling 38 verfügen. Die Flakgeschütze sollten nicht nur gegen Luftangriffe verwendet werden, sondern auch in den Erdkampf eingreifen können.
mini|Ommr Linz Der Aufbau der Wagen sollte ausschließlich auf zweiachsigen Fahrgestellen vom Typ Ommr Linz (Radstand 6 m) aufgebaut werden. Lediglich die Panzerträgerwagen waren Sonderkonstruktionen mit einem verlängerten Achsstand von 7 m. Auf allen Wagen konnte nur eine Panzerung von 30 mm Stärke angebracht werden, da sonst das Gewicht der Wagen zu hoch geworden wäre. Somit konnten nur Geschosse bis zum Typ S. m. K. die Panzerung nicht durchschlagen, doch das nahm man in Kauf. In der Forderung der Inspektion 6 hieß es:
Aus der Bezeichnung Behelfsmäßiger Panzerzug 1942 (BP 42) und der noch schwachen Panzerung lässt sich schließen, dass dies nur ein Entwicklungsstand war und man für später verbesserte Panzerzüge plante.
Entwicklung BP 42 Im Januar 1942 erging der Entwicklungsauftrag für den neuen Panzerzugtyp an die Firma Linke-Hofmann in Breslau. Die Konstruktionsunterlagen waren bis zum 20. Juni 1942 erstellt, und man hatte bereits ein Holzmodell gebaut. Nach dem ursprünglichen Plan enthielt dieser Panzerzug zehn Wagen: zwei Gefechts- und Infanteriewagen zwei Kommandowagen, wobei einer mit einer eingebauten Küche und der andere mit einem Sanitätsraum ausgerüstet war zwei Flak- und Geschützwagen zwei Panzerträgerwagen zwei Abstoßwagen
Verteilt waren die Wagen gleichmäßig auf beide Zughälften. Aus Gewichtsgründen konnte man pro Wagen nur ein Geschütz montieren. Auf den Wagen mit dem kleineren Geschütz konnte eine zusätzliche Plattform für die 2-cm-Flak-Vierling 38 aufgebaut werden.
Serienbau BP 42 Beim Serienbau wurden kleinere Änderungen an den Wagen unternommen. Die Haubitzwagen verfügten nun über den Küchen- und Sanitätsraum, und die Infanterie wurde im Kommandowagen untergebracht. Die Panzerplatten mit 30 mm Stärke, wurden von einem ukrainischen Stahlwerk in Krywyj Rih geliefert. Das Gesamtgewicht der Wagen lag zwischen 27,24 t beim Panzerträgerwagen mit Panzer und 37,29 t beim Haubitzwagen. Der Panzerzug erreichte dadurch eine maximale Geschwindigkeit von 60 km/h und hatte eine maximale Reichweite von 180 km. Begrenzender Faktor waren hierbei Kohle und Wasser. Die Stärke der Besatzung und Bewaffnung wurde im Kriegsstärkenachweis (K. St. N. / K. A. N.) 1169x vom 17. August 1942 geregelt. Diese wurde am 1. Februar 1943 von einer Neufassung abgelöst.
Produktion BP 42 Am 17. Juli 1942 wurden die ersten sechs dieser Panzerzüge vom Oberkommando des Heeres bestellt. Diese Panzerzüge erhielten die Nummern 61 bis 66. Die Produktion von jeweils zwei Panzerzügen begannen am jeden Ersten der Monate September, Oktober und November. Beginnend mit dem 15. Oktober 1942 sollten diese in 14-tägigen Abständen fertig werden und der Panzerzug-Ersatzabteilung für die Endausrüstung und Bemannung zugeführt werden. Doch traten bald die ersten Verzögerungen auf. Der erste Panzerzug (Panzerzug 61) war am 23. Dezember 1942 einsatzbereit, der letzte (Panzerzug 66) erst am 23. Juli 1943.
Am 27. April 1943 bestellte das Oberkommando des Heeres eine neue Serie von sechs Panzerzügen, welche die Nummern 67 bis 72 erhielten. Diese sollten jeweils zum Dreißigsten der Monate Juli bis Dezember komplett Einsatzbereit sein. Die Verzögerungen beim Baubeginn waren nun allerdings noch größer. Die Bauarbeiten am ersten Panzerzug dieser Serie (Panzerzug 67) begannen am 15. Mai 1943, die am letzten (Panzerzug 72) am 23. November 1943. Weiterhin wurde der Panzerzug 60 als Typ BP 42 gebaut und als Ausbildungspanzerzug genutzt.
Technische Daten BP 42 Die Wagen des BP 42 waren auf zweiachsigen Fahrgestelle vom Typ Ommr Linz aufgebaut. Die Wagen waren 11,30 m lang und hatten einen Achsstand von 6 m. Der Panzeraufbau war nicht symmetrisch, sondern um 50 cm verschoben aufgesetzt. Auf Fotos kann man erkennen, dass die Wagenmitte nicht mit der Mitte des Panzeraufbaus übereinstimmt. Dies wurde für eine bessere Schwerpunktlage aufgrund der schweren Geschütze durchgeführt. Die Wände des Aufbaus und die Panzerblenden für das Fahrwerk waren vom Rahmen des Wagens ausgehend leicht schräg nach innen geneigt. Die Seitenwände hatten eine Panzerstärke von 30 mm, das Dach eine Stärke von 15 mm. Zusätzlich verfügten alle Wagen über Zugangstüren an den Stirnseiten der Wagen. Diese Türen konnten durch ausklappbare Stahlplatten zu einem Kriechgang verbunden werden. Weiterhin verfügten alle Wagen über eine durchgängige Funksprechverbindung und eine innerhalb der Wagen mit Lautsprechern verbundene Bordsprechanlage. Diese waren fest verbaut und wurden als Fernmeldegerät für Panzerzüge geführt. Für eine Kommunikation nach außen benutzten die Panzerzüge ausschließlich Funk.
Panzerzuglokomotive BP 42 mini|Ungepanzerte Preußische G10 Für den BP 42 wurden durchweg Dampflokomotiven der Baureihe 5710–35 (Preußische G 10) mit zwei Tendern 3 T 16,5 genutzt. Die Panzerlokomotive befand sich in der Mitte mit einem Schlepptender hinter und einem vor ihr. Die Panzerung wurde durch die Firma Krupp in Essen durchgeführt. Diese verlief im Bereich des Triebwerksbereich durchgehend senkrecht mit Türen an jeder Achse. Vor den Zylindern befanden sich eigene Panzerplatten mit verschließbaren Öffnungen. Oberhalb des Rahmens bis zu Kesselmitte folgte eine leicht geneigte Panzerplatte und darauf aufgesetzt eine weitere mit einem stärkeren Neigungswinkel von 25°. Diese schloss über die gesamte Lokomotive bündig ab. Im Bereich des Führerhauses reichte die leicht geneigte Panzerplatte bis zur Mitte der abgeschrägten Panzerplatte des vorderen Bereichs. Die Panzerung am Dach musste aus diesem Grund stärker geneigt werden. Der Übergang zwischen der Panzerung vom Kessel und dem Führerhaus war durch zwei schräggestellte dreieckige Panzerplatten abgedeckt. Dadurch entstanden keine Fangstellen, bei denen Geschosse hätten leichter durchschlagen können. In den unteren dreieckigen Panzerplatten befand sich je ein abdeckbarer Sehschlitz. Die gesamte Lokomotive besaß ein glattes Panzerdach, bei dem lediglich der Schornstein hervorragte. Alle anderen Aufbauten waren abgedeckt und durch Luken erreichbar. An der Front befand sich eine zweiflügelige runde Rauchkammertür. Seitlich waren Leitern angebracht, um an die Wartungsluken zu kommen. Eine Leiter befand sich knapp vor der zweiten Achse und führte bis auf das Dach. Die zweite war in Höhe der fünften Achse und ging bis zur Kesselmitte. Das Führerhaus war hinten mit einer Panzerblende abgeschlossen, die bis zur Oberkante des Tenders herunterreichte. Der Zugang zum Führerhaus konnte mittels einer zweiflügeligen Panzertür verschlossen werden.
Die Tender waren mit einer senkrechten Panzerung bis zur Höhe des Führerhauses ausgerüstet. Ab da wurde die Panzerung stark geneigt und verlief ab der Unterkante der Panzerblende der Dampflokomotive gerade. Eine große Panzerluke ermöglichte es, Kohle einzufüllen und zu verschließen. An der Rückseite befanden sich eine geneigte Panzerplatte und eine weitere große Panzerluke für den Wassertank.
Kommandowagen BP 42 mini|Kommandowagen Der Kommandowagen besaß einen glattflächigen und 10 m langen Panzeraufbau. Dieser war an den Ecken abgeschrägt und 2,10 m hoch. Der Panzeraufbau war am Wagenboden 3,10 m breit und verjüngte sich zum Dach hin bis auf 1 m. Auf dem leicht abgeschrägten Dach befand sich in der Wagenmitte ein Beobachtungsstand, welcher über die gesamte Wagenbreite ging. Der Beobachtungsstand war 1 m breit und 75 cm hoch und konnte mit einem Scheinwerfer ausgerüstet werden. Nach vorne und hinten besaß der Beobachtungsstand je drei Sehschlitze, zu den Seiten je einen. Um die Dachkante des gesamten Panzeraufbaus verlief eine Rahmenantenne. Der gesamte Wagen war 4 m hoch und wog 32,15 t. Dieser Wagen war zweimal in jeder Hälfte des Panzerzuges vorhanden. In einem befand sich der Kommandant des Panzerzuges mit seinem Führungspersonal und Funkern. Im anderen Wagen befand sich der stellvertretende Kommandant. Zusätzlich wurden in beiden Wagen Infanteriekräfte mitgeführt.
Zugang erlangte man durch zwei zweiteilige Flügeltüren an jeder Seite. Weiterhin verfügte der Kommandowagen über zwölf Maschinengewehrluken (je eine an den Ecken, zwei nach beiden Seiten, je eine nach vorn und hinten sowie für die Flugabwehr in den Klappen des Beobachtungsstandes) und 23 Gewehrluken (zehn auf der einen, neun auf der anderen und je zwei nach vorn und hinten). Der Kommandowagen war zusätzlich mit einem 8 m oder 9 m langem Teleskop-Kurbelmast ausgerüstet, welcher an der Spitze zu einer Sternantenne wurde. Dieser Mast konnte seitlich an spezielle Halterungen neben dem Kriechgang montiert werden.
Haubitzwagen BP 42